Der Mensch

Die vielleicht wichtigste These der westlichen Kultur ist die Behauptung, der Mensch sei der Höhepunkt, die Krone der Schöpfung. Alle anderen Setzungen, so bedeutsam sie auch sind, sind ihr untergeordnet. Das gilt für alle seine Menschenrechte, einschließlich der aus ihnen abgeleiteten Individualrechten. Gott hat den Menschen zum Herren über alles gemacht. Die Erde und alles, was sich auf ihr befindet, ist ihm untergeordnet. Und er kann unbeschränkt alles auf ihr zu seinem Vorteil nutzen. Eine Grenze dafür hat Gott ihm nicht gesetzt.

Und brav, wie der Mensch ist, hat er diesen Auftrag auch umfassen erfüllt. Milliarden Christen, Moslems und Juden sind von diesem Auftrag überzeugt.

  • Der Mensch schuf sich Platz in allen Lebensräumen. Wer ihn daran hinderte, überlebte seinen Widerstand nicht lange. Dass er dabei den anderen Kreaturen und Pflanzen ihre Lebensräume raubte, erlaubte ihm der göttliche Auftrag durchaus.
  • Alles auf der Erde diente seiner persönlichen und sozialen Energiegewinnung. Dafür musste er zwar oft die Landflächen in ihrem Bewuchs verändern, die Erde für die Bergung ihrer Schätze oft drehen, aber das lag durchaus in seinem biologischen, positiven Zwang sich für seinen Stoffwechsel bewegen zu müssen.
  • Er nahm seine Herrschaft über die Erde, das Wasser und den Luftraum willig an. Im Rahmen seiner Bedürfnisbefriedigung veränderte er sie dabei zwar gelegentlich, aber seine Befähigung, sich dadurch auch selber zu optimieren, ließ ihn darüber hinwegsehen.
  • Dass Arten, die ihn behinderten, dadurch starben, war deren eigene Schuld.

Gott hat es so gewollt. Und bestimmt meinte er mit seinem Auftrag nicht nur die Herrschaft des Menschen über die Erde, sondern die über das ganze Universum. Sonst hätte er ihn nicht befähigt, den Mond und den Mars zu besuchen. Die KI hat wahrscheinlich den Auftrag, ihn dabei zu unterstützen. Man kann an dem allen sehen, wie Gott den Menschen liebt.

Wie bedeutsam der Mensch für Gott schon immer war, kann man an der Tatsache erkennen, dass er ihn nach seinem Bilde schuf. Das Problem für die heutigen Wissenschaftler dabei ist, sein eigentliches Bild bei der Vielzahl der verschiedenen Personen wieder in ihnen zu erkennen. Jeder Mensch sieht anders aus, und man kann deshalb nicht sehen, welches Bild Gott am ehesten gleicht.  Auch ist umstritten, ob er einen Bart hat oder keinen. Michelangelo hat ihn an der Decke der Sixtinischen Kapelle mit einem solchen dargestellt. Er ist dort eine durchaus imponierende Erscheinung. Aber auch das ist unter Wissenschaftlern umstritten. Letztlich ist auch das nur eine Glaubensfrage. (Persiflage).

