Was ist der Mensch? II

Was ist der Mensch? (II)

Wir wissen nicht, wie das Wasser auf die Erde kam, und wir wissen auch nicht, wie hier das erste Leben entstand, – wahrscheinlich im Rahmen chemischer Prozesse in einer Ursuppe an mehreren Stellen gleichzeitig. Es entwickelten sich eine Vielzahl an Kleinlebewesen. Heute vermutlich je Liter Wasser etwa zehn Milliarden (d.h. etwa so viele, wie es demnächst Menschen auf der ganzen Erde geben wird). In ihren Lebensprozessen schufen sie den Sauerstoff für die weiteren Evolutionsprozesse. Entscheidend für die folgende Entwicklung waren dann wahrscheinlich die Gezeiten der Meere. Zunächst verließen die Pflanzen das Wasser und 50 Millionen Jahre später (vor etwa 400 Mio. Jahren) auch die ersten Tiere. In ihrer biologischen Evolution entwickelten sie sich immer weiter. Vor etwa sieben Millionen Jahren entstanden die ersten Hominiden und aus ihnen entwickelten sich dann die ersten Menschen. Ihr aufrechter Gang erlaubte eine Weiterentwicklung der Hände, die Beherrschung des Umgangs mit dem Feuer, eine bessere Nutzung der Nahrung und damit wahrscheinlich auch eine weitere Entwicklung des Gehirns. Das wiederum befreite den Menschen von seiner Bindung an seine unmittelbare Reizwelt. Gedankengebäude entstanden, erste Kulturen. Die ersten Menschengruppen wurden vor etwa 20.000 Jahren sesshaft, vor etwa 5000 Jahren lernten sie Metalle zu gewinnen und erst vor 200 Jahren katapultierte die Industrialisierung dann den Menschen in seine Zukunft. Seine gewaltige Energie-gewinnung schuf einen zuvor nie gekannten Konsumrausch und der Konsumrausch das neue Ideal des Rechts auf eine grenzenlose Selbstverwirklichung. Daneben wuchsen die Entwicklungen der Naturausbeutung immer weiter, und der Mensch griff immer stärker in die bisherigen Gleichgewichte der Naturkreisläufe ein. Über seinen Energiebedarf veränderte er die Kohlenstoffkreisläufe und destabilisierte die bisherigen physikalischen, chemischen und biologischen Verhältnisse auf der Erde.  Er griff in die bisherigen Klimaverhältnisse ein, über seine Kunststoffwelt in den Nanobereich der Erde und über seine Verdrängungsmaßnahmen und Ausbeutung der Natur in die Artenvielfalt. Im Menschen wuchs das Gefühl, die Krone der Schöpfung zu sein und in naher Zukunft das ganze Universum beherrschen zu können. Er bemerkte dabei nicht, dass die entelechische Zukunft auf der Erde weitergeht und er selber darin nur einen Beitrag leistet. Seine technologischen Entwicklungen veränderten nicht nur ihn über seine Optimierungsbemühungen, sondern führten auch zu neuen energetischen Informationsnutzungen. Immer deutlicher zeichnet sich seine Entwicklung zu einem Avatar ab und zu einer technologischen, quantenorientierten KI-Zukunft. Wie dann die Zukunft der Menschheit auf der Erde aussehen wird, wissen wir nicht. Da wir nur in einem Heute leben, können wir uns nur bemühen, deren Reichtum zu erhalten, die Welt, auf die hin wir uns einst in unserer Evolution biologisch entwickelt haben, auf ihre Artenvielfalt und unser stilles Glück.

Vielleicht ist das Sein einfach nur Energie, die für unsere Wahrnehmung nur in verschie-denen Formen erlebt werden kann, zunächst für uns nur als Quanten und dann, evolutionär aufeinander aufbauend, zunächst unbelebt physikalisch, dann chemisch und am Ende dieser Entwicklung biologisch, belebt. Es ist so, als ob sie einem in ihr angelegten, uns (noch) unbekanntem, entelechischem Gesetz folgt. Wir wissen es nicht. Wir nehmen es nur in seinen verschiedenen Formen wahr und sind selber ein Teil von ihr. Wir gehen als ein Konzentrat aus ihr hervor und kehren in verschiedenen Energieformen zu ihr zurück. Das ist sehr materialistisch gedacht, doch alle anderen Erklärungen basieren nur auf oft fantasiereichen Setzungen, die in uns psychische Zustände abdecken. Eine zukünftige Besonderheit scheinen die Quantenphysik als Energieträger, die Quantencomputer als Informationsträger und die KI als deren Werkzeug zu sein. Wir wissen es nicht, aber als kommende Realität zeichnen sie sich bereits in unserer Gegenwart ab. Sie wären dann eine neue entelechische Form der universellen Energie des Seins, materiell verfestigt zu einem von uns wahrnehmbaren Zustand, in deren Hintergrund wir zwar ein Initial waren, aber ansonsten nur bescheiden sein können.

Rational gesehen, ist der Mensch ein geteiltes Wesen, das primär neben seinem ihn tragenden Zellgewebe aus Geschlecht und Gehirn besteht. Sein Geschlecht wird weitgehend noch von seinen Instinktresten beherrscht, seinen Status- und seinen Pflegetrieben. Sie bestimmen vorwiegend bei den Männern einerseits deren sozialen Statusbemühungen und darüber deren persönlichen Selbstwertgefühle und bei den Frauen deren Gefallenwollen. Für die Wirtschaft sind beides wesentliche Hintergründe für ihre Geschäfte (u.a. der Modewelt). Im Rahmen unserer heutigen ideologischen, kulturellen Setzungen versucht man, Männer und Frauen gleichzuschalten und schafft damit für den hormonellen Stoffwechsel der verschiedenen Individuen einen neuen sie belastenden Hintergrund. Andererseits ist der bestehende Pflegetrieb auch der Hintergrund für unsere Befähigungen zur Empathie. Viele unserer Werte, die auf ein Mitgefühl zielen, basieren auf ihm, wie überhaupt unsere gesamte Ethik einen instinktiven und damit oft geschlechtlichen Hintergrund besitzt. Kulturell geschaffene Überbauten sind nur begrenzt tragfähig. In unserer vielschichtigen Gesellschaft gibt es zwar immer wieder Gruppen, die deren Gedanken vertreten können, einflussreiche Netzwerke und die Medien können sie verbreiten und durch ständige Wiederholungen von den Bevölkerungsmassen verinnerlicht werden, doch bleibt ihr Widerspruch zu ihrem geschlechtlichen Hintergrund trotzdem bestehen.

