Was ist der Mensch?

Was ist der Mensch ?

  • Ein Wesen, das jährlich hunderte Millionen seiner Art verhungern lässt, während gleichzeitig hunderte Millionen mühsam versuchen, abzunehmen, weil sie sich übergessen haben.
  • Ein Wesen, das sich dekadent sein Steak mit Blattgold überziehen lässt (das hat auf den Geschmack keinen positiven Effekt, kostete 1200 Euro), um sich statusmäßig von seiner Umwelt abzuheben.
  • Ein Wesen, das Billionen für seine Rüstung ausgibt, um dadurch andere besser unterdrücken zu können (niemand bedroht z.B. tatsächlich die USA).

Dies ist eine seiner Seiten. Gleichzeitig erkennt er, dass er sich durch die Ausbeutung seiner Umwelt und durch deren zivilisatorischen Umbau seine Lebensbedingungen radikal verändert, für die er sich einmal biologisch in seiner Evolution entwickelt hat. Durch seine genetischen Orientierungsmöglichkeiten verändert er jetzt zusätzlich zu seinem eigenen Erhalt seine Art (wenigstens einen Teil von ihr), verändert die Mechanismen, über die er global die Erde beherrscht, deren klimatische Existenzbedingungen und feiert seine technologischen Fortschritte, während die einzelnen Milliarden Individuen um ihre Ernährung, Existenzmöglichkeiten und Dopamin-ausschüttungen bangen. Die jeweiligen Entwicklungsveränderungen gehen an ihnen vorbei, ohne sie unmittelbar sofort zu berühren. Die Menschheit ist wie eine entlassene Bestie, die nicht  aufzuhalten ist. Idealistische Versuche einzelner Gruppen, sich dagegen zu stemmen, haben realistisch gesehen kaum einen Erfolg.

Nach seinem graduellen Instinktverlust behalf sich der Mensch in seinen Orientierungen

  • zunächst mit Hilfe von Setzungen, die in ihrer Gänze dann seine Religionen bildeten, aus denen er seine Werte bezog,
  • danach vermehrt mit der Hilfe kausaler Schlussfolgerungen, deren offene Fragen er mit Hypothesen zu beantworten versuchte (so sind fast alle seine Antworten zur Entstehung des Universums und der in ihm herrschenden Kräfte solche).
  • Heute überwiegen seine Vorstellungen von seiner menschlichen Überlegenheit der Natur gegenüber.

Alle unsere Wahrheiten sind nur Setzungen, Setzungen innerhalb der Sinnes- und Bewusstseinsgrenzen des Menschen. Verinnerlicht bestimmen sie in vagen Bereichen unseren Glauben und gegenstandsbezogen unser Wissen. Sie sind immer nur Wahrheiten auf Zeit, bis sie über einen „Fortschritt“ durch neue Erkenntnisse ersetzt werden. Ihr Hauptproblem ist, dass sie immer nur Kausalergebnisse sind, evtl. aus mehreren Bezügen und dadurch die Komplexität allen Seins nie berücksichtigen können. Eine Folge davon sind unsere heutigen Zivilisationsprobleme, sei es in der Ausbeutung der begrenzten Ressourcen auf der Erde oder der Belastung unserer Umwelt, sei es direkt, unmittelbar (z.B. über unsere Abfälle) oder global wie im Klimabereich.

Wir sehen die Welt nicht so wie sie ist, sondern nur so, wie unser persönliche Schleier dies zulässt. Er ist uns                                                                                                              

  • zunächst genetisch vorgegeben und betrifft u.a. zunächst unsere Wahrnehmungsmöglichkeiten,
  • dann sind es unsere Prägungen, unsere sozial vermittelten Orientierungsprogramme, unsere Werte,
  • danach kommen unsere psychischen Befindlichkeiten, unsere persönliche Auseinandersetzung mit unserer Umwelt, unsere Selbstwertgefühle und unsere Erfahrungen.

Zu diesen persönlichen Schleiervorgaben kommen unsere zivilisatorischen, unsere in der Regel interessengebundenen Informationen. Fast unser gesamtes Wissen ist kein persönliches Erfahrungswissen, sondern ein gesteuertes Medienwissen. Alles was wir darüber wissen, ist uns über einen Interessenhintergrund oder der persönlichen Sicht eines Informanten vermittelt worden. Häufige Nennungen eines Sachverhalts halten wir für eine Wahrheit, die dann von unserer Wertwelt akzeptiert oder abgelehnt wird. Wir sprechen über vieles, ohne tatsächlich etwas darüber zu wissen, z.B. über eine Demokratie. Über Parteien, rechte, linke, ohne tatsächlich etwas über sie zu wissen. Über Putins Ukrainekrieg, ohne von den vorangegangenen amerikanischen Finanzierungen von russlandfeindlichen Interessengruppen, geplanten amerikanischen militärischen Stützpunkten in der Ukraine und deren Eintritt in die Nato etwas zu wissen. Über den israelischen Völkermord an den Palästinensern, über den wir mit der Antisemitismuskeule zum Schweigen gebracht werden. Wenn deutsche Journalisten sich zum stimmungsmachenden Sprachrohr des israelischen Geheimdienstes machen. Kaum jemand in Deutschland kennt einen jüdischen Menschen. Wenn er gegen den dortigen Völkermord protestiert und dafür verurteilt wird, erfolgt dies im Rahmen einer Interessenlüge. Wie wir die Welt sehen, erfolgt durch einen Schleier. Wir können gar nicht anders.