Rational gesehen ist alles anders, da leitet man das Dasein des Menschen aus einer Evolutionsfolge ab, einem Werdegang von einem Urknall, der Entstehung von Atomen, Molekülen, Mikroben und dann in Evolutionsschritten bis hin zur heutigen Natur, in deren Vielfalt der heutige Mensch nur eine Gestalt unter vielen ist und in der er zu allen anderen Existenzen in einem unmittelbaren Beziehungs- und Abhängigkeitsverhältnis steht. Ohne die anderen kann er nicht sein. Er erhält über sie seine Energie für seine Existenz und alle Reize für seinen Stoffwechsel und seine Orientierungen. Sein Problem ist, dass er sich ideologisch inzwischen von seinen Ursprüngen so weit entfernt hat, dass er in seinem Alltag seine Bindungen an sie nicht mehr erkennt. Obwohl er existentiell von ihnen abhängt ist, glaubt er sich über sie stellen zu können. Und da seine Orientierungssysteme eigentlich alle nur mehr oder weniger beliebig austauschbare Setzungsideologien sind, die er in Ermangelung anderer Befähigungen in sich verinnerlicht hat, steuert er trotz aller positiver Aspekte seiner Zivilisationen geradewegs in seinen eigenen Untergang. Er zerstört mehr oder weniger alle seine Lebensgrundlagen, sei es seine Luft, sein Wasser, der Boden, auf dem er lebt, seine Umwelt und deren Artenvielfalt von der er abhängig ist (z.B. den bestäubenden Insekten). Er unterdrückt seine lebenden Energieliefernagten, quält sie zu Tode und verändert seine Umwelt. Viele der von ihm produzierten Stoffe verpesten nicht nur die Natur, sondern indem er sie über seine Nahrungskette einnimmt, auch ihn selber. Bei allem dem ist er wohlgelaunt und auf seine ständigen beglückenden Hormonausschüttungen fixiert. Wohlgelaunt befindet er sich sozusagen in einem nicht endenden Totentanz. Um das Aussterben vieler Arten durch Naturkatastrophen, Asteroideinschlägen wohl wissend, auch um das Aussterben früherer Menschenrassen, verdrängt er möglichst alle ihn einengenden Beschränkungen. Zwar immer noch statusorientiert wie alle seine Säugervorfahren, will er jeweils der Größte auf Kosten der Natur und seiner Nachbarn sein. Einerseits vermehrt er sich unkontrolliert ins Uferlose und überfordert damit die Leistungsmöglichkeiten der Erde, andererseits pervertiert er seine Sexualität über seine Setzungen und entfernt sich auch darüber zunehmend von seiner biologischen Natur. Inzwischen hat er seine Zivilisation so weit gebracht, sich selber chemisch und technisch zu verändern und sich in seinen Spitzen darüber der neuen Situation als Avatar anzupassen. Daneben gibt es als neue evolutionäre Energieform die KI, die wahrscheinlich eines Tages die Energieströme auf der Erde steuern wird, in die der Mensch sich dann wird einordnen müssen. Als Avatar, bei dem technisch alle früheren überholten Hormonbewegungen ausgeschaltet sind, wird er wahrscheinlich unter dieser neuen Situation auch gar nicht leiden. Aber wollen wir das wirklich? Der Autor dieser Texte nicht, er ist noch in der Vorzeit der Computer, Handys und der KI geboren und erinnert sich noch an reiche Naturerlebnisse, den Gesang der Lerchen über den Feldern, den Kiebitzen an seinem Schulweg und den Duft und die Farben der Rosen in den Gärten. All das war einmal. Heute sind es nur noch Erinnerungen und seine Enkel lassen den Alten davon geträumt. Sie wissen gar nicht, um wieviel sie eigentlich ärmer geworden sind. Das Transzendente ist für sie nur noch ein romantischer Begriff aus der Literatur, aber nicht der eigentliche Reichtum des menschlichen Seins. Sie haben ihn mit dem Verlust großer Naturbereiche verloren, – diesmal nicht als solche ihrer Außen- sondern ihrer Innenwelt. Sie wissen gar nicht, was das eigentliche Sein des historischen Menschen ausmachte. Wir wollen versuchen, einen Weg zurückzufinden, und damit auch einen Weg zurück zu unserer eigentlichen Natur.

Vielleicht ist es dafür gut, wenn man sich unseren biologischen Werdegang bis zu unserer heutigen Situation vergegenwärtigt. Dabei gehen wir von einem Werdegang über eine Evolution aus. Viele der dabei durchlaufenen Stationen sind nur hypothetisch, weil die Beweise dafür oft zu lückenhaft sind. Es gibt aus der Vorzeit nur seltene, bruchstückhafte Fossilien, deren Deutungen weitgehend auf Interpretationen beruhen.