Unser Gehirn wird neben seinem biologischen Hintergrund in seinen Funktionen weitgehend von den in ihm bestehenden elektrischen und chemischen Signalen bestimmt. Deren Hintergrund ist seine eingefahrene Synapsenwelt, die empfangene Reize weiterleitet und dann so unsere Gefühle, Gedanken und Bewegungen schafft. Diese Welt ist weitgehend ein Ergebnis unserer Prägungen, die letzten Endes nichts anderes als eingefahrene Wege darstellen:

  • Instinktiv und damit gefühlsbezogen können sie noch von unserer Hormonwelt gesteuert werden.
  • Wahrscheinlich umfangreicher sind aber diejenigen, die unseren Prägungen folgen. Dazu gehören besonders tief in uns vorhandene
    • Orientierungssetzungen, die weitgehend auch unsere Wertwelt ausmachen,
    • kausale Verknüpfungen, die unsere Rationalität darstellen,
    • Gewohnheiten, innere Zwänge, die durch vorherige häufige Wiederholungen entstanden sind,
    • beglückende Zustände, die wir in der Regel gezielt mit Hilfe von Chemikalien (u.a. Zucker, Nikotin, Alkohol, Drogen) und deren Einfluss auf unseren Dopamin- und Serotoninhaushalt auslösen.

 Durch unsere Zivilisation ist unser Gehirn inzwischen zur beherrschenden Instanz in uns geworden. Unser Problem ist, dass es uns inzwischen nicht nur von unserer eigenen Natur, sondern zunehmend durch unsere Setzungen von der Natur überhaupt trennt. Damit löst sich der Mensch von ihr und öffnet auf seine Weise darüber den Weg zu einer neuen Evolutionsstufe.

Jeder Mensch ist genetisch ein anderer. Außerdem ist jeder auch von seiner Umwelt her anders geprägt. Damit unterscheidet sich jeder physisch, psychisch und auch orientierungsmäßig von seinem Gegenüber. Diese Verschiedenheit kann uns Angst bereiten und unser Denken und Fühlen bestimmen. Sozial werden uns dabei unsere Toleranzwerte vorgegeben, z.B. ab wann wir einen Menschen wegsperren. Diese Verschiedenheit bestimmt entscheidend unser Verhalten. Individualistische Ideologien können uns noch so viel von der Gleichheit aller berichten, tief in uns lehnen wir emotional doch den einen oder anderen ab, auch wenn wir ihn dies nicht spüren lassen: Eine andere sexuelle Ausrichtung, die den normalen Fortpflanzungsausrichtungen widerspricht, modische Accessoires, wie gepiercten Körperschmuck, Nasenringe, Tätowierungen oder andere religiöse oder soziale Orientierungsausrichtungen. Der ist ein Linker, der ein Rechter, mit dem will ich nichts zu tun haben. Als gut erzogener Mensch lässt man ihn das nicht spüren (auch das ist nur ein Ergebnis einer persönlichen Prägung), nur ein Gespräch führe ich mit ihm nicht, bzw., wenn ich es doch tun muss, habe ich mich bereits vorher gegenüber allen seinen Aussagen abgekapselt, mich in meiner eigenen Verletzbarkeit bereits vorher geschützt. Wir sprechen miteinander, gehen sogar höflich miteinander um. Zu einem gemeinsamen Tun kommen wir aber kaum, obwohl ein solches bei vielen unserer Probleme in Zukunft nötig wäre. Erleichtern würde dies eine gemeinsame Leitorientierung, Leitkultur, eine gemeinsam akzeptierte Ethik. Doch eine solche scheint zurzeit in unseren sozialen Gemeinschaften kaum möglich zu sein. In der Betonung unserer Individualität steuern wir sehenden Auges das Boot der Menschheit nur weiter auf einen Abgrund zu.

Realistisch gesehen, ist jeder Mensch nur

  • biologisch, die Summe seiner Gene, Hormone, Hirnentwicklungen und seines Mikrobioms. (Sein mögliches Problem: Sie geraten aus ihren Gleichgewichten).
  • sozial, eine Summe seiner verinnerlichten Setzungen. (Sein mögliches Problem: Sie sind veraltet, aus einer anderen Situation heraus entstanden, entstammen einer anderen Kultur).
  • Sein grundsätzliches Problem ist, dass er als ein biologisches Wesen eigentlich fortpflanzungsorientiert ist und sein säugergemäßes Statusbedürfnis noch heute in unseren Massengesellschaften sein persönliches und kollektives Verhalten bestimmt, persönlich psychisch sein Selbstwertgefühl, kollektiv seine Hegemonialbestrebungen).

Biologisch ist der Mensch zunächst Natur, d.h. eine Spur der universellen Energie, die in entelechischen Evolutionsschritten sich auf ein unbekanntes Ziel hin bewegt. Er beinhaltet diese alle zunächst in sich, die physikalischen, chemischen und die biologischen. Er ist Sternenstaub und für seinen Weg auf eine ständige Energieergänzung existentiell angewiesen. Alles was ist, ist letztlich Natur. Sie bestimmt seine Reizwelt und damit seine Freiheiten, den Anteil seiner Energiebewegungen in das Unbekannte vor ihm.

