Orientierung

Der Orientierungszwang des Menschen

Durch seinen graduellen Instinktverlust ist der Mensch ein auf Orientierungshilfen angewiesenes Wesen. Er nutzt dafür seine hormonellen und seine neuronalen Befähigungen, d.h. seine emotionalen und seine rationalen. In beiden Fällen enden sie in Setzungen, deren nichtemotionalen und nichtrationalen Teile er durch Glaubensinhalte füllt.

  • Bei seinen emotionalen Orientierungshilfen geht er von seinen hormonellen Reaktionen auf seine Anmutungen durch seine Umwelt aus, in deren Endstufen von seinen Ängsten und seinem Erleben der Transzendenz. Im Endergebnis ist es seine religiöse Orientierungswelt, gefüllt voller Fantasien, mit einer Götterwelt für jeden existentiellen Lebensbereich. Verbunden mit Orientierungsinhalten, gelebt als Werte, sicherten sie seit der menschlichen Frühzeit auch sein soziales Zusammensein. Alle unsere Religionen und viele Ideologien sind ihre Ergebnisse.

    Mit dem Erkennen ihres unsicheren Hintergrundes gewannen die rationalen Verknüpfungen in seinem Gehirn an Bedeutung. Sie erfassten die Umwelt nach dem Kausalprinzip und schufen damit eine gewisse Orientierungssicherheit. Aus ihnen erwuchsen unsere heutigen Wissenschaften. Das von ihnen nicht zu Erklärende beantworteten auch sie mit Hypothesen, für deren Anerkennung sich Schulen bildeten. Letztlich sind diese alle auch nur Glaubensinhalte. Je weiter sie von unserer realen Alltagsexistenz entfernt sind, um so weniger werden sie infrage gestellt. Vielleicht am deutlichsten ist dies an der „Urknalltheorie“ erkennbar. Sie ist ein reiner Glaubensinhalt, – diesmal ein „wissenschaftlicher“.

Inzwischen haben wir das kausale Erkennen des Seins so weit vorangetrieben, dass wir einerseits erkennen, das alles Sein in sich ein zusammenhängendes, in sich geschlossenes Ganzes bildet, und man ihm wirklich nur in einer komplexen Betrachtung gerecht wird, die sich weitgehend unseren Fähigkeiten entzieht. Stattdessen haben wir durch unsere kausalen Befähigungen, anstelle der uns begleitenden biologischen Umwelt, eine aus ihr abgeleitete kausale Parallelwelt geschaffen, unsere Zivilisation, die immer weiter vorangetrieben in unserer digitalen Umwelterfassung endete und die wiederum zunehmend in der KI, deren Anfänge wir zurzeit erleben. „Quantengesteuert“ (wir wissen letztlich gar nicht, was dabei geschieht, kann sie das Dasein wieder komplex in seiner Ganzheit erfassen und vielleicht eines Tages auf ihre Weise, deren Evolutionsziel (auch das ist nur eine anthropogene Annahme) weiter entgegenbringen. Wir wissen es nicht. Wir wissen auch nicht, welche „Rolle“ wir Menschen dann in dieser Entwicklung noch spielen werden. Noch werden wir in unserem Selbstwertgefühl von unserer Eigenbedeutung getragen, doch wahrscheinlich ist das Zeitfenster für unser Dasein nur sehr klein.

Das Dasein des Menschen vollzieht sich auf mehreren, von einander relativ unabhängigen Ebenen:

  • Da ist zunächst die Genetische. Sie bestimmt seine biologische Einmaligkeit.
  • Dann kommt eine symbiotische hinzu. Es ist seine Gemeinschaft mit den verschiedenen Mikrowelten, über die wir relativ wenig wissen. Bekannt ist das Mikrobiom im Darm, ohne das wir nicht lebensfähig wäre. Es beeinflusst stark unsere Hormonwelt und damit unser Fühlen und Denken. Wir wissen auch, dass Kinder, die in einem bakterienreichen Milieu (z.B. einem Bauernhof) groß geworden sind, später gesünder sind als Stadtkinder und das unsere zivilisatorischen Hygienemaßnahmen uns gesundheitlich oft eher schädigen.
  • Allgemein glauben wir, dass erst unsere Bewusstseinsebene unser emotionales und rationales Dasein bestimmt, psychisch unser unbewusstes, das weitgehend von unseren inneren Hormonflüssen bestimmt wird und diese wiederum von unseren Nervensystemen, den eingefahrenen Transmitterbahnen, unseren seit unserer Kindheit angelegten inneren Prägungsbahnen und verinnerlichten Orientierungssetzungen, die wir als verinnerlichte Werte leben und die weitgehend unsere Reaktionen und unser Handeln bestimmen. Durch sie werden wir so stark von unseren Ideologien gesteuert, besonders unseren Religionen, den nationalistischen und heute zunehmend hypothetisch-wissenschaftlichen.
  • Als letzte Ebene kommt die bewusste, rationale hinzu. Auch ihre Bewegungen sind in unserem Gehirn durch dessen frühen Prägungen und späteren Ausformungen weitgehend festgelegt. Kennzeichnend für seine Ausrichtung sind seine kausalen Orientierungsmechanismen. Dadurch erfassen wir unsere Umwelt nur ursächlich und nicht komplex, was später oft zu Fehleinschätzungen führt. Unser Orientierungsproblem, wie wir die Welt sehen, ist letztlich ein unrealistisches Bild. Wir können gar nicht anders. Seine verinnerlichten Vorgaben bestimmen jeweils unsere Realität. Es ist nicht das tatsächliche Sein.

Wenn wir die Menschheit betrachten, dann hat in ihr jeder einzelne einen anderen Orientierungshintergrund und jeder glaubt, dass der seine der allein richtige sei. Religionen, Nationalismen, Wissenschaften und andere Ideologien bilden mehr oder weniger große Gruppen in ihnen, und je nach dem Grad ihrer Verinnerlichung bestimmen sie unser Verhalten. Millionen Menschen sind z.B. für ihre Religionen in einen Krieg gezogen, haben sich für ihren Gott töten lassen, bzw. für ihre Nation. Tausende Menschen demonstrieren heute für ihre naturwissenschaftlichen „Erkenntnisse“ auf den Straßen, obwohl sie außer ein paar Schlagwörtern kaum Vorstellungen von den dahinter stehenden Problemen haben. Manchmal zeichnen sich zu deren gemeinsamen Lösungen Ziele ab, doch erscheinen deren Realisierungen bei der Menge der Verschiedenheiten kaum möglich zu sein. Wir wissen zum Beispiel, dass eine echte Weltregierung ein solches Ziel im Sinne der ganzen Menschheit sein könnte. Wir wissen auch, dass sich die vielen europäischen Kleinstaaten darin, bzw. zuvor, zu einer geschlossenen Kraft vereinen müssten, doch bräuchten wir dafür bei allen ihren erhaltenswerten Gegensätzen eine übergeordnete gemeinsame Leitorientierung, einen gemeinsamen tragfähigen Leitgedanken. Doch der ist nicht in Sicht. Aber ohne einen solchen dürfte eine tatsächliche europäische Vereinigung nicht möglich sein. Und die fremden Hegemonialkräfte sind an der Pflege der Gegensätze interessiert und deren Geheimdienste finanzieren sie wahrscheinlich auch noch.

Es scheint so zu sein, dass der Mensch für seine Orientierung oft eine höchste Instanz benötigt. Für die meisten von uns ist es ein Gott, der uns meistens in unserer Kindheit nahe gebracht wird und dann von uns in unserer Prägungsphase verinnerlicht wird. Bereits die antiken Griechen erkannten, dass es sich dabei nur um eine Setzung handelte, und mit zunehmender Rationalisierung ihrer Orientierungsinhalte distanzierten sie sich von ihren alten Gottesvorstellungen.

  • Platon behielt noch die Vorstellung einer Seele in seinen Überlegungen. Seine Tugenden setzten die inneren Wertvorstellungen als wichtigste Orientierungsinstanzen.
  • Für den Hedonismus der Epikureer wurde die Seelenruhe zum höchsten Lebensziel,
  • für Zenon von Kition waren es dann die Stoa-Werte, die als Philosophien noch lange bei den Römern zu entscheidenden Orientierungsinhalten wurden. Seneca, Epiktet und Marc Aurel gehörten zu ihren wichtigsten Vertretern. Ihre größte Bedeutung erlangten sie, als sich ihre Anhänger mit einer kleinen jüdischen Sekte vereinten und aus dieser Verbindung dann in der Nachfolge das Christentum hervorging. In ihm vereinten sich
    • die Gottesvorstellungen einer kleinen jüdischen Sekte,
    • die Seelenvorstellungen Platons,
    • die Verhaltensregeln der Stoa (Selbstbeherrschung, Gelassenheit, Einklang mit der Natur, Vernunft),
    • der universelle Missionsauftrag von Paulus. Verbunden mit den Machtvorstellungen der damaligen Herrscher (Konstantin) wurde es zur bestimmenden Religion in Europa.

Alle unsere Orientierungsinhalte sind anthropogene Setzungen, die auf genetische Besonderheiten eines Menschen zurückgreifen, auf seine kausalen Schlussfolgerungen aus seinen Beobachtungen und Erfahrungen, die wir weitgehend ohne eigene Beteiligung an ihnen in unserer Prägungsphase übernommen haben und heute moralisch als Wert oder rational als Erkenntnis leben. Alle unsere Setzungen sind damit Kinder unserer Zeit und unserer Kultur, die uns völlig fremd, sogar abwegig erscheinen, wenn die geistigen Gegebenheiten aus denen sie gewachsen sind, uns fremd sind. So hat sich im Laufe der Zeit darüber was für uns ein Kunstwerk ist, oft gewandelt. In der Antike war es die Vollkommenheit einer handwerklichen Technik, dann der geistige Gehalt des Dargestellten und heute jeweils die psychische Befindlichkeit eines Künstlers, die man oft mit einer anderen psychischen Konstellation nicht nachvollziehen kann (wie z.B. die realistische skulpturale Notdurft auf einem Tablet, so in der Bielefelder Kunsthalle ausgestellt gewesen). Mit unseren Orientierungen bewegen wir uns zwar in unserer jeweiligen Gegenwart, oft ausgerichtet auf eine bevorstehende Zukunft, aber immer orientiert an einer Vergangenheit, sei es aufgrund einer Erfahrung oder einer Erkenntnis. Unser heutiges Problem ist, dass wir als einzelne Individuen nur Bruchteile des Wissens haben, den die Millionen hochspezialisierter Wissenschaftler und Techniker uns zur Verfügung stellen. Wir wissen es dort vorhanden. In seiner abstrakten Verfügbarkeit verstehen wir es aber meistens gar nicht oder wenn ja, dann nur oberflächlich oder partiell. Als Rettung zeichnet sich die KI ab, die uns in Sekunden dann trotzdem Antworten auf unsere Probleme geben kann, bzw. geben wird.  Wir werden es damit gar nicht verhindern können, dass sie zunehmend die Führung auf der Erde übernehmen wird. Nachdem sich der Mensch selber aus seiner evolutionären biologischen Welt gelöst hat, besitzt er gar keine andere Alternativen. Alle anderen Vorstellungen sind Illusionen, Selbsttäuschungen. Mit der KI beginnt eine neue erdgeschichtliche Epoche auf der Erde und der Mensch hat darin nur die Möglichkeit sich einen artgemäßen Nischenplatz zu schaffen.

Drei Orientierungsschwerpunkte bestimmen das Denken des westlichen Menschen:

  • Da ist zunächst der einer liberalen Demokratie. Gemeint ist damit zunächst die eigne als die wahre, fußend auf einer dreigliedrigen Gewaltenteilung und der Abwählbarkeit ungewünschter Regierungsspitzen. Einst geboren in der Philosophie der Aufklärung und einer Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen. Diese Überlegungen wurden inzwischen pervertiert und auf einer grundsätzlichen, völligen, auch biologischen Gleichheit übertragen und in der Gewaltenteilung das Recht nach den Vorteilen des jeweils Stärkeren ausgelegt, und wo das nicht möglich war, mit Hilfe der Bürokratie erstickt (Bielefelder Methode: Vorgänge zu den Akten zu legen und zu warten bis der Sachverhalt sich durch den Tod eines Betroffenen von allein erledigt).

  • Dann ist es in unserer Gesellschaft der Feminismus. Einst geboren auf dem Hintergrund einer Forderung nach einer berechtigten rechtlichen Gleichheit, wurde er zu einem Kampf der Geschlechter um Privilegien. Biologische Hintergründe wurden verdrängt. „Wissenschaftlich“ wurde die Gleichheit inzwischen in allen Lebensbereichen bewiesen. Und wo das nicht möglich war, entsprechend zurechtgebogen. Vorstände sollen paritätisch besetzt werden, selbst wenn es von einem Geschlecht dafür keine möglichen Vertreter gibt.

