Menschliche Orientierung

Wir wissen nicht, wie einst das Universum entstanden ist. Die Hypothesen sagen, mit dem Urknall vor ca. 13,82 Milliarden Jahren, als alles Sein mit dem Entstehen des Raumes und der Zeit begann. Seitdem soll es sich ständig ausdehnen. Doch was war vorher da, als Energie, als Raum? Gab es ein Sein ohne eine Zeit? Es wird ein Ursein in der Form einer Stecknadelgröße genannt, in der sich einst alle Energie vereint haben soll, die aller Energie auf unserer Erde, in unserer Galaxie mit ihren Milliarden Sternen und den Milliarden Galaxien im Weltraum. Man kann es sich nicht vorstellen. Man kann, man soll es nur glauben. Im Hypothesenbereich unterscheiden sich damit unsere Wissenschaften kaum von den Religionen, die uns menschenähnliche Götter anbieten oder ein Weiterleben nach unserem Tod. Und wenn ein Raum und eine Zeit erst mit dem Urknall entstanden sind, was war dann an deren Stelle vorher da (eine solche Frage entspricht dann dem menschlichen Denken)? Wir wissen es nicht und werden wahrscheinlich eine gewisse Orientierungsgrenze nie überschreiten können.

Als die frühen Menschen einst durch genetische Veränderungen gezwungen waren, sich ihre Daseinsorientierung neu zu organisieren, da sie zuvor einem gewissen Instinktverlust ausgesetzt gewesen waren, standen sie vor zwei fundamentalen Schwierigkeiten,

  • einer weiteren Energiebeschaffung für ihre Existenz. Sie sicherten sich diese durch die Beobachtungen ihrer Umwelt, kausale Schlüsse und ihre verbliebenen Restinstinkte.
  • dem Umgang mit ihrem Ende, ihrem Tod. Dem vorangegangenen Erleben der positiven Seiten ihres Daseins folgte der Wunsch es weiter bestehen zu lassen.
    Da es dafür keine rationalen Lösungen gab, kompensierte man sich mit emotionalen Setzungen, die ein Weiterleben versprachen.

Im Laufe der Zeit bauten sich im sozialen Zusammenleben beide Bereiche zu gewaltigen Systemen aus. Die frühen Religionen und Erkenntniswelten entstanden. Mit dem Anwachsen der Familien zu Sippen und Stämmen wuchsen sie zu großen Kulturen, aus denen man dann auch die Regeln (Werte) für das Zusammenleben bezog. Zunächst stark beeinflusst von den instinktiven Resten der biologischen Fortpflanzungsvorgaben und dem geschlechtlichen Statustrieb und damit auf den unteren Ebenen der Empathie im Familienleben und den oberen dem säugergemäßen Statusstreben. Genau genommen bestimmen beide auch heute noch unser soziales Zusammenleben, selbst wenn wir dies heute durch neue interessengesteuerte Setzungen nicht wahrhaben wollen und unsere hormonellen Verunsicherungen deshalb mit einer Fülle psychischer Krankheiten bezahlen.

Bewusstseinsmäßig leben wir heute nicht mehr in der energetischen Welt des Universums, dem wir als Evolutionsergebnis eigentlich immer noch angehören, sondern zunehmend in einer immer enger werdenden, auf das persönliche Glück ausgerichteten Individualwelt. In der Mehrzahl sind wir wahrscheinlich orientierungslos geworden. An einen Gott mit einem wallenden Bart glauben wir nicht mehr, auch nicht an die Jungfrauengeburt seines Sohnes. Wir glauben nicht mehr wie viele unserer Vorfahren, dass sein Verkünder mit einem geflügelten Pferd von einem heiligen Felsen zum Himmel fuhr. Die Religionen haben ihre einstige Strahlkraft weitgehend verloren und ihre Vertreter verkünden an den Sonntagen den verbliebenen Gläubigen Fantasien, Esoterik, Ratschläge zur Sinnsuche und verborgene Verständnisinhalte. Ihre vagen Aussagen sind so angelegt, dass die Gläubigen sich in ihnen bestätigt fühlen.

In den Wissenschaften ist es nicht besser. Zurzeit leben auf der Erde Millionen Forschende, die alle zu neuen Erkenntnissen beitragen. Kein Mensch hat darüber noch einen Überblick. Selbst in einzelnen Forschungszweigen erscheinen jährlich tausende Berichte, die niemand mehr alle gelesen haben kann. Die einzelnen Wissenschaftler gehören oft auch verschiedenen Schulen an, die sich gegenseitig bekämpfen. Ihre öffentliche Anerkennung bestimmt ihren sozialen Status. Für ihre Erkenntnisse gibt es zwar feste Regeln, doch sind diese in ihrem Hintergrund emotional trotzdem immer noch wertorientiert. Ein Mensch kann bei strenger Betrachtung allerdings nur in diesen ihren Vorgaben denken. Das Problem, dass dadurch heute auftritt ist, dass die Wissenschaften als Motor unserer Zivilisation uns als biologisches Wesen auch immer stärker vereinsamen lassen. Wir bewegen uns immer weniger und erleben die Welt zunehmend nur noch über unsere Kulturwelt an den Bildschirmen. Damit fördern wir dort zusätzlich auch die Entstehung einer eigenen Welt, die wahrscheinlich als eigene vierte energetische Evolutionsstufe die Zukunft auf der Erde bestimmen wird. Wahrscheinlich werden wir daran nichts mehr ändern können. Der Wettbewerb zwischen den Hegemonial-mächten wird eine Abwehr weiterhin verhindern. Unsere Aufgabe kann es deshalb heute nur sein, in unserer kosmischen Nische des Universums, hier auf der Erde, uns einen Platz zu sichern, der idealerweise unserer Art entspricht und der Menschheit hilft, sich auch in der Zukunft positiv zu erleben.

Zunächst müssen wir uns selber realistischer sehen. Jeder Versuch ist dabei anthropogen in sich bereit begrenzt, und wir können nicht anders, als mit Hilfe von Setzungen so zu denken.

  • Unsere vielleicht wichtigste Setzung ist, alles Sein ist letztlich Energie, jede Erscheinung nur eine materielle Ausdrucksform seiner Einheit. Ihre kleinste Welt kennen wir vielleicht noch nicht. Selbst masselos, erhalten sie erst in Wechselwirkung mit dem Higgs-Feld ihre Masse. So sind Photonen als Elementarteilchen masselos (z.B. Quanten als Energieportionen) und können sich deshalb selber mit Lichtgeschwindigkeit durch den Weltraum bewegen (ca. 300.000 km/sec). Weshalb sich das Universum wahrscheinlich immer schneller ausdehnt, wissen wir nicht. Wir kennen nur etwa 4,9 % seiner Energie als sichtbare Masse, den Standardteilchen der Elementarphysik (68 – 69 % werden als Dunkle Energie vermutet, 26,8 % als dunkle Materie). Als wissenschaftliches Problem stellt sich zurzeit bei den Theorien zur Entstehung des Universums der Umstand dar, dass sie auf zwei verschiedenen Theoriegebäuden sich beziehen (Einsteins Relativitätstheorie und die Quantenphysik). Beide Bestätigungen können aber mathematisch zusammen nicht in Einklang gebracht werden.

Alles was wir über das Universum zu wissen glauben, besteht aus einer Fülle von Hypothesen, die wie einst in der Antike die Götterwelt eventuell nur den Fantasien unserer Zeit entstammen. Laut Einsteins Relativitätstheorie führt dieses Gesetz zu einer ursprüng-lichen Singularität, einer unendlichen Dichte. Alle Materie des Universums und alle Energie soll mit seinen Milliarden Galaxien und deren jeweiligen Milliarden Sternen und Billionen Planeten nach einem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren einem stecknadelgroßen Urkörper entstammen. Wer ihn ausgelöst hat, woher die Energie für ihn kam, weiß man nicht? Diese Überlegungen sind zurzeit auch mit den Gesetzen der Quantentheorie nicht vereinbar. Die heutige Physik geht davon aus, dass

  • die Gesamtmasse der beobachtbaren Materie im Universum ca. 1,5 x 1053 beträgt,
  • die geschätzte Anzahl der Atomkerne soll 1080 ausmachen,
  • mit dem Urknall sollen Raum und Zeit entstanden sein,
  • die Zahl der sichtbaren Sterne soll 10²² – 10²³ betragen.

Man unterscheidet das

  • Universum (Weltall), die Gesamtheit aller möglichen Energie, erfahrbar als Materie und bestimmte Energieformen (z.B. Licht, Wärme, Raum und Zeit). Der beobachtbare Durchmesser soll ca. 93 Milliarden Lichtjahre betragen (1Lichtjahr = die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurück legt = 9,46 Billionen km, = 9,46 x 1012 km, eine Lichtsekunde ca. 300.000 km), in einem Radius von 46,6 Milliarden Lichtjahren (errechnet über einen Rand, der von einer kosmischen Hintergrundstrahlung Die tatsächliche Größe kann um ein Vielfaches größer, sogar unendlich sein) Es scheint sich weiterhin ständig auszudehnen. Seine Größe übersteigt das menschliche Vorstellungsvermögen. Diskutiert wird auch
  • das Vorhandensein möglicher Paralleluniversen (Multiversen), d.h. vom Menschen nicht beobachtbare,
  • dass das Universum keine Grenzen kennt. Unser menschliches Problem bezüglich des Universums ist, dass wir zurzeit nur etwa 5 % von ihm als Materie kennen. Durch den Urknall soll sich die Energie ausgedehnt haben, zur Materie geworden sein und die ersten Elemente gebildet haben, die sich dann in den von uns wahrnehmbaren Galaxien und Sternen konzentrierten. Aber auch das sind weitgehend nur hypothetische Spekulationen auf Grund der Relativitätstheorie. Wir wissen es genau genommen nicht.
  • Galaxien: Dies sind astronomische Großsysteme von 109 – 1013 Sonnenmassen (1 Sonnenmasse = ca. 1.989 x 1030 kg, = ca. 330.000mal schwerer als die Erde) und einem Durchmesser von mehreren 100.000 Lichtjahren. Man schätzt im beobachtbaren Universum ca. 2 Billionen Galaxien. Unser Galaxiehaufen (Laniakea) beinhaltet etwa 100.000 Galaxien. Durch die Ausdehnung des Universums werden die Räume zwischen ihnen immer größer.
    Die Galaxie, in der wir leben, ist die Milchstraße. Sie allein soll etwa 100 – 400 Milliarden Sterne enthalten (die genaue Zahl ist unbekannt. Sie ergibt sich aus den ca. 1,5 Billionen Sonnenmassen unserer Galaxie). Zusätzlich kommen geschätzt 800 Milliarden bis 3,2 Billionen Planeten. Ihr Durchmesser soll 170.000 – 200.000 Lichtjahre betragen. Bei völliger Dunkelheit kann man mit bloßem Auge bis zu 3000 – 6000 Sterne sehen.
  • Sterne: Sie sind riesige Gaskugeln, die von ihrer eigenen Schwerkraft zusammengehalten werden. In ihnen finden Kernfusionen statt, die Licht und Wärme ausstrahlen (z.B. unsere Sonne, als Zentrum unseres Sonnensystems).
  • Planeten: Sie umkreisen als Gesteinsmassen (z.B. unsere Erde) oder als Gasriesen einen Stern.

Jedes Dasein wird in seinen individuellen Orientierungen gelebt. Im biologischen Bereich werden sie von den jeweiligen Instinkten bestimmt. Mit der Entstehung des Menschen wurde diese Entwicklung durchbrochen und die Wege zu neuen Orientierungsformen geöffnet. Dadurch erfährt er völlig neue Formen der Anpassung und die Möglichkeit in die bestehenden evolutionären Ausdrucksformen der Energie neu einzugreifen und sie dabei zu verändern.