Biologisch gesehen ist jedes Lebewesen zunächst eine spezifische Verbindung von DNA-Elementen, seinen Genen, die sich jeweils zu besonderen Zellkörpern vereinigt haben. Diese organisieren sich wiederum zu Funktionskörpern, Organen und diese wiederum zu biologischen Einheiten, Lebewesen. Auf diese Weise wird jeder Mensch zu einem biologischen Strukturkörper mit seinen spezifischen Eigenschaften, die über seine besondere Programmierung (zunächst genetische, danach soziale) und seine jeweilige Umwelt abgerufen werden. Damit ist jeder Mensch eine Besonderheit, manchmal sehr wertvoll für seine Art, manchmal nur eine kranke Begleiterscheinung. Doch das ist nur eine menschliche Wertung. Die Natur als solche kennt nichts Vergleichbares. Für sie ist jeder Mensch in ihrem großen Rad, gemäß der in ihr innewohnenden Weiterentwicklung, gleich, und wir kennen dieses entelechische Rad nicht, noch weniger sein “Ziel“

Biologisch ist der Mensch ein körperliches Gebilde, bei dem er das Zusammenspiel seiner Organe, Hormone und seines Mikrobioms bis heute selbst in seinen Ansätzen noch nicht versteht. Besonders gilt dies für sein Gehirn als eines dieser Organe. Er beginnt langsam die Funktionen seiner Teile zu benennen, weiß auch etwas von seiner Hormonbeeinflussung und seinen Verbindungen zum Darm. Damit endet aber auch sein Wissen. Das Zusammenwirken dieser Teile ist ihm weitgehend unbekannt. Sicher ist nur, dass, wenn sie aus ihren evolutionär angelegten Gleichgewichten geraten, er psychisch krank wird und auf diese Gleichgewichte sein Umfeld, besonders die Natur, einen entscheidenden Einfluss haben.  

Als biologisches Wesen lebt der Mensch zunehmend nicht in seiner Sinneswelt, in seinem Hier und Jetzt, sondern in einer Welt seiner hormonellen Ungleichgewichte und deren Auswirkungen auf seine jeweiligen Hirnbereiche. Je nach ihrer Ausrichtung verhält er sich rational, emotional oder zunehmend auf einer Dopaminsuche (seiner Bedürfnisbefriedigung) oder völlig aus seinen Gleichgewichten geraten, krank. Alle seine zivilisatorischen psychischen Erkrankungen haben hier wahrscheinlich ihre Ursache.  Wir wissen dies zunehmend und versuchen dieser Entwicklung persönlich durch Achtsamkeitsübungen oder einer verstärkten Sinnesausrichtung auf die Naturwahr-nehmung dem entgegenzusteuern (z.B. über das „Waldbaden“). Jeder einzelne Mensch entwickelt für sich seine eigenen Fluchten aus dieser ihn umgebenden Sinneswelt über seine Tagträume oder persönliche psychische Übereizungen (z.B. Stressformen) bzw. Reizmängel. Hilfe sucht er sich dann über glücksbringende Momente, die ihn zwar innerlich voll erfüllen können, aber ihn nicht tatsächlich öffnen. Das kann er nur in der sinnlichen Wahrnehmung seiner jeweiligen Umwelt, die ihn, wenn sie voll über ihn kommt, in seinem Gehirn auch das Transzendente erleben lässt. Früher suchten die Menschen bewusst über ihre Meditationen einen Weg nach dort oder heute in einer bewussten Annahme des Hier und Jetzt z.B. im Zen.

Kulturell ist der Mensch ein Ergebnis seiner sozialen Prägungen, d.h. das Ergebnis der Summe der Orientierungssetzungen der Lebensgemeinschaften, in die er hineingeboren ist. Sie bestimmen dadurch über eingefahrene organische Abläufe sein Fühlen und Denken, aber als Problem, durch ihre zunehmende Entfremdung von ihrer biologischen Natur, auch seine hormonellen Fehlentwicklungen, alle seine Psychosen und viele seiner Krankheiten. Er wird zwar heute älter als dies zu früheren Zeiten gewesen war, aber zunehmend auch gebrechlicher, pflegeabhängiger und von seinem Inneren her einsamer. Wir wissen nicht, welchen Einfluss die weitere kulturelle Entwicklung auf ihn haben wird. Zunehmend wird er sich gegen die kulturellen und als solche nicht bewussten Fehlentwicklungen auf seinen Körper wehren. Im Rahmen der bereits heute bestehenden Optimierungswelle wird er sich dabei ändern und von seiner ehemaligen evolutionären Natur trennen, befreien. Zunehmend wird er, zunächst in kleinen Schritten, zu einem avatarnahen Wesen und dann eines Tages sehr wahrscheinlich zu einem Avatar, dessen Weiterentwicklung dann von der KI (als Synonym für alle kommenden Quantenentwicklungen) bestimmt werden. Wir Menschen können kulturell in einer analogen Welt nur kausal denken. Die relative, partielle Offenheit für die Synapsenbewegungen in unserem Hirn ermöglicht zwar unsere Kreativität, macht uns aber auch nur zu einer Episodenart innerhalb der universellen evolutionären Entwicklung. Vielleicht ist die Zeit unserer Art mit der Entwicklung einer neuen digitalen Evolutionsstufe abgelaufen.

Wir sehen die Welt immer noch durch die Brille unserer Setzungen, unserer Werte. Wir können als sozial geformte Wesen gar nicht anders. Doch fast alle diese Setzungen haben keinen Realbezug. Sie sind allein die Ergebnisse unserer Fantasien und Orientierungsantworten auf das für uns Unbekannte, Ängste bereitende. Alle unsere Gottesvorstellungen, unsere Vorstellungen einer Seele sind Fantasien. Alle unsere Vorstellungen von unserem Bewusstsein sind Setzungen gegenüber unseren uns noch unbekannten Vorgängen in unserem Gehirn. Alle unsere Vorstellungen über die Anfänge des Universums sind Hypothesen über bisher nicht verstandene Vorgänge. Auch unser Bild, die Krone der Schöpfung zu sein, ist nichts anderes als eine anthropogene Anmaßung. Wir sind nichts anderes als jeweils ein Bündel Zellen, die biologisch auf ihre Fortpflanzung hin programmiert sind. Wir vereinen in uns physikalische, chemische und biologische Vorgänge und sind als solche, Teil einer Entwicklung, eines entelechischen Weges dessen Ziel wir nicht kennen. Aber der Gedanke eines „Ziels“ ist bereits menschlich und besitzt bei unserem heutigen Kenntnisstand der Abläufe keinen Realitätsbezug.