Unsere Werte sind Kulturergebnisse. Unser Abstand gegenüber anderen Kulturen lässt uns deren Fragwürdigkeit oft leichter erkennen, z.B. den Kopftuchzwang in manchen islamisch ausgerichteten Staaten. Doch besitzen sie dort das gleiche existentielle Recht wie wahrscheinlich viele unserer Werte, denen wir gegenüber keinen Abstand besitzen. Vielleicht könnten Ausschüsse, zusammengesetzt aus verschiedenen Kulturen rational hier zu gewissen Klärungen führen. So sind es besonders unsere „westlichen Werte“, die unser Verhältnis zur Natur bestimmt haben und bestimmen und die uns jetzt an den Rand unserer menschlichen Existenz geführt haben. Positiv haben sie sich zwar auf unseren technologischen Fortschritt ausgewirkt, auf unsere Wissenschaften und unsere Zivilisation, negativ aber auch durch unser Dominanzverhalten gegenüber der Natur, unseren Raubbau und die Zerstörung der biologischen Lebensgrundlagen, für die wir uns in unserer Evolution einst entwickelt haben. Auch wir müssten einmal unsere eigenen Werte  radikal überdenken. So sind unsere „feministischen Werte“ oft nichts anderes, als die Versuche, auch unsere Kultur in Aspekten den anderen Völkern aufzuzwingen. 

Von seiner Existenz her ist der Mensch ein Doppelwesen. Er ist von seinen Genen und seinen Prägungen her zugleich ein Natur- und ein Kulturwesen:

  • Als Naturwesen ist er genetisch ganz auf seine Fortpflanzung hin programmiert. Seine ihn beherrschenden Instinkte als Säuger sind sein Statusstreben und seine Befähigung zur Empathie, um seinen Nachwuchs über dessen Prägungsphase hinaus zu seiner Eigenständigkeit führen zu können. Alle seine sozialen Verhaltensweisen werden von ihnen bestimmt. Sein heutiges Problem ist, dass sein Kulturteil sich über diesen seinen Urgrund    zu überlagern versucht und ihn dadurch in die verschiedensten Schwierigkeiten bringt.
  • Als Kulturwesen ist er eine auf Orientierungshilfen angewiesene Existenz, nachdem er seine instinktiven Fähigkeiten dafür während seiner Evolution weitgehend verloren hat. Er gewann sie zunächst durch seine unmittelbaren Beobachtungen seiner Umwelt. Beim Unbekannten behalf er sich durch hilfreiche Anmutungen. Sie führten ihn zu seinen ersten Wertorientierungen und Religionen. In einem zweiten Schritt half ihm dann seine Befähigung zur kausalen Umwelterfassung zu einem zunehmend rationalen Weltbild, das er dann auch orientierungsmäßig technisch umsetzen konnte. Aus deren Summe ist unsere jeweilige Zivilisation       entstanden, über die er orientierungsmäßig, noch emotional geleitet, seine Wertwelt, seine Kultur setzte.

Der heutige Mensch lebt weitgehend zwischen diesen seinen beiden Welten. Und je mehr er seiner Kulturwelt folgt, um so stärker verdrängt er seine biologische Herkunft, die aber weiterhin seinen existentiellen Hintergrund bildet. Er ist und bleibt zurzeit noch primär ein Naturwesen, wobei er dabei ist, sich über seine Selbstoptimierungsprogramme zunächst zu Avataren zu machen und dann evtl. zu etwas biologisch völlig Neuem. Wir wissen es nicht. Unsere kulturellen Positionen und hegemonialen Wettbewerbskämpfe sprechen dafür. Die westliche Kultur, besonders ihre feministischen Entwicklungen beschleunigen diese Entwicklung. Persönliche Hintergründe entscheiden oft über das Zustandekommen von Beziehungen. Für Frauen trifft dies sogar stärker zu als für Männer. Für sie sind Partnerschaften allerdings auch oft mit größeren Risiken verbunden.

Ein anderer Aspekt des gesellschaftlichen Ansehens sind Statussymbole. Zwar beeinflussen sie kurzzeitig auch unsere Dopaminausschüttungen, aber entscheidend für sie dürfte ihre Lockfunktion bei einer Partnerwahl sein. Unsere gesamte Wirtschaft nutzt dies Phänomen in ihrer Werbung. Der erfolgreiche Mann, seine Villa, sein Auto, seine Uhr sind seine Lockmittel wie bei einem Hirsch sein kräftiges Geweih und sein lautes Gebrüll, Unsere gesamten sozialen Strukturen werden von Statussymbolen begleitet. Ein hoher Titel besitzt ein enormes Lockpotential bei den Geschlechtern.

Auch unser Sport ist ein Ergebnis dieser in ihrem Hintergrund instinktiven Fortpflanzungsprogrammierung. In der Natur ist es das Stärker-, das Überlebensfähigersein, das Auffallenwollen und Kämpfen um die Gunst der Weibchen. Im Wettbewerbssport geht es ähnlich um das Bessersein, evtl. um eine hundertstel Sekunde nach einem langen Kampf. Sozial wird dies über Ehrungen und Pokale honoriert, in manchen Sportarten mit gewaltigen finanziellen Honorierungen verbunden. Wir gebärden uns dann naturgemäß wie die anderen Säuger auf ihren Kampfplätzen während ihrer Brunftzeit.