  • Der dritte große Orientierungsbereich ist der Umweltschutz und in ihm integriert der Klima-, Arten- und Naturschutz. Auf einige sich abzeichnende negative Fakten unserer Zivilisation verweisend, wurde er auf der einen Seite sehr stark emotionalisiert, während ihm auf der anderen Seite aus Gewinnüberlegungen stark entgegengetreten wird. Sein zentraler Inhalt ist der menschliche Energiebedarf und damit die Funktionsfähigkeit unserer Zivilisation und das Ausleben unserer hedonistischen Lebensformen, unser gegen unsere biologische Umwelt gerichteter Komfort, auf den wir nicht verzichten wollen. Wir wissen zwar über die inneren Zusammenhänge der Natur in ihrer Komplexität immer noch wenig und haben ihr gegenüber auch weitgehend unseren emotionalen Bezug verloren, während wir gleichzeitig von einem Detailwissen über sie erstickt werden. Doch empfinden wir die um uns sich auswirkenden Veränderungen für unsere Art als eine Bedrohung.

Zu diesem westlichen geistigen Orientierungskonzept kommt das der politischen Kräfte, der hegemonialen Interessen. Wir in Europa sind dabei ein Spielball der amerikanischen. Der Grönlandkonflikt macht das besonders deutlich.  

Wir Europäer pochen auf die „Richtigkeit“ unserer europäischen Orientierungswelt und verhalten uns dabei wie bei den früheren religionskämpfen. Die eigene Ansicht ist folgerichtig und wahr, während die anderen menschenverachtend und falsch sind. In der Diskussion werden die eigenen positiven Seiten betont und bei den anderen die negativen hervorgehoben. Wir befinden uns mit den anderen Orientierungswelten durchaus in einem aktiven Kulturkampf. Wir fördern in ihnen finanziell uns nahe stehende Oppositionsgruppen bis zu deren Aufständen, bzw. Bürgerkriegen. Das ist einst in der Ukraine bei der Maidanrevolution geschehen oder heute in der islamischen Welt bei dem Unterdrückungsgedanken der dortigen Frauen, besonders in Afghanistan und dem Iran. Dass es in der islamischen Welt auch andere, auch von den dortigen Frauen positiv gesehene Verhaltensweisen gibt, wird bei uns völlig außer acht gelassen. In der allgemeinen Diskussion gibt es sie nicht. Wir haben in der globalen Welt keinen rationalen Orientierungswettbewerb, nur machtinteressierte Orientierungskämpfe.  Und sie finden hauptsächlich zwischen den Hegemonialmächten und deren Satellitenstaaten statt, zu den wir in Europa auch gehören.

Unsere Existenz wird weitgehend von unseren Orientierungsinhalten bestimmt. Sie sind weitgehend die verinnerlichten Ergebnisse der Kultur, in die wir hineingeboren sind. Letztlich nur die erfahrenen Ergebnisse fremder Setzungen, fremder Zeiten. Sie sind für uns unsere existenzbestimmenden Lebensinhalte, allerdings bei genauer Betrachtung je nach Kultur austauschbar. Wir können sie nicht streichen, weil wir ohne sie hilflos sind. Allerdings wird es eine ethische Frage der KI-Welt sein, inwieweit viele ihrer Inhalte für das menschliche Sein, das biologische Sein tatsächlich bedeutend sind. Daran wird sich wahrscheinlich eines Tages die Zukunft der Menschheit entscheiden.

Unsere Wirklichkeit ist dasjenige, was unsere Verbindungen in unserem Gehirn uns sagen, was unsere Sinne in uns anregen, welche Prägungswege in unserem Gehirn vorhanden sind und wie dann unsere neuronalen Impulse in ihm elektrisch und chemisch übersetzt werden. Es ist jeweils unsere persönliche Realität, die mit der tatsächlichen oft wenig gemein ist. Unsere Welt ist nicht die reale Welt. Sie ist nur deren Bild, zusammengesetzt aus

  • unserer DNA (und darüber dem Aufbau unseres Gehirns und unserem Stoffwechsel),
  • unseren inhaltlichen Prägungen (den verinnerlichten Setzungen unserer Gesellschaft),
  • der Tätigkeit unseres Mikrobioms,
  • unseren Sinneswahrnehmungen (und damit auch deren Grenzen),
  • unserem Wissen (unseren Informationen).

Es ist bei jedem Menschen anders.

Alle unsere Wahrheiten sind nur rationale Blickweisen auf kausale Beobachtungen. Damit sind sie von vornherein inhaltlich in einem komplexen Sein begrenzt. Darüber hinaus erfahren sie noch ihre weiteren Begrenzungen durch die Grenzen

  • unserer Sinne,
  • unsere Prägungen (Werte),
  • unsere emotionalen Filter (besonders unsere Ideologien).

Wir können gar nicht anders. Alle unsere Wahrheiten sind nur zeitgebundene „Erkenntnisse“ und damit von vielen Vorgaben abhängige Orientierungsinhalte. Früher wurden wir wahrscheinlich stärker von emotionalen Entscheidungen bestimmt, die im Laufe der Zeit zunehmend von rationalen abgelöst wurden, die dann zum Hintergrund unserer heutigen  Zivilisation wurden und die zurzeit dabei sind, sich als KI zu einer eigenen evolutionären Kraft zu entfalten, zu verselbständigen. Unsere Wissenschaftler interpretieren je nach ihren Grundorientierungen ihre Forschungsergebnisse oft verschieden, in den Sozialwissenschaften sogar gegensätzlich (z.B. bei den Effekten des Mindestlohnes auf den Arbeitsmarkt oder der Bewertung von Wohlfahrtsprogrammen). Ihre Grundhaltungen beeinflussen ihren Blick auf ihre verschiedenen Daten, deren Auswahl und deren nachfolgende Bewertung.

Welchen rationalen Wert haben Religionen, die an die Jungfrauengeburt ihres Idols glauben, an die Stellvertretung Gottes ihres Sektenführers? Wir glauben und hinterfragen nicht deren Inhalte. Und es gibt genügend Interessierte, die daraus ihren Status beziehen und an der Pflege dieses Glaubens interessiert sind. Für Götter wurden gewaltige Tempel geschaffen und ganze Völker mobilisiert. Eigentlich dienen Religionen nur als Kräfte mobilisierende, wertgebende Orientierungen. Ihre Vielzahl zeigt, dass sie genau genommen beliebig austauschbar sind. Manche von ihnen untergliedern sich in zigtausend Sekten (das Christentum angeblich in ca. 30.000?), die alle von der Richtigkeit ihrer Thesen überzeugt sind, die aber zugleich, – von außen betrachtet-, ihre Austauschbarkeit deutlich machen. Was ist das für ein religiöses Verhalten, wenn im Lippischen eine Bruder seine Schwester tötet, weil diese in einem anderen Kulturbereich einen Andersgläubigen liebte, wenn seine Handlung ein Familienbeschluss war, weil er der Jüngste war, und damit in der neuen gesellschaftlichen Umgebung die geringste Strafe zu erwarten hatte.           

Orientierungsmäßig wehren wir uns heute in unserer Gesellschaft gegen verschiedene Ideologien und bezeichnen sie dann abwertend als links, rechts oder gar als faschistisch (ohne in der Regel zu wissen, was darunter eigentlich zu verstehen ist). Auffallend ist, dass sie alle, aber besonders die letzteren auf uralte menschliche Beweghintergründe zurückgreifen:

  • auf das Religiöse (eine mythische Vergangenheit),
  • auf das Nationale (auf die historische Größe der eigenen Nation),
  • auf die Gemeinschaft (auf das Wohlfahrtsgeschehen in einer Volksgemeinschaft).

Populistisch werden dann Polarisierungen angestrebt:

  • die Schaffung eines Klimas der Angst,
  • gezielte Polarisierungen,
  • Feindbilder geschaffen (gegen die Migranten, in Polen gegen die Deutschen, die Queeren),
  • Institutionen umgebaut,
  • der Rechtsstaat abgebaut (Attacken gegen die Justiz, Medien, Hochschulen).

Der polnische Nationalismus der einst seine Kraft

  • einerseits aus einer Forderung nach einem ethnischen und sprachlich reinen Siedlungsgebiet und einem durchgehend bestehenden konservativen Katholizismus bezog (gewachsen gegen den preußischen Protestantismus und die  russische Orthodoxie) und
  • andererseits einem lange kultivierten Feindbild gegenüber den Juden (letzte Vertreibung durch die Beteiligung am Holocaust und dann nach dem Zweiten Weltkrieg) und den Deutschen (besonders heute von der PiS gepflegt), den Russen und der EU. Seine Schwächung Europas und die Anbiederung an die USA verhindern u.a. eine enge Vereinigung der europäischen Kleinstaaten zu einem Staatenbund.

Unserer rationalen Orientierung steht unser Hedonismus gegenüber. Was würde z.B. ein Böllerverbot zu Sylvester helfen, wenn viele Personen sich nicht daran halten? Was helfen Mahnungen gegen das Rauchen oder der Alkoholkonsum, wenn sie der zentrale Inhalt ganzer Volksfeste, Urlaubsinhalte (Ballermann) und Kulturen sind? Wie kann man nicht nur Kindern gegenüber den gesundheitsschädlichen Zuckerkonsum einschränken? Wir wissen alle um deren Gefahren, doch unser dopamingesteuerter Hedonismus schiebt alle unsere guten Vorsätze und unser Wissen zur Seite. Der Genuss ist ein wichtiger Orientierungsinhalt des Menschen. Er gehört für viele Menschen zu einem erfüllten Dasein dazu. Doch wo und wann sollen wir ihm Grenzen setzen? Das ist leicht gesagt, doch auch dazu gehört eine gewisse Kraft. Auch das frei sein von inneren Zwängen besitzt einen Erlebniswert.

Bei genauerer Betrachtung stellt sich der Mensch als ein viergeteiltes Wesen dar. Alle vier Teile bestimmen seine Persönlichkeit. Da sind:

  • zunächst sein Darm in Symbiose mit seinem Mikrobiom und seine Organe, die seinen Hormonwelt und seinen Stoffwechsel bestimmen,
  • seine Sinne, die das Sehen seiner Welt bestimmen,
  • sein Gehirn, das die Bilder seiner Welt schafft,
  • sein Geschlecht, das seine Fortpflanzung und damit seine existentielle Bewegung in die Zukunft bestimmt.

Real sind für uns nur der Inhalt und die Vorgänge in unserem Gehirn, – und nur das. Alles andere kann uns letztlich egal sein. Dabei können wir für uns verschiedene Gestalten annehmen.

  • Wir können bewusstseinsmäßig einfach nur da sein, mit unseren Sinnen unsere Umwelt wahrnehmen und mit den Bewegungen in unserem Gehirn ihnen folgen.
  • Auf einer zweiten Ebene können wir sie mit unseren Gefühlen und Gedanken verbinden. Dadurch erhält unsere Umwelt unsere persönlichen Farben. Sie ist nicht mehr so wie sie ist, sondern so wie wir sie fühlen und denken. Unsere Wertwelt fließt in sie ein und darüber unser spezifisches Sein und unsere Prägungen.
  • In unserer Zivilisation trennen sich allerdings unsere Gefühle und Gedanken weitgehend von unserer unmittelbaren Sinnes-, Erfahrungswelt. Sie folgen fremden Informationen. Betroffen davon sind eigentlich nur unsere Werte. Das Geschehen betrifft uns nicht wirklich. Trotzdem aktiviert es unsere Hormonwelt und darüber auch unsere Gehirnaktivitäten. Wenn diese aus ihren Gleichgewichten geragten, gelten wir als krank. Wir genesen, wenn es gelingt, unseren Gehirnaktivitäten andere Beschäftigungsinhalte zu vermitteln. In unserer heutigen Welt wird es ständig mit fremden Inhalten gefüllt, so dass wir uns als Wesen immer mehr von der Welt entfernen, für die wir uns einst in unserer Evolution entwickelt haben. In einem fließenden Prozess werden wir einerseits zunehmend zu den ideologischen Kindern unserer Setzungen, wobei diese durch ihre anthropogenen, kausalen Bindungen in einem gewissen Widerspruch zur Komplexität des universellen Seins stehen und andererseits dazu in einer gewissen Distanz stehend, sich zunehmend in eine neue zivilisatorische, energetische Welt bewegen, die den früheren, historischen Menschen über sich selbst optimierende Maßnahmen vergessen lassen. Zurzeit befinden wir uns noch in einer Zwischenwelt und schließen möglichst die Augen vor dem, was auf uns zuzukommen scheint. Wir reagieren darauf, indem wir für jeden einzelnen eine größere Welt der Freiheiten einfordern, damit er sich darin, je nach seiner biologischen Konstellation und seinen Prägungen möglichst ungehindert ausleben kann. Biologisch eigentlich ein Sozialwesen soll sich jetzt jeder gemäß seinen inneren Orientierungen ausleben, bzw. verwirklichen können. Sein Gehirn wird von Interessengruppen mit zeitabhängigen Inhalten gefüllt und die kulturelle Zivilisation schreitet derweil ungehindert weiter. Noch wird uns die transhumanistische Welt als Drohung geschildert, doch sie zeichnet sich in ihren Anfängen bereits als die vor uns sich abzeichnende Zukunft ab. Durch die vielen Rivalitäten zwischen den menschlichen Gruppen, wird sich diese Entwicklung nicht verhindern lassen. Im Silicon Valley träumt man davon, dass man als Führungsgruppe in seinen weltbeherrschenden Vorstellungen die Entwicklung wird lenken können. Aber auch das wird nur ein Wunschdenken sein, wenn sich die energetischen Quantenentwicklungen sich weiterentwickelt haben. Man kann zurzeit den Eindruck haben, dass Milliarden Menschen sich selbst verwirklichend (sie leben ja nur 70 – 120 Jahre) sich auf dem Weg zu einem Totentanz ihrer Art befinden.