Wir brauchen als Menschen wegen unserem partiellen Instinktverlust eine Orientierungshilfe, die wir uns über mehr oder weniger willkürliche Setzungen beschaffen, zunächst über die Abfolge von Beobachtungen und dann über deren verinnerlichte Rationalisierungen. Damit verbunden wurden emotionale Antworten auf das für uns jeweils Unbekannte, z.B. den Tod. Beide vereinten sich in unseren frühen Religionen, angereichert durch Verhaltensregeln für das soziale Zusammenleben, zunächst den Sippen und dann den großen menschlichen Verbänden. Wahrscheinlich wurden diese Setzungen von Anfang an von entsprechend veranlagten Menschen rational beobachtet, und es entstanden Philosophien. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die Anfangsreligionen und Anfangsphilosophien zu gewaltigen geistigen Orientierungssystemen, zu Ideologien. Bei uns in Europa wurde für mehr als ein Jahrtausend das Christentum bestimmend, danach zunehmend als Philosophien der Humanismus und die Aufklärung. Mit dem Größerwerden unserer geistigen, abstrakten Welt und deren Emotionalisierung lösten neue verinnerlichte Systeme die Orientierung der Menschen ab. Es entstanden neue, zunehmend globale Orientierungssysteme, neue, mehr oder weniger staatstragende Ideologien:

  • Zunächst nach den napoleonischen Kriegen der Nationalismus, der z.B. zurzeit die notwendige Vereinigung innerhalb Europas verhindert,
  • dann der Sozialismus, der die Gerechtigkeit zu seinem höchsten Wert erhob,
  • besonders nach den beiden Weltkriegen der Feminismus, der in den Gesellschaften zur bestimmenden Orientierungsideologie wurde. Die weibliche Selbstverwirklichung wurde zum wichtigsten Lebensinhalt und damit in Verbindung der Individualismus, der die Vereinzelung in den Gesellschaften zusätzlich förderte.
  • Heute entwickelt sich die Identitätsideologie zum wichtigsten Orientierungsinhalt. Die errungene Selbstverwirklichung vereint mit psychischen Besonderheiten wird zum wichtigsten kollektiven Ideal erhoben (damit verbunden, ungewollt, auch psychische Krankheiten). Es erfolgt eine soziale Nivellierung über eine spezifische Demokratievorstellung. Alles ist gleich. Damit wird ein entscheidendes Kriterium des Biologischen aufgehoben, der Evolution als einer Entwicklung hin zu einer „verbesserten“ Veränderung. Einst konzentrierten sich die Gerechtigkeitsvorstellungen auf den Besitz, die Privilegien, heute über eine Nivellierung hin zu einer totalen menschlichen Gleichheit. Das Problem dabei ist, dass zurzeit unsere Gene da noch nicht mitmachen und auch unsere Instinkte (die z.B. im Sport noch Sieger kennen wollen und bei geschlechtlichen Begegnungen noch Kraft und Schönheit).

Wir wissen, dass der Mensch ein auf eine Orientierungsvorgabe angewiesenes Wesen ist. Aufgrund einer gewissen Hilflosigkeit griff er deshalb zunächst auf bestimmte verbliebene instinktive Vorgaben in sich zurück. Dies waren zunächst seine emotionalen (spiritistischen) und dann auch seine sozialen und seine rationalen Seiten. Einseitig, wie er sie bisher gelebt hat und die, wenn sie mit seinen alten instinktiven Orientierungs-vorgaben verbunden werden, ihn zum möglichen Aussterben seiner Art führen können. Alle seine Religionen, Nationalismen, Wissenschaften (ihr Problem, ihre kausale einseitige Ausrichtung) haben ihn zwar zivilisatorisch und kulturell weitergebracht, können aber in ihren bisherigen Vorgaben die durch den Menschen, bzw. durch seine einseitigen Orientierungsvorgaben entstandenen Probleme nicht lösen. Die Menschheit benötigt ein völlig anderes, neues Konzept, eine neue global-komplexe Ideologie, die in sich zwar am Rande weiterhin seine sozialen, rationalen und spiritistischen Seiten pflegt, aber zentral von einer neuen globalen-energetischen Ideologie ausgeht, in der sie jeweils die physikalischen, chemischen und biologischen Evolutionsvorgaben komplex sieht und darin in ihren Betrachtungen den Menschen einerseits als ein zentrales biologisches Teil integriert, andererseits ihn in seiner neuen Stellung gegenüber der sich ankündigenden KI betrachtet. Seine neue Ethik müsste hier ansetzen.

Alle unsere Emotionen werden von verinnerlichten Setzungen gesteuert. Dabei ist es relativ gleichgültig, wie rational deren Hintergründe sind. Für uns sind diese Setzungen zu existentiellen Wahrheiten geworden. Je tiefer sie verinnerlicht sind, um so schwerer ist es, gegen sie zu argumentieren. Natürlich ist die Jungfrauengeburt von Jesus für die Gläubigen eine Wahrheit, und so sind es auch alle Informationen, die ihn betreffen. Ähnlich ist es bei fast allen unseren Ideologien. Millionen Menschen sind für die ihren in den Krieg gezogen und haben sich für sie töten lassen. Es ist schwer, sich damit abzufinden, dass all unser Denken, und ist es noch so rational, logisch, weitgehend nur auf verinnerlichten anthropogenen Setzungen beruht. Und so ist es heute auch schwer, gegen unseren Individualismus zu argumentieren, selbst wenn dieser deutlich sehbar die Menschheit in einen Abgrund führt.