Das heutige Problem des Menschen ist, dass er sein Kulturbewusstsein, die Fantasien seiner Setzungen über sein instinktives evolutionäres Naturbewusstsein setzt. Selbst von seiner Sexualität erwartet er kulturell ein beglückendes Zustandekommen. Nicht, dass sie sich emotional sowieso so erleben lässt, er fordert dies im Rahmen seiner kulturellen Prägungen jetzt auch rational und ist enttäuscht, wenn sie seine Lusterwartungen nicht immer erfüllt, nachdem er sie von ihrer Fortpflanzungsfunktion gelöst hat. Anstelle eines Naturorgasmus erwarten er nur einen Kulturorgasmus, ein kurzes Vorspiel im Rahmen seiner kulturellen Vorstellungen, Hauptakt, Orgasmus. Die emotionalen  Voreinstellungen und die Klitoriseichel der Frauen werden dabei oft entgegen deren kulturellen Erwartungen zu wenig berücksichtigt.

Wir unterscheiden uns vom Naturmenschen der Evolution durch

  • unsere Bewegungen,
  • unsere Nahrung,
  • unsere Wahrnehmungen,
  • unsere Denkinhalte.

Unsere Zivilisation hat eine völlig neue, naturfremde Umwelt geschaffen, und wir passen uns zunehmend in sie an. Durch unsere Naturentfremdung haben wir unsere Bewegungsabläufe verändert und darüber unseren Stoffwechsel und unseren Hormonhaushalt. Sie stimmen jetzt nicht mehr mit dem unserer Evolutionsprogrammierung überein. Hinzu kommt, dass wir zunehmend zu spüren bekommen, dass wir genau genommen existentiell keine Einzelwesen sind, sondern als „Kernmenschen“ nur ein Teil einer Lebensgemeinschaft, die ohne ihre symbiotischen Existenzgefährten gar nicht lebensfähig ist.  Als „Kernmensch“ besitzen wir nur etwa 25.500 Gene, als Lebensgemeinschaft mit unserer Mikrobiota (Bakterien, Viren, Pilze) sollen es etwa zwanzig Millionen verschiedene Gene sein. Über deren Funktion und Zusammenspiel wissen wir kaum etwas. Studien belegen u.a., dass Menschen, die über ihre Ernährung wenig Ballaststoffe (u.a. die Nahrung der Bakterien) zu sich nehmen, an vielen Krankheiten eher und heftiger leiden und früher sterben. Auch weiß man inzwischen, dass unsere Mikrobiota weitgehend unsere Gefühle und unser Denken beeinflusst, wahrscheinlich sogar steuert. Doch wodurch, wie und in welchem Umfang wissen wir nicht und besitzen darüber nur begründete Vermutungen. Mit Hilfe unserer Zivilisation werden wir zwar älter, können dadurch sogar auch die negativen Folgen unserer Naturentfremdung bekämpfen. Wir werden darüber aber auch andere, Gestalten, die sich zunehmend von ihrer evolutionären Kernexistenz entfernen. Unsere genetischen Erkenntnisse und unsere inzwischen gewonnene Fähigkeit, in deren Zusammensetzung nach Bedarf einzugreifen, werden uns völlig von den bisherigen Gesetzen der Evolution trennen und uns zu anderen, neuen Energieexistenzen werden lassen. Die KI wird dabei ihre Anteile haben. Die transhumanistischen Vorhersagen werden dadurch zu einer Realität. Wir werden und sind es bereits, nicht mehr der ursprüngliche evolutionäre Kernmensch, sondern wir beschreiten bereits den Weg, in Zukunft die Erde gestaltende Avatare zu sein.