Unser Dasein wird bewusstseinsmäßig von unseren jeweiligen Gehirninhalten bestimmt, auf die wir wiederum einen entscheidenden Einfluss haben. Alle psychischen Beratungen, meditativen Übungen, Achtsamkeitslehrgänge zielen daraufhin ab. Wir müssen uns dieser Banalität nur bewusst sei, um uns selber dorthin zu bringen. Oft nur mit einigen geringen Änderungen unserer Gehirninhalte, oft etwas schwieriger über unsere Hormonbeeinflussung und damit unsere neuronalen Aktivitäten. Wir haben es weitgehend in unserer Hand und damit unsere Dopaminausschüttungen, unser gefülltes Glück.

Unsere Sinne sind von Ihrer Natur her nur auf eine mittlere Wahrnehmungsebene unserer Erde bezogen. Die große Welt der Planeten, der Galaxien, des Universums ist ihm eigentlich fremd und erschließt sich uns nur über Hilfsmittel und Hypothesen zu ehrfurchtsgebietenden Bildern. Genauso wenig erschließt sich uns die Mikrowelt auf allen ihren evolutionären Ebenen. Das gilt für

  • die physikalische Welt, in der wir mit Hilfsmitteln bis zu den Quanten vorgedrungen sind, die wir in ihren Gesetzmäßigkeiten selbst hypothetisch überhaupt nicht verstehen,
  • chemische und die biologische Welt. In Letztere haben wir über die DNA und verschiedene Eingriffstechniken wie CRIPR/Cas 9, Talens und Prime Editing eine gewisse Vorstellung. Aber dass es in einem Liter Wasser Milliarden Kleinlebewesen sich befinden entzieht sich unserem Vorstellungsvermögen.

Vieles, was unser Gehirn betrifft, ist uns noch unbekannt. So z.B. sein wahrscheinliches Mikrobiom. Man hat es trotz intensivster Forschung bisher noch nicht gefunden. Man schließt auf sein Vorhandensein nur wegen seiner gefundenen Stoffwechselprodukte.

Was wir sind, können wir begrenzt selbst bestimmen, indem wir unserem Gehirn bewusst die Inhalte geben, d.h. die Gedanken, mit denen es sich beschäftigen soll. Viele psychologisch orientierte Schulen vermitteln heute dazu Befähigungen. Der positive Gedanke, die Atmung und die Achtsamkeit stehen dabei im Vordergrund. Allerdings handelt es sich hier auch um einen bewusstseinsmäßig nebulösen Bereich. Viele Schulen und deren Erfolge basieren hier wahrscheinlich auch auf einem Placebo-Effekt (helfendes Ergebnis ohne reale tatsächliche Hilfsmittel). Man vermutet dies heute u.a. bei verschiedenen Yoga-Schulen z.B. Bier-Yoga).

Wir sind die Spiegelbilder unseres Gehirns, das wir neben seinem biologischen Hintergrund dabei sind, es zunehmend in unseren ideologischen Orientierungsvorgaben, in seinen Funktionsabläufen neu zu formen. Wir werden dadurch zu anderen Menschen. Unser biologisches Gehirn besteht entwicklungsmäßig aus drei Teilen:

  • Das älteste Teil ist das Stammhirn. Es verbindet das Rückenmark mit dem Großhirn und steuert uns in allen unseren wichtigen Lebensfunktionen wie Herzschlag,Atmung, Blutdruck, Reflexe oder unseren Wach-Schlaf-Rhythmus. Der Hirntod beendet diese Funktionen.
  • Hinter dem Stammhirn und unter dem Großhirn befindet sich das Kleinhirn. Obwohl es nur 10 % der Hirnmasse ausmacht, enthält es 50 % seiner Neuronen (Nervenzellen). Es bestimmt unsere Körperhaltung, koordiniert unsere Bewegungen und beteiligt sich wahrscheinlich auch an unseren kognitiven
  • Der für uns bekannteste Teil ist das Großhirn. Es besteht aus einer grauen Substanz(Kortex) und einer darunter liegenden weißen. Es gliedert sich in zwei Hemisphären, die über den Balken miteinander verbunden sind. Die linke Hälfte dominiert im Sprach- und Denkbereich, die rechte bei der Kreativität und dem Räumlichen Denken. Ihre Vernetzung soll bei den Geschlechtern verschieden sein. Es wird in vier „Lappen“ eingeteilt, die jeweils für verschiedene Aufgaben zuständig sind. Der
    • Stirnlappen (Frontallappen): Er umfasst 1/3 der Großhirnrinde und ist besonders für unser unsere kognitiven Prozesse und für unsere Motorik zuständig.
    • Scheitellappen (Parietallappen): Er bezieht sich besonders auf unser räumliches Denken),
    • Schläfenlappen (Temporallappen): Er ist besonders für unser Hören, das Sprachverständnis und die Gedächtnisbildung zuständig.
    • Hinterhauptlappen (Okzipitallappen) am Schädelende. Er betrifft besonders unseren die visuellen Informationen. Außer diesen vier Lappen werden in manchen Arbeiten noch genannt, die
    • die Insellappen: Sie werden von den vier Lappen überwachsen und integrieren verschiedene Körperfunktionen.
    • das limbische System: Es umfasst die Innenseite der Großhirnrinde, beinhaltet u.a. den Hippocampus und ist wichtig für unsere Emotionsverarbeitung und das Langzeitgedächtnis.

Das Großhirn verarbeitet die Sinnesreize und unsere Emotionen und steuert darüber unsere bewussten Handlungen. Es bestimmt unser Denken und unser Gedächtnis. Dafür verbraucht es einen Großteil unseres Sauerstoffs und unseres Energiebedarfs. 

Früher beschränkte sich unsere Neuronenwelt auf eine relativ kleine inhaltliche Reizwelt, die Sippe, den Nahrungserwerb, mögliche Bedrohungen und die jeweiligen Umweltbeobach-tungen. Daraus ergaben sich die lebenswichtigen Orientierungsinhalte. Durch die Naturnähe entstand eine größere Nähe zur Transzendenz, durch das Erleben des Todes, der Wunsch nach einem Fortbestehen danach. Die sexuell aufgeladenen Statusregeln schufen die Helden-figuren. Alle damaligen drei Beschäftigungswelten daraus mythische Orientierungsschwer-punkte, zu denen sich dann mit der Sesshaftwerdung der Menschen auch soziale Verhaltensregeln entwickelten. Aus dem allem entstanden dann unsere Religionen. Rationalisiert wurden sie zu einem zentralen Inhalt der allmählich sich entwickelnden Großgruppenorientierung und darüber die ihres inneren Zusammenhalts. Verinnerlicht bestimmen sie noch heute das Verhalten vieler Menschen. Je größer die sozialen Gebilde wurden, umso stärker wurden die emotionalen Orientierungsinhalte durch rationale verdrängt, zunächst über die Philosophie und dann über die Verselbständigung vieler ihrer Beobachtungs- und Denkbereiche, durch die Wissenschaften, die dann als Gegengewicht zur beobachteten unmittelbaren Natur unsere Zivilisationen schufen, mit der zugleich in unseren Gehirnen eine Entfernung von unseren biologischen Ursprüngen einsetzte. Unsere Gehirne wurden mit Abstraktionen vollgeschüttet. Unsere Synapsenwelt verlor zunehmend ihre einst harmonischen Gleichgewichte. Sie ist gefüllt mit irrlichternden Inhalten, die fern von unserer Lebenswelt sind, unsere psychischen Gleichgewichte zerstören und uns krank machen, in den zunehmenden Extremfällen uns auf dem Weg zu einem Psychiater bringen. Wir können gar nicht anders. Die heutigen Inhalte unseres Gehirns sind nur noch beschränkte Inhalte unserer gelebten Existenz. Unser Schlaf sollte sie eigentlich wieder ordnen, doch ist auch er damit zunehmend überfordert. Unsere Transmitter überschüttet sie mit Reizen, und wir geraten in mentale Zustände, die uns eigentlich überfordern. Unser Gehirn reagiert auf seine Umwelt und wird dieser in ihrer Komplexität genau genommen nicht mehr gerecht. Wir befinden uns in einer andauernden Aufmerksamkeit und Wachheit (Vigilanz) und damit in einer paradoxen Bewusstheit.   

Wie schon die frühen Menschen festgestellt haben, erlebt sich der Mensch als ein Doppelwesen, bestehend aus einem fleischlichen Teil und einem, den sie früher nicht zuordnen konnten, seine „Seele“, die sie rational nicht verstehen konnten und ihr die verschiedensten Eigenschaften zusprachen, u.a. ihre Unsterblichkeit, bzw. ihre Nähe zu einem über allem Sein stehenden Gott. Heute besteht für uns der leibliche Teil aus einem Konglomerat verschiedener Zellen, die sich zu verschiedenen Organen mit verschiedenen Aufgaben vereinigt haben und einer weitgehend noch unbekannten Vielzahl symbiotischer Mikroorganismen. Die frühere Seele ist für uns unser Bewusstsein, unser für unsere Orientierung in unserer Umwelt jeweils vorhandener elektrische und chemische Zustand in unserem Gehirn. Seine inneren Verbindungen entscheiden, was wir denken und fühlen und damit, was wir jeweils sind. Früher bezogen sich die Menschen über ihre Sinne verstärkt auch auf die Inhalte ihrer Umwelt., ihrer Erfahrungswelt. Heute werden die Bewegungen in unseren Gehirnen zunehmend von fremden Gegenständen bestimmt, die uns sogar beherrschen, krank machen können. Wenn wir uns dessen bewusst sind, können wir sie oft steuern und uns wieder verstärkt auf uns bereichernde Inhalte beziehen. Damit wird unser Bewusstsein allein zu einer fassbaren Größe in unserer Gegenwart und unsere Seele allein zu einer religiösen Größe des Glaubens. Im kulturellen Bereich wird das Bewusstsein oft als „Geist“ angesprochen. Dabei wird es auf den Menschen positiv erhebende geistige Inhalte reduziert. Für uns ist es allein ein momentaner Synapsenzustand in unserem Gehirn, den wir für einen Augenblick bewusst erleben. 

Als bewusste Personen sind wir nur die Ergebnisse unserer Transmitterbewegungen in unserem Gehirn.

Und unsere Transmitterbewegungen sind die chemischen und elektrischen Ergebnisse unserer genetischen Vorgaben, unserer Prägungen, unseres Mikrobioms, d.h. unserer hormonellen Vorgaben.

Wir können sie aktivieren, ihnen über unsere Sinne eine Richtung geben. Sie können in uns Gewohnheitsbewegungen einnehmen, auch solche, die wir als krankhaft empfinden. Immer sind sie aber nur ein Zusammenspiel von aktivierten Transmittern, immer nur eine relativ zufällige Zusammenkunft einer persönlichen Summe aktivierter Neuronen.  In unserem Alltag sehen wir diesen Zustand als das Bewusstsein an. Dabei niemand wagt zu sagen, was darunter eigentlich zu verstehen ist. Schon immer war dies ein Streitbereich der Philosophie gewesen, dann in der Psychologie und heute in den Neurowissenschaften. Schon früh wurde es als eine Realität unabhängig von der Materie angesehen, zunächst als Seele, später als Geist. Noch heute wird es als das Unsterbliche des Menschen angesehen. Unzählige Personen glauben auch heute noch an deren Unsterblichkeit, an ein Leben nach ihrem Tod. Laut World Values Survey (2024) u.a. in

  • Deutschland 39,4 %,
  • Italien 49,4 %,
  • Polen 64,2 %.
  • Frankreich 41,2 %,
  • Russland 38,7 %,
  • Spanien 38,1 %,
  • Türkei 91,8 %,

Damit geben sie weiterhin der Menschheit und damit auch sich immer noch eine Sonder-stellung im Dasein, in der Natur. Die heutigen Neurowissenschaften sehen in der Regel das Bewusstsein als eine komplexe, neuronale Aktivität (Zustand) und glauben, dass es im Gehirn verbindende, bisher nicht gefundene Korrelate gibt (Neutral correlates of consciousness = NCC).         