  • Vor etwa 320 Millionen Jahren trennten sich die Amnioten und Amphibien von einem gemeinsamen Vorfahren. Das Kennzeichen der Amnioten war, dass sie dauerhafte Landbewohner waren. Sie besaßen ein vergrößertes Eigelb, das eine dreifache Schicht (Chorion, Allantois, Amnion) vor dem Austrocknen schützte. Sie sicherte ihnen auch eine Sauerstoffaufnahme. Diese Gruppe teilte sich später in die Synapsiden und die Sauropsida (aus denen dann später die Reptilien und Vögel hervorgegangen sind).
  • Vor etwa 299 – 252 Mio. Jahren (Perm-Zeit) bestimmten die Synapsiden das Leben auf der Erde. Sie waren „säugetierartige Reptilien“, die sich an das Landleben anpassten. Eine Schläfenöffnung hinter dem Auge stärkte ihre Kaumuskulatur und ermöglichte ihnen dadurch komplexere Ernährungsweisen. Es bildeten sich Pflanzen- und Fleischfresser. Vermutet werden bei ihnen erste Fellbildungen und die Anfänge sozialer Verhaltensweisen.
  • Vor ca. 275 Mio. Jahren gingen aus den Synapsiden die Therasiden hervor. Sie wurden die beherrschenden Landbewohner auf der Erde. Sie besaßen ein verknöchertes Gaumendach und konnten deshalb gleichzeitig fressen und atmen. Dadurch besaßen sie einen erhöhten Stoffwechsel. Kennzeichnend war auch eine allmähliche Aufrichtung ihrer Gliedmaßen. Aus ihnen gingen mehrere Entwicklungsstadien hervor:
    • Theriodontia (vor 270,6 – 199,6 Mio. Jr.): Sie hatten einen flachen Schädel, eine raubtierartige Bezahnung und unter dem Körper senkrecht sich befindende Beine.
    • Therocephalia (vor 268 – 237 Mio. Jr.): Ihre Finger- und Zehenknochen entsprachen in ihrer Gliederzahl denen der heutigen Säugetiere (und damit denen der Primaten).
    • Cynodontia (vor ca. 270 Mio. Jr.): Sie waren die Vorfahren aller Säugetiere. Vorangegangen war das Massensterben an der Perm-Trias-Grenze, in der etwa 70 % aller Tier- und die meisten Pflanzenarten vernichtet wurden. Bei den Überlebenden setzten sich zunächst die Archosauria durch (Krokodile, Dinosaurier und Vögel). Die Cynodontier lebten als kleine nachtaktive Pflanzenfresser. Dies erforderte eine verbesserte Wärmedämmung und einen verbesserten Gehör- und Geruchssinn. Damit verbunden war dann ein prozentuales Gehirnwachstum und dadurch wiederum dessen erhöhter Energiebedarf.
  • Vor ca. 164 Mio. Jahren gab es verschiedene Übergangsformen.
  • Vor ca. 100 bis 85 Mio. Jahren spalteten sich auch diese in mehrere Gruppen: Aus der Gruppe der Boreoeutheria entwickelten sich die Euarchontoglires und die Laurasiathera aus der Gruppe der Euarchontoglires die Euarchonta und Glires, aus der Gruppe der Euarchonta die Primaten, Riesengleiter und Spitzhörnchen.
  • Vor 66 Mio. Jahren, im großen Kreide-Paläogen-Sterben, endete dann die Zeit der Archosauria. Wie die Entwicklung dann weiter verlief, ist wegen fehlender Fossilienfunde sehr unsicher. Einige Cynodontier hatten überlebt. Mit ihnen begann im Mesozoikum die kommende Zeit der Säugetiere. Entscheidend dafür war die Entwicklung des Embryos über eine Placenta. Retroviren scheinen dabei den Durchtritt von Sauerstoff und Nahrung durch eine dünne Zellschicht gesteuert zu haben. Vorher erfolgte die Fortpflanzung über das Legen von Eiern. Die Milch wurde durch das Protein Lysozym zum entscheidenden Nahrungsmittel. Zu den Besonderheiten der Säugetiere gehören (neben anderen Eigenschaften): 
    • die Bildung einer Placenta durch das Gen Peg 10. Später kam die Nahrungsversorgung des Embryos über sie hinzu,
    • ein säugetierartiges Kiefergelenk,
    • aufrechte Gliedmaßen,
    • eine Kontrollmöglichkeit der Körperwärme. Entscheidend haben dazu Mutationen in den Genen beigetragen. Bei den Primaten sollen es alle 25 Jahre etwa 60 Mutationen je Genom (Gesamtheit der Gene) gewesen sein.
  • Vor ca. 15 Mio. Jahren trennten sich bei den Menschenartigen die Menschenaffen von den Gibbons,
  • vor ca. 11 Mio. Jahren bei den Menschenaffen die afrikanischen Arten von den asiatischen (u.a. Vorfahren der Orang-Utans),
  • vor ca. 6,5 Mio. Jahren die Schimpansen von den Gorillas,
  • vor ca. 1,1 – 5,2 Mio. Jahren die Hominini von den Schimpansen. (Unter Wissenschaftlern sind diese Zahlenangaben umstritten. Sie geben aber die Entwicklungslinien an).