Kennzeichnend für die Menschheit in unseren Zivilisationen ist, dass dort jeder mehr oder weniger durch seine Entfernung von seiner biologischen Natur psychisch krank ist. Er ist zu einem Kulturmenschen geworden, der seine inneren Orientierungen für sein Denken und Handeln prägungsabhängig weitgehend von seiner hormonellen Umprogrammierung erhalten hat. Er kann gar nicht anders. Sein Problem ist, dass er damit psychisch auch aus seinen inneren Gleichgewichten gerät, für die er sich einst in seiner Evolution entwickelt hat. Er erlebt jetzt seine Umwelt durch den Filter seiner Setzungen. Die von ihm wahrgenommene Realität ist seine Realität und nicht die Realität an sich. Je nach seinen Setzungen, Werten verschieben sich in seinen Wahrnehmungen dadurch seine Umweltbezüge. Genau genommen sind sie danach bei jedem anders. Je nach den persönlichen genetischen Vorgaben, Prägungen und Erfahrungen differieren sie bei jedem verschieden stark. Bei vielen Menschen in unserer Zivilisation sind die Umweltwahrnehmungen nun mit Ängsten, veränderten Realitätswahrnehmungen oder Halluzinationen verbunden, die sich verschieden äußern können. Viele von ihnen hat man in der Bevölkerung unter verschiedenen Begriffen zusammengefasst wie Depressionen, Autismus, Asperger, manisch-depressiv oder Schizophrenie (diese Begriffe versucht man heute durch klinikgerechtere zu ersetzen). Sie alle kennzeichnet ein erschwerter Umweltbezug, erschwerte Kommunikationsmöglichkeiten und erschwerte soziale Bezugsmöglichkeiten. Im Unterschied zu der Bevölkerungsmehrheit ist ihr Verhalten widersprüchlicher und schwerer nachvollziehbar. Allerdings gilt dies nur graduell. Gestört sind wir durch unsere Setzungsvorgaben, unsere Kultur alle, dies nur weniger auffallend. Wie groß das Problem ist, kann man daran erkennen, dass allein in Deutschland etwa zwei Millionen Menschen auf einen Therapieplatz bei einem Psychologen hoffen. Und die weniger dringenden Fälle sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Eigentlich handelt es sich dabei in der Regel nur um einen Gesprächstermin, in denen durch eine Anregung die Hormonflüsse zu einer Verhaltensänderung umgepolt werden. In der asiatischen Medizin würde man wahrscheinlich in den meisten Fällen von dem Lösen von Blockaden sprechen. Dabei betreffen die menschlichen Setzungen nicht nur unseren persönlichen Bereich, der sich in der westlichen Kultur zu einer extremen Individualkultur entwickelt hat. Die Selbstverwirklichung wurde hier zum wichtigsten Lebensinhalt und Lebenssinn. Die individuellen Probleme sind dadurch die von ihr verursachten psychischen Erkrankungen. Das viel größere Problem der menschlichen Setzungen ist deren Unangepasstheit an die Natur, deren Überforderung. Alle unsere heutigen Probleme, sei es im Umwelt- und Klimabereich, im Artensterben sind menschengemacht auf Grund falscher Setzungen, Erwartungen. Wir wissen dies. Wir können die Ressourcen der Erde aber nicht um das Mehrfache ihrer Möglichkeiten überfordern. Die Setzungen unserer Wissenschaften zeigen uns zwar ständig neue Wege, wie wir die Probleme bewältigen können, doch in der Regel über die Schaffung neuer. Das gilt für den gesamten Energie- und Nahrungsbereich. Wir können uns z.B. mit Bakterien neue Nahrungsquellen schaffen, die wir dann aber auch ernähren müssen.

Wahrscheinlich ist die Menschheit nicht zu neuen, gegenüber den alten, zu radikalen anthropogenen Setzungen bereit. Das würde eine völlige Umpolung ihrer alten Kulturen bedeuten, das Eingeständnis, dass ihre Werte, ihre Religionen und Ideologien nur menschengemacht sind. Und das würde bedeuten, wenn sie an der Vielzahl ihrer Milliarden Individuen festhalten will, – und wie könnte sie sich davon lösen? -, und an dem Ideal, dass alle Menschen gleichwertig sind, sich von ihrer archaischen Statusorientierung lösen müssen. Im Sinne einer allgemeinen Gerechtigkeit hätte sie gar keine andere Wahl. Sie müsste ihre heutigen Wachstums- und hegemonialen Machtideologien durch neue naturangepasste ersetzen. Beim Stand unserer globalen Zivilisation könnte dies nur über eine neu zu konzipierende Weltregierung möglich sein, nicht durch eine von den USA dominierte, finanziell, technisch und militärisch bestimmende, englischsprachige.

Die heutige Menschheit ist wahrscheinlich durch zwei Entwicklungsstränge besonders bedroht:

  • Einmal durch ihre naturfremden Setzungen und deren zivilisatorische Entwicklungen,
  • zum anderen energiemäßig durch die digitalen Techniken und die von der KI eingeleitete neue evolutionäre quantentechnische Entwicklung.

Unsere Naturentfremdung hat nicht nur zu einer Veränderung unseres Stoffwechsels und unserer Beziehungen zu unserer Umwelt geführt, sondern auch unser menschengemäßes Fühlen und Denken verändert.

  • Gefühlsmäßig veränderte es
    • unser Geschlechtsverhalten,
    • unsere Statusbemühungen (z.B. über den Sport).
  • Die früheren Familien-, Sippenverbände sind zu unüberschaubaren Menschenmassen angewachsen, die weitgehend ohne eine Distanz zu einander mit verschiedenstem Orientierungsverhalten dicht neben einander leben müssen.
  • Kunst, einst religiös motiviert und handwerklich ausgeführt, wurde zu einer emotionalen Selbstdarstellung, in der sich der Betrachter evtl. wiederfindet. Mit großen geistigen Inhalten sprachlich aufgewertet, wurde selbst die Notdurft auf einer Unterlage zu einem „großen Werk“ (so z.B. in Bielefeld ausgestellt).
  • Alkohol wurde zu einem wichtigen Aspekt des gesellschaftlichen Zusammenseins.
  • Roboter, silikonummantelt, die alle Wünsche erfüllen (auch sexuelle), die evtl. die Gestalt, Mimik und Stimme von nahestehenden Verstorbenen oder verehrten Prominenten erhalten können (alles mit Hilfe der KI bereits heute (2025) machbar. Das ist zurzeit nur noch eine Kostenfrage).
  • Täglich 5 Stunden vor dem Handy verändern unsere gesamte innere Wahrnehmungswelt. Da sie uns evolutionsmäßig naturfremd sind, verändern sie damit auch unseren Stoffwechsel und unsere Neuronenkontakte im Gehirn. Eine Folge davon sind viele unserer heutigen psychischen und physischen Erkrankungen, die es früher in ihrer jetzigen Häufigkeit nicht gegeben hat.