In unserer Kultur wissen wir in unserem Alltag nicht, was ein Bewusstsein ist. In dieser Unsicherheit wir ihm vieles zugeschrieben. Es ist etwas, was wir in uns beobachten, genau genommen in unserem Gehirn, ein aktuelles, neuronales Ergebnis unserer Sinne, Gefühle und Gedanken, das in uns in einem bestimmten Augenblick besteht. Es ist kein fester Zustand, sondern ein von Transmittern ausgelöster fließender, komplexer Reizzustand unserer Nervenzellen, der uns für unsere Orientierung ein mentales Bild unserer Umwelt liefert. Dabei sind für das bestehende Bild die verschiedenen Verbindungen unter den Synapsen entscheidend. In jedem Augenblick sind es andere, bei allen Menschen sind es andere. Ihre Verbindungen stellen für uns unsere Welt dar, die wir zu erkennen glauben. Wir nehmen über sie nicht nur unsere Umwelt wahr, sondern auch uns selber. Wir sind darüber von unserer Natur her auch Sexualwesen, kämpfen darüber in unseren Gemeinschaften um unsere soziale Stellung, verdrängen über unsere zivilisatorischen Setzungen, d.h. unsere Ideologien aber auch diese Bindungen, bringen unsere neuronalen Grundverbindungen aus ihren evolutionären Gleichgewichten und werden psychisch krank, bzw. versuchen durch zivilisatorische Optimierungen andere zu werden, ein neues Wesen als Zwischenglied zur KI.

Unsere Welt ist unsere Orientierungswelt. Dabei lässt die Plastizität unserer Neuronen uns sie immer anders erleben. Heute sind wir in unserer Zivilisation ständig auf der Suche nach unserer Selbstverwirklichung, in der wir unser wahres Glück sehen. Dabei sind deren Ziele eigentlich nur Inhalte unserer genetischen Ausstattung und unserer verinnerlichten Prägungen. Kommen sie zu einer Realisierung, kommt es zu Dopaminausschüttungen, die wir dann als Glück empfinden. Allerdings gibt es dafür auch andere mögliche von unserer biologischen Natur her bestimmte Hintergründe, die in der Erringung von Statusebenen, Empathie oder einem Einswerden mit der Natur, der Transzendenz ihr größtes Glückserlebnis zu finden. Glauben. Ein Empathieverhalten scheint dabei heute die aussichtsreichste Möglichkeit zu sein.

Unser aktuelles menschliche Problem ist, dass wir inzwischen andere geworden sind als diejenigen, als die wir uns einst in der Natur in unserer Evolution entwickelt haben. Wir sind auch Kinder unserer verschiedenen Kulturen und geraten dadurch in unseren biologischen Abläufen in Widersprüche, die wir als psychische Leiden dann zu spüren bekommen. Zunächst als biologische, instinktive Neuronenbesitzer lebend, öffneten wir uns für kulturell gesteuerte chemische und elektrische Transmitterbewegungen der Synapsen. Der Mensch musste sich zwar einerseits neu orientieren, schuf dabei aber gleichzeitig Ansätze für eine neue energetische Welt, die er im Laufe der Zeit immer mehr bis zu ihrer Selbständigkeit vervollständigte. Mit dem Erreichen ihrer abstrakten digitalen Autonomie und damit den ersten Schritten zur KI hat er dies erreicht. Ihre Vervollkommnung dürfte sie jetzt alleine fortsetzen. Die Uneinigkeit unter den Menschen, ihre Versuche der gegenseitigen Schädigung dürften ihr dabei entscheidend auf dem Weg zu ihrer Autonomie helfen. Alles auf der Erde wird algorithmisiert und auf Plattformen zusammengeführt. Für den historischen, biologischen Menschen verbleibt nur ein noch Schattendasein. Die digitale Welt erhält eigene reale Konturen. Zurzeit üben noch die Techkonzerne über die Menschheit ihre Herrschaftsambitionen aus. Doch den historischen biologischen Menschen gibt es immer weniger. Die Abläufe in seinem Gehirn werden kaum noch von naturnahen Inhalten bestimmt und auch seine aktuelle Kultur ist ihn optimierend auf dem Weg zu Avataren ausgerichtet. In unserer kleinen, engen Alltagswelt bemerken wir es nur nicht, bzw. verdrängen diese mögliche Zukunft. Selbstverwirklichend folgen wir allein der Suche nach unserem persönlichen Glück, unseren täglichen Dopamin-ausschüttungen. Drogen helfen uns dabei, besonders Zucker und Alkohol. Da wir heute als Lebende sterblich sind, werden wir selber diese Entwicklung nicht erleben. Die universelle Energie folgt ihren eigenen Gesetzen, und wir werden sie nicht aufhalten können, vielleicht nur für unsere Art für eine gewisse Zeit eine gewisse Nischenexistenz schaffen. Dafür müsste sie aber ihre aktuellen Zwistigkeiten vergessen und gemeinsam auf ein solches Ziel hinarbeiten. Als perspektivische Aussicht würde dies sozial für uns in Europa zunächst bedeuten, uns zu einer echten europäischen, demokratischen Vereinigung möglichst bald zu führen und möglichst bald auch zu einer demokratischen Weltregierung mit einer alle umfassende Humanitätspflege als die verbindende Leitkultur.

Was am heutigen Menschen entspricht noch dem in seiner Evolution entstandenen  biologischen Menschen. Es ist immer weniger und seine ständigen Bemühungen sich zu optimieren fördern noch diese Entwicklung. Geändert haben sich:

  • seine Umwelt, seine Sinneswahrnehmungen und damit
    • die Reizwelt für seine Organe und damit seine Hormonproduktion und deren Gleichgewichte,
    • die Inhalte, mit denen sich sein Gehirn beschäftigt,
  • die Art und Zusammensetzung seiner Ernährung,
  • seine täglichen Bewegungen, Körperhaltungen,
  • seine Tätigkeitsbereiche auf die hin sein Körper sich einst entwickelt hat.

Er bemerkt dies und versucht sich dem anzupassen, bzw. sich optimierend entgegenzustellen:

  • mit Nahrungsergänzungsmitteln,
  • operativen Optimierungen,
  • Drogen (besonders Zucker, Alkohol, Tabakwaren),
  • technischen Hilfen (u.a. Brillen, Hörgeräte, künstliche Gelenke),
  • medizinische und psychologische Programme.

Alle unsere Werte sind nur eine Summe austauschbarer Setzungen. Sie sind aus unserem Zwang zu einer Umweltorientierung gewachsen, nachdem ein Bereich unserer instinktiven Orientierung in unserer evolutionären Entwicklung durch eine Mutation partiell „verloren gegangen“ war. Ihr neuronaler Hintergrund für uns ist,

  • psychisch unseren Ängsten begegnen zu können (z.B. dem Tod),
  • unsere Fortpflanzungstriebe den neuen Verhältnissen anzupassen,
  • unser biologischer Zwang, als Gemeinschaftswesen unser soziales Zusammenleben weiter aufrecht zu erhalten,
  • den Anmutungen und Gedanken der Führungspersonen zu folgen,
  • uns unseren jeweiligen zivilisatorischen Entwicklungen anzupassen.

Sie sind meistens austauschbare Setzungen zum Ermöglichen eines menschlichen Lebens. Die Vielzahl der bestehenden Ideologien ist ein Beleg dafür, wobei die Vorstellung des Menschlichen, abgehoben vom Biologischen, bereits den anthropogenen Setzungscharakter betont. Zusammengefasst bilden ihre Summen unsere jeweiligen Kulturen. Zurzeit befinden wir uns durch die zunehmende Beherrschung unserer westlichen Zivilisation durch mathematische Ordnungssysteme, ausgegangen von der Teleologie (zielgerichteten Entwicklung)  der Kybernetik, dann sich weiterentwickelt in digitalen Quantenorientierungen in einem globalen Umbruch des menschlichen Daseins, und wir werden in naher Zeit gezwungen sein, unser gesamtes Wertesystem neu der sich abzeichnenden Entwicklung anzupassen. Als Übergangsexistenzen zu einer neuen, weiteren Energieform des Universums müssen wir uns unseren zukünftigen Platz in einer neuen ki-beherrschten Welt suchen. Unsere heutigen hedonistischen Energieverschwendungen dürften darin nur anthropogene, kulturelle Übergangserscheinungen sein. Wir benötigen für unsere Zukunft eine neue Ethik, wenn wir als Menschheit weiter eine Existenzberechtigung haben wollen.

Ein Problem unserer kausalen Betrachtungsweise des Daseins ist der Umstand, dass wir dadurch unsere Umwelt nur durch unsere in uns vorhandenen Filter betrachten können. Wir bemerken sie in der Regel gar nicht, da sie durch unsere Prägungen zugleich über unsere Wertwelt auch unsere Sichtweisen bestimmen. Am deutlichsten wird dies bei unseren kulturellen Ideologien. Unsere Werte sind die Filter unseres Denkens und damit unserer (begrenzten) Erkenntnisse. Unsere Wahrheiten gehören zu ihren Ergebnissen.  Alle unsere Realitäten erhalten durch sie ihre speziellen Konturen und Farben. Bei uns in Deutschland erfolgt dies zurzeit z.B. besonders durch den Feminismus oder verschiedene Naturschutzbewegungen. So werden die modisch hervorgehobenen Sexualorgane der Frau (Busen, Gesäß, Vulva) einerseits als weibliche Attribute, andererseits als Pornographie gesehen. Das Weibliche wird ihnen nur als verquerer Blick der Männerwelt zugesprochen. Überall in der Wirtschaft, in der Mode, im Selbstwertgefühl der Frauen erfährt es zwar eine Betonung und wird herausgestellt. Erfolgt dies dann aber durch einen beachtenden Blick eines Mannes, dann ist es pervers, krank, böse. Im Naturschutzbereich erfolgt die Einseitigkeit durch die Reduzierung der Natur von ihrem komplexen Sein. Letztere befindet sich außerhalb unserer Betrachtungsmöglichkeiten. Wir wenden uns oft einem Problem zu, ohne es in der Ganzheit seiner Bezüge sehen zu können. Wir „retten“ eine Art vor unserer Zivilisation, ohne unser Tun in seiner Ganzheit zu sehen. In unserer Eigenliebe versuchen wir nicht unsere biologische Welt zu retten, sondern nur uns selber, bzw. unsere Blickweise, unseren hedonistischen Zugang zu ihr. Erhalten müssen wir aber das biologisches Dasein in seiner Ganzheit, wenn wir darin als historische Menschen auf Dauer einen Platz behalten wollen. Es spricht vieles dafür, dass wir ihn sonst durch unser Verhalten verlieren werden.

Die augenblicklich konkurrierenden, sich teilweise gegenseitig bekämpfenden Ideologien verhindern die Entstehung eines künftigen globalen, demokratischen Weltstaates. Im Gegenteil, ihr gegenseitige Konkurrenz fördert sogar noch die Entwicklung der KI zu einer autonomen Kraft, an deren Ende dann der Mensch vielleicht nur noch ein Dienstleistender ist. Selbstoptimiert, hormonell reduziert, ist dieser dann mit seinem Schicksal hochzufrieden. Er wird als Wesen mit dem heutigen Menschen psychisch kaum noch vergleichbar sein. Elektrische und chemische Hilfen bestimmen dann sein nie endendes Wohlgefühl in einem immerfort bestehenden Dopaminrausch. Noch sehen wir die KI weit entfernt, und den Menschen durch die ideelle Brille unserer anthropogenen Werte nicht nur als einen zellularen Verband einer bisherigen evolutionären biologischen Entwicklung. Wir sind sehr wahrscheinlich nicht deren Ende und unsere tatsächliche Zukunft kennen wir nicht.  Wir haben vielleicht nur noch die Möglichkeit auf sie in unserem Sinne begrenzt Einfluss zu nehmen. Sozial wird uns Menschen immer unser Eigenwert suggeriert und die Möglichkeit einer weitreichenden Selbstverwirklichung (innerhalb eines vorgegebenen sozialen Rahmens). Politisch werden den Menschen in anderen Gesellschaften Versprechungen gemacht, um deren Regierungen zu schwächen, bzw. zu stürzen. Wir schwächen uns bei diesen Versuchen selber und unterstützen dabei indirekt die nichtmenschlichen Energieentwicklungen.