Das menschliche Dasein verwirklicht sich auf zwei Ebenen, einer kulturellen und einer zivilisatorischen. Die kulturelle ist die Ebene seiner Setzungen, seiner verinnerlichten Orientierungsinhalte, seiner Ideologien. Während der Aufklärung wurde darin die Freiheit zum großen Ideal. Im Sozialismus wurde es dann die Gerechtigkeit. Nach deren Vereinigung im sozialen Bereich, wurde es die Gleichheit und darüber dann der Feminismus und heute der Identitätsgedanke. In der zivilisatorischen Ebene war es die immer bessere Energieauswertung, die über immer neuere Wissenschaftserkenntnisse zur Industrialisierung und dann nach der atomaren Nutzung von der analogen Nutzung zur digitalen geführt hat und diese danach zur heutigen KI und den sich abzeichnenden Quantentechnologien. Über die ideologische Herausnahme des Menschen aus der Natur und die technologische Entwicklung öffnet er den Sprung zu einer neuen, vierten Evolutionsstufe, über die die universelle Quantenenergie den Weg zu einer neuen Energieform aufzeigte.

Unser Leben vollzieht sich auf drei Ebenden und je nach unseren Orientierungen betonen wir die eine oder die andere:

  • Da ist zunächst die Natur in uns, unser genetisches Erbe als ein Endergebnis eines langen evolutionären, gebrochenen Prozesses. Gebrochen, weil es unsere biologischen, instinktiven Vorgaben aus ihren bisherigen natürlichen Gleichgewichten gebracht hat. Auf unsere Instinkte in unseren Orientierungen angewiesen, haben wir diese teilweise verloren und waren nun auf Setzungen nach unseren unmittelbaren Beobachtungen angewiesen. Von unseren Instinkten blieben aber für unser Dasein aus dem Biologischen unser Fortpflanzungstrieb und aus der evolutionären Entwicklung unser Statustrieb als deren Begleiter. Beide sind heute noch kennzeichnend für die Geschlechter, besonders für das männliche.
  • Dann sind es unsere kulturellen Orientierungssetzungen als verinnerlichte Prägungsergebnisse. Geboren als Regulierungsantworten für unser soziales Zusammenleben, zunächst in einer Sippe und dann vereint mit Antworten auf das früher große, angstbereitende Unbekannte und den Tod. Sie bestimmen weitgehend unser Alltagsverhalten und haben sich inzwischen zu gewaltigen abstrakten Systemen weiterentwickelt. Ein Problem bei ihnen ist, dass verschiedene Prägungen, verschiedene Orientierungsmodelle oft der eigentliche Hintergrund unserer heutigen Konflikte sind.
  • Als dritte Ebene kommt unsere biologisch-hormonelle hinzu. Es sind unsere Hormone, die weitgehend unsere Gefühle und unser Denken bestimmen. Von der Natur auf ein gewisses harmonisches Gleichgewicht ausgerichtet, verlieren sie dieses zunehmend durch unsere kulturelle Beeinflussung, und wir werden dadurch psychisch krank. Zunächst versuchen wir uns dagegen kompensierend zu wehren, bis wir dann ihnen nachgeben. In dieser Situation schaffen wir neue Setzungen, in ihrem Kern unserer Natur widersprechende, kranke Setzungen, wie sie z.B. in einem größeren Umfang zurzeit von den Feministen gegenüber den Männern aufgestellt werden. Natürlich gibt es unter diesen heute auch eine große Zahl kranker Personen (wie auch unter den Frauen), doch widersprechen viele ihrer heutigen Forderungen den biologischen geschlechtlichen Vorgaben des Mannes.

Vielleicht ist der heutige Mensch nur ein Zwischenglied zwischen einer biologischen und einer bereits heute sich abzeichnenden neuen Evolutionsebene, und sein Dasein zeichnet sich in mehreren Stufen ab:

  • Zunächst als Gemeinschaftsmensch: Bestimmend für sein Dasein war früher zunächst seine Sippe, sein Clan. Noch in den ersten europäischen Universitäten lebten die Studenten in ihren jeweiligen Landsmannschaften.
  • Dann war /ist es der Individualmensch, der zunächst allein auf seine Person bezogen sein Dasein gestaltet. Die Selbstverwirklichung, die Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse bestimmen sein Leben. Die Entwicklung begann in Europa in der Reformationszeit mit der persönlichen Verantwortung für das eigene Tun vor Gott und dreihundert Jahre später, mit der Überschüsse produzierenden Industrialisierung.
  • Heute ist es zunehmend die „Optimierung“, die das künftige menschliche Dasein bestimmt. Der Mensch verändert sich mit Hilfe chemischer und technischer Eingriffe. Zunächst im Rahmen der Bekämpfung seiner Schwachpunkte (z.B. Schmerzen, Ausfälle) und dann im Anstreben bestimmter Setzungen (z.B. Schönheitsideale). Das Ziel ist, lange selbstbestimmend alt zu werden und dabei gesund zu bleiben. Diese Optimierungen nehmen dabei zunehmend die Tendenz der Entwicklung zu einem Avatar.
  • Wahrscheinlich wird in Zukunft der angepasste Partner der sich heute abzeichnenden KI-Kultur, der Avatar sein, ein funktionales Konstrukt, das den jeweiligen Entwicklungstendenzen der Wissenschaften und der Technik im Sinne ihrer jeweiligen Bedürfnisse angepasst ist. Der Rest der Menschheit fristet, auch wegen der Begrenztheit der auf der Erde vorhandenen Ressourcen, ein abgespecktes, hedonistisches Nischendasein.
  • Das Ende dieser möglichen „menschlichen“ Entwicklung bildet dann der Cyborg, eine Vereinigung von Mensch und Maschine im Sinne des Transhumanismus.