Der biologische Sinn der menschlichen Existenz ist allein seine Fortpflanzung. Dafür benötigt er einerseits in Form seiner Nahrung eine ständige Energiezufuhr und andererseits eine ständige Optimierung seiner genetischen Beschaffenheit über die geschlechtliche Vermischung seines genetischen Potentials. Durch einen DNA-Defekt verlor er teilweise seine instinktive Programmierung für seine Orientierung und ersetzte sie unter Zurhilfenahme kausaler Schlussfolgerungen aus seinen Beobachtungen durch Setzungen und wo diese nicht ausreichten durch Fantasien. Alle seine Werte und Religionen sind so einst entstanden und heute alle seine Wissenschaften, deren Problem in ihrer kausalen Grundorientierung innerhalb ihrer komplexen universellen Energieströme beruht. Sie können deshalb immer nur ein Eindruck von „Teilwahrheiten“ sein. Ihre Schlussfolgerungen besitzen zwar die Eigenschaft, unser Dasein erklären zu können, aber immer nur teilweise. Die außer Acht gelassenen Energiebewegungen kehren sich dann als Negativreaktionen gegen uns. Vielleicht am deutlichsten in unserem Einfluss auf die Klimaentwicklung erkennbar. Andererseits entfernt sich der Mensch über seine Setzungen von seinen biologischen Programmierungen, schafft über sie eigene Welten, Kulturen, Zivilisationen, Realitäten und über letztere neue Formen der Quarks, der Quanten, der Energiebewegung, wahrscheinlich eine neue Stufe der evolutionären Möglichkeiten. Als KI zeichnet sie sich bereits in unserer Gegenwart ab und wird die energetische Entwicklung in völlig neue Dimensionen heben.

Vielleicht ist der Mensch am Ende der biologischen Evolution nur ein aktuelles genetisches Auslaufmodell, das sich selber über seine Erkenntnisse auf neue Ebenen heben wird. Vielleicht als zukünftiger Zuträger für die KI. Wahrscheinlich brauchen wir dann die menschliche Vielfalt nicht mehr und sein archaischer instinktiver Statustrieb wird auf irgend eine Weise dafür sorgen, dass nur noch ein Rest der heutigen Spezies den Grundstock für seine künftige Weiterentwicklung bilden wird, – in welcher Form auch immer. Seine heutigen Sozialdiskussionen, seine bestehende Differenzierung von arm und reich, von Massengesellschaft und Statusbesitzenden verweisen bereits auf diese Entwicklung.

Unsere Fortpflanzung wird neben unseren archaischen Sexualtrieben von sozialen Setzungen beherrscht. Ihnen allen heften wir zwingende soziale Gebote an, die je nach Kultur, gesellschaftlicher Stellung beliebig austauschbar sind. Manche sozialen Setzungen sind leicht rational verurteilbar, wie die der sexuellen Verstümmelung von Frauen (besonders in Afrika) oder von Männern (z.B. im Judentum). Andere dagegen willkürliche Ableitungen aus ihren spezifischen Religionen, bzw. Werten. So schritt niemand gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern durch indische Gurus in deren Aschrams ein. Viele europäische Eltern wanderten mit ihren Kindern gläubig zu ihrer persönlichen psychischen Weiterentwicklung dort hin.

Jede Wahrnehmung einer Frau als Frau durch einen Mann ist in unserer Kultur heute bereits zu einer sexuellen Belästigung geworden. Eigentlich eine Banalität, wenn sie nicht zugleich sehr deutlich auch unsere Abweichung von unserer Natur kennzeichnen würde, unseren Zustand zwischen der Natur und der KI stehend, der einzelne Mensch nur noch ein Faktum in einer von seiner Existenz völlig losgelösten autonomen Umwelt. Die Frage, das Problem, das sich hier stellt, ist, welche Gesellschaft wollen wir in Zukunft überhaupt? Wie weit soll sie sich von der Natur absetzen? Wie weit wollen wir einigen Unzufriedenen auf ihren „woken“ Wegen folgen? Dabei geht es nicht nur um die psychischen Befindlichkeiten einiger Weniger, sondern um die Zukunft der gesamten menschlichen Gesellschaft als Ganzes.  Wir befinden uns zurzeit in einem brodelnden Kessel der Meinungsvielfalten, und jeder versucht sich darin durchzusetzen, da eine solche Position Status und Macht verspricht. Doch daneben geht die Entwicklung zu einem völlig anderen Dasein auf der Erde in aller Stille weiter. Und es ist dieses Dasein, das wir im Blick haben müssen, denn dieses wird es sein, das in nicht allzu ferner Zeit unser gesamtes menschliche Dasein bestimmen wird. Eine von allen akzeptierte Leitkultur könnte einer solchen Entwicklung vielleicht eine anthropogene Basis schaffen. Unsere einzige Chance in einer globalen Welt ist wahrscheinlich nur, ihre Erstellung wenigstens zu versuchen.