Die vielleicht wichtigste Setzung in unserer Kultur ist es, eine Demokratie sein zu wollen. Dafür werden zwar alle Kräfte mobilisiert, obwohl niemand so recht weiß, was darunter zu verstehen ist. Wahrscheinlich gibt es zurzeit kaum einen Staat, der von sich nicht behauptet, eine solche zu sein. Und wenn man über die unsere in Deutschland nachzudenken beginnt, gelangt man auch hier ins Grübeln. Von ihrem Ideal her wären vier Kriterien für sie kennzeichnend:

  • Da ist zunächst das Freiheitsideal, das in seinem ursprünglichen Hintergrund auf einer rechtlichen Gleichwertigkeit aller Menschen beruht, zunächst nach der lutherischen Religionsreform vor Gott und dann im Laufe der Aufklärung säkularisiert als Sozialrecht. Damit hatte es als Gegenüberstehenden Partner immer die Gemeinschaft. Jede positiv verstandene Freiheit erfährt dadurch ihre Begrenzung. Mit der Zunahmedes zivilisatorischen Wohlstandes wuchs die gelebte Individualisierung und das Freiheitsideal verselbständigte sich in unserer Kultur zu einer Ideologie. Jeder besitzt danach das Recht sich selbst zu verwirklichen. Es wurde dabei übersehen, dass dies bei Millionen, sogar Milliarden verschiedener Individuen immer schwieriger wird und kaum zu einer gemeinsamen Problemlösung und damit auch Existenzsicherung der gesamten Menschheit führen kann. Mit der Individualisierung, der Selbstverwirklichung wurde die Suche nach dem persönlichen Glück zum entscheidenden Lebensideal. Die gesamte menschliche Gesellschaft erlebte dadurch einen Schub zu ihrer Hedonisierung. Irgendwo fanden sich zwar immer Kräfte, die irgendwelche Entscheidungen fällten, aber für deren gemeinsamen Gehalt fehlte eine echte idealistische Gemeinschaftsbindung (wobei auch alle Ideale genau genommen nur mehr oder weniger willkürliche Setzungen darstellen). Es sind interessenabhängige Machtentscheidungen ohne den Hintergrund einer auch sie tragenden gemeinsamen Leitkultur. Und eine solche müsste eigentlich die Basis jeder funktionierenden Demokratie sein.

    Innerhalb einer humanen Weltgemeinschaft müssten die tragenden Pfeiler einer zukünftigen Ethik die Gerechtigkeit und die Verantwortung sein. Unsere heutigen Pfeiler sind die Freiheit und die Gesinnung. Hinter der Freiheit verbergen sich die Individualismuspflege, die Selbstverwirklichung, der Egoismus, die uns in der heute gelebten Form zu unserem menschlichen Ende führen werden. Und hinter unserer Gesinnung, unseren auswechselbaren Orientierungskonzepte, seien es Religionen, Nationalismen, wissenschaftliche Inhalte oder heute der Feminismus, das Veganertum oder irgendwelche verinnerlichten persönlichen Setzungen, wie der Glaube an die Wahrheiten der Astrologie. Immer sind sie alle nur gelebte Inhalte in unseren Gehirnen, und wir müssen uns um unserer Art willen für deren Verbleiben auf der Erde ein mögliches menschliches Endziel setzen, für das es wahrscheinlich außer einer auf Gerechtigkeit ausgerichteten Weltregierung keine Alternativen gibt.

  • Der zweite Gedanke ist der einer gewaltfreien Abwählbarkeit einer Regierung. Auf den ersten Blick ist sie zwar gegeben, auf einem zweiten zeigt sich aber, dass sie jeweils nur einen Wechsel bestimmter Gruppen innerhalb von Oligarchien darstellt. Mit gewaltigen Geldbeträgen werden die Medien manipuliert (in den USA mit Milliardenbeträgen). Sie entscheiden letztlich über die Stimmungen in der Wahlbevölkerung. Aktuell spielen sogar noch die KI-Manipulationen eine Rolle, die jeden Wahrheitsgehalt nach Bedarf fälschen oder einseitig darstellen können. Der einzelne Wähler entscheidet bei seiner Stimmabgabe nicht aus einem Wissen heraus, das kann er gar nicht besitzen (wie auch die meisten zur Wahl stehenden Politiker bei der bestehenden Komplexität der anstehenden Probleme). Aber ein solches Wissen wäre die Voraussetzung für eine sachlich begründbare Wahl, bzw. Abwahl bestehender Regenten. Besonders in diesem Punkt unterscheiden sich Demokratien von Diktaturen in anderen Gesellschaften. Kennzeichnend für sie ist ein fehlender Führerkult. In Diktaturen werden die Grundrechte oft missachtet, werden Feindbilder aufgebaut, oft ein Führerkult gepflegt und die Justiz, die Medien und Universitäten im Sinne der eigenen Interessen auf Linie gebracht. Es gilt allein das Recht des Stärkeren und das sind diejenigen, die die politische Macht besitzen.

  • Das dritte Kriterium einer funktionsfähigen Demokratie in unserem Verständnis ist die Gewaltenteilung, die Aufteilung der Staatsgewalt in eine beschließende, eine von ihr unabhängige ausführende und eine richterliche Gewalt. Formal ist sie bei uns gegeben, im Alltag erkennt man sie dagegen kaum.
    • Die beschließende Gewalt ist bei der bestehenden Interessenzersplitterung in der Bevölkerung weitgehend zu einem Kuhhandel zwischen Interessengruppen verkommen: Erhalte ich folgende Rechte, stimme ich für deine Interessen. Auf diese Weise erhalten Minderheiten oft einen entscheidenden Einfluss (in Extremfällen sogar einzelne Personen). Mit der Vorstellung einer sachlich entscheidenden politischen Mehrheit hat das nichts zu tun. Wahrscheinlich werden alle westlichen Staaten, die sich Demokratien nennen, so von Oligarchen regiert.
    • Unsere ausführenden Gewalten ersticken in bürokratischen Hindernissen. Oft vergehen Jahre bevor banale Entscheidungen getroffen werden. Einerseits werden diese von ihrer Verantwortung für ein Geschehen bestimmt, andererseits besteht überhaupt keine Transparenz über die Entscheidungsabläufe. Eine funktionierende Exekutive sieht anders aus.
    • Die richterliche Gewalt in unserem Staat ist eine Katastrophe. Man kann sich nur wundern wie viele Jahre vergehen, bis ein Urteil gefällt wird. Und wenn dann eine Strafe abgeleistet wurde, Jahre vergehen, bis dies bearbeitet wird. So lagen in Bielefeld bei der dortigen Staatsanwaltschaft 2025 z.B.13.500 nicht bearbeitete Verfahren vor (Westfalenblatt). So z.B. bei einem Führerscheinentzug von einem halben Jahr erhielt ihn der Verurteilte selbst nach einem Jahr noch nicht zurück. Dafür ließen sich aber mehrere der dortigen Staatsanwälte bei den Stadtratswahlen in hohe politische Ämter befördern (Oberbürgermeister, Landrat). Was wäre, wenn auch ihnen unberechtigt für ein halbes Jahr der Führerschein entzogen worden wäre? Was für ein Demokratieverständnis besteht dort am Gericht?

  • Das vierte Kriterium sind die Freiheiten der Wissenschaften. Sie bilden den rationalen Hintergrund unserer Zivilisation. Von ihnen hängen weitgehend alle unsere Orientierungen ab und damit auch unsere sozialen Entscheidungen. Unser Problem dabei ist, dass sie in ihrem Hintergrund in ihren Aussagen zunehmend von Ideologien beeinflusst werden. Während dem Nationalsozialismus oder im Kommunismus wurde dies besonders deutlich. Der normale Bürger, aber auch jeder Politiker können deren Ergebnisse in der Regel in ihrer gegebenen Komplexität kaum beurteilen. Für die große Mehrheit der Menschen werden ihre Aussagen als Wahrheiten dargestellt. Bei uns in Deutschland ist z.B. zurzeit der Feminismus eine bestimmende Ideologie. Einerseits löst er den Menschen in einer geschlechtlichen Gleichheitsideologie aus seiner biologischen Naturzugehörigkeit, und erst die neuere Medizin wagt es, Unterschiede bei den Geschlechtern zu benennen. Und andererseits fördert er mit seinen Einflussinteressen die Spaltungen in unserer Gesellschaft. Er betont nicht die empathischen Kräfte des Weiblichen, sondern ungewollt das männliche Statusgebaren aus der Zeit des evolutionären Menschen als Säuger.

Der Demokratiegedanke ist ein großes Ideal, das als anthropogene Setzung auch weiterhin unser existentieller menschliche Leitgedanke sein sollte. Nur kann er heute nicht mehr, wie in den antiken griechischen Stadtrepubliken gelebt werden. Wir werden entsprechend unserer heutigen Zivilisation auch die KI als Hilfe für uns darin einbauen müssen, denn ohne deren Hilfe werden wir die Komplexität unserer globalen, rational abstrakten Welt nicht verstehen und damit keine zukünftigen Entscheidungen im Sinne unserer gesamtmenschlichen Interessen fällen können.

Wir träumen zurzeit alle für unsere Gesellschaft als ideologisches Orientierungsmodell die Vorstellung von einer liberalen Demokratie. Sie ist begrifflich das Vorbild für alles Positive, ohne dass wir in der Regel wissen, was alles wir dem gesellschaftlich zuordnen sollen: Halt alles Gute und für die anderen globalen Gesellschaftsformen jeweils das Negative. Einst war der Demokratiegedanke die Orientierungsvorstellung für eine Oberschicht in den griechischen Stadtstaaten gewesen, d.h. nur für eine kleine Menschgruppe. Nachdem sich dann der christliche Gleichheitsgedanke vor Gott in Europa durchgesetzt hatte, erlebte dieser nach der Reformation im Verlauf der Aufklärung seine Säkularisierung. Damit waren alle Menschen auch auf der Erde gleich und beanspruchten für sich die gleichen Rechte. Verbunden damit war die Freiheit eines jeden zu tun was er wollte, solange er die Rechte seiner Gegenüber nicht verletzte. Das war die Geburtsstunde unserer heutigen, liberalen Demokratie. Ihre Merkmale waren die allgemeinen Freiheitsrechte als Menschenrechte, die Gewaltenteilung und die Abwählbarkeit bestehender Regierungen.

Allerdings sind die bestehenden Demokratievorstellungen historische Vorstellungen, die sich in der alten Form inzwischen überlebt haben. Durch unsere Zivilisation, die Medien, die sich abzeichnenden Völkerwanderungen durch die Klimaveränderungen werden in Zukunft wahrscheinlich andere globale Orientierungsmodelle notwendig sein. Als vielleicht anzustrebende Inhalte werden dazu gehören:

  • Eine Weltregierung (nicht dominiert von einer Hegemonialmacht). Dazu gehört eine gemeinsame Verständigungssprache, die nicht bestehende heutige Kräfte bevorzugt (z.B. Esperanto).
  • Politische Untergruppierungen (z.B. ein vereintes Europa, als ein einheitliches Staatsgebilde, das in einem Weltparlament mit einer Stimme spricht). Bevor ein solches besteht, sollte es als ein Europa verschiedener Geschwindigkeiten organisiert sein: Ein Kerneuropa und bei verschiedenen Aufgaben mitarbeitende Kleinstaaten (zurzeit z.B. Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei). Auch hier sollte man sich auf eine gemeinsame Sprache Esperanto verständigen
  • Eine kulturelle Orientierungsoffenheit, die alle Religionen, Nationalismen und Ideologien gelten lässt, und sie als das sieht, was sie von ihrem Hintergrund her auch nur sind, austauschbare anthropogene Setzungen. Als die über ihnen stehende Leitkultur sollte die menschliche Gemeinschaft
  • Das große Problem in der Zukunft wird die Regulierung des Internets sein und in einem nachfolgenden Schritt der der KI und dann der der Quantentechnologien. Wir kennen noch nicht ihre zukünftigen Entwicklungen. Das aktuelle Dominanzstreben der bestehenden globalen Hegemonialkräfte wird weitgehend unser aller Zukunft bestimmen. Die Menschheit sollte sich darin für ihre eigene Existenz einen möglichen Rahmen schaffen. Zurzeit verliert sie sich in einem unsinnigen Kleinklein, z.B. bei ihrem Datenschutz, den es in der Realität sowieso nicht gibt, die tatsächlichen Datenbesitzenden nur nicht interessiert.