Nach unserem heutigen Beobachtungsstand scheint jedes Lebewesen zunächst ein Ergebnis der Summe seiner Gene zu sein, die zusätzlich in ihrer Ausrichtung noch von der Epigenetik beeinflusst werden. Die DNA-Abschnitte in ihnen bestimmen alles in uns, u.a. auch die Entwicklung, die Ausrichtung und die Funktionsweise unseres Gehirns. Wie die Prozesse in diesem genau ablaufen, wissen wir noch nicht vollständig, sind aber auf dem besten Wege, uns davon ein Bild machen zu können. Das Zusammenspiel unserer Hormone in ihm bestimmt auf der Basis seiner Prägungen unsere Orientierungen. Es scheint dabei für uns drei verschiedene Orientierungsebenen zu geben:

  • Zunächst einmal eine evolutionär noch ausgerichtete instinktive. Sie scheint unser Verhalten noch fundamental zu steuern. Einst waren wir, wie jedes Lebewesen, nur auf unsere Fortpflanzung hin programmiert. Unsere wichtigsten Eigenschaften waren damals unsere Startusbemühungen und unsere Brutpflege, h. einerseits unser Aggressionstrieb und andererseits unsere Empathiebefähigung. Beides wird durch heutige Setzungen von ihrer einstigen biologischen Ebene auf neue, kulturelle gebracht (z.B. neue kulturelle Ausrichtungen, die individuell als Emanzipation empfunden werden). In der Regel haben wir in unserer Kultur diesen Hintergrund völlig verdrängt.
  • Dann ist es sein rationaler Zugang zur Welt, der seine Schlüsse aus seinen kausalen Beobachtungen ableitet, diese miteinander verbindet und daraus seine Schlussfolgerungen bezieht. Er benutzt dafür in seinem Denken bestimmte logische Gesetzmäßigkeiten. Daraus haben sich seine Wissenschaften entwickelt und über diese umweltverändernd seine Technologien, die heute dabei sind, sich evolutionär zu einer eigenen autonomen energetischen Kraft zu entwickeln.
  • Als dritte Orientierungsmöglichkeit dienten ihm auf Fragen, die er rational nicht beantworten konnte, Setzungen, die er verinnerlicht als Glauben lebte. Bei den Anfängen des modernen Menschen wurden sie als Religionen gelebt und bestimmten als solche weitgehend sein Verhalten. Als Orientierungsfestpunkte dienten Götter, die sozial rituell verehrt wurden. Die Inhalte dieser Setzungen orientierten sich an der Welt der Menschen (z.B. deren Aussehen und deren soziales Zusammenleben) und bestimmten verinnerlicht das Leben der einzelnen Individuen. Heute verflachen die historischen Religionen und werden von den Wissenschaften und deren Hypothesen abgelöst, beziehungsweise in den Geisteswissenschaften durch Ideologien ersetzt, die für die jeweils an sie Glaubenden einen existentiellen Orientierungsbesitz darstellen. Durch die Schnelligkeit der modernen Medien haben auch diese oft einen Modecharakter angenommen. Die zurzeit in Deutschland immer stärker an Einfluss gewinnende Ideologie ist der Feminismus, der inhaltlich eine gemeinsame Zukunftsentwicklung der Menschheit zu einer notwendigen Einheit verhindert.

Unser Dasein wird von unseren Orientierungsinhalten bestimmt, unsere instinktiven bestimmen evolutionär unser sexuelles Statusstreben als Säuger, unsere rationalen Inhalte unsere Einordnung in unsere Zivilisationen, unsere Setzungen in unsere Kultur, und alle drei gemeinsam unsere existentielle Sinngebung. So unbedeutend wir letztlich im universellen Sein sind, im galaktischen, irdischen oder auch nur in unserem menschlichen Dasein, wir sind in einer bestimmten Zeit in einen bestimmten Raum Geworfene und füllen diesen aus. Unsere aktuellen Setzungen in unserer westlichen Kultur sagen uns, zur Erfüllung unserer Selbstverwirklichung. Wir sind wahrscheinlich ausgefüllter, letztlich zufriedener, wenn wir uns mit unserem jeweiligen Sein begnügen, darauf unseren Sinn beschränken und darin unser stilles Glück suchen.

Alle unsere Setzungen sind inhaltliche Orientierungsvorgaben. Sie können einen emotionalen Hintergrund haben, dann bilden sie die Grundlage all unserer Glaubensinhalte. Gehen diese von höheren Mächten aus, dann bilden sie als Orientierungssysteme unsere Religionen und als verinnerlichte Anmutungssetzungen unsere weiteren Ideologien. Haben sie einen rationalen Hintergrund, kausal aus unseren Beobachtungen gewonnen, dann stellen sie unser „Wissen“ dar, als System unsere Wissenschaften. Sie alle sind anthropogene Leistungen, die unabhängig vom realen Sein bestehen, das wir nur aus unseren menschlichen Grenzen heraus betrachten können. All unsere Glaubensinhalte und all unser Wissen sind zurzeit nur Utopien oder Fiktionen, die aus einer Summe von Einzelleistungen zusammengesetzt sind und als soziale Gesamtergebnisse unsere Kulturen bilden. Es spricht viel dafür, dass wir eines Tages an einen Punkt gelangen werden, an dem wir für unser Erkennen bis zu einer Grundform der universalen Energie gelangen werden, bis zu einer relativ vollständigen Vorstellung der universellen Materie, ihrer Kräfte und Größe (heute glauben wir, 5 % von ihr zu kennen) und ihrer übergeordneten „Gesetze“, denen sie folgt (aber auch dies ist bereits nur aus den heutigen menschlichen Grenzen heraus gedacht). Genau genommen wissen wir das alles nicht und schaffen uns für unsere Orientierung nur Vorstelllungen, sei es emotional oder rational gedacht. Wir sind in dieser Gesamtheit nur ein unbedeutendes Etwas, vielleicht kleiner als ein Staubkorn auf unserer Erde. Als Inhaber dieser Existenz nehmen wir uns selber wichtig. Als ein in sich geschlossener Zellverband können wir gar nicht anders. Innerhalb des großen Seins haben wir nur für uns selber eine Verantwortung. Aber auch dies ist nur eine Setzung innerhalb unseres Daseins, das innerhalb seines biologischen Energieflusses nur einen winzigen Wellenschlag in einem unendlichen Energiesein gleichkommt.

Schon die frühen Menschen unterschieden eine Innenwelt unseres Bewusstseins und die vor ihnen sich befindende Außenwelt. Da sie die Innenwelt in ihrer Existenz als nichtgreifbar zuordnen konnten, die Existenz und Arbeitsweise unseres Gehirns nicht kannten, belegten sie es je nach persönlicher geistiger Ausrichtung ihrer verschiedenen Setzungsschöpfer mit diversen Inhalten, die dann in ihre jeweiligen Religionen eingingen und teilweise als Glaubensinhalte uns noch heute erhalten sind. Für unsere westliche Kultur ist z.B. der Glaube an eine „Seele“ vielleicht das wirkmächtigste Erbe aus dieser Zeit. Einst bereits von den antiken Griechen erdacht, dann von Platon in ihrer Ausrichtung modifiziert und später über Paulus und die Neuplatoniker vom Christentum übernommen, bestimmt ihre nicht greifbare Existenz auch heute noch das Denken vieler Menschen in unserer Kultur.  

Wir sind die Kinder unserer Erde. Ihr Durchmesser beträgt 12.700 km, ihr Alter 4,6 Mrd. Jahre. Sie ist von einer gasförmigen Hülle umgeben, zwei Drittel bilden Ozeane, ein Drittel ihre Landmasse. Diese besteht aus einem Erdkern, dem Erdmantel und der Erdkruste (ca. 50 – 100 km dick, aus tektonischen Platten bestehend). Ihre Gesamtfläche beträgt ca. 510 Mio.    km2. Ihre Oberfläche wird von den verschiedenen Vegetationszonen bestimmt, die wiederum von jeweiligen Klimazonen abhängen. Als Planet hat sie sich einst aus einem Sonnennebel verdichtet. Die leichteren Elemente stiegen nach oben und bilden heute die Erdkruste. Woher das Wasser auf ihr kommt, weiß man nicht (über seine Herkunft gibt es verschiedene Theorien). Seit wann es Leben auf der Erde gibt, ist auch umstritten. Verschieden alte Kohlenstoffisotope sind ca. 3,5 Mrd. Jahre alt, die ältesten Fossilien 1,9 Mrd. Jahre. Zunächst lebten Bakterien, dann entstand pflanzliches Leben. Das schuf dann den Sauerstoff, der erst unser heutiges Leben ermöglichte.  Die Gattung Homo gibt es seit 3,2 Mio. Jahren auf der Erde, den modernen Menschen seit etwa 300.000 Jahren. Über seine Zivilisationen veränderte er die Oberfläche und die allgemeinen Lebensbedingungen zunehmend auf der Erde. In den letzten Jahrzehnten so stark, dass er zunehmend dadurch seine eigenen Lebensbedingungen zerstörte. Vor 2000 Jahren lebten auf der Erde etwa 300 Mio. Menschen, vor 450 Jahren ca. 500 Mio. um 1800 eine Mrd., 1927 zwei Mrd., 1987 fünf Mrd., 2022 acht Mrd. und für 2100 rechnet die UNO mit 10,9 Mrd. Menschen, Menschen, die durch ihre Setzungen ständig steigende Lebensansprüche haben und sich „verwirklichen“ wollen. Die westlichen Menschen versuchen ihre Individualkultur auf der ganzen Welt durchzusetzen und zerstören dabei nicht nur ihre eigene Umwelt, für die sie sich in ihrer Evolution einst entwickelt haben, sondern auch ihre bisherigen Sozialgefüge wie die Familie, die früher der Kerninhalt ihres sozialen Lebens war. Rückblicke gelten als konservativ. Die gesamte westliche Wertwelt ist zwar in der Regel gut gemeint, aber hinterfragenswert. Sie entspricht nicht unserer biologischen Programmierung, und wir können ihr nur gemäß unseren Setzungen entkommen, wenn wir unser historisches Menschsein verlassen und zu Avataren werden. Die KI wird uns dafür eine große Hilfe sein können. Doch wollen wir das wirklich? Der Urkern der asiatischen Setzungen entsprach einst der realen Natur des Menschen eher. Danach sind wir nur die wechselnden Körper einer im ständigen Wandel sich befindenden Energie, die nach ihrem Tod in anderen Gestalten aufgeht oder dort als Ideal, zeit- und raumlos zum absoluten Brahman zurückkehren kann, modern ausgedrückt, zu ihrer letzten energetischen Ureinheit.

Wenn wir nicht den Erkenntnissen der modernen Biologie folgen wollen, dann ist der Mensch ein Doppelwesen mit       

  • einem Innen- und einem Außenbezug,
  • seiner Gefühlswelt und seiner Rationalität,
  • seiner geistigen (religiösen) und seiner wissenschaftlichen Befindlichkeit,
  • seinem Individual- und seinem Sozialbezug,
  • seiner Bild- und seiner Wortorientierung.

Wie immer er sich auch bewusstseinsmäßig entscheidet, es geht immer zu Lasten seines anderen Teils, immer bekommt seine Welt danach eine andere Gestalt, obwohl sie immer die gleiche bleibt. Seit Aristoteles versucht die Philosophie diese seine beiden Seinsseiten über ihre Setzungen wieder vermittelnd zu verbinden. Das Ergebnis sind ihre Ideologien. Damit wird sie inhaltlich zu einer vermittelnden Setzungswissenschaft, deren Inhalt aus einer Mischung von im Menschen angelegten Anmutungen, kausalen Beobachtungen und sozialen Erwartungen besteht.