Früher wussten wir nicht, wer eigentlich Gott ist? Natürlich musste er wegen unserer beschränkten Vorstellungskraft menschenähnlich sein. Michelangelo zeichnete ihn in seiner Sixtinischen Kapelle mit einem Rauschebart. Nachdem wir weitgehend diesen Setzungsbereich überwunden haben, fällt uns heute auf, dass wir eigentlich auch nicht wissen, was selbst unser Bewusstsein eigentlich darstellt, was es überhaupt eigentlich ist? Natürlich etwas, was nur den Menschen auszeichnet (bei Tieren ist man inzwischen unsicher geworden, bei Pflanzen (über sie weiß man eigentlich wenig) in keinem Fall). Zurzeit wird diskutiert, ob die KI eines Tages ein solches besitzen wird. Aber solange man eigentlich nicht weiß, was es eigentlich ausmacht und man der KI wegen der Sicherung der eigenen Besonderheit ein solches abspricht, kann man es leicht verneinen. Wenn man aber die Gesamtheit der menschlichen Neuronenkontakte in einem bestimmten Augenblick für ein solches erklärt, dann dürfte die KI auch ein solches besitzen, mit dem Unterschied, das in der Gesamtheit der menschlichen Neuronenkontakte, in deren neuronalen Vielfalt, Offenheit deren anthropogene Kreativität schlummert, während die KI, je nach ihrer logarithmischen Programmierung nur direkte Wege gehen kann.

Ohne dass wir daran überhaupt denken, zu den vielen auf der Erde zurzeit bedrohten Lebewesen gehört auch der Mensch, indem er sich selber seine eigenen Lebensgrundlagen zerstört. Auch er ist nur ein Teil der Natur, ohne dass er sich dessen ständig bewusst ist. Und die Natur stellt eine Einheit dar, deren biologische Vielfalt erst ihre Existenz sichert. Jedes Lebewesen hat in seinem Ökosystem seine Funktion, und wir sind dabei, diese Systeme zu zerstören, die uns mit Energie (Nahrung), Wasser (Klimaumstellungen) und Luft (Sauerstoff, Feinstaub) versorgen. Wir haben seit unserer Sesshaftwerdung für unsere Landwirtschaft unsere Wälder weitgehend gefällt. Die tropischen Regenwälder bedecken nur noch 7 % unserer Erdoberfläche. In den letzten 50 Jahren haben wir weltweit etwa 75 % unserer Wildtierbestände verloren, zurzeit (2023) sind ein Viertel aller Tierarten auf der Erde vom Aussterben bedroht (Queen’s University Belfast). Viele uns einst täglich umgebende Pflanzen und Tiere kennen unsere Kinder nicht mehr. Auf das Insektensterben schließen wir nur, weil die Schwalben keine Nahrung mehr finden. Wir sehen und wissen das alles, doch wir tun nichts dagegen. In den Schulen lernen wir, dass jeder von uns das Recht hat, sich selbst zu verwirklichen und dass sein persönliches Glück in allem seinem Tun existentiell sein wichtigstes Lebensziel ist. Das gilt von seinem täglichen Tun, seinem Freizeitverhalten (als ein Ergebnis unserer Zivilisation) bis hin zu seiner Sexualität. Die Pflege seines persönlichen Selbstwertgefühls ist sein wichtigster Existenzinhalt. Das gilt demnächst für 10 Milliarden Menschen auf der Erde. Und so lange wie wir uns um unsere Selbstverwirklichung bemühen, können wir uns nicht um unsere Umwelt kümmern. Die Eisbären in der Arktis, die Pinguine der Antarktis und die Nashörner Afrikas sind weit entfernt und lassen sich noch in unseren Zoos bestaunen. Und die einstige Lerche vor unserer Tür war sowieso  nur ein unscheinbarer Vogel, über den nur frühere, romantisierende Texte berichten. Keines unserer Kinder vermisst sie (weil sie sie nicht kennt). Da wir uns durch unsere Zivilisation von unserer evolutionären Natur entfernt haben, bewegen wir uns weitgehend ungehemmt weiter in unserer von uns geschaffenen naturfremden Welt:

  • Wir trennen uns zunehmend von der Umwelt, für die wir uns einst mit unseren Sinnen, unseren Körperorganen und unserem Mikrobiom in unserer Evolution entwickelt haben.
  • Für die Gesundheit unserer Organe bewegen wir uns zu wenig.
  • Unsere Nahrung ist weitgehend körperfremd geworden (unsere Mikrobiome werden dabei zu wenig beachtet).
  • Wir passen uns selber über unsere Optimierungen an die neuen von uns geschaffenen Umwelten chemisch und technisch an.
  • Wir orientieren uns weiterhin über unsere naturfremden Setzungen (Werte).
  • Wir füllen unsere zeitlichen und körperlichen Entlastungen mit naturfremden Inhalten und Spielen.
  • Für unsere Sinne umgeben wir uns mit einer weitgehend naturfremden Welt (bei unseren Denkinhalten, unserer Arbeit, unseren Freiheiten).
  • Wir begreifen das Dasein kausal (weil wir nicht anders können) und nicht komplex (wie es eigentlich ist).
  • Wir bezahlen die Entwicklung und die Gewinne unserer Zivilisation über die Ausbeutung der Natur, der Welt, für die wir uns einst in unserer Evolution entwickelt haben.
  • Unsere Ängste gehören zu unseren Grundemotionen, doch werden sie noch selten von Naturinhalten bestimmt, sondern von für uns fernen Ereignissen, fremden abstrakten Inhalten, die auf unsere Existenz keinen unmittelbaren Bezug haben.