Von seiner Natur her ist der Mensch biologisch kein Einzelwesen, sondern als Individuum nur ein Teil einer auf ihre Fortpflanzungen ausgerichteten Gemeinschaft . Das bedeutet, da zu sein, um statusorientiert um das Recht von Begattungen zu kämpfen. Diese Statusorientierung bestimmt im Hintergrund auch heute noch weitgehend seine Selbstwertgefühle. Der gesamte Leistungssport, der wirtschaftliche Wettbewerb und das gesellschaftliche Ansehen sind auch heute noch darauf ausgerichtet. Nachdem sich die menschlichen Gemeinschaften zu Großgruppen entwickelt haben, veränderte sich der Statusdrang zu deren Hegemonialstreben. Man will jetzt als Nation die Größte, alles Beherrschende sein. Die männlichen Werte bekommen dadurch eine neue Bedeutung. Man kann das zwar ideologisch leugnen, wird aber deshalb an dem biologischen Hintergrund des Menschseins nichts ändern können. Wichtiger wäre es vielleicht, sie in eine neue menschengemäße Kultur einmünden zu lassen. Gelingt dies nicht, dürfte diese Situation in Zukunft zu ständigem Konfliktpotential und psychischen Schäden bei den Betroffenen führen. Mit unserer aktuellen bestehenden Zivilisation verändert sich auch orientierungsmäßig unsere biologisch angelegte Geschlechterordnung und damit auch unsere historischen Geschlechterrollen. Ob wir uns dabei artgemäß klug verhalten, ist unwahrscheinlich, weil wir uns selbst von unserer Natur her als Art nicht verlassen können. Es sei denn, wir geben uns als solche auf und eine kleine Gruppe von uns lebt als Avatare weiter. Wollen wir das wirklich? Unser heutiger Feminismus denkt zu eng, zu vorteilsorientiert und nutzt zu wenig das eigentliche Potential des Weiblichen (das dem männlichen durchaus ebenbürtig ist. Kein Geschlecht könnte ohne das andere bestehen). Unsere geschlechtliche Natur wird  als historische, biologische Vorgabe vom Feminismus nicht mehr gesehen und als solche abgelehnt. In seinem Kern ist dieser deshalb eine neurotische Ideologie. Will man das Weibliche fördern, dann müsste man von dessen biologischen Besonderheiten ausgehen und das ist die besondere Befähigung zur Empathie (gewachsen aus der ursprünglichen Brutpflege), sozial gelebt als Humanismus mit all seinen positiven Eigenschaften. Auf eine zukünftige Weltgemeinschaft bezogen würde das eine verstärkte Hinwendung zu einer anthropogen ausgerichteten Humanität bedeuten. Darin könnte in Zukunft die Bedeutung des Weiblichen bestehen. In einer kommenden KI-Welt könnte sie damit vielleicht zur tragenden Gestalt einer ansonsten untergehenden biologischen Art werden.

In unserem Verständnis ist eine wahre Demokratie ein politisch realisierter, gelebter Humanismus. Das gilt heute weder für Russland, China noch für die USA oder Israel. Alle Staaten, die eine singuläre Ideologie betonen, können es nach dieser Definition nicht sein, z.B. weder religiös orientierte noch nationalistisch ausgerichtete Länder. Eine Humanität bedeutet eine Menschenfreundlichkeit, die von der Unverletzlichkeit jedes Einzelnen ausgeht. Sie ist ein Ideal, das von der Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und Toleranz ausgeht. Ihr Kennzeichen sind Gewaltlosigkeit und der Beistand für Bedürftige. Unsere Menschenrechte und der Pazifismus sind ihr Ausdruck. Sozial ist sie zwar nur eine Wertekonstruktion, aber vielleicht das einzige Ideal, das die Menschheit in ihrer Ganzheit und Verschiedenheit zu einen vermag. Als Humanismus vereinigten sich einst in der Philosophie ihre Werte und wurden zum Ausdruck einer anthropogenen Verantwortung des Menschen für seine Umwelt. Neben dem Umgang auch mit der KI sollten ihre Hauptanliegen eine zukünftige menschliche Ausbildung, Bildung sein. Wir haben als Menschen keine andere Chance. Alle anderen Entwicklungen führen uns davon fort, entweder zu deren Ende auf der Erde oder zu einem Sklavendienst einer kleinen biologisch optimierten Oberschicht (die große menschliche Mehrheit dürfte dann als Existenz nur überflüssig sein).

Unser heutiges Problem ist, dass unsere Meinungen weitgehend von unerkennbaren Interessengruppen gesteuert werden: Noch vor kurzer Zeit nur über die Medien, heute zunehmend über die digitale Welt in den Social Media, deren globale Infrastrukturen von US-Monopolen beherrscht werden. Sie besitzen nicht nur die Datensouveränität, unsere Abhängigkeit von ihren Algorithmen, die ihnen helfen, die Nachrichten in ihrem Sinne zu steuern, beziehungsweise das Bildmaterial durch ihre KI in Hinblick auf ihre Interessen bearbeiten zu lassen. Ihre Geheimdienste und ihre Überwachungssoftware kontrollieren unsere Welt und damit auch unser Denken und Empfinden. Kritiker dieser Situation befinden sich ständig in einer bedrohten Lage. Über ihre Ängste wird die Selbstzensur zu ihrem ständigen Begleiter. Wie soll dann noch eine tatsächliche Demokratie möglich sein? Interessengruppen beherrschen weitgehend unsere Machtinstrumente und verbergen sich weitgehend hinter einem vorgeschobenen idealistischen historischen Wertekanon. Wer z.B. die heutigen Verhältnisse in den USA unter Trump kritisiert, erhält dort kein Aufenthaltsvisum mehr (Beispiel: Charlie Kirk) oder ein Einreiseverbot wie Vertreter der Hilfsorganisation HateAid. Wir befinden uns zurzeit in einer Welt, die sich global völlig neu, nach neuen Kriterien umorganisiert und die aktuellen Hegemonialstaaten sind dabei die interessenbestimmenden Mächte.

Es gibt in jeder Gesellschaft für viele ihrer Mitglieder unbequeme Wahrheiten. Eine der Folgen sind aber auch kritische Einstellungen gegenüber der bestehenden Demokratie (in Deutschland laut Umfrage mehrerer Universitäten 40 %). 71 % glauben, dass sie sich in den letzten 10 Jahren zum Schlechten entwickelt hat. Diese Position wird in allen Bevölkerungsschichten vertreten. Es ist eine Zunahme einer allgemeinen Unzufrieden-heit zu beobachten. In der Regel wird dann einfach geschwiegen. Oft weiß man deshalb nicht, was z.B. der Nachbar denkt. Probleme werden nicht besprochen, weil man Angst hat, auf Gegeneinungen zu stoßen und dann Anfeindungen ausgesetzt zu sein. So ist es z.B. in Deutschland schwer, israelkritische Positionen wegen dem Gazakrieg und der dortigen Siedlungspolitik im Westjordanland anzusprechen. Oft vertreten wir Posi-tionen, die auf einem geringen Hintergrundwissen basieren oder von Interessen-gruppen, bzw. Geheimdiensten manipuliert worden sind. Oft sind die Probleme in ihren Zusammenhängen viel zu komplex, um sie als Laie in ihrer Tragweite überhaupt  verstehen zu können. Wir greifen einige der Aussagen in ihnen auf, verbinden sie mit unseren Werten und vertreten dann darüber unsere Meinungen. Durch ihre Wertbin-dung fällt es uns dann schwer, sie zu hinterfragen, weil wir damit unausgesprochen auch unsere eigenen Werte hinterfragen müssten. Echte Kompromisse sind so kaum möglich. In der Realpolitik sind diese oft nur Vorteilsaushandlungen auf Gegenseitigkeit: Ich stimme deinen Vorhaben zu, wenn du meinen zustimmst. Rationale Sachentschei-dungen sind es dann nicht. Der Hintergrund politischer Positionen sind oft Ideologien aus den verschiedenen Lagern, die zu beziehen bei starken Gegenkräften für deren vertreter zu einem Sicherheitsrisiko wird. An den Universitäten sollen so Anfeindungen oder ein Schweigen verbreitet sein, was in seinem Kern einem wichtigen Demokratieverständnis widerspricht, der Wissenschaftsfreiheit. Linke Ideologen terrorisieren ihre Umgebung mit ihren Cancel-Culture- oder Genderforderungen, nachdem sie aus den Begriffen selber deren Negativinhalte verinnerlicht haben und diesen Hintergrund jetzt allen anderen Benutzern unterstellen und die Konservativen eine negative Förderung des Nationalen, indem alle nationalen Bezüge mit den Verbrechen des Nationalsozialismus in Verbindung gebracht werden, selbst eine banale Heimatliebe, jahrhundertealtes Volkstum oder die eigene Sprache, die einst die internationale Wissenschaftssprache war. Dem allen steht inzwischen ein fundamentaler Wandel und Besitz neuer Informationssysteme gegenüber, dem wir weitgehend völlig hilflos ausgeliefert sind.

Die bestehende Unsicherheit gegenüber unserem bestehenden demokratischen System schafft eine allgemeine Empfänglichkeit für Gedanken aus radikalen Regierungssystemen. Verstärkt werden sie durch eine verbreitete Angst vor dem wirtschaftlichen Abgehängtwerden und die Veränderungen der historischen, noch am Biologischen angelehnten Geschlechterrollen und damit dem allgemein stattfindenden sozialen Umbau unserer Gesellschaften. Die Sehnsucht nach der vergangenen Stabilität fördert die Empfänglichkeit. Es besteht der Eindruck, dass früher eher die Gemeinschaft im Zentrum der politischen Überlegungen gestanden ist (der Wohlfahrtsstaat) und heute eher die egoistischen Libertären, das Recht des Stärkeren. Für viele gilt dabei Trump in den USA als Vorbild, der dort eine rücksichtslose Maskulinität vertritt, die Gesellschaft in Leistungsstarke und Leistungsschwache unterteilt und die Intellektuellen und demokratischen Institutionen verachtet. Im Sinne des klassischen Imperialismus versucht er den USA die globale Vormachtstellung im Energiebereich (Venezuela, Nahe Osten) und der Seltenen Erden (Grönland) zu sichern. Seine Feinbilder verbinden ihn mit den rechten Parteien in Europa: Der Hass auf die „Linke“, die Ablehnung der Migranten und der queeren Community, das Ersetzen von Wahrheit durch Macht. Kennzeichnend für unsere rechten Parteien auch in Europa sind:

  • gezielte Polarisierungen,
  • starke Feindbilder,
  • ein problematischer Umgang mit Wahrheiten,
  • Rücksichtslosigkeit.

Sie nähern sich dem Faschistischem, wenn sie sich autoritär, populistisch, zersetzend geben und auf einen Umsturz des Bestehenden ausgerichtet sind:

  • Ihre Parteien werden zu Bewegungen ausgebaut
    (Evtl. mit einem Führerkult, religiösen Bezügen (in den USA mit den Evangelikalen, in Polen mit der katholischen Kirche) und einer Betonung des Nationalen: einer mythischen Vergangenheit, der besonderen Größe der eigenen Nation (z.B. Frankreich)).
  • Angriff auf die demokratischen Institutionen(Attacken gegen die Justiz, die Medien, die Universitäten).
  • Umbau der Institutionen
    (durch permanente Ausnahmezustände, Abbau von föderativen Rechten).

Kennzeichnend ist dann ein zunehmender Abbau des Rechtstaates und der demokra-tischen Institutionen wie sie zurzeit in

  • in Ungarn, Polen angestrebt werden (Justiz, Medien),
  • in den USA durch
    • neue Besetzungen des Supreme Courts,
    • eine hohe Zahl exekutiver Ausweisungen,
    • eine Veränderung der Wahlkreise zu seinen eigenen Gunsten,
    • eine Schwächung der Universitäten, der Wissenschaften.
  • in Israel: Siedlungspolitik.

In den meisten Staaten zahlen die Superreichen kaum oder gar keine Einkommens-steuern, während ihre Durchschnittsbürger von ihrem Einkommen für Steuern und Sozialabgaben etwa die Hälfte ihres Einkommens entrichten müssen. Die Wohlhaben-den haben dafür große Beraterstäbe. Indem sie ihre Dividende über Holdings erhalten, die nicht versteuert werden, über die sie aber ihren Besitz vermehren können, werden sie immer wohlhabender. Zwei bezeichnende Beispiele:

  • Jeff Bezos (u.a. Gründer von Amazon, Vermögen 2025 ca. 200 Mrd. Dollar) hat 2011 in seiner Steuererklärung sich so arm gerechnet, dass er als staatliche Unterstützung für den Unterhalt seiner Kinder ca. 4.000 Dollar erhielt.
  • Elon Musk (u.a. Besitzer von Tesla, Space X, Plattform X, KI-Firma xAJ, Vermögen 2025 ca. 250 Mrd. Dollar) kaufte sich für 44 Mrd. Dollar Twitter, spendete mehr als 250 Mio. Dollar für den Wahlkampf, richtete das Netzwerk auf eine Wiederwahl Trumps aus. Dafür erhielt er später die Möglichkeit viele staatliche Entscheidungen in seinem Sinne zu beeinflussen.

Weitere Beobachtungen:

  • 2015 sollen in den Steueroasen etwa 6 Billionen Euro gebunkert worden sein,ein Zehntel des globalen Finanzvermögens (das meiste unversteuert).
  • Den Superreichen geht es nicht z.B. um Rücklagen für eine Altersvorsorge, sondern allein um Macht.
  • In den USA ist kaum ein Bürger an dem Besitz Grönlands interessiert, wohl aber einige ihrer Milliardäre an deren Rohstoffen.