Wahrscheinlich sind für unseren fehlenden fundamentalen Orientierungsverlust frühere genetische Mutationen verantwortlich. Dadurch sind wir auf Hilfen in der Form von Setzungen angewiesen. Sie helfen uns, uns in unserer Umgebung zurechtzufinden und in ihrer übergeordneten Form unserem Leben einen Sinn zu geben. Als Werte werden sie noch stark von den verbliebenen Restinstinkten aus dem Fortpflanzungsbereich und unseren früheren Bedrohungen beeinflusst. Sie können sich in verschiedenen Formen bemerkbar machen. Ängste gehören zu unseren Grundgefühlen und sind zunächst subjektiv (in Deutschland haben 15 % der Menschen Angststörungen). Verbreitet sind z.B. die Urängste vor Spinnen, großen Höhen und vor Dunkelheit. Sie sind Überlebensmechanismen. Heute ist es besonders bei vielen Menschen die Angst vor der Einsamkeit, vor Krankheiten und im Alter z.B. vor den zu erbringenden Kosten der Pflegeheime (85 % der Menschen in Westfalen-Lippe, 2026!). Über diskutierte oder auch über unsere psychischen Erfahrungen machen wir uns ein Bild von der Welt und lassen es in uns zu unseren Realitäten werden. Emotionalisiert bestimmt es dann unseren Hormonhaushalt und rationalisiert unser Bewusstsein. Beides sind dann Antworten auf unsere Sinnenwelt und stellen unsere Überlebensmechanismen dar. Sozialisiert werden unsere positiven Emotionen zu Werten, die dann während unserer Prägungsphase tief in uns verwurzelt werden, indem sie unsere inneren Synapsenwege dann weitgehend vorbestimmen. Tief in uns verwurzelt, werden sie in Verbindung mit unseren Hormonausausschüttungen zu unseren Bedürfnissen und sozial zu unseren Idealen. Für die Philosophie werden sie dann zu Zentralinhalten ihrer Ideologien (Weltanschauungen), die oft besonders einen Wert in den Mittelpunkt ihrer Setzungen stellen, z.B.

  • der Liberalismus die Freiheit,
  • der Sozialismus die Gleichheit und Gerechtigkeit,
  • der Konservatismus das Bewährte, die Traditionen,
  • der Faschismus den Nationalismus in der Form der Reinheit, Einheit und Stärke.

Auch unsere Demokratie ist in ihrem Ideal eine soziale Ideologie mit den Werten

  • Volkssouveränität (die politische Macht geht vom Volk aus),
  • Gewaltenteilung (Legislative, Exekutive, Judikative),
  • Menschenrechte (wobei diese ideologischen Einzelsetzungen unterliegen),
  • Rechtstaatlichkeit als Grundprinzip des staatlichen Handelns (Bindung der Regierung an Gesetze, Schutz der Menschen vor staatlicher Willkür).

Die ältesten Zeugnisse der Menschheit fand man bisher in Afrika. Sie waren ca. 300.000 Jahre als. Von dort scheint sie sich verbreitet zu haben und beherrscht heute mit ihren Kulturen und Zivilisationen die gesamte Erde.

  • In seinen Kulturen schuf der Mensch seine kreative Welt und seine sozial verbindenden Inhalte, u.a. seine Sprachen, Bräuche, Musik, Kunst und seine Traditionen. Auch seine Religionen sind hier zuzuordnen, wobei sie verinnerlicht, sehr deutlich auch die Problematik von Kulturen zeigen. Als Orientierungsinhalt waren sie verantwortlich für die grausamsten Kriege, Millionen Tote und auch der Holocaust war ein religiöses Ergebnis, beziehungsweise heute das Morden im Gazastreifen und Westjordanland. Kulturen waren immer orientierungsbezogene Impulsgeber, die erst ein soziales Zusammenleben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt ermöglichten. Erst aus ihnen erhielten die einzelnen Menschen ihre Identität, erst aus ihrem verinnerlichten Hintergrund ist unsere heutige westliche Kultur der Selbstverwirklichung zu verstehen. Sie ist der zentrale Inhalt jedes menschlichen Daseins (unabhängig von dessen Niveau und seiner Abstraktionsebene). Mit der Geschichte der Menschheit befand sie sich immer in einem Wandel, nahm der Abstraktionsgrad ihrer Setzungen zu und gleitet er zurzeit mit der KI in eine neue Daseinsebene der Menschheit.
  • In ihrer Zivilisation organisierte die Menschheit mit Hilfe ihrer Wissenschaften und deren abstrakten Umsetzung in der Technik ihre materiellen Lebensbedin Die ersten Städte waren deren Geburtsstätten. In ihnen war man gezwungen, das Zusammenleben zu organisieren und die verschiedenen Aufgaben  spezialisierten Kräften zu überlassen. Unsere arbeitsteilige Welt entstand und führte zu gewaltigen Leistungen. Die Nutzungen konservierter, Millionen Jahre alter fossiler Energie und technische Möglichkeiten des Naturraubbaus, der menschlichen Entlastungen, ihrer globalen Zusammenarbeit schufen zur historischen Naturwelt eine technologische Kulturwelt, in der für viele bisherige Existenzen kein Platz mehr zu bestehen scheint. Die wissenschaftliche Welt überschauen selbst ihre Spezialisten kaum noch in ihren eigenen Arbeitsbereichen. Millionen Wissenschaftler erkennen täglich Neues und haben täglich neue Gedanken. Kein Mensch überschaut mehr das inzwischen angesammelte Wissen und erst der zukünftigen KI wird es gelingen, einen Überblick darüber zu behalten und es weiter auszubauen. Wahrscheinlich wird dann die weitere Entwicklung auf der Erde an der heutigen Menschheit vorbeigeführt werden.

 

Laut unseres heutigen Erkenntnisstandes ist alles Dasein letztlich eine Ausdrucksform der universellen Energie. Unsere Zivilisationen sind erst möglich geworden, weil wir gelernt haben, sie im Sinne unserer Interessen zu formen und arbeiten zu lassen. Als Kraft kann sie weder erzeugt, verbraucht, noch zerstört werden. Wir können sie nur im Sinne unserer Interessen nutzen, vielleicht im Verständnis von Aristoteles als eine im Seienden auf seine Verwirklichung hin ruhende Kraft, deren Vollendung in ihrem entelechischen Ziel bereits als zielstrebende Disposition angelegt ist. Wenn es so ist, dann kennen wir ihr letztes Ziel nicht. Für uns ist das Quantum die kleinste uns bekannte Größe, das durch einen Zustandswechsel zu einer von uns wahrnehmbaren physikalischen Einheit werden kann, die Wellen- oder Teilcheneigenschaften annehmen kann. Alle Materie ist für uns aus Higgs-Teilchen (Higgs-Bosonen) aufgebaut. Wir kennen 17 Elementarteilchen (6 Leptonen, 6 Quarks, 5 Bosonen), dabei haben die Quarks und Leptonen eine Masse und eine elektrische Ladung. Die Quarks in den Atomkernen bestehen aus Protonen und Neutronen. Man schätzt die Zahl der Atomkerne im Universum auf ca. 1080 . Jeder Zustand im Universum ist eine Summe von Energie. Als Ganzes stellt er für uns eine Energieeinheit dar. Jede Arbeit, jeder Fortschritt ist eine Übertragung von ihr.

Auch wir stellen letztlich nur eine energetische Summe dar und stehen in einem ständigen Austausch mit der Umwelt um uns. Wir müssen Energie für ein Fortbestehen unserer Existenz zu uns nehmen und übertragen sie bei unserer Arbeit. Sie bestimmt unser Tun. Als alles verbindende Kraft erleben wir sie als spirituelle Energie. Wir erkennen diese nur über unsere Intuition, nicht über ein rationales Überlegen, sondern nur über das unmittelbare Erfassen des Wesens des Seins. Es ist ein spontan gewonnenes Wissen. In vielen Kulturen wird es als ein Einswerden, eine besondere Klarheit beschrieben, die die persönliche Lebensenergie in ein inneres Gleichgewicht bringen soll. Gezielt wird es dort zumeist durch Atem- und Meditationstechniken angestrebt. Religiös interpretiert, wird dadurch eine Einsicht über die wahre Natur alles Seins gewonnen, hier nicht durch Erfahrung oder rationale Überlegungen, sondern über eine unmittelbare Erfassung der Wirklichkeit. Das angestrebte Verständnis ist eine Klarheit über das wahre Sein, im Buddhismus ein Zustand der Erleuchtung auf dem Weg zum Nirvana, dem Erreichen einer völligen Ruhe bereits hier auf Erden. Über seine Spiritualität soll eine Verbundenheit mit allem erreicht werden, ein tiefes Urvertrauen zum Sein. Heute ist uns eine entsprechende Haltung zunehmend fremd. Das war wahrscheinlich früher bei dem naturnahen Menschen anderes. Da führte die Innenseite seiner Polarität zu seinen Religionen, die weitgehend noch heute unsere Orientierungen bestimmen und deren Inhalte auf Glaubenshintergründe beruhen, die Annahme höherer Mächte. Sie werden, ohne sie zu hinterfragen, für wahr gehalten. In den einzelnen Menschen schaffen sie eine innere Welt des Vertrauens, die bei den Gläubigen, die positiv darauf eingestellt sind, zu einer inneren Ausgeglichenheit führt und damit einer oft bewunderten besseren physischen und psychischen Gesundheit. Man sieht diese innere Ausgeglichenheit der Gläubigen oft bereits ihren Gesichtern an. Früher waren die Glaubensinhalte höhere Mächte, von denen man seine Orientierungsinhalte ableitete, die dann auch weitgehend das soziale Leben in den gläubigen Gemeinschaften bestimmten. Heute können es alle verinnerlichte Setzungen, oft ganze Ideologien sein, die dann auf unser ganzes Leben Einfluss nehmen.

Das Problem aller Religionen, Ideologien, oft auch Wissenschaften ist, dass ihre Inhalte oft zeitabhängig sind und in Verbindung mit der Ausstrahlung einzelner charismatischer Menschen stehen. Oft sind sie von außen betrachtet beliebig austauschbar. Es gibt in der Welt neben den großen Weltreligionen tausende kleinere religiöse Glaubensgemeinschaften. Aber auch die einzelnen Weltreligionen bestehen als solche aus tausenden verschiedenen Bewegungen, die sich oft auf das Heftigste gegenseitig bekämpfen. So soll es allein im Christentum über 30.000 Gruppen (Konfessionen, Kirchenverbände) geben, die alle für sich von den Gläubigen deren Glaubensbereitschaft einfordern. Wer dazu nicht bereit ist, wird aus den westlichen sozialen Gemeinschaften ausgeschlossen, drangsaliert oder sogar getötet (im Christentum waren dies im Laufe seiner Geschichte Millionen Menschen).

Genau genommen sind Religionen nur Orientierungskonzepte, deren Setzungen von höheren Mächten ausgehen, sei es einem menschenähnlichen Gott, wie in den westlichen Kulturen oder einer mit hohen Werten versehenen Abstraktion wie in den östlichen Kulturen. Die westlichen Götter entsprachen dem Aussehen und Verhalten nach den jeweiligen Kulturen ihrer Gläubigen. Sie verführten Frauen wie Zeus (mehr als 70), konnten über das Wasser laufen, wie Jesus und vollführten überall Wunder, wo die Menschen ansonsten hilflos waren. Der Tod der Gläubigen war nicht deren Ende, da ihrem abstrakten, spirituellen Teil, ihrer Seele ein Weiterleben in einer imaginären Welt, dem Paradies versprochen wurde. Um diesen Glaubenskern wurden im Laufe der Zeit eine Fülle an Ritualen geschaffen, die einerseits ihre Anhänger in ihrem Glauben festigten und andererseits die jeweiligen sozialen  Gemeinschaften in ihrem Zusammenhalt stärkten. Damit erfüllten Religionen eine zentrale Doppelfunktion. Daneben sicherten sie ihren Führungskräften Statuspositionen und Recht- fertigungsgründe für deren Entscheidungen, z.B. für deren Kriege. Als Machtinstrumente strebten und vielleicht streben noch einzelne Gemeinschaften über sie eine Weltherrschaft an (so z.B. die Evangelikalen in den USA). Auch in unserer Kultur sind sie, obwohl in ihren Ursprüngen mehrere tausend Jahre alt, immer noch eine entscheidende Kraft in unserer Gesellschaft. Eine der mitglieder- und stimmenstärksten Parteien in Deutschland beruft sich direkt auf das Christentum. Unsere Religionen stellen immer noch das Kerngerüst unserer Werte, Normen und vieler verbindende Rituale dar. Sie betonen ein anthropogenes Mehr von uns Menschen und heben uns damit über das sonstige energetische Sein im Universum. Eine Rechtfertigung dafür gibt es nicht. In der Regel sagen uns die Religionen,

  • woher wir kommen,
  • wohin wir gehen,
  • was der Sinn unseres Daseins ist.