Die Zukunft der Menschheit wird entscheidend von einer Reihe anthropogener Vorgaben bestimmt:   

  • ihrer allgemeinen Entfremdung von der Natur,
  • ihrem Hang, ihre Dopaminbedürfnisse auszuleben,
  • ihrer zivilisatorischer Entwicklung und hier vor allem
    • ihren Mobilitätsbedürfnissen,
    • ihrem Datenumgang mit Hilfe der KI,
    • ihrem Vermögen, ihre biologischen Vorgaben verändern zu können,
  • die Veränderung ihrer physikalischen, chemischen und biologischen Umwelt,
  • ihren räumlichen Umweltveränderungen (Vegetation, Artenvielfalt, Meeresbewegungen, Klima),
  • ihrem Energieverbrauch,
  • ihren archaischen Statusbedürfnissen (sei es im direkten Umgang, sozial oder in den Beziehungen der Staaten),
  • ihren naturfremden Setzungen,              

Durch all diese Veränderungen  stimmt der Mensch als Subjekt und Objekt nicht mehr mit der Welt überein, für die er sich einst in seiner Evolution entwickelt hat und muss sich nun sowohl als Subjekt wie auch als Objekt selber verändern. Sein Vermögen, die Proteinwelt nach seinen Bedürfnissen neu auszurichten und die emotionslose KI helfen ihm dabei. Alle seine bisherigen historischen Setzungen und Werte werden zu einem überholten Seinsinhalt. Der Homo sapiens von einst verändert sich dadurch in wenigen Jahrhunderten selber zu einem Homo synthes. Vielleicht wird er sich dann in seiner Fehlentwicklung noch an frühere Zeiten erinnern, vielleicht auch lustvoll mit einer anschmiegsamen (Acryl-) Puppe und deren vermeintlichen Stimme der Kleopatra lustvoll seine Zeit vertreiben. Chemische Hilfen und Spiele werden seine Dopaminbedürfnisse steuern und so er real ein Bedürfnis danach hat, kann er als Zeitvertreib seine historischen Müllhalden archäologisch untersuchen. Nur, er wird nicht mehr der historische Mensch sein, und auch seine Umwelt wird mit der heutigen nicht mehr vergleichbar sein. Nur ist das wirklich unvermeidbar? Wollen wir den Status- und Dopamingesteuerten hier in dieser Entwicklung folgen?

Wir sind alle nur Stationen auf einem unbekannten, universalen Weg einer uns unbekannten Energie. Wir sind alle darin unbedeutend und dies in der Regel auch innerhalb unseres Daseins auf der Erde. Allerdings füllt jeder seinen Standort wie jeder andere und ist damit auch so bedeutend wie jeder andere. Nur von unseren Statusinstinkten her wollen wir wichtiger, interessanter als unser Nachbar sein. Das ist aber nur eine Selbsttäuschung auf unserem Weg innerhalb unserer biologischen Evolution als Säuger. Wir sind es letztlich nicht. Wir wollen es nur sein.  Unsere jeweilige Befindlichkeit wird hauptsächlich von drei Orientierungsvorgaben bestimmt:

  • Unseren Ängsten: Sie ergeben sich aus unserem Willen, unsere Existenz möglichst ohne Gefährdungen aufrecht zu erhalten.
  • Unserem Selbstwertgefühl: Wir ordnen uns darüber emotional in unsere Gemeinschaften ein und damit in die soziale Bewertung unseres Seins durch unsere Umwelt. Genau genommen ergibt es sich indirekt aus unserem archaischen Bewusstsein unserer vielleicht möglichen Fortpflanzungschancen.
  • Unseren Dopaminbedürfnissen, unserem Wunsch nach einer möglichst ständigen Beglückung. All unser Suchtverhalten wird von ihnen bestimmt. Sie schaffen den Daseinstraum eines nie endenden Glücksrausches. Dabei sind sie nur die Ergebnisse einer möglichst ständigen Aktivierung eines bestimmten Hormons. Das Problem, das sich aus ihnen ergebt, ist ihre Nähe zu einer ständigen Bedürfnisbefriedigung, die durch die Vielzahl der menschlichen Individuen die begrenzten Ressourcen der Erde weit überfordern.

***

Was ist der Mensch? Zunächst eine auf seine Fortpflanzung hin programmierte Existenz,  – wie jedes Lebewesen. Damit ist jeder Einzelne nur die Hälfte eines Evolutionspaares, in der jeder einmalig ist, sich mit jeder Paarung mit seinen Genen neu einbringt und neu mischt. Damit schreitet über sie die evolutionäre Entwicklung auf der Erde voran. Ihr letztendliches Ziel kennen wir nicht. Alles, was auf dem Weg nicht zielführend ist, wird eher oder später ausgelöscht. Wir nennen diesen Weg und seine Kräfte Natur, und jeder von uns ist damit zunächst ein Teil von ihr.