Die Klimaveränderungen in Afrika förderten diese Entwicklung. Es wurde trockener. Die Klimaschwankungen nahmen zu. In Europa verschwanden die tropischen, immergrünen Wälder und die Menschenartigen starben aus. In Afrika entstanden mehrere Menschenaf-fenarten, die sich unter einander kreuzten. Vor 1,1 Miio. Jahren trennten sich die Hominini endgültig von den Schimpansen.

Die Orrorin und die Sahelanthropas waren genetisch die ältesten bekannten Hominini-Arten (vor ca.  6 Mio. Jahren). Danach wird jeder Fossilienfund in Afrika zu einer neuen Art. Die ehemalige Baumbedeckung von über 50 % der Gebiete nahm ab und erhielt zunehmend einen Steppencharakter. Vor ca. 700.000 Jahren begannen dann die Landschaften den heutigen zu ähneln und wurden die charakteristischen Lebensräume der Hominini. Der Australopitheus anamensis gilt heute unbestritten als die früheste Hominini-Art und Südafrika als die eigentliche Wiege der Menschheit. Er lebte vor etwa 4 Mio. Jahren. Von ihm gingen dann nach heutigem Forschungsstand (2026) drei verschiedene Entwicklungslinien aus, u.a. die Gattung Homo. Deren Merkmale waren u.a. 

  • ihre Größe,
  • ihr aufrechter Gang,
  • das große Gehirn,
  • die Reduzierung der Behaarung,
  • ein kleiner Kiefer mit kleinen Zähnen,
  • ein beweglicher Daumen, der ein genaues Greifen und eine bessere Feinmotorik erlaubte,
  • Schweißdrüsen, die ihm die Besiedlung verschiedener Klimaräume ermöglichten,
  • eine lange Embryoentwicklung und eine lange Kindheit als Prägungsphase,
  • sozial, sein auf Status ausgerichtete Sexualverhalten,
  • ein gradueller Instinktverlust, der ihn zu einer ständigen Orientierungssuche zwang,
  • die Weitergabe und der Ausbau seiner Erfahrungswelt, die zu seinen Sprachen, Zivilisationen und Kulturen führte,
  • seine Sozialprogrammierung, die ihn über seine Gruppen zu sozialen Großgebilden führte.

Man geht heute davon aus, dass vor ca. 1,2 Mio. Jahren ca. 18.500 Individuen lebten, die zu den Vorfahren des heutigen Homo sapiens gehörten.