Aber all ihre Antworten können nur begrenzte menschliche Setzungen sein. Weshalb sollen wir einen anderen Wert besitzen als alle anderen evolutionären Wesen auf der Erde? Religionen schaffen zu ihrer Rechtfertigung nicht nur imaginäre Welten, sondern auch Erwartungen in uns, die dann auch unser Hormonabläufe beeinflussen und damit unser allgemeines Verhalten mitsteuern. Glaubend können wir so zu ihren Sklaven werden (wie innerhalb aller unserer Setzungen).

Die ältesten bekannten religiösen Ausdrucksformen von Menschen sind etwa 120.000 Jahre alt und wurden als Grabbeilagen gefunden. Ab etwa 40.000 v. Chr. wurden sie anscheinend künstlerisch begleitet. Es gibt dafür Skulpturen, Malereien und Musikinstrumente als Zeugnisse. Als Orientierung gebende Setzung diente jeweils eine höhere Instanz, von der man sich abhängig fühlte. Vielleicht begann die Neuzeit für die Menschheit, zumindest die westliche, als sie rational eine solche Verbindung als Täuschung erkannte und sich selber zur höchsten Instanz im Universum erklärte. Für Nietzsche war Gott tot. Der westliche Mensch sah und sieht sich als Höhepunkt und Ende der biologischen Evolution. Alles Sein diente nur seiner Energiegewinnung, seinem Glück und der Beherrschung seiner Umwelt.

Mit dem Unbekannten in ihrem Dasein haben die Menschen schon immer Schwierigkeiten gehabt. Besonders problematisch war ihnen dabei deren Ende mit dem Tod. Das konnte doch nicht sein, besonders dann nicht, wenn sie hier auf der Erde bereits eine besondere Stellung gehabt hatten, z.B. als Sippenoberster, als Häuptling, König oder als Pharao. Die Schamanen und Priester schufen darauf eine Fülle an Antworten und werteten sich dabei gleichzeitig selber auf. Sie versprachen nach dem Tode ein Weiterleben in einer paradiesischen Welt, z.B. einbalsamiert als Mumie oder schufen mit der Seele ein unvergängliches Körperteil. Einst eine Schöpfung in der antiken Philosophie von Platon, dann von dem griechisch aufgewach-senen Paulus in das frühe Christentum eingeführt und noch heute in diesem oft der einzige verbliebene Glaubensrest. Zerlegt in unsere biologische und chemische Ausgangsteile kehren wir nur zu unseren energetischen Ursprüngen zurück. Wie weit, wissen wir nicht und können bei unserem heutigen Wissenstand darüber nur spekulieren. Nach unseren heutigen Setzungen ist jede Energie unvergänglich. Sie verändert nur ihren jeweiligen Zustand. Ob im Dasein ein entelechischer Hintergrund für sie besteht, wissen wir nicht.

Heute besuchen in Europa immer weniger Menschen ihre historischen religiösen Einrich-tungen und immer mehr von ihnen treten aus ihren Gemeinschaften aus. Einen größeren politischen Einfluss haben sie in Europa nur noch in Polen, Irland, Spanien und Italien. In der Regel ist ihre Zugehörigkeit in Deutschland nur noch traditionell formal und für die Angehörigen nur noch rituell bei der Taufe, Trauung und der Beerdigung bedeutsam. Andererseits sollen sich wieder besonders junge Menschen bei der Suche nach ihrem verloren gegangenen Transzendenzbezug sich wieder verstärkt religiösen Inhalten zuwenden. Laut Shell-Studie (2006) sollen in Deutschland allerdings nur noch ca 30 % der Jugendlichen an einen persönlichen Gott glauben.

Unsere Religionen stellen orientierungsgemäß sowohl im positiven wie auch im negativen Sinne soziale Realitäten dar In ihrer neueren Geschichte waren sie für

  • Voltaire (1694 – 1778) eine höchste Instanz. Der Glaube an Gott sei moralisch nützlich.
  • Rousseau (1712 – 1778) negative Machtausdrücke und für Kriege verantwortlich.
  • Kant (1724 – 1804) Gott und die Unsterblichkeit der Seele unbeweisbar, die Religionen aber als Erläuterer der moralischen Pflichten unverzichtbar.
  • Schleiermacher (1768 – 1834) ein Ausdruck der jeweiligen Gefühlswelt, nicht der einer Metaphysik oder Ethik.
  • Hegel (1770 – 1831) eine Vereinigung des Menschen mit Gott, die im rationalen Denken als dialektischer Prozess seine Vollendung findet.
  • Schopenhauer (1788 – 1860) für ihn waren Religionen als sinnbildliche Antworten auf metaphysische Fragen notwendig. Die Existenz eines persönlichen Gottes lehnte er ab.
  • Feuerbach (1804 – 1872) Ausdrucksformen des menschlich nicht Zuordbaren und von regionalen Entwicklungen abhängig.
  • Kierkegaard (1813 – 1855) betonte die persönliche Beziehung zu Gott innerhalb eines gottlosen Universums.
  • Marx (1818 – 1883) sah Religionen als einen ideologischen Überbau zur Ablenkung vom Elend der Unterdrückten („Opium des Volkes“).
  • Nietzsche (1844 – 1900) ihre Bedeutungsverlust eine Folge der zunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnisse.
  • Freud (1856 – 1939) sah sie als infantile Abwehrhaltungen und Zwangsneurosen an.
  • Durkheim (1858 – 1917) festigen sie soziale Strukturen, indem sie über Mythen und Riten deren Gemeinschaften verbinden.
  • Weber (Max, 1864 – 1920) waren sie ethische Systeme, die die Gesellschaften bis in ihre wirtschaftlichen Lebensformen prägten.
  • Heidegger (1889 – 1976) lehnte einen kausalen Gott ab und versuchte die Wahrheit des Seins zu erfassen.
  • Fromm (1900 – 1980) als ein Objekt der Hingabe und als einen Orientierungsinhalt.
  • Adorno (1903 – 1969) waren sie gesellschaftliche Projektionen.
  • Geertz, Clifford (1926 – 2006), Religionen sind kulturelle Symbolsysteme zur Erklärung der Welt.
  • Luhmann, Niklas (1927 – 1998) zählt Religionen zu den selektiven Orientierungssystemen, die helfen, die Welt in ihrer Komplexität besser zu verstehen.

Es gibt zur Erklärung von Religionen, was sie sind und welche sozialen Funktionen sie haben, unzählige Aussagen. Modern sind zeitgemäße, naturwissenschaftliche Darstellungen, die von Vorgängen in den menschlichen Gehirnen ausgehen, Erklärungsversuche der geistigen Determination. Unklare Wahrnehmungen werden dabei u.a. übernatürlichen Kräften zugeschrieben.

Geschichtlich haben sich die Religionen vielleicht zunächst aus magischen Naturbeschwörun- gen entwickelt. Um 500 v. Chr. haben sie sich dann weltweit in vielen Kulturen (Indien, China, Iran, Griechenland) nach Jaspers „vergeistigt“. Der rational erfassten Umwelt wurde unter Natureindrücken und dem Erleben des Sterbens verschiedene Setzungssysteme gegenübergestellt, die einerseits die Transzendenz, das Verbindende mit der Natur hervorhoben, eine Folgezeit nach dem Tod sich erdachten und dem Menschen aus der allgemeinen evolutionären Entwicklung hoben. Er wurde an die Spitze des Daseins gestellt und sein Daseinsauftrag, die Erde sich untertan zu machen. In der nachfolgenden Nutzung seiner kausalen Erkenntnisse über deren Nutzung in seinen Technologien zerriss er die komplexen Daseinssysteme auf der Erde und zerstörte dabei zunehmend seine eigenen Existenzgrundlagen. Für die einzelnen Menschen bieten sie einen moralischen Orientierungs-rahmen, der ihm hilft, sich psychisch durch unsere komplexe Welt zu bewegen. Unser heutiges Problem dabei ist, dass diese Welt mit der Fülle ihrer Informationsinhalte für unsere kleinen Gehirne zu groß geworden ist. Wir schwimmen in ihnen wie in einem riesigen Ozean und deren Festpunkte in ihm sind weitgehend soziale und kulturelle Zufallsergebnisse. Unser Selbstwertgefühl macht sie allerdings zum Zentrum unseres Daseins. Sie sind es aber nur für uns.

Religionen sind geschichtliche Orientierungsschöpfungen:

  • Die indischen Religionen (u.a. Buddhismus, Hinduismus) erklären ihre Verhaltensregeln naturgesetzlich, nicht in Bezug zu einer übergeordneten Gottheit, sondern ausgerichtet an einem Weltprinzip. Sie unterscheiden nicht zwischen den Menschen und den anderen Lebensformen.
  • In China lehrt der Daoismus den Impulsen der eigenen Natur zu folgen, während der Konfuzianismus eine umfassende Tugendlehre besitzt.
  • Die christliche Ethik ist eine Pflichtenlehre (z.B. „Zehn Gebote“) und ist endzielgerichtet (Paradies).
  • Der Koran besitzt genaue Handlungsanweisungen für den einzelnen und umfassende Gemeinschaftsrechte.

Überall bestimmten die jeweiligen Religionen das Verhalten der Menschen und das soziale Leben ihrer Gemeinschaften. Sie nahmen dort immer Einfluss auf ihre Ethiken und in deren Folge dann auf deren jeweiligen Rechtsvorstellungen. Das war nicht nur in früheren Zeiten so, sondern ist es auch noch heute. Als die frühen Menschen noch der Natur relativ hilflos ausgesetzt waren, versuchten sie deren Kräfte anscheinend zunächst mit Magie zu begegnen. Im Laufe der Zeit wurden aus deren Setzungen Religionen, naturnahe Religionen. Klimatische Umstellungen und eine zunehmende Rationalisierung der Naturbegegnungen führten zu deren Vereinnahmung. Dabei wurden die Religionen des Nahen Ostens von einer entscheidenden Naturbeobachtung beeinflusst, die auf das menschliche Dasein übertragen wurde und in der Folge den Wiedergeburtsgedanken der späteren westlichen Kulturen wahrscheinlich seit der Bronzezeit weitgehend bis heute bestimmte. Man hatte die lebensbetonende Bedeutung der Sonne erkannt: Abends starb sie zwar, wurde aber jeden Morgen wieder geboren. Ihrer Bedeutung wegen erhielt sie einen gottähnlichen Status, und man schrieb ihr die mythologische Funktion eines Totenbegleiters zu. Vergleichbar der von der Sonne losgelösten Kraft habe auch der Mensch eine vom Körper getrennte Seele, die nach seinem Tod mit der Sonne morgens neu geboren werden könne. Echnaton (ca. 1350 – 1320 v. Chr., in Altägypten) machte die Sonne als „Aton“ zur alleinigen Gottheit, die frühen Israeliten übernahmen diese Haltung in ihrem Monotheismus und ließen sie als Jahwe weiter bestehen, als „Vater“ übernahm ihn dann von dort das Christentum und danach von diesem der Islam als „Allah“. Seine Setzung wird einem gewissen Moses zugeschrieben, doch ist dessen reale Existenz umstritten und soll neuassyrischen Texten aus dem 8.Jh.v. Chr. entnommen worden sein, der Legende von Sargon von Akkad. Heute werden sie in unserer Gesellschaft zunehmend nur noch von ihrem ehemaligen mythischen Hintergrund befreit als sozialer Verhaltenskodex gelebt, bzw. im Rahmen von Statusbestrebungen missbraucht. Viele wirtschaftliche Gewinnabsichten, Vorteilsnahmen oder globale Hegemonievorstellungen gehören hierher. In einer Welt der persönlichen Vereinzelung denkt fast jeder nur an seine Vorteile. Da sie verinnerlicht weitgehend unsere Gefühlswelt steuern, nehmen sie auch einen großen Hintergrundeinfluss auf unsere rationale Welt der Wissenschaften.