Die Philosophie des 20. Jhdts. war eine Philosophie der Sprache, des Benennens unserer jeweiligen Welt. Dabei vereinten sich in ihr mehrere Aspekte,           

  • die Namen, die sie über uns erhalten haben,
  • unsere verinnerlichten Werte, die mit diesen mitschwingen und
  • unsere jeweilige Befindlichkeit.

Damit ist eine Sprache nie wertfrei, sondern immer auch sozial und persönlich mitgeformt.

Zeitgemäß in unserer Zivilisation ist eine individualistisch ausgerichtete Erziehung. Das anzustrebende Ziel ist eine Befähigung zur Selbstverwirklichung. Das Gemeinsame, sogar die eigene Familie geraten dabei in den Hintergrund. Die eigenen Kinder gehen zunehmend ihren eigenen Weg. Man erhält zu seinem Geburtstag oder zu Weihnachten noch eine Karte, und die Enkel kennt man nicht mehr. Man geht an ihnen vorbei, wenn sie einem auf der Straße begegnen sollten. Evtl. dient eine Mutter noch dazu, die eigenen psychischen Mängel über Vorwürfe an sie kompensieren zu können, bzw. von einem Elternteil fundamental manipuliert, in dem anderen Elternteil die Ursache für alle eigene Schicksalsschläge zu finden.

Vielleicht ist der Gedanke falsch. Aber vielleicht ist ein starkes Selbstbewusstsein auch eine kulturabhängige, individuelle Krankheit, ein spezifischer, persönlicher Hormon-fluss, der einen von seinen Gemeinschaften absondert. Instinktiv merken es die Betroffenen auch im Hintergrund ihres Bewusstseins, wissen aber nicht die Ursachen für das Unbefriedigende in ihrer Existenz zuzuordnen und betonen ihre Person nur noch mehr, vereinsamen noch mehr, geben es aber psychisch für sich nicht zu.

Die Geschichte der Menschheit in ihren letzten drei Jahrtausenden ist eine Geschichte ihrer zunehmenden Säkularisierung gewesen. Zwar sind in ihnen noch die heutigen großen Religionen und darüber ihre großen Kulturen entstanden, doch gleichzeitig begann sie zunehmend ihrer Umwelt rational zu begegnen und damit von der Natur, ihrem Herkunftsbereich abzurücken. Darüber begann der Mensch sie auch zunehmend zu beherrschen und auszubeuten. Indem er die in ihr ruhenden Energien immer besser nutzte und seinen Umgang mit ihr rationalisierte, konnte er seine heutigen Zivilisationen schaffen. Da er in seinen Orientierungen ihr gegenüber aber auch zunehmend in den Blasen seiner Setzungen lebte, bemerkte er kaum, wie er sich von seinen Ursprüngen entfernte. Zwar durchschaute er immer stärker deren illusorische Willkür, glaubte aber immer mehr, fast alles zu wissen und der Herr über die Natur zu sein. Umgeben von den Mauern seiner eigenen Setzungen sah er sich zunehmend gottgleich, als den zukünftigen Schöpfer seiner biologischen Umwelt, seiner eigenen Optimierungen, der auf der Erde vorhandenen Energien. Ferne Planeten plante er bereits von hier aus zu besiedeln und den Menschen nicht nur zum Beherrscher der Erde, sondern des Universums zu machen.

Das Problem bei all diesen seinen Utopien ist, dass er nicht nur die Natur in ihren Bezügen und Arten nicht vollständig kennt (z.B. nicht die Millionen vermuteten, noch unbekannten Lebewesen), sondern dass er relativ wenig über sich selber weiß, die Abläufe in seinem Gehirn, dem Zusammenspiel seiner Organe, seiner Hormone. Wie früher die Priester im Rahmen ihrer Setzungen die Götterwelt beschworen, sind es heute die Psychologen, die der Existenz der Individuen einen Sinn zu geben versuchen. Dabei wissen sie gar nicht, wie die Zusammenhänge in den Gehirnen ihrer Patienten funktionieren. All ihr Wissen beruht auf willkürlichen Hypothesen. Wahr scheint nur zu sein, dass jeder Mensch in unserer Zivilisation bei genauerer Betrachtung psychisch krank ist und die Einzelnen je nach ihrer genetischen Ausstattung und Prägung mit ihrer Entfernung von der Natur nur unterschiedlich gut damit umgehen können. Die erfolgreiche Hilfe der Psychologen beruht dann allein auf dem Rat, es einmal auf eine andere Weise zu versuchen. Manchmal haben sie darüber Erfolg, manchmal findet ein Körper aber auch allein einen neuen Weg.

Die Fehlentwicklung des Menschen begann mit seinem Weg vom Gemeinschaftswesen zum Individuum. Einerseits förderte sie rational seine Produktivität, ermöglichte erst seine Zivilisation, andererseits ist er darauf psychisch nicht eingestellt. Biologisch bleibt er ein auf eine Gemeinschaft, Gruppe, Sippe hin programmierter Säuger, der zu kranken beginnt, wenn er seine von dort ausgehende hormonelle Reizwelt verliert. Unsere kulturellen Antworten auf sie sind Kompensationen, verbunden mit unseren Orientierungsantworten wegen unseres Instinktverlustes, relativ willkürliche Setzungen, die uns als Einzelmenschen und Gruppen zwar eine Verhaltenshilfe geben, gepflegt sogar unser jeweiliges Selbstwertgefühl bestimmen, aber immer nur kausale Antworten auf unsere Beobachtungen innerhalb eines komplexen Daseins sind. Sie sind unsere Wahrheiten, die Treibmittel unserer Zivilisation. Sie sind aber auch der Beginn unseres Untergangs, wenn wir nicht aufpassen. Noch ist es vielleicht Zeit, die weiteren Entwicklungen auf eine positive Zukunft hin auszurichten, doch sprechen unsere Egoismen dagegen. Auch sie sind ein Teil unseres biologischen Erbes. Doch liegt es an uns, welchen Weg wir für unsere Zukunft einschlagen. Unser bisheriger hat uns weit gebracht. So weit, dass Einzelne von ihrer Weltherrschaft und Großstaaten von ihrer alles beherrschenden Hegemonialmacht träumen. Doch die sich bereits abzeichnenden negativen Folgen unserer Zivilisation zeigen uns unsere anthropogenen Grenzen. Wir haben sie anscheinend erreicht.