  • Vor ca. 800.000 Jahren entwickelte sich aus dem Homo erectus (heidelbergensis) inEuropa der Neandertaler und in Afrika der heutige Mensch, der Homo sapiens. Wo sie sich begegneten. scheinen sie sich gekreuzt zu haben, so dass wir heute das Erbgut beider Linien in uns haben (jeder von uns 1- 4 % Neandertalererbgut, die Gesamtheit der Europäer ca. 20 – 30 %).
  • Der heutige Homo sapiens entstand vor ca. 300.000 bis 200.000 Jahren. Die ältesten Funde stammen aus dem Nordosten Afrikas. Vor 70.000 Jahren begann er sich von dort auszubreiten und besiedelte vor 40.000 Jahren auch ganz Asien und Europa. Heute ist der Homo sapiens der letzte Überlebende seiner Art und seine genetischen Veränderungen hören nicht auf. So haben sich bei vielen Individuen u.a. deren Blutgruppen geändert, ihre Hautfarbe. Laktosetoleranz und Krankheitsresistenz. Er passt sich dabei den jeweils veränderten Lebensbedingungen an. Sie sind ein Hauptmerkmal eines jeden biologischen Daseins. Zu erwarten ist, dass trotz aller Verbote, es bald auch zivilisatorisch genetische Veränderungen geben wird. Der verbreitete Wunsch nach persönlichen Optimierungen spricht dafür. Die bestehenden Barrieren dagegen werden sich politisch bald nicht mehr aufrecht erhalten lassen, zunächst werden die Eingriffe medizinisch begründet, dann als die KI begleitende Optimierungen und zuletzt geheim im militärischen Bereich.

Vielleicht ist die wichtigste Besonderheit des Menschen seine Befähigung, seinen graduellen Instinktverlust durch die Schaffung von Orientierung gebenden Kulturen zu ersetzen. Auf dem Hintergrund seine sinnlichen Wahrnehmungen als Erfahrungswelt prägend an seine      Nachkommen weiterzugeben, schuf er gewaltige Wissensgebäude. Aus der Summe seines Wissens und seiner Setzungen erwuchsen seine Kulturen. Zunächst waren sie noch naturnah und bezogen sich auf die Beherrschung des Feuers, die Nutzung von Werkzeugen und die Anpassung an die jeweiligen Gegebenheiten. Verstärkt wurden diese Befähigungen durch eine vorher nicht gekannte Artikulationsbefähigung für die Weitergabe seiner Erfahrungen und darüber hinaus in abstrakten Gehirnbewegungen zu denken. Das Ergebnis waren Setzungen, aus denen sich dann auch seine Religionen, Normen und wirtschaftliche Verhaltensweisen entwickelten. Im Rahmen seiner Statusbemühungen und seiner damaligen Befähigung zur Transzendenz schuf er für seine Setzungen    

  • Beschwörungsrituale, die er über seine Gemeinschaftspflege als Tanz zelebrierte,
  • mit der neu erworbenen Geschicklichkeit seiner Hände Malereien und Skulpturen,
  • für das Unbekannte nach seinem Tod oft riesige Grabstätten.

Über seine Kulturen organisierten sich seine sozialen Strukturen und deren innerer Zusammenhalt. Je nach klimatischer, geographischer Situation und ihren jeweiligen Setzungsgebern nahmen sie einen verschiedenen Charakter an.

Unter einer Kultur verstehen wir den geistigen Hintergrund im individuellen oder sozialen Orientierungsverhalten von Personen. Sie besteht aus ihren Werten, die verinnerlicht, das Denken und Handeln der Menschen bestimmen. Zuerst wurden sie nur in kleinen Gruppen gelebt, dann aber ab etwa 3.500 v. Chr. in großen Gemeinschaften als