Um die Demokratien in unseren Ländern zu retten, brauchen wir

  • gerechtere Steuersysteme (ein Wegzug der Unternehmen kann durch spezifische Steuersysteme verhindert, bzw. eingeschränkt werden; siehe „Wegzug-Steuern“ der USA,
  • einen staatlichen Medienbesitz (bzw. strenge Wahrheitskontrollen der privaten Medien);
  • eine strenge Verpflichtung zur Medienwahrheit (besonders gegenüber KI-Manipulationen),
  • einen völlig neuen staatlichen Organisationsaufbau: Einem direkten Wahlsystem in den Gemeinden und dann daraus sich entwickelnde repräsentative größere soziale Gemeinschaften bis hin zu Länderkammern und abschließen einem globalen Regierungssystem.
  • Für Minderheiten könnten beratende Bürgerkammern eingerichtet werden.

Auf das Fehlen einer Leitkultur in unserer Gesellschaft reagiert diese mit einer Glorifizierung des Individualismus, der Selbstverwirklichung. Alles das, was mögliche Freiheiten begrenzt, wird in dieser Verbindung negativ bewertet. Es gibt nichts Verbindendes mehr zwischen den Menschen, außer dem gemeinsamen Ideal der Verwirklichung des Eigennutzes. Jeder macht jeweils das, was er als Person für sich als vorteilhaft, als richtig ansieht. Ohne einen gemeinsamen Orientierungsinhalt verkommt die Demokratieforderung zu einer inhaltsleeren Worthülse. Um eine gewisse Handlungsfähigkeit in der Vereinzelungsgesellschaft aufrecht erhalten zu können, werden ständig überall Regulierungen erlassen, deren Einhaltung zu einer völlig ausgeuferter Bürokratie geführt hat. Wir können in unserer Gesellschaft ohne eine solche nicht sein. Ihre Existenz verbindet uns mit der Welt. Durch unsere Vereinzelung führt sie uns aber zu einer neuen übergeordneten Instanz, zu einer zukünftigen Beherrschung der Welt durch die KI. Wenn wir einer solchen Bedrohung entgehen wollen, dann müssen wir wahrscheinlich für die Orientierungssetzung der Selbstver-wirklichung als ein zusammenhaltendes Ideal eine von Empathie getragene Verantwortung setzen. Das menschliche Handeln würde dadurch einem übergeordneten Leitgedanken folgen und das Gerechtigkeitsideal einem Leitziel, das weitgehend auf alle Daseinssituationen bezogen werden kann.

Wahrscheinlich hat die Menschheit nur eine Zukunft, wenn sie sich zu einer globalen Leitkultur durchringen kann, zumindest zu deren Ansätzen. Ihre Gesellschaften wurden als solche immer nur getragen, wenn irgendeine geistige Idee sie zusammenhielt. Früher waren es hauptsächlich deren Religionen aus denen sie ihre Orientierungen bezogen haben, heute sind es ihre Wissenschaften , die parallel zu ihren geistigen Inhalten zwei neue Entwicklungslinien auslösten:

  • Einmal den Weg von der Mechanisierung zur Industrialisierung, zur Automation und damit dem Sprung zur KI und einer künftigen Quantifizierung, wie immer eine solche in Zukunft auch aussehen wird.
  • Zweitens zu einer immer intensiveren Energienutzung, zunächst über die Auswertung gespeicherter fossiler Energie, dann der atomaren und heute zunehmend der energetischen Kräfte der Natur.

Sie bescherten großen Teilen der Menschheit einen bisher nie gekannten Wohlstand, begleitet von einem damit verbundenen gewaltigen Personenzuwachs, einer Entfremdung von den evolutionären Ursprüngen und einem extremen Individualismus. An die Stelle einer alle verbindende Gemeinschaftskultur trat eine nie zuvor gekannte Hedonisierung der Menschheit bei einem gleichzeitigen, zunehmenden Erkennen der Gefahren, die auf sie durch die Naturentfremdung zukommen. Einerseits beanspruchen die einzelnen Individuen ein Recht auf ihre Selbstverwirklichung, andererseits sehen sie offenen Auges die Bedrohungen ihrer Zukunft, und sie erfasst panische Angst. Da die zivilisatorische Entwicklung eine weltumspannende ist, dürfte nur eine globale gemeinsame Reaktion darauf zu einem Ausweg führen, nur eine gemeinsame Leitkultur und eine Weltregierung, so utopisch wie sie heute auch erscheinen vermag.

Global sieht es zurzeit auf der Erde so aus, dass eine Menschengruppe anscheinend eine Weltherrschaft anstrebt. Sie nutzt dabei für die Durchsetzung ihrer Ziele ihre militärische, technologische, wirtschaftliche und kulturelle Überlegenheit, geheim-dienstliche Manipulationen und die Ausnutzung verschiedener sozialer Orientierungs-systeme auf der Erde aus.  Hervorzuheben sind dabei drei:

  • Einmal die verschiedenen Nationalismen, die man je nach Bedarf aufeinander hetzt. Man finanziert ihre jeweiligen Interessengruppen und inszeniert dann einen Anlass, der zu ihren Auseinandersetzungen führt, sie gegenseitig schwächt und man im Hintergrund eine versteckte Vorherrschaft ausbaut.
  • Der zweite Ansatz ist der zunehmende Hedonismus in den wohlhabender werdenden Zivilisationen. Über die Betonung von persönlichen Freiheitswelten, den Möglichkeiten bisher nicht bekannter Selbstverwirklichungen, des Individualismus erreicht man eine soziale Zersplitterung, die es im Hintergrund erleichtert, die eigenen Interessen durchzusetzen. Der Feminismus ist für deren Förderung in den islamischen Ländern besonders vorteilhaft.
  • Der dritte Hintergrund ist der wachsende Einfluss der Transhumanisten, die einerseits über die Förderung der digitalen Techniken die KI-Entwicklung fördern, von der sie andererseits glauben, dass sie selber eines Tages die kleine Menschengruppe sein werden, die sie beherrscht. Selber durch verschiedene Maßnahmen hin zu einem Avatar optimiert, ist der Rest der Menschheit nur ein anthropogener Abfallbereich, der bestenfalls für sie noch Hilfsdienste leisten darf. Das momentane Zentrum dieser Überlegungen ist zurzeit das Silicon Valley.

Wir können einer solchen Entwicklung nur über eine gemeinsame Betonung unseres gemeinsamen Menschseins begegnen. Dafür müssten wir einige unserer bisherigen uns aber noch heute beherrschenden Ideologen zurückstellen und aufbauende mensch-liche Gemeinsamkeiten bis hin zu einer Weltgemeinschaft organisieren. Für uns in Europa hieße dies, zunächst eine europäische staatliche Gemeinschaft zu errichten, die heute aussichtsloser als je zuvor erscheint. Da ist zunächst der europäische Mittelstaat Deutschland, der selber zurzeit noch ein Hauptstützpunkt der amerikanischen Interessen ist, in deren Auftrag den Staat Israel aufbaute und noch heute von den USA über verschiedene finanzielle, wirtschaftliche, militärische und kulturelle Einflussmaßnahmen schwach gehalten wird. Da ist Frankreich, dass immer noch von seiner Vorherrschaft in Europa träumt. Einerseits sprechen dort seine Politiker ständig von einer deutsch-französischen Gemeinschaft. Andererseits beweisen aber deren Verhalten besonders im militärischen Bereich deren Vorherrschaftsabsichten, besonders deutlich geworden bei der einstigen deutsch-französischen Flugzeug-planung.. Ohne eine Vereinigung dieser beiden Staate und deren gemeinsamer Autonomie wird es aber keinen europäischen Gemeinschaftsstaat geben, werden beide auf der Weltbühne nur Spielbälle der Hegemonialmächte bleiben. Der andere wichtige Nachbarstaat Deutschlands ist Polen, der von seinen eigenen Nationalismen beherrscht wird. Einst als katholische Reaktion auf das protestantische Preußen gewachsen, ist die Religion noch heute dort die beherrschende ideologische Kraft. Nachdem es für sein Staatsgebiet nach dem letzten Weltkrieg den gesamten deutschen Osten bis zur Oder für sich vereinnahmt hat, stellt es noch heute Wiedergutmachungs-forderungen, obwohl es selber am Ausbruch des Weltkrieges beteiligt war. Alles ehemalige Deutsche wird in seinem Einflussbereich polnisiert. Selbst der deutschsprachige Kopernikus wird nationalistisch zu einem Polen gemacht. Die gesamte polnische Politik ist heute auf eine Schwächung Deutschlands ausgerichtet. Gewinnen tut es dadurch wenig, wenn man von seiner Unterstützung amerikanischer Interessen absieht. Auch hier wäre eine Vereinigung beider Staaten für beide gewinnbringend. Wie immer man die globale Entwicklung der Menschheit auf der Erde auch betrachtet, es spricht vieles dafür, ihre sich abzeichnenden Probleme gemeinsam anzugehen und für die Menschen in Europa wäre dabei der erste Schritt vorbehaltlos eine europäische Vereinigung zu fördern.

Im Alltag wird die Notwendigkeit einer globalen Weltgemeinschaft der Menschheit nicht ernst genommen. Gruppen bei den Hegemonialmächten träumen von Ihrer Welt-herrschaft. Die Menschheit wächst auf 10 Milliarden Individuen. Ihr zivilisatorisches Wirken verursachte bereits bisher das sechste, wahrscheinlich größte Artensterben auf der Erde. Täglich sterben weiterhin ca. 130 – 150 Tier- und Pflanzenarten. Wir verändern die Natur, die Umwelt und uns selber, indem wir uns entsprechend den Anforderungen der neuen Umgebung technisch und chemisch optimieren. Wir sind nicht mehr die Menschen wie diejenigen, die sich einst in der biologischen Evolution entwickelt haben. Obwohl wir nur ein Teil der Natur sind, sehen wir uns selber als deren Höhepunkt. Zu deren evolutionären Abschluss machen wir uns in naher Zukunft evtl. selber. Wir machen uns in unserer Orientierung für alles zum Maßstab. Die Errichtung unserer Zivilisation bestätigt uns darin. Inzwischen haben wir darüber aber eine eigene, neue energetische Evolution geschaffen, deren Anfänge sich in der Entwicklung der KI darstellen. Von uns selber überzeugt, sehen wir uns in unserer anthropogenen Intelligenz unüberbietbar und lassen gar nicht den Gedanken zu, dass es auch andere Formen durchaus gleichwertiger und vielleicht sogar uns überlegener Intelligenz geben kann. Bis in die Gegenwart antwortete die bisherige KI nur in den Grenzen ihrer Trainingsdaten. Ihre neueste Generation können aber bereits Endziele selbständig in Teilziele zerlegen und deren Ergebnisse alleine wieder völlig neu zusammensetzen. Sie „denkt“ dabei evtl. völlig anders als wir. Unser Fehler ist, dass wir bei der Intelligenz uns alleine selber zum Maßstab nehmen und psychisch nicht bereit sind, die Möglichkeit anderer Intelligenzformen für möglich zu halten. Inzwischen wissen wir, dass es aber solche in der Natur z.B. bei den Kraken durchaus gibt. Ihr Denkvermögen konzentriert sich nicht auf das Gehirn, sondern ist auf die Arme dezentral verteilt. Außerirdische Intelligenzen werden vielleicht auch anders denken. Für uns schaffen unsere kausalen Überlegungen unsere Orientierungssysteme und damit unsere Werte, sozialen Normen, unsere technischen Möglichkeiten und bestimmen die Mitte unseres Daseins. Dadurch wird sich für eine Übergangszeit wahrscheinlich die Notwendigkeit von gemeinsamen Rechtsystemen mit der KI ergeben, z.B. bei Haftungsfragen oder sogar bei moralischen. So gibt es heute bereits Unternehmen, die den Kriegseinsatz ihrer KI-Systeme ablehnen. Wir wissen nicht, welche Orientierungsinhalte mit den neuen Entwicklungen auf uns zukommen werden. Noch verdrängen wir die möglichen Konsequenzen, die sich daraus ergeben werden. Noch schützt uns unser allgemeines Nichtwissen vor dem, was längst in der Entwicklung ist und von den verfeindeten Hegemonialkräften gefördert wird. Es ist eine Entwicklung, die wir nicht werden aufhalten können und der wir wahrscheinlich selber nur über unsere Optimierung werden begegnen können. Damit würde unser bisheriges biologisches Dasein gleitend zu einem posthumanistischen werden.

Wir Europäer und die meisten Menschen auf der Erde leben orientierungsmäßig noch weitgehend in der Vergangenheit. Unsere geistige Orientierung wird fast vollkommen noch von historischen Ideologien bestimmt. Unsere Religionen sind zwei Jahrtausende alt, unsere Nationalismen mindestens zwei Jahrhunderte und unsere Wissenschaften werden in ihren vielen Spezialisierungen und Abstraktionen von keinem Menschen in ihrer Ganzheit mehr verstanden. Unsere Werte haben zwar noch an unsere biologische Herkunft erinnernd einen status-, bzw. empathieorientierten Kern über die wir teilweise noch unsere Dopaminausschüttungen steuern, aber ansonsten leben wir alle noch in einer gestrigen Welt, deren sich andeutende Widersprüche zu einer wahrscheinlichen zukünftigen in Verbindung mit unseren zivilisatorischen Lebensansprüchen uns zwar zunehmend bewusst werden, die wir aber in der Regel erfolgreich aus unserem Bewusstsein verdrängt haben.