Wie stark die historischen religiösen Bindungen noch in unsere Gegenwart hineinreichen, mögen folgende Beispiele zeigen:

  • Noch 1964 verlangte man vom Autor als Gartengestalter im damaligen Landkreis Melle an einer neu errichteten Schule den Pausenhof so zu gestalten, dass man die dortigen katholischen und evangelischen Schüler diskret in den Pausen trennen konnte. In das bisher katholische Dorf waren nach dem Krieg protestantische Flüchtlinge gekommen und man befürchtete ein Aufweichen der bisherigen sozialen Ordnung.
  • 2011 wurde ein jesidisches Mädchen aus dem Kreis Lemgo von ihren Brüdern getötet, weil es eine Beziehung zu einem Nichtjesiden hatte. Man sah hier seine Familienehre bedroht (Jesiden = kurdische religiöse Gemeinschaft mit einer großen Diaspora in Deutschland). Ähnliche Morde dieser Gemeinschaft kamen bis heute immer wieder vor (u.a. noch 2022 In Augsburg).

Zu den großen positiven historischen Leistungen, die auch mit den Religionen verbunden werden, sei es im Sozialverhalten (Albert Schweitzer, Mutter Teresa) oder in der Kunst (die Pyramiden, Chartre, Kölner Dom) muss man allerdings auch deren negativen Auswüchse sehen, in denen ganze Völker (z.B. Indianerstämme) von den frommen Christen umgebracht wurden. Im Dreißigjährigen Krieg starben Millionen Menschen, Unzählige im Rahmen der Hexenverfolgung und noch im letzten Jahrhundert im Holocaust Millionen. Die Schuld am Letzteren wird heute gerne allein den Deutschen als Kriegsverlierer zugesprochen, sie mussten dafür u.a. den neu gegründeten Staat Israel finanziell aufbauen. Gefördert wurde nach dem Krieg (und noch heute), wer die deutsche Alleinschuld bestätigte und dann als Politiker, Historiker oder Publizist sie weiter verbreitete und vertiefte. Doch war es ein europäisches Verbrechen, besonders der osteuropäischen Staaten. Polen hat den damals beraubten Familien bis heute ihre ehemaligen Besitzungen nicht zurückgegeben. Die Religion diente damals in vielen osteuropäischen Staaten als Mittel der ethnischen Reinigung und des Besitzraubes.

Eigentlich dienen die Wissenschaften immer neuen Erkenntnisgewinnen. Zurzeit gibt es Millionen Menschen, die für sie arbeiten. Eine Folge davon ist, dass niemand mehr die Fülle des ständig nachwachsenden Wissens verfolgen kann. Mit ihm verbunden sind Einflüsse auf unsere jeweilige Zivilisation, die globale Wirtschaft und die Macht der einzelnen Staaten. Im personalen Bereich ist es der Status der dort arbeitenden Menschen. Weil niemand mehr die Fülle der Publikationen überblicken kann, sind Fälschungen und interessengezielte Informationssteuerungen an der Tagesordnung. Niemand, selbst Staaten nicht, können immer den Wahrheitsgehalt einer entsprechenden Nachricht überprüfen. Zurzeit gibt es ein Wettrennen zwischen den Hegemonialmächten um Erkenntnisvorteile. Verbunden damit sind technologische Führungspositionen. Als die deutsche Wissenschaft nach 1945 zerschlagen wurde, half sie die der USA und Russlands aufzubauen. China folgte später durch geschickte Staatsförderungen.

Die Wissenschaften sind noch ein zutiefst menschlicher Erkenntnisgewinn. Das wird in Zukunft vielleicht anders werden. Kennzeichnend für sie ist dann deren intersubjektive Überprüfbarkeit und deren Offenheit für Korrekturen. Ihre Ergebnisse ergeben sich aus Beobachtungen und Analysen. Manchmal gehen theoretische Überlegungen und Experimente voraus. Entscheidend sind dann die Veröffentlichung der Ergebnisse in Fachzeitschriften, deren öffentliche Akzeptanz und das nachfolgende Zitiertwerden. Letzteres entscheidet dann über den öffentlichen Status eines Wissenschaftlers. Da es im wissenschaftlichen Bereich oft konkurrierende Schulen gibt, werden viele entsprechende Veröffentlichungen unterdrückt oder nicht zitiert. Das gilt besonders für den Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften. Autoren aus anderen geistigen Arbeitsgruppen werden möglichst gar nicht genannt oder höchstens nur deren negativen Seiten hervorgehoben. So wurde zum Beispiel eine Veröffentlichung der „Geschichte der Gartenkunst“ dieses Autors durch eine Gruppe akademischer Fachvertreter mit Hilfe ihrer Gutachten verhindert, obwohl vier Verlage zunächst an einer Publikation interessiert waren, weil sie gemeinsam eine solche schreiben wollten. Die Ehrenpräsidentin der „Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur“ Anke Kuhbier nannte die Arbeit in der Zeitschrift „Blätterrauschen“ (Ausgabe 45/2015): „Noch nie wurde die Geschichte der Gartenkunst so ausführlich, gründlich und umfassen dargestellt“. „Gibt es Widerstände gegen eine Veröffentlichung innerhalb des Berufsstandes, Dünkel, Neid – wer weiß das?“. Nachdem diese Arbeit dann ins Internet gestellt worden war, wurden die Gemeinschaftspläne aufgegeben. In den Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Biologie) kommen relativ viel Fälschungen vor, da man deren Beobachtungen in den Spitzenbereichen oft nur schwer nachverfolgen kann. Und die Formwissenschaften (z.B. die Mathematik) beweisen mit ihren Rechenkünsten ihre Theorien selber, so u.a. die allgemein anerkannte Urknalltheorie, die im Widerspruch zur auch allgemein anerkannten Quantentheorie steht. In ihren Spitzen lassen sich beide nicht beweisen.

Dabei stellen uns die Wissenschaften die meisten unserer alltäglichen Orientierungsinhalte. Hierin liegt besonders ihre soziale Verantwortung. Zu ihrem Ethos gehören deshalb auch Unparteilichkeit und Ehrlichkeit. Zwar kann man heute immer noch die Überprüfbarkeit der gewonnenen Erkenntnisse verlangen, doch ist dies in den Forschungsspitzen kaum noch möglich.  Viele der dort publizierten Inhalte werden stark vom Statusbedürfnis der dort arbeitenden Menschen bestimmt und den Wahrheitsforderungen der Öffentlichkeit. Laut Popper gilt eine Erkenntnis nur so lange als wahr, bis sie durch Überprüfungen widerlegt wird, falsifiziert wird. Die Geschichte unserer Wissenschaften begann mit der Beobachtung unserer Jahreszeiten als Kenntnisvoraussetzung für den Getreideanbau. Rational stellte man ihre kausale Beziehung zu Sternenkonstellationen fest. Damit begann zunächst die Astronomie ihre Rolle bereits bei den frühen Menschen zu spielen. Indem mehrere Vorsokratiker ihre Beziehungen zu dem Götterglauben rationalisierten, setzte bereits vor 3000 Jahren der erste naturwissenschaftliche Orientierungsumbruch ein. Aristoteles beobachtete gezielt seine Umwelt, besonders im biologischen Bereich und wird so zum Begründer der Naturwissenschaften. Zunächst noch Teil seiner philosophischen Gedanken, basierten seine Aussagen aber bereits auf einem empirischen Hintergrund. 2000 Jahre gehörten alle entsprechenden Überlegungen zur Philosophie und erst im 17. Jahrhundert konnten sie sich aus deren Bevormundung lösen und sich mit zunehmendem Wissen als Einzelwissenschaften, wie wir sie heute kennen, weiterentwickeln. Die Naturwissenschaften trennten sich von den Geisteswissenschaften, die zunächst weiter ein Teilbereich der Philosophie blieben und dort zunächst besonders von den englischen Empiristen vorangetrieben wurden. Sie leiteten das Verständnis der Welt allein von den Erfahrungen ihrer Sinneswahrnehmungen ab. Diese Grundhaltung wurde dann auch zum Fundament der modernen Naturwissenschaften, die nun durch systematische Forschung, Experimente, Beobachtungen und Messungen sehr schnell zu einem gewaltigen Wissensbesitz gelangten und die technischen Möglichkeiten vorantrieben. Im 18. Jahrhundert setzte in England die Industrialisierung ein, in Deutschland im 19. Jahrhundert und veränderte die bisherige europäische Zivilisation. Die bisherigen Agrarwirt-schaften wurden zu Industriegesellschaften. Die maschinelle Massenproduktion veränderte die früheren gewachsenen sozialen Gemeinschaften. Waren sie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts allein durch ihre Religion zusammengehalten worden, dann nach den napoleonischen Kriege vom Nationalismus, wurde es jetzt der Sozialismus mit all seinen Formen. Die mit der Industrialisierung einsetzende Urbanisierung und wachsende Verelendung großer Bevölkerungskreise förderte als neues Orientierungsideal die Gerechtig-keit, die jetzt zunehmend von den Menschen eingefordert wurde.

Mit der rasch wachsenden Entwicklung der Naturwissenschaften wuchs das Wissen der Menschen ins Gewaltige: Die technologische Entwicklung förderte aber auch zugleich den Energiebedarf. Die Veränderungen der Umwelt im Agrarbereich, das ungebremste Wachstum der Menschheit, ihre Hegemonialkämpfe veränderten die bestehenden Lebensbedingungen so, dass sogar die zukünftige Existenz der Menschheit bedroht ist. Zunächst erkannte man die Physik der Atomwelt und lernte sie begrenzt zu beherrschen, dann einen Schritt weiter die Quantenwelt. Da die Naturwissenschaften in ihren Spitzen inzwischen weitgehend nur noch mit mathematischen Hilfen arbeiten, erhielt deren Entwicklung eine besondere Bedeutung. Zuse (1910 – 1995) entwickelte dafür zwischen 1936 und 1941 den ersten programmierten Digitalrechner. Nach dem Krieg wurde zunächst durch die verschiedenen Militärs und dann Einzelpersönlichkeiten die Computerentwicklung weiter vorangetrieben. Die Abstände zwischen deren Neuheiten wurden immer kürzer. In den letzten 20 Jahren haben sie unsere Gesellschaften völlig verändert und die Entwicklung des Menschen von einem Naturmitglied zu einem Kulturmenschen weit vorangetrieben. Von einem Gemeinschaftswesen wurde er zunehmend weitgehend zu einem Individualwesen, allein auf seine Dopaminausschüttungen im Rahmen seiner Selbstverwirklichung fixiert.

Mit dem Wachsen des menschlichen Wissens, Millionen Wissenschaftler arbeiten zurzeit an seiner Erweiterung, entstand die Situation, dass kein Einzelmensch es mehr übersieht und dieses Wissen sich als Realität über die inzwischen auch gewachsenen technischen Möglichkeiten verselbständigt. Die Voraussetzungen dafür bildet die KI. In Verbindung mit der Erkenntnis, dass alles Sein Energie ist und diese Energie in unserem Existenzbereich über die Quantenwelt beeinflussbar ist, schaffen wir für sie ihren Einstieg. Das Problem für uns wird dann sein, welche Rolle wir dann auf der Erde noch spielen werden? Wir wissen es nicht. Selbst wenn eines Tages 100 vielleicht sogar 1000 Menschen in Zukunft den Mars besiedeln werden, werden für die Milliarden auf der Erde Verbleibenden sich viele Fragen und Probleme stellen. Wahrscheinlich werden wir nicht umhinkommen, uns rückzubesinnen, dass wir nur Teile einer komplexen Natur sind und unsere existentielle Hauptaufgabe darin bestehen muss, diese als Ganzheit und uns als Gemeinschaftsexistenzen zu erhalten. Unsere zukünftigen Orientierungssetzungen müssen darauf ausgerichtet sein.