Unsere jetzige gesellschaftliche Situation macht deutlich, dass unsere Individualität weitgehend auf dem Hintergrund unserer verinnerlichten Ideologien beruht. Das kann in uns Angst erzeugen, aber auch in uns Hoffnungen wecken. Wir können davon ausgehen, dass viele unserer Ideologien problematisch sind, dass wir aber auch Orientierungsvor-stellungen besitzen, die uns für uns, für unsere Gesellschaft und sogar die ganze Menschheit Hoffnungen bereiten können. Nachdem in unserer Zivilisation über die Reformation die Macht der Allmächtigen Kirche zugunsten einer individualistischen Erlöserperspektive gebrochen worden war, in Deutschland nach den napoleonischen Kriegen der Nationalismus eine lebenswerte Perspektive versprach, erkannten im 19. Jahrhundert bürgerliche Kreise, die noch eine traditionelle Bindung zur Natur hatten, die sich abzeichnenden negativen Folgen der beginnenden Industrialisierung der Gesellschaft. Heute fassen wir diese Gruppe unter dem Begriff der Lebensreform-bewegung zusammen. Durch ihre starke Beeinflussung des Nationalsozialismus ist sie heute weitgehend aus dem Bewusstsein der Menschen verdrängt worden. Sogar das alte deutsche Liedgut, das viel älter war und auch von den Nationalsozialisten gesungen wurde, haben die aktuellen Chöre aus ihrem Repertoire getilgt. An den Wandervogel erinnert man sich nur noch ungern und dass zur Lebensreformbewegung einst auch die Anthroposophie, die ökologische Landwirtschaft, die Naturheilkunde, der Vegetaris-mus, die Freikörperkultur und der Ausdruckstanz gehörten, bringt man mit der Reformbewegung möglichst nicht mehr in Verbindung. Sie war einst eine angesehene Jugend- und sozialreformerische Bewegung des Bürgertums gewesen, das dem Sozialismus nicht folgen wollte und über ihr damaliges Gedankengut viele Entwick-lungen hin zur heutigen Moderne anstieß, sei es in der Mode, in der Kunst (die „Brücke“, Worpswede waren ihre Kinder). Die moderne Architektur ist ohne sie nicht denkbar (von Gropius bis heute Gehry). Ihre Hauptmerkmale waren ihre Verklärung des einfachen Lebens und ihre Bezüge zur Romantik. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten ihre Gedanken einen starken Einfluss auf Findhorn und auf die New Age-Bewegung, die uns zu einer neuen Lebensweise anregen wollten und dann mehr oder weniger vergessen wurden.

Nun kündigt sich mit den von der Menschheit geschaffenen riesigen Zivilisations-schäden, mit ihrer personellen Überflutung der kleinen Erde, ihren erbarmungsloser werdenden Hegemonialkämpfen, ihren kulturellen Orientierungsauseinandersetzungen und ihren technologischen und digitalen Entwicklungen eine existentielle Katastrophe an, wenn sie auf die Gefahren nicht reagiert. Da die angerichteten Schäden global sind, heißt das, dass sie darauf auch global reagieren muss. Sie wird dafür eine völlig neue Ethik brauchen und für ihre Art ein völlig neues globales Gesellschaftssystem schaffen müssen, das von vielen Abschieden für eine kleine menschliche Oberschicht begleitet sein wird. Viele Thesen der Lebensreformbewegung werden dafür eine Hilfe sein können, ihr Postulat eines einfachen Lebens, ihre rationalen Aspekte, ihre romantische Seite, die emotionalen und sozialen Gemeinschaftsüberlegungen.

Auf die Menschheit bezogen bedeutet dies, dass sie langfristig nur die Alternative besitzt, eine globale Weltgemeinschaft zu bilden oder über ihre eigenen zivilisato-rischen Entwicklungen unterzugehen. Und eine Weltgemeinschaft bedeutet, dass sie sich ihrer Größe wegen über verschiedene Sozialebenen staffeln muss. Für uns in Deutschland heißt das, über eine europäische Ebene, einer neuartige europäische Union. Ihre Notwendigkeit wird schon seit langem erkannt. Die europäischen Klein-staaten sind nicht mehr in der Lage, den großen globalen Problemen erfolgreich zu begegnen und werden über die Interessen der Hegemonialmächte ständig beliebig manipuliert. Die nationalen Gruppen in ihnen werden gegeneinander in Stellung gebracht, so dass sie selbst innerhalb ihrer kleinen Grenzbereiche kaum handlungs-fähig sind. Verschiedene geistige Orientierungsansätze helfen den Einigungsgegnern. Da unsere Orientierungsansätze rational gesehen aber nur beliebige, austauschbare verinnerlichte Ideologien sind, nichts Unumstößliches, haben wir nur eine Chance um unserer eigenen zukünftigen Existenz willen, auch einer neuen Ethik wegen, wenn wir uns demokratisch auf ein zukünftiges, globales Weltmodell verständigen, ein Weltmodell, in dem keine Interessengruppe oder Hegemonialmacht mehr dominiert.  