 Nur die gelegentlichen Nachrichten der Entwicklungen aus den USA lassen uns aufhorchen. Doch Trump, der für sie steht, wird als Psychopath dargestellt und empfunden (in der Regel wissen wir nichts über die tatsächlichen Bezugshintergründe seiner Gedanken, z.B. nichts über seine tatsächlichen Gründe für seine Grönlandan-sprüche) und das Silicon Valley mit seinen Technologien ist zu weit von unserer Welt entfernt, um sie persönlich zu beachten. Aber genau dort wird unser aller Zukunft geplant und entscheidend bestimmt. Wir sind völlig von deren Konzernen und der amerikanischen Regierung in eine Abhängigkeit geraten. Wenn wir Europäer auf unsere Zukunft noch selber einen Einfluss haben wollen, dann müssen wir für unsere technologische Unabhängigkeit den gleichen Aufwand betreiben, den wir zurzeit für unsere Verteidigungsplanungen tätigen. Im Silicon Valley werden neben der Weiterent-wicklung der KI sozial auch künftige Parallelgesellschaften geplant, über die unsere Bevölkerung in der Regel kaum etwas weiß. Die historischen Demokratiegedanken gelten dort als überholt und deren neuen Gedankenmodelle ihnen überlegen. Nur in diesem Zusammenhang sind die Grönlandforderung und Marsbesiedelung eigentlich tatsächlich zu verstehen. Auf ihnen sollen soziale Zukunftsmodelle erprobt werden, die unsere heutigen Demokratievorstellungen überlegen sein sollen. Und das sind nicht nur Fantasien, sondern auch mit Milliardenbeträgen bereits eingeleitete Versuche. Trump gilt in dieser Verbindung nur als ein Verbündeter, der unter dem Einfluss der dortigen Technologieschöpfer steht. Ausgehen will man zunächst von „nicht-demokratischen Städten“ (Patri Friedman, 2025). In ihnen sollen Postdemokratische Utopien verwirk-licht werden.

„Próspera“ vor der Küste Honduras ist ein solcher Versuch, bestehend aus Apartheitsblocks im dichten Regenwald, ein „Exit“-Projekt, ein Labor für eine neue Gesellschaftsform, ein Walfahrtsort für Longevity-Anbeter. Der Staat soll auf deren Innenleben keinen Einfluss haben. Hier soll die Utopie einer „Freien Privatstadt“ entstehen. Verhandlungen über weitere Gründungen bestehen mit acht afrikanischen Staaten und auch in Europa mit mehreren Balkanländern. Curtis Yarvin will die heute bestehende Weltordnung durch tausende souveräner Kleinstaaten ersetzen.  In den USA plant man eine Privatstadt „California Forever“ neben der bereits bestehenden Privatstadt „Atlas“. Musks Space X und Bezos „Blue Origin“ sind hier bereits ansässig. Man hofft dort eine „Freedom City“ aufbauen zu können. Die Grundstücke dafür sind bereits erworben. „Die große Aufgabe für Libertäre (betonen maximale politische Freiheit, den Individualismus und freiwillige Vereinigungen) besteht darin, einen Ausweg aus der Politik in all ihren Formen zu finden“ (Peter Thiel,2009). In Grönland soll auch eine futuristische Megacity entstehen. Einer ihrer Planer (Ken Howery) wurde von Trump zum Botschafter in Dänemark ernannt. Trump: „Wir werden in Grönland etwas unternehmen, ob es ihnen gefällt oder nicht“. Sie soll als Prototyp Musks Weltraum-stadt „Terminus“ auf dem Mars vorausgehen, realisiert von dem Unternehmen „Praxis“ (Dryden Brown). Fast die gesamte Elite des Silicon Valley ist an diesen futuristischen Gedankenspielen beteiligt und die gegenwärtige amerikanische Regierung unterstützt sie darin und baut dabei gleichzeitig ihre Hegemonialstellung auf der Erde aus. Die restliche Menschheit sieht diesen Fantasien relativ unbeteiligt zu. Doch das kann sich als ein Fehler erweisen. Die KI verändert unsere Welt in einer unglaublichen Schnelligkeit und wir werden sie darin nicht aufhalten können. Wir werden deshalb unser menschliches und soziales Dasein auf der Erde neu überdenken müssen, ob es uns gefällt oder nicht gefällt, im Silicon Valley ist man den künftigen Entwicklungen nur näher und denkt dort inzwischen auch anders. Es muss deshalb für die künftige Philosophie die große Aufgabe sein, für die Menschheit neue, von allen akzeptierbare Orientierungswerte zu postulieren, um für sie als Art eine gemeinsame Zukunft noch aufzeigen zu können. Die amerikanischen Visionäre denken individualistisch nur an sich und die Zukunft der großen Masse der Menschheit berührt sie gar nicht. Den bestehenden menschengemachten Klimawandel lehnen ihre Anhänger als Realität weitgehend ab. Ein deutscher Vertreter dieser Bewegung ist Titus Gebel, der auch die Demokratie als Staatsform ablehnt und an deren Stelle sich für „freie Städte“ einsetzt, deren Infrastrukturen von privaten Unternehmen organisiert werden sollen. Sein Planungen in Döbeln (Sachsen) einen entsprechenden Versuch zu realisieren, wurde bisher abgelehnt.

Es gibt heute eine Gruppe Menschen, die an eine grenzenlose Entwicklung der Technologie glauben. Sie lehnen alle denkbaren Beschränkungen für diese ab. Sie fordern unbegrenzte Freiheiten und lehnen jede staatliche Kontrolle als innovations-feindlich ab. Damit steht sie in einem gewissen Widerspruch zum Demokratiegedanken. Früher gehörte zum liberalen Freiheitsgedanken der Aufklärung die Humanität. Hier gilt sie nur noch als ein bestehender Störfaktor innerhalb von Entscheidungsprozessen, der die Technologieentwicklung bremst. In den USA hat eine Gruppe Evangelikaler sie allerdings religiös als Mittel für ihren Kampf gegen den Antichristen, die drohende Apokalypse entdeckt und unterstützt deshalb u.a. die Technologieentwicklung im Silicon Valley (deshalb u.a. deren rechtslastiges Auftreten).  Wenn wir allerdings die Menschheit als eine positive Kraft mit einem eigenen biologischen Wert ansehen wollen, der global für die gesamte Art steht, werden wir wahrscheinlich auf den Demokratiegedanken nicht verzichten können, allerdings mit einer neuen, zeitgemäßen Organisationsstruktur, einer global geltenden für alle verbindlichen Leitkultur und einem beachteten Sanktionssystem:

  • Aufgebaut von kleinen menschlichen Organisationsformen mit Direktwahlen bis hin zu einem Weltparlament, einer Weltregierung,
  • mit der Humanität und der Verantwortung als Leitwerte,
  • angepasst an der biologischen Realität des Menschen, weg von den heutigen ideologischen Methoden der Machtdemonstrationen.

Im Silicon Valley sieht man den posthumanen Menschen als den künftigen Zukunfts-menschen an, der die begrenzten physischen und psychischen Leistungen des heutigen Menschen überwindet

  • mit Hilfe implantierter Computertechnologien,
  • einer fortgeschrittenen Gentechnik,
  • bewusstseinserweiternden Drogen.

Darüber soll das bisherige traditionelle Menschsein überwunden werden. Als Post-humanisten verneinen sie die Sonderstellung des Menschen und lehnen eine Trennung von Natur und Kultur ab. Es sei eine moralische Pflicht, die Zukunft der Menschheit positiv zu beeinflussen. Es gibt vom Transhumanismus verschiedene Strömungen (reaktive, analytische, spekulative, kritische). Im Gegensatz zum Transhumanismus, der verstärkt den Einzelmenschen technologisch verändern will, zielt der Posthumanismus eher auf die menschliche Gemeinschaft. Kritisiert werden beide Gruppen u.a. weil sie

  • die Unvermeidbarkeit des Fortschritts in Frage stellen,
  • die Einzigartigkeit des Menschen in Frage stellen,
  • oft im Widerspruch zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen stehen.

Einst schuf ein Gott das Universum, die Sterne, die Erde, alles Leben auf ihr und als deren Höhepunkt als Abschluss den Menschen. Mit einer verheirateten Jungfrau zeugte er dann in einem kleinen orientalischen Ort einen Sohn, der die Menschheit auf ihren richtigen Weg bringen sollte. Hunderte Millionen intelligenter Menschen „wissen“ dies auch und setzen sich für diese ihre „Erkenntnis“ ein. Dieser Umstand ist vielleicht das beste Spiegelbild über die Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Bereits Xenophanus ( 5. Jh. v. Chr.) erkannte, dass es sich bei den Göttern nur um Abbilder der eigenen Existenzen handelt, nur um anthropomorphe Kopien. Und Platon lässt Protagoros (490 – 411 v. Chr.) im Streitgespräch mit Sokrates sagen, dass die Existenz der Götter wegen der Begrenztheit des menschlichen Verstandes nicht beweisbar seien. Ähnlich ist es heute mit vielen unserer Erkenntnisse. Sie basieren weitgehend nur auf Hypothesen und ideologisch hinterlegten kausalen Beobachtungen und spiegeln nicht das tatsächliche Sein wieder, sondern nur Bilder im Rahmen unserer begrenzten Erkenntnisfähigkeiten. Wir müssen uns von der Annahme verabschieden, dass sie die einzige Möglichkeit einer Erkenntnisfindung ist. Wir wissen inzwischen, dass andere Lebewesen andere Erkenntnismöglichkeiten haben. Wir vermuten dies evtl. bei möglichen außerirdischen Wesen und „wissen“ das alles im Universum eigentlich nicht kausal, sondern in einem komplexen Zusammenhang besteht. Nur dies können wir nicht erkennen, sondern nur mehrere kausale Zusammenhänge zu einem Gesamtbild addieren. Wir haben keine rechte Vorstellung von der Gesamtheit des Universums und keine von seiner tatsächlichen Entstehung. Wir kennen nicht seine kleinsten Bestandteile , aus denen es besteht. Zurzeit sind es die Higgs-Teilchen, die durch ihre Wechselwirkung mit anderen Elementarteilchen im Universum die Massen bilden und die Quanten als die kleinstmöglichen Einheiten im Universum, die grundlegenden Bausteine unserer Realitäten. Beobachtet verhalten sie sich anders als wir es von unserer uns umgebenden sichtbaren Welt erwarten. Wir vermuten, dass das gesamte Universum eine Einheit darstellt, die sich nach bisher noch unbekannten „Gesetzen“ auf ein uns unbekanntes „Ziel“ hinbewegt. Dabei glauben wir verschiedene evolutionäre Zwischenschritte beobachten zu können,

  • physikalische, mit der Entstehung der Materie, der Galaxien bis hin zu unserer Erde,
  • chemische, mit der Entstehung der verschiedenen Elemente,
  • biologische, mit der Entstehung des Lebens und darüber der Arten.

Der Mensch bildet darin bei Letzteren einen gewissen Abschluss, bzw. durch seine Orientierungsbeschränkung die Voraussetzungen zu einem weiteren Evolutionsschritt. Über die kausalen Entwicklungen zu seinem heutigen Zivilisationsstand schafft er die Möglichkeiten zu völlig neuen Energiebewegungen.

Alles im Universum scheint Energie zu sein, sie sich für unsere Wahrnehmungen in einer ständigen Bewegung befindet. Die Erde, die Menschheit, wir selber sind darin nur „Staubkörner“, abnehmende Größen.  Wir füllen in ihr für einen begrenzten „Zeitrahmen“ einen bestimmten “Raum“ aus und schwimmen in der energetischen Ganzheit einfach nur mit. Von oben und unten betrachtet sind wir völlig unbedeutend. Nur für uns selber schreiben wir uns einen Wert zu und versuchen hedonistisch bis zu unserem Tod unsere Zeit zu verbringen. Eigentlich universell unbedeutend, haben wir nur den Wert, den wir uns als Setzung selber zuschreiben. In unserer Zivilisation versuchen wir ihn über unseren Individualismus, unsere „Selbstverwirklichung“ zu leben. Das Problem dabei ist, dass wir diese am Umfang unserer Dopaminaus-schüttungen messen und ihre tatsächliche persönliche Bereicherung nur begrenzt ist. Bereichernd ist das uns umgebende Schöne, seine Ästhetik, das Empathische, das für die Anderen, die Gemeinschaft da sein und die Transzendenz, als die Beziehung zur Ganzheit des Seins. Darauf sollten wir verstärkt unsere persönliche Orientierung ausrichten.