All unser Wissen ist das Ergebnis empirischer Beobachtungen und dann kausaler Rückschlüsse. In seiner Summe ergibt es das menschliche Gesamtwissen, das aus vielen Einzelwissenschaften und deren Hypothesen besteht. Ihr Problem dabei ist der verbliebene Naturmensch, der über seine Restinstinkte noch heute sein Statusstreben und seine Machtinteressen als Einzelner, als Gruppe oder als Hegemonialmacht auslebt. Mit der KI als zivilisatorische, wahrscheinlich neuevolutionäre Gegenkraft sollte er diese Bestrebungen um seiner selbst wegen aufgeben. Allerdings dürfen psychische Widerstände und gesellschaft-liche Tabus dies ihm sehr erschweren. Da unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse immer nur kausale Ergebnisse sind, können sie in einer komplexen Welt immer nur selektiv sein und immer nur eine Möglichkeit sein, die auch stark von unserem Prägungshintergrund bestimmt wird. Gegen viele Erkenntnisse bestehen oft psychische Barrieren, besonders aus verinner-lichter religiösere Sicht, wie z.B. bei vielen evangelikalen Christen gegenüber der biologischen Evolutionsfolge. Sozial wird oft über Lobbyisten auf die Förderung oder Verdrängung wissenschaftlicher Positionen Einfluss genommen. Dies erfolgt weitgehend über die zur Verfügung gestellten Gelder (z.B. Drittgelder) oder einen Einfluss auf die Besetzung von Lehrstühlen. Besonders in der Energieforschung haben sich die Lobbyisten stark eingebracht (z.B. dem Einsatz der fossilen Brennstoffe und der Atomenergie).

Wegen den Problemen in der wissenschaftlichen Forschung gibt es eine eigene Wissenschaftsethik, die sich sowohl unmittelbar mit der wissenschaftlichen Arbeit (z.B. Tierversuchen) wie auch deren gesellschaftlichen Auswirkungen befasst (z.B. Waffenproduktion). Zurzeit wird die Gen-Forschung von verschiedenen Interessengruppen bei uns in Deutschland kontrovers diskutiert. Bei uns gibt es dafür eine Kommission, deren Zusammensetzung allerdings von Interessenvertretern gebildet wird. Gemessen wird diese Ethik an einem Kanon sittlicher Grundsätze: z.B.

  • Objektivität: Die Beobachtungen sollen sachlich und neutral sein.
  • Überprüfbarkeit: Die Ergebnisse müssen gesicherte und evtl. korrigierbar (falsifizierbar) sein.
  • Bedeutsamkeit: Zum wissenschaftlichen Fortschritt beitragen.
  • Es soll eine Folgerichtigkeit der Gedanken bestehen.
  • Die Arbeit soll eigenständig und dabei originell sein.
  • Die Inhalte sollen nachvollziehbar sein.
  • die Leistungen unparteilich und die anderer anerkennen.
  • Die Messergebnisse müssen zuverlässig sein.

Wegen dem Statuscharakter, den die Wissenschaftler über ihre Arbeit erlangen, sind Täuschungen und Fälschungen nicht selten. Daten können erfunden sein, unliebsame Ergebnisse verschwiegen werden, Experimente vorgetäuscht werden, einseitig sein. Der Zwang zu immer neuen Publikationen, um Forschungsgelder zu erhalten, fördert diese Entwicklung, auch der Umstand, dass es Büros gibt, die gegen Bezahlung Studienarbeiten und sogar Promotionsarbeiten schreiben sollen. In den Geisteswissenschaften werden durch Gutachten Publikationen bisher unbekannter Autoren verhindert. Die Literaturangaben sind selten aussagefähig, da oft nur Übernahmen aus anderen benutzten Büchern. Inzwischen kann man im Internet Listen bisheriger Fälschungen in fast allen Wissenschaftsbereichen finden, deren Inhalte oft von Interessengruppen auch gerne in ihrem Sinne trotzdem verbreitet werden.

Die Bedeutung der Wissenschaften besteht neben ihrer Funktion als Informant für unsere technische Zivilisation in ihrem allgemeinen individuellen und sozialen Orientierungs-charakter. Fast alles in unserer Kultur entstand auf dem Hintergrund wissenschaftlicher Beobachtungen und Interpretationen. Auf Informationen für unsere Orientierung existentiell angewiesen, können wir gar nicht anders als uns auf sie zu beziehen. Damit sind sie als geistige Inhalte auch an die Grenzen der menschlichen Befähigungen gebunden. Dies erkennend, hat es in ihnen selber auch immer eine etablierte Kritik der führenden menschlichen Denker gegeben:

  • Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) kritisierte Platon: Er lehnte dessen Idee der Urbilder ab und forderte allein eine Orientierung an dem Konkreten.
  • Englische Empiristen (ca. 1550 – 1700) forderten anstelle der bisherigen metaphysischen Vorgaben allein die Beobachtungen der Sinne für die Akzeptanz der naturwissenschaftlichen Beobachtungen.
  • Kant (1724 – 1804) verband die Beobachtungen der Sinne mit den apriorischen Strukturen (Zeit, Raum, Kategorien) und lehnte einen Einfluss der Metaphysik auf die Wissenschaften ab.
  • Hegel (1770 – 1831) kritisierte Kants subjektive Vernunft und forderte eine Einheit vom erkennenden Subjekt und dem zu erkennenden Objekt.
  • Marx (1818 – 1883) kritisierte Hegels Idealismus und forderte eine Rückkehr zur allein empirischen Beobachtung (Materialismus).
  • Nietzsche (1844 – 1900) sieht die Objektivität der Wissenschaften als eine Form des Glaubens, als Konstruktionen. Für ihn gibt es keine objektiven Wahrheiten, sondern nur verschiedene Perspektiven auf unsere Welt.
  • Heidegger (1889 – 1976): Für ihn verwandelt die Wissenschaft die Welt in eine Summe von Informationen, die sie für ihre technischen Interessen nutzen kann. Sie konzentriert sich auf das Seiende und vergisst dabei das Sein. „Die Wissenschaft denkt nicht“.
  • Marcuse (1898 – 1979): für ihn war Wissenschaft nie wertneutral, sondern immer die Ausdrucksform einer bestimmten Herrschaft.
  • Popper (1902 – 1994) sieht wissenschaftliche Ergebnisse als ein Vermutungswissen, das nie endgültig bewiesen ist und immer widerlegt werden können muss (falsifiziert).
  • Jonas (1903 – 1993): Sein Denken ist verantwortungsethisch ausgerichtet. Ein Forschungsdenken ist nicht wertfrei, sondern soll sich an dem Erhalt der Menschheit und der Natur orientieren.
  • Sartre (1905 – 1980): Er kritisiert die Wissenschaften, die den Menschen als Produkt seiner Umwelt oder Biologie verstehen und ihn nicht über seine Handlungen definieren.
  • Foucault (1926 -1984): Für ihn ist Wissen nie neutral und objektiv, sondern von den jeweiligen Machtverhältnissen abhängig. Eine wissenschaftliche Wahrheít ist immer zeitabhängig.
  • Habermas (1929 – 2026): Er sieht die Wissenschaften als interessengeleitete Ideologien, die die bestehenden Machtverhältnisse verschleiern. Für ihn kann Wissen technisch-instrumentell, praktisch-kommunikativ und emanzipatorisch ausgerichtet sein.

 

Auffallend an dieser wissenschaftlichen Orientierungsentwicklung sind die Schritte von den einstigen vorchristlichen religiösen Urbildern zu einer zunehmenden Rationalisierung der Umweltbeobachtungen, ihrer alleinigen Beschränkung auf die Emperie zu der heutigen Distanzierung von ihren Ergebnissen. Viele von ihnen werden in ihrer ergebnisorientierten Vielschichtigkeit zunehmend auch kritisch gesehen. Wir haben zwar gelernt, viele Bereiche unserer Umwelt technisch zu beherrschen, sehen aber inzwischen auch, dass wir dabei sind, unsere Existenzgrundlagen zu zerstören. Unsere kausale Ausrichtung in unseren Wissenschaften wird ihrem komplexen Sein nicht gerecht. Wir haben in dieser Situation nur die Möglichkeit uns zurückzunehmen und viele unserer Eroberungsfantasien aufzugeben. Die Menschheit wird nie unsere Galaxie besiedeln können, noch viel weniger das Universum. Vielleicht eines Tages einige einsame Forschungsstationen auf dem Mond und dem Mars haben. Aber alles darüber hinaus sind kühne Fantasien. Wir werden genug damit beschäftigt sein, die Menschenmassen mit ihren Ansprüchen auf der Erde zufrieden zu stellen. Dafür muss sie diese

  • einerseits auf die realen Möglichkeiten der Erde zurückstellen,
  • sich selber nur als einen Teil der Natur sehen,
  • die Setzungen der individuellen Selbstverwirklichung vergessen, und andererseits in einem neuen Setzungskanon
  • nur im Hier und Jetzt sein (die medialen Fantasiewelten z.B. entfernen uns nur von uns selber),
  • durch das Reduzieren auf das Jetzt, zu seiner inneren Freiheit gelangen. Einfach nur sein.
  • einfach nur tun, nicht streben, und durch Gelassenheit sich z.B. vom Statusstreben, und Ehrgeiz befreien,
  • in der Stille, der Einfachheit, im Mitgefühl und im Loslassen die Hintergründe für sein Handeln sehen (Entsprechen den Zielen des Zens),
  • individuell in der biologischen Harmonie des eigenen Stoffwechsels sein wichtigstes Lebensziel sehen,
  • aktiv die Verantwortung für alle Seinsbereiche verinnerlichen.

Es ist der Weg zu einem immer währenden Zustand in seinem Glück, wie ihn die Weisen des Ostens schon lange erkannt haben, bereits lange bevor der Westen durch seine Bemühungen die Natur zu beherrschen und seine Versprechen des persönlichen Glücks in seiner Selbstverwirklichung die Menschheit an den Rand ihrer Existenz brachte. Für uns im Westen ist die Verinnerlichung entsprechender Setzungen relativ fremd. Unsere Prägungsziele sind die Selbstentfaltung in Richtung auf seine auch verinnerlichten Bedürfnisse, die Kultivierung seiner noch instinktiven Statusbemühungen und damit seines lebenslangen Leidens. (Wie es die Weisen des Ostens und bei uns später Schopenhauer vor Jahrtausenden bereits gesagt haben). Diese zu überwinden muss das Lebensziel des künftigen Menschen sein. Auch auf diesem Hintergrund lassen sich Erkenntnisbestrebungen erfüllen und Wissenschaft betreiben,

Durch unsere hauptsächlich westlich orientierte Wissenschaft haben wir unsere tatsächliche Verbindung zur Natur verloren. Alles Sein stellt letztlich eine Einheit dar, die wir durch unsere Beherrschungsbestrebungen aufgegeben haben. Wir wollen unserer Umwelt gegenüber zwar objektiv sein, sind es aber nicht, da all unser Wissen und Fühlen letztlich an die Struktur unserer Gehirne gebunden sind, die während unserer Prägungsphase eine falsche Ausrichtung erhalten haben. 