Alles im Sein scheint sich in einem Fluss zu befinden. Vielleicht sollte man deshalb die Entwicklung vom heutigen zum künftigen Menschen in mehreren Stufen unterteilen, Eine Möglichkeit wäre:

  • Zunächst der Naturmensch, der in seiner Sippe lebende evolutionäre Gemeinschaftsmensch,
  • danach der heutige Kulturmensch, individuell zunehmend vereinzelt, auf die Kultivierung seiner jeweiligen Bedürfnisse ausgerichtet,
  • und heute sich ankündigend, der optimierte Mensch, der sich selber im Sinne seiner künftigen Setzungen ändert. Das Problem dabei ist, dass dies modische Verinnerlichungen sind, beeinflusst von der sich abzeichnenden Zivilisation, ihren hedonistischen Bedürfnissen und ihren verbliebenen menschlichen Restinstinkten, – d.h., keine stabilen Größen, und das in einem Dasein, das universell unbeeinflussbar auf sein Endziel (vielleicht in Milliarden Jahren) sich fortentwickelt.                                      

Das Problem des künftigen Menschen wird darin sein, dass er für diese weitere Entwicklung völlig unbedeutend sein wird. Sie wird nach ihrem digital-quanten-orientierten Anstoß sehr wahrscheinlich unabhängig von ihm weiterschreiten. Es ist seine heutige Selbstüberschätzung, seine Eigenliebe, die ihn die Möglichkeit einer solchen Entwicklung nicht sehen lässt, optimiert der KI dienend, im Rest überflüssig und nur störend zu sein. Die bisherige Entwicklung zum heutigen Menschen dauerte wahrscheinlich etwa 300.000 Jahre, sein künftiges Fortbestehen vielleicht noch einige Jahrhunderte, unwahrscheinlich noch einige Jahrtausende.

Wir wissen nicht, was die Zukunft der Menschheit sein wird. Bei dem Gedanken daran geben wir uns mehreren Illusionen hin, u.a.:

  • dass mit der Menschheit die biologische Evolution ihr Ende erreicht hat. Dafür gibt es aber keinen Beleg. Bisher kamen immer neue Arten auf und alte machten Platz. Das Dasein stellt sich als ein fortwährender Entwicklungsgang dar, und weshalb sollte er beim Menschen enden?
  • dass der Mensch die ihn umgebende Energie unbegrenzt für sich nutzen kann, ohne dass sein Habitat, für das er sich in seiner Evolution entwickelt hat, keinen Einfluss haben wird. Er verändert dadurch seine Existenzgrundlagen. Er hat jetzt nur zwei Möglichkeiten: Entweder er hört mit seinen Eingriffen in seine Umwelt auf oder er verändert sich selber. Zurzeit gibt es im Hintergrund der globalen Entwicklung beide Versuche.
  • dass er eines Tages das gesamte Universum besiedeln wird, zunächst das Sonnensystem, dann aber auch alle habitablen Planeten in der Milchstraße, der Mensch als ein Beherrscher des Universums. Alle seine diesseitigen Probleme wären damit gelöst, Selbst wenn es ihm gelänge, eine Milliarde Menschen in Raumschiffen auf andere Planeten zu bringen, was würde mit den verbleibenden restlichen Milliarden geschehen? Alle Weltraumeroberungspläne des Menschen sind utopische Fantasien. Selbst wenn er nur zwei, drei oder gar fünf Individuen seiner Art in den Weltraum schickt, gibt es dort keinen Ort, kein Habitat, das seiner biologischen Art entspricht. Und dort jeweils die Existenzbedingungen für seine Art auf Dauer zu schaffen, ist Fantasie. Wir haben nur die Möglichkeit, zu versuchen, die Lebensvoraussetzungen auf unserer Erde artgemäß zu erhalten und in unseren Setzungen (Werten) für alle humane globale Existenzbedingungen zu schaffen. Dafür müssten wir diesen Zielen eine Priorität einräumen und allen aktuellen Hegemonialbestrebungen rigoros eine Absage erteilen.

Unser menschliches Problem ist, dass wir in einer Utopie hoffen,

  • dass alles Positive, das einst war, uns auch in der Zukunft begleiten wird,
  • dass für uns als Menschen sich nichts ändert,
  • dass wir die alten evolutionären Menschen bleiben können, optimiert, wie wir uns idealisiert durch die Brille unserer Setzungen gerne sehen würden.

Aber das ist nur ein Traum. Im Universum gibt es keinen Stillstand, und den wird es auch in der Zukunft nicht geben. Die Geschichte unserer Erde ist eine Geschichte fortwährender Veränderungen, und wir Menschen scheinen in der bestehenden Gegenwart darin nur eine Schlüsselposition einzunehmen. Während sich die Zustände auf der Erde zurzeit unglaublich schnell verändern, wollen wir uns zugleich als Art erhalten, u.a. als evolutionäre Geschlechtswesen. Über unsere Setzungen wollen wir z.B. unsere geschlechtliche Verschiedenheit aufheben, Quotenregelungen sind angesagt. In der Natur wollen wir alle Arten, die wir kennen, erhalten. Doch in der Erdgeschichte war bisher alles höhere Dasein nur zeitlich begrenzt. Vielleicht, dass sich jetzt durch den Menschen selber, sich am Horizont seine Endzeit ankündet. Wir wissen es nicht. Wir bemerken nur, dass sich um uns herum alles in einer unheimlichen Geschwindigkeit verändert, das Klima, die Artenvielfalt und andererseits die energetischen Quantenbewegungen völlig neue Realitäten schaffen. Wohin, wissen wir nicht? Wir versuchen nur noch, uns mit unseren instinktiven Statusorientierrungen  einzeln auf Kosten der anderen hervorzuheben und hedonistisch uns selbst zu verwirklichen. Unser persönliches Glücksgefühl wird zu unserem wichtigsten Lebenssinn. Darin sehen wir den Hauptaspekt unserer Selbstverwirklichung, unseres Daseins.  Unser Problem dabei ist nur, die globalen Energieflüsse auf der Erde verselbständigen sich zunehmend und bewegen sich vom Menschen unabhängig weiter.

Der Mensch von heute ist nicht mehr nur Natur. Er will es gar nicht mehr sein. Sein Problem dabei ist nur, er kann seine Haut nicht verlassen.