Das Besondere am Menschen scheint nun zu sein, dass bei ihm durch einen instinktiven Verlust in der Vorzeit ein genetischer Sprung erfolgt ist und er dadurch gezwungen ist, seinen bisherigen, evolutionär vorgegebenen Weg zu verlassen. Er muss sich jetzt seinen Orientierungsweg selber suchen, verlässt dabei zunehmend seine naturbezogenen Bindungen und schafft dadurch energetisch völlig neue Realitäten, die zielmäßig als solche immer vollkommener werden. Er wurde zunehmend zunächst ein Kind seiner eigenen Setzungen, zu einem Kind seiner Zivilisationen, die inzwischen neben ihren Leitorientierungen so vielfältig geworden sind, wie es Individuen gibt. Heute ist er dabei, seinen Platz an seine Schöpfungen abzutreten. Durch immer neue Eingriffe schreitet jetzt über ihn eine neue Form der Evolution voran, anfänglich bescheiden über seine technischen Erkenntnisse, danach über die digitale Entwicklung zur KI und demnächst wahrscheinlich zu einer neuen, existentiellen Quantenrealität. Damit wird der Mensch zum Brückenglied zwischen der biologischen und der digitalen Evolution, mit deren Erreichung er seine evolutionäre Bedeutung erfüllt hat. Seine Existenz hat dann demnächst nur noch eine nostalgische Funktion. Sein Problem wird sein, dass er sich aus seinen biologischen Bindungen, wenn er weiterhin ein Mensch sein will, nicht wird lösen können. Schon heute vernachlässigt er seine symbiotischen, mikrobiellen Partner, sein Mikrobiom, die weitgehend seinen Stoffwechsel und damit sein Fühlen, Denken und Handeln steuern. Schon heute bewegt er sich zu wenig und lässt dadurch seinen Stoffwechsel erlahmen. Psychisch ist jeder zivilisierte Mensch aus seinen hormonellen Gleichgewichten gewachsen und damit mehr oder weniger psychisch krank. Zwar jeder anders, bei den bekannten psychischen Erkrankungen aber relativ ähnlich. Wir antworten darauf zurzeit weitgehend mit Optimierungsprogrammen und der Änderung unserer jeweiligen Verhaltensweisen, d.h. mit psychischen, hormonellen Umprogrammierungen. Doch je weiter wir uns von unserem biologischen Menschsein entfernen, je weiter wir uns optimieren, in unserem Gehirn die Abläufe im Sinne unserer Setzungen steuern, die Muskeln und Hormone in unserem Sinne aktivieren, je weniger sind wir noch der historische, biologische Mensch der früheren Evolution. Wir verändern uns selber im Sinne unserer Setzungen. Wir beuten jeden Inhalt unserer Umwelt aus, ohne noch einen emotionalen Bezug zu ihr zu haben und verlassen dadurch die Natur als Bezugsfeld aus dem wir kommen, in das wir eigentlich hineingehören und nach dem wir uns in unserem Unterbewusstsein sehnen.

Aus unserer Fortpflanzungsprogrammierung beherrscht uns noch unser Statusverhalten sehr stark und versperrt uns den Weg zu einem entspannten, emotionalen Dasein. Bei der Fülle unserer Zahl haben wir garkeine andere Möglichkeit, wenn wir innerlich ausgeglichen leben wollen, als bescheiden zu sein. Unser jährlicher Dauerkonsum mehrfacher Erden sollten uns zu denken geben. Für 10 Mrd. Individuen brauchen wir neue, andere Existenzgrundlagen, was bei einer zehnmilliardenfachen Verschiedenheit schwierig sein dürfte. Um eine künftige, neue Art der Bescheidenheit dürften wir kaum herumkommen.

Eine Entfernungskraft von unserer Natur ist auch die westliche Feminismusideologie. Auch sie entfernt den Menschen aus seinen ursprünglichen biologischen Bezügen, indem sie über ihre Setzungen Versprechungen macht, die sie nicht halten kann. Letztlich sehnt sich der „gesunde“ Einzelne als Fortpflanzungswesen weiter nach einer Partnerschaft, die durch die Individualisierung unserer Gesellschaft immer schwieriger wird. Jeder will seine Einmaligkeit immer bewusster ausleben und als Einzelmensch wahrgenommen werden. Durch das Fehlen einer gemeinsamen Leitkultur und die alleinige Ausrichtung über den unterschiedlichen genetischen Hintergrund und die verschiedenen Prägungen fällt dies immer schwerer. Letztlich ist jeder Einzelne nur eine Zufallserscheinung in einer Daseinsepisode, von der menschlichen Ganzheit her gesehen völlig unbedeutend, von einem selbst her aber auf das Wahrgenommenwerden programmiert. Wir wissen das alles. Doch in einem Zwiespalt zwischen Natur und Zivilisation stehend, bestimmen unsere Zivilisationsbindungen zunehmend unsere Dopaminausschüttungen, und wir folgen ihnen deshalb weitgehend.

Wenn die historische, noch biologisch bestimmte Menschheit überleben will, dann braucht sie eine neue Ethik, ein neues Wertesystem für ihre zukünftige Orientierung,                                      

  • das sie verinnerlichen kann,
  • das den Möglichkeiten unserer Erde entspricht,
  • das auf einen empathischen, humanen Hintergrund baut und
  • dabei dem Einzelnen die Freiheit lässt, einfach, bescheiden sein zu können.

Wahrscheinlich wird es immer Personen geben, die verstärkt der Zivilisation zuneigen werden. Sie werden wirtschaftlich global weiter von Bedeutung sein. Im Dienst der KI stehend, werden sie eine eigene „optimierte“ Daseinsform leben. Sie werden ihre eigenen Dopaminausschüttungen haben, ihre eigenen Statuswelten. Vielleicht werden sie, entsprechend programmiert, auch nichts vermissen. Sie werden zwar noch keine Roboter sein, sondern genau genommen nur Avatare, aber Menschen in ihrer Vielfallt, ihren Gefühlen und Sehnsüchten werden sie nicht mehr sein. Für das Wunder der kleinen Dinge werden sie wahrscheinlich keinen Zugang mehr haben.