Die Wissenschaften sind Teile eines dynamischen Prozesses, deren Ergebnisse oft von vielen Faktoren abhängen. Auf Wahrnehmungen oder Hypothesen folgen Modelle deren Ergebnisse dann zu Theorien führen, die für die Bevölkerung der Kulturkreise aus denen wir kommen, dann zu sozialen Orientierungsinhalten werden. Wenn man diese Theorien dann bis in ihre Details überprüft, wird man oft feststellen, dass in ihnen auch viele nichtwissenschaftliche Anteile enthalten sind. Das Problem bei dem allen ist, das unser Glaube an die Rationalität und Empirie ihrer Hintergründe inzwischen unser gesamtes Denken bestimmt und wir deren Hintergrund der in ihnen enthaltenen kulturellen Setzungen übersehen. Der normale Alltagsmensch wäre mit deren kritischer Betrachtung auch überfordert. Ihm genügt, wenn er weiß, dass bei induktiver Vorgehensweise man von seinen empirischen Einzelbeobachtungen zu allgemeingültigen Erkenntnissen gelangt und bei deduktiven umgekehrt, von seinen allgemeinen Theorien auf Einzelfälle schließt. Darüber hinaus hinterfragt er sie nicht mehr. Für uns sind alle wissenschaftlichen Aussagen im Alltag wahr und das Wahre besitzt für unser Verhalten den höchsten Orientierungswert. Ihr auch kultureller und psychischer Hintergrund wird so gut wie nie gesehen. Alle unsere Setzungen wurden innerhalb unserer menschlichen Grenzen gewonnen, sei es empirisch über unsere Sinne, rational an die Bindungen unseres kausalen Denkverhaltens und unserer Logiksysteme gebunden oder emotional an die Hintergründe unserer inneren Gehirnverknüpfungen, sei es unserer evolutionären genetischen Ausstattung, seiner Prägungen, Hormoneinflüsse und damit sogar unserem jeweiligen Mikrobiom im Darm. Unsere Setzungen sind alles andere als allein rationale Ergebnisse. Sie sind nur verschiedene Ausdrucksformen unserer Orientierungen  jeweils in unseren Grenzen.

Unsere Wissenschaften schaffen uns für unsere Orientierung ein System rationaler Setzungen. Für unser Bewusstsein stellen diese in seinen Grenzen die Realitäten des Daseins dar. Dabei wissen wir gar nicht, was die Realität in ihrem absoluten Sinne eigentlich ist. Sie ist jeweils nur unsere Realität, gewonnen aus einer Vielzahl kausaler Beobachtungen, die es uns erlaubt, uns in unserer Umwelt zu bewegen und diese für unsere Bedürfnisse zu nutzen. Dabei sind bereits all unsere Bedürfnisse und Ziele letztlich auch nur die Ergebnisse verinnerlichter Setzungen, die Ergebnisse unseres evolutionären Hintergrundes und der Kulturen, in die wir hineingeboren sind. Das bedeutet, dass alle unsere Erkenntnisse, alle unsere Wahrheiten, letztlich nur relativ sind, anthropogene Ergebnisse eines in seinem Hintergrund entwicklungs-bedingt begrenzten Denkens. Allerdings haben wir keine Alternative für unsere Orientierung zu ihm. Unser Problem dabei ist, dass alles Dasein ein komplexes System darstellt, auf das wir nur kausal reagieren können und dabei zwangsläufig vielen anderen Beziehungen nicht gerecht werden. Wir überziehen dabei die ureigenen energetischen Beziehungssysteme (menschlich gedacht), und schaffen zwar mit der KI für sie eine neue evolutionäre Plattform, stellen uns selber dabei aber zunehmend ins Abseits.

Mit der Erkenntnis der religiösen und wissenschaftlichen Erkenntnisgrenzen kommt der Philosophie wieder eine stärkere Beachtung zu. Man kann zwar so weitermachen wie bisher, stolz sein auf seine technologischen Ergebnisse, doch zeichnen sich am Horizont unseres Daseins eine Reihe Bedrohungen ab, die sogar die Zukunft der Menschheit in Frage stellen:

  • Da ist zunächst sein Herrschaftsverhalten gegenüber der Natur. Er wird damit scheitern, da er in seinem kausalen Vorgehen ihr gegenüber in deren komplexen Dasein nicht gerecht werden kann. Er wird am Ende der heutigen Entwicklung immer der Verlierer sein. Den Anfang macht er bereits mit der Veränderung der Atmosphäre, des Klimas, des Wasserhaushalts, der ihn umgebenden Natur allgemein. Wir passen uns ihnen zwar an, doch sind auch unsere eigenen Veränderungen biologische Grenzen gesetzt. Auch ein Weg über eine Avatarzukunft für Milliarden Menschen kann nicht deren anthropogener Zukunftstraum sein.
  • Dann ist es unser wachsender uferloser Energiebedarf. In der Evolutionsgeschichte der Natur gilt die Energienahme allein dem Selbsterhalt und der Fortpflanzung. Und auch die Menschheit hat sich hunderttausende Jahre daran gehalten. Mit ihrem Seßhaftwerden mussten zunehmend auch Menschen energetisch versorgt werden, die nicht an der Energiegewinnung beteiligt gewesen waren. Der Energiebesitz wurde zu einem bestimmenden Statusmerkmal in den Gesellschaften. Mit der Nutzung der fossilen Energie, gespeichert über viele Millionen Jahre, erkannte die Menschheit die technologischen Möglichkeiten, die ihr damit gegeben waren. Sie nutzte sie einerseits für die Unterwerfung der übrigen Umwelt im Sinne ihrer Vorstellungen und andererseits die eigene Glücksvermehrung. Eine Gruppe weitete die Bedürfniswelt ihrer Individuen ins Unermessliche aus. So weit, dass die Erde sie eigentlich nicht mehr befriedigen kann. Die Hegemonialbemühungen der Großmächte, als soziale Form von Statusbemühungen, führte zu den heutigen Kriegen um Rohstoffe, Absatzmärkte und die Zugänge zu Finanzmärkten. Alle kleineren Staaten waren in deren Bemühungen nur Spielbälle, Vasallen, wie die vielen europäischen Länder. Technologisch wurde die Energiegewinnung inzwischen auf den atomaren Bereich und in letzter Zeit wegen den damit verbundenen Gefahren auf ökologische Energiequellen umgestellt (Sonne, Wind, Wasserkraft, Biomasse und Geothermik) und als Energieträger und Energiespeicher den Wasserstoff. Alles dient unserem Energieverbrauch. Da diese als solche nie verloren geht, sondern immer nur in andere Daseinsformen gebracht wird, verändern wir mit deren zunehmenden Verbrauch auch zunehmend unsere Umwelt und damit unseren Existenzhintergrund, der aber als Möglichkeit der universellen Energie in ihr bereits entelechisch angelegt ist.
  • Die dritte Bedrohung ist vielleicht die KI. Wir wissen alle viel zu wenig über sie. In der Regel nur partiell über kleine Lebensbereiche, aber kaum etwas über ihre lenkende Funktion unserer zivilisatorisch weit fortgeschrittenen Staaten, über ihren Einfluss auf unsere Wissenschaften, einzelne Technologien oder über ihre Einflüsse in den modernen Kriegen. Unsere gesamten Informationstechnologien werden über sie gesteuert. Es scheint ein Leichtes zu sein, uns alle über sie in beliebige Wege hinein zu manipulieren. Schon heute folgen wir ihr in einem uns weitgehend unbekannten Umfang. Einst ist sie aus unseren digitalen Computertechnologien als datenverarbeitende Hilfe hervorgegangen. Und heute verändert sie sich so rasch, dass das, was wir heute über sie schreiben, bereits morgen überholt ist.
    • In der industriellen Landwirtschaft werden die Felder heute bereits satelitengesteuert von automatischen Maschinen bestellt, gedüngt, der Pflanzenschutz betrieben und geerntet. In der Tierhaltung kann es ähnlich sein.
    • In den Haushalten übernehmen Roboter zunehmend alle Hausarbeiten und bei Pflegebedürftigen die Betreuung.
    • Im Handwerk kann sie fast alle Arbeiten übernehmen.
    • In der Medizin sind ihre Diagnosen heute bereits besser als die der Ärzte. Noch werden sie dort offiziell nur als Hilfsmittel eingesetzt und die Ärzte erläutern deren Ergebnisse. Aber auch das könnte die KI übernehmen.
    • Für die Unternehmen werden KI-Agenten als Vorgesetzte gebaut. Ein mittleres Managment wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben.
    • Die Medien werden heute bereits von digitalen Erzeugnissen beherrscht. Bei ihren Informationen weiß man oft nur den Umfang, in dem diese manipuliert übergebracht werden, nicht. Dass sie alle interessengesteuert sind, davon sollte man ausgehen.
    • Unsere Mobilität wird heute bereits zunehmend von Robotern gesteuert.
    • die digitalen Netzwerke stellen inzwischen unverzichtbare zivilisatorische Infrastrukturen dar, die unser gesamtes Finanzwesen, unseren Handel und Verkehr steuern. Ohne sie geht nichts mehr. Das Problem bei ihnen in diesem Bereich ist allerdings, dass die Hegemonialmächte bei Streitigkeiten dadurch in der Lage sind, ihre Vasallenstaaten mit Hilfe weniger Knopfdrucke zu jeder Zeit wieder folgsam werden zu lassen.
    • Eine ähnliche Hilflosigkeit können Kriege bereiten. KI-gesteuerte Waffen können sie auf eine bisher nie gekannte Ebene bringen. Das Morden kann jetzt völlig anonym erfolgen. Die Infrastrukturen der Gegner können jetzt relativ leicht außer Kraft gesetzt werden, wenn sie nicht mit einem großen Aufwand geschützt werden.
    • Die KI kann uns als Individuen bereits heute die sozialen Gemeinschaften ersetzen. Wir brauchen diese nicht mehr, wenn wir mit ihr unsere Fantasien ausleben. Mit ihr gibt es keine Einsamkeit mehr. Wir können uns mit ihr unterhalten (sogar mit bereits lange Verstorbenen. Sie kann den Informationsschatz der ganzen Menschheit besitzen) und sogar mit entsprechenden Puppen unsere sexuellen Bedürfnisse ausleben.

Zu diesen drei Verhaltensbedrohungen des Menschen, muss man noch zwei seiner Verhaltensweisen zu seinen eigenen existentiellen Bedrohungen rechnen, sein umfassendes, immer noch bestehendes Statusverhalten und seine westliche Individualismuspflege.

  • Die erstere ist immer noch eins seiner verbliebenen Restinstinkte aus seiner früheren Fortpflanzungszeit als Säuger. Man muss der Stärkste, Überlegenste in seiner Gruppe für seine Fortpflanzungsrechte werden. In der Natur kann man dies überall noch heute erleben. Kultiviert, erleben wird dies im menschlichen Bereich überall im Sport und in der Wirtschaft. Die Stärke wurde in der Letzteren durch die Finanzkraft und den Besitz von Statussymbolen ersetzt. Besonders problematisch wurde dieses Verhalten als es auch in das Hegemonialstreben der Großmächte überging und Teile des Nationalismus zunehmend steuerte. Die europäische Vereinigung ist deshalb unter den heutigen Bedingungen kaum möglich. Jeder betroffene Kleinstaat will für sich nur das Optimale herausschlagen. Im Hegemonialbereich geht es besonders um seine jeweilige Vormachtstellung im Besitz der Ressourcen, der Beherrschung der Märkte und Infrastrukturen, der Abhängigkeit möglichst vieler Kleinstaaten (oft gesichert durch dort befindende Stützpunkte).
  • Die westliche Individualpflege trägt zwar einerseits auch zur Spaltung unserer Gesellschaften bei, ihr besonderes Bedrohungspotential liegt aber in ihrem persönlichen Ausleben. Bei Milliarden Menschen überfordert sie die Möglichkeiten der Erde. Die Ideale der Selbstverwirklichung schlagen bei den Menschenmassen in eine grenzenlose Bedürfnisbefriedigung um. Jedem werden unendliche Freiheiten und ein immerwährendes Glück versprochen. Mit diesem Versprechen wird versucht, auch die Prägungen in anderen Kulturen zu unterlaufen, sogar zu finanzieren, bis es dort zu Aufständen kommt und möglichst zu einem Machtwechsel im Sinne der eigenen Interessen. So geschehen in der Ukraine bis zur Maidanrevolution, dem Regimewechsel und dem heutigen Krieg. So ständig versucht in den islamischen Ländern, um dort über einen Regimewechsel mehr Einfluss auf die dort lagernden Energiereserven zu bekommen. Fast alle Kriege in der letzten Zeit fußten auf einem solchen Hintergrund. Und der heutige Machtkampf der Hegemonialmächte fördert zusätzlich die digitalen Kräfte und könnte bei einem Krieg die Reste der dann noch lebenden Menschheit wieder zurück zu ihrer Vorzeit bringen.

Relativ allein in unserer kleinen Welt bemerken wir kaum, wie diese Entwicklung an uns vorbeigeht. Noch sind auch wir von einer Energiezufuhr abhängig. Doch auch das kann sich ändern. Alles deutet darauf hin, dass die KI eine eigene energetische Kraft neben der bisherigen physikalischen, chemischen und biologischen sein wird, vielleicht ein energetischer Fortschritt auf uns bezogen, und wir sollten uns darauf mit einer eigenen Setzungswelt einstellen. Die bisherigen Philosophien kannten bisher die jetzt auf uns zukommenden Probleme noch nicht.

Im letzten Jahrhundert wurde die Philosophie von mehreren Strömungen beherrscht, die weitgehend aneinander vorbeiredeten. Jede hielt sich für die jeweils wichtigste. Ihre oft starke nationale Bindung verstärkte diesen Eindruck.

  • Vor dem ersten Weltkrieg bestimmte in Deutschland die Lebensreformbewegung die Diskussion, damals zunächst verstanden als der „dritte Weg“ neben dem herrschenden Kapitalismus und dem aufstrebenden Sozialismus. Er wollte über eine Optimierung des individuellen Lebens die damals bestehende Gesellschaft über ein Zurück zur Natur verbessern. Er verstand darunter u.a. eine Ernährungsreform, Freikörperkultur und neue Formen des sozialen Zusammenlebens (u.a. Gartenstadtbewegung, Wandervogel) und mehrere Gesundheitskonzepte (u.a. Naturheilmethoden, Sonnenbaden). Seine Gedankenwelt hat bis heute einen großen Einfluss auf die Umweltbewegung und der Suche nach neuen Lebensformen (u.a. Yoga, Achtsamkeit). Die spätere kalifornische New-Age-Bewegung der 1960er Jahre mit ihrer Harmoniesuche mit der Natur war ein später Nachkomme von ihr. Heute wird oft ihr kultureller Heimatbezug kritisiert, der heute in Deutschland als völkisch diffamiert wird (ein Umstand, der hier nach 1945 zur Ablehnung vieler seiner eigenen Kulturgüter geführt hat, weil viele von ihnen auch von den Nationalsozialisten gepflegt worden waren, z.B. das historische Liedgut der „Mundorgel“).

Später haben dann verschiedene philosophische Schulen mit ihren Setzungen die allgemeine soziale und wissenschaftliche Orientierung bestimmt. Dies waren besonders der

  • Neukantismus (in Deutschland um 1900, besonders die „Marburger Schule“): Sie richtete sich gegen den Idealismus Hegels und forderte eine stärkere Rückbesinnung auf die erkenntnistheoretischen Forderungen Kants, besonders in den Naturwissenschaften. Diese blühten auf. Deutschland wurde zur führenden Wissenschaftsnation der Welt (erhielt in der Folge u.a. die meisten Nobelpreise).
  • Existentialismus (ausgehend von Kierkegaard, u.a. Heidegger, Sartre): Für ihn war der Mensch allein für sein Dasein verantwortlich. Im Zentrum seiner Überlegungen stand das Individuum und dessen Freiheiten (Sartre: Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt). Er allein ist für seine Sinnsuche verantwortlich.
  • Feminismus (u.a. Simone Beauvoir, Alice Schwarzer, Judith Butler): Er ist hauptsächlich eine soziale Bewegung und setzt sich besonders für die Gleichstellung der Geschlechter ein. Indem er die bisherigen Geschlechterrollen hinterfragt, wendet er sich besonders gegen die geschlechtsbezogenen Diskriminierungen. Seine Aktivitäten verliefen seit Ende des ersten Weltkrieges in verschiedenen inhaltlichen Wellen: Wahlrecht, Berufstätigkeit, Sexismus. Es gibt heute in ihm verschiedene Strömungen. Probleme stellen seine Entfernung der Geschlechter von ihrer biologischen Natur und die Pervertierung der Sexualität dar (z.B. vor jedem Kontakt eine beweisbare Einverständniserklärung, d.h. eine schriftliche).
  • Analytische Philosophie (Ursprung: Wiener Schule: Frege, Wittgenstein, später besonders im englischsprachigen Raum): Sie verlangt besonders eine methodische Klarheit in den Aussagen und strenge logische Analysen. Dabei zerlegt sie komplexe Inhalte in ihre logischen Bestandteile.
  • „Kritische Theorie“ (ausgehend von der „Frankfurter Schule“ ab den 1930er Jahren: Horkheimer, Adorno, Marcuse, später Habermas): Sie hinterfragte besonders die gesellschaftlichen Zusammenhänge, die bestehenden Ideologien und das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, um dadurch Ungerechtigkeiten aufzudecken. Ihr Arbeitsziel war die Emanzipation des Menschen.
  • Poststrukturalismus (philosophische Strömung in den 1960er Jahren in Frankreich, u.a. Foucault, Derrida): Sie stellen das autonome Individuum infrage. Eine Sprache bildet die Wirklichkeit nicht ab, sie konstruiert diese erst. Alle Wahrheiten sind relativ und veränderlich. Die Welt ist als solche zufällig.

Orientierungen sind Setzungen. Ihr Verlust macht uns relativ hilflos. Wir erleben dies heute beim zunehmenden Religionsverlust und der davon begleiteten abnehmenden Regierbarkeit unseres Landes. Unser Individualismus macht unser Land praktisch unregierbar. Unsere Parteien sind inzwischen nur noch eine Gruppe gegensätzlich orientierter, machtinteressierter Menschen. In den Regierungskoalitionen kommen Menschen zusammen mit oft sehr gegensätzlichen Interessen. Die Kompromisse erfolgen auf dem geringsten gemeinsamen Nenner. Das Ideal einer Demokratie ist so erfolgreich kaum realisierbar. Seine Voraussetzung wäre eine alle verbindende Leitkultur, Leitorientierung, die in unserem Land nicht mehr gegeben ist (früher war es die Religion, dann oft der Nationalismus). Dies gilt wahrscheinlich für alle westlichen Staaten mit Mehrparteiensystemen, zwingt uns aber trotzdem, uns zu überlegen, wie eine solche aussehen müsste. Die innere Zerrissenheit und die globalen Interessengegensätze hindern sie daran. Man kann realistisch nicht für einen allgemein umfassenden Individualismus ohne eine Leitkultur sein, wenn man gleichzeitig eine Demokratie haben will, die in ihrem Kern gemeinschaftsorientiert ist. Aktuell haben dies in Deutschland die Regierungen Scholz und März bewiesen, die kaum einen umfassenden Regierungsbeschluss realisieren konnten, oder in Frankreich Macron und in Großbritannien Starmer. Das Versagen unserer bisherigen Demokratien zeigen auch die Wahl von Staatsverbrechern oder Psychopathen wie Hitler, Netanjahu oder Trump. Die Inhalte einer künftigen Leitkultur könnten sein,

  • dass langfristige Anstreben einer Weltregierung, die die Interessen aller Menschen gleichwertig vertritt.
  • dass Vorangehen einer echten europäischen Föderation auf dem Hintergrund einer Jahrtausende alten Kultur- und gegenseitigen Abhängigkeitsgemeinschaft.
  • dass gemeinsam eine global geltende Leitkultur geschaffen wird, die zugleich als Inhalt in eine zu schaffende Weltverfassung eingeht.
  • dass alle digitalen Kräfte, besonders die der KI, einer gesamtstaalichen Instanz unterstehen (alle privaten Unternehmen haben ihren Anweisungen zu folgen).
  • dass der zu betonende soziale Wert in Zukunft die Verantwortung ist, die Verantwortung gegenüber dem anderen Menschen, aber auch der Natur gegenüber in ihrer Gesamtheit.
  • Die Gleichstellung und der Schutz der Natur in ihrer Gesamtheit mit der Menschheit als solchen. Verbunden damit ist ein Verbot aller naturfremder Erzeugnisse, seien es Gifte oder in der Natur nicht wieder einbaubarer Kunstprodukte. (Eine Weiterproduktion schädigt am Ende die Menschheit in ihrer Existenz selber. Dies wäre ein Bekenntnis der Menschheit zu ihrer eigenen biologischen Naturzugehörigkeit).
  • Die Schaffung einer weltweiten Ordnungskraft bei gleichzeitiger Abschaffung aller nationaler Militärs. Eine Voraussetzung dafür wäre eine schnell arbeitende, funktionierende Weltgerichtsbarkeit.
  • Die gleichzeitige Zulassung von kulturellen (u.a. religiösen) Nischenbereichen, soweit sich diese in die globale Weltgemeinschaft einfügen lassen.

Kennzeichnend für den modernen Menschen ist der Umstand, dass er sich von einem früheren sozialen Naturwesen zunehmend zu einen individuellen Kulturwesen entwickelt hat, zu einem Fremdkörper in der Natur. Bereits die historische Familie gilt als ein konservatives Relikt früherer Zeiten. Jeder in ihr geht heute seinen persönlichen Interessen nach. Sogar die Mahlzeiten werden oft nicht mehr gemeinsam eingenommen. Man hat einsam sein Handy in der Hand und verwirklicht sich darüber. Dass man sich deshalb weniger bewegt, kaum noch echte soziale Kontakte hat, seine intimen Anregungen von der KI erhält wird zum Ausdruck unserer alltäglich gelebten Kultur. Dass dabei in unserem biologischen Sein dadurch Stoffwechselprobleme auftreten, gehört dazu. Die Einsamkeit und die Notwendigkeit eines Psychiaterbesuchs gehören zu einem modernen Leben. Man baut sich in seinem Gehirn seine eigene Welt und verwirklicht sich dann nach deren Bedürfnissen. Je besser uns dies gelingt, umso mehr glauben wir, darüber den Sinn unseres Lebens erreicht zu haben. Den Preis dafür zahlen wir mit unserer persönlichen Einsamkeit im Alter, die vielen Depressionen der Frauen und die zunehmenden Parkinsonerkrankungen der Männer gehören dazu.      

Wir sind die Nachkommen unserer Evolution, d.h. die Nachkommen unserer genetischen Entwicklung. Welchen Einfluss dabei die einzelnen Gene auf uns haben, bzw. ihre Kombinationen, wissen wir selten. Wir kennen viele der dadurch bedingten Krankheiten. Verhindern können wir sie trotzdem selten. Viele dieser Krankheiten sind erblich. Bei vielen von ihnen besteht nur eine verstärkte Disposition (z.B.  bei vielen Krebserkrankungen, für Alzheimer durch das Apo-E4-Gen, das bei uns etwa 25 % der Bevölkerung haben und mit einem verstärkten Erkrankungsrisiko verbunden sind. 60 % der Erkrankten haben es. Biologisch hilft dagegen der Konsum von unverarbeitetem Fleisch, wahrscheinlich noch als genetisches Urerbe, als sich der Mensch noch stark mit Fleisch ernährt hat) . Allgemein bekannt ist z.B. die Laktoseintoleranz der meisten asiatischen Menschen, während die Mittel- und Nordeuropäer sie wegen einer genetischen Anpassung vor erst ca. 7.500 Jahren kaum haben. Diese Beispiele zeigen, wie am Ende auch unsere Orientierungen letztlich von unserm Erbgut abhängen.

Unser Dasein ist letztlich ein Sein, auf das wir rational keine befriedigende Antwort haben, emotional ist diese ein Ergebnis unserer Setzungen. Für unser Bewusstsein hat alles Sein einen Anfang gehabt. Wie der des Universums war, wissen wir nicht. Alle Antworten darauf sind Fantasie. Das bestimmende Wesen auf der Erde ist vielleicht nicht der Mensch, sondern sind die hier lebenden Mikroben. Und das bestimmende Element unserer Orientierung ist deshalb vielleicht auch unser Mikrobiom, das weitgehend unser Denken und damit unsere Orientierungen bestimmt.