  • Hochkulturen: Sie entstanden vor ca. 3.500 Jahren in der Nähe von Flüssen in Mesopotamien, Ägypten und China. Als große soziale Gebilde prägten sie u.a.die Religionen, deren Inhalte viele Menschen teilweise noch heute befolgen.
  • Sie beeinflussten 1000 Jahre später u.a. die Kulturen der Antike in Griechenland und Italien. Deren Gedanken bilden noch heute die Grundlagen unserer westlichen Wertvorstellungen., u.a. im politischen und juristischen Bereich. Auch unser Demokratiegedanke entstand dort als Regierungsform einer Athener Oberschicht.
  • Die Folgezeit wurde dann in Europa stark vom Christentum bestimmt. Der Monotheismus Echnatons, später vom Judentum kultiviert und die griechischen Vorstellungen der Stoa machten es vereint zum führenden Wertesystem der westlichen Welt. Rationalisiert wuchsen daraus in der Aufklärung unsere Menschenrechte, die noch heute den Hintergrund aller unserer Wertvorstellungen und die Basis unserer verschiedenen Verfassungen bilden.
  • Heute bestimmen rasch wechselnde modische Orientierungen unsere Gehirne. Je nach den benutzten Medienhintergründen und den Interessen von Meinungsbildnern haben sie besonders in jungen Jahren keinen langen Bestand. Die globale Informationsflut und die Digitalisierung bestimmen unsere innere Welt, auf die wir je nach unserem genetischen Hintergrund und verinnerlichten Orientierungswegen hormonell dann verschieden reagieren. Eine starke Individualideologie fördert dann noch diese Entwicklung. Ein breiter Meinungskonsens ist unter diesen Bedingungen kaum noch möglich, und damit geraten auch unsere bisherigen Sozialgefüge aus ihren idealistischen Gleichgewichten. Echte demokratische Entscheidungen sind ohne eine vorhandene Leitkultur kaum noch möglich. Realisier wird eine Konsenskultur auf dem geringsten gemeinsamen Nenner. Derweil geht die zivilisatorische Entwicklung im digitalen Bereich zunehmend ungehindert weiter und verselbständigt sich. Die anthropogenen Status- und Hegemonialbemühungen verhindern deren gemeinsame Entwicklungswege und Begrenzungen. Die Menschheit hatte in ihrer Zeit ein gewaltiges Wissen gesammelt, dass sie nun      anderen Energie- und Materieströmen überlassen muss.

Während sich die Kultur mit den Inhalten der menschlichen Orientierung und hier besonders seinem Umgang mit der Transzendenz, seinen inneren Bezügen zur Gesamtheit des Seins beschäftigt, ist seine Zivilisation primär auf seinen Umgang mit der materiellen Seite seines Daseins ausgerichtet. Inzwischen wird als Kultur, besonders in der Form der Kunst jede dargestellte Anmutung präsentiert, besonders wegen einem großen Nachholbedarf im feministischen Bereich, und man hat keine Skrupel eine gut geformte Notdurft auf einem Tablet in einem angesehenen Museum (Bielefeld) auch als solche hinzustellen. Die Zivilisation des Menschen beginnt mit seiner Evolution vor ca. 300.000 Jahren in Afrika. Bei seinem zunehmenden Wechsel von einem reinen Pflanzenesser zu einem Aas- und Beuteräuber lernte er Steinwerkzeug zu gebrauchen, um an das nahrhafte Knochenmark zu gelangen und als Jäger einfache Waffen zu entwickeln. Als Jäger und Sammler waren die Menschen ein  Teil der damaligen Natur, waren ihren wechselnden Klimaschwankungen ausgesetzt und folgten den wandernden Tierherden. Ihre Werkzeuge waren zunächst nur Faustkeile, danach auch Klingen und Schaber und in den Jahrtausensenden vor ihrer Sesshaftwerdung auch einfache Jagdwaffen wie Speere, Pfeile und Bogen.

Erst vor etwa 12.000 Jahren wurden die ersten Menschen sesshaft. Weshalb, weiß man nicht? Eine Ursache können drastische Kälteeinbrüche und eine Verarmung der vorhandenen Nahrungsquellen gewesen sein. Zur Überbrückung von Nahrungsengpässen war man gezwungen, saisonal Wildgetreide anzubauen, beziehungsweise, wo die Böden dies nur begrenzt erlaubten, eine gewisse Viehzucht zu betreiben.

Mit der Sesshaftwerdung begann sich das soziale Leben der Menschen radikal zu verändern. Während ihr jeweiliger Status zuvor von ihrer Kraft, Erfahrung und ihren Jagderfolgen abhing, wurden es ab jetzt materielle Besitztümer, die in einem zweiten Schritt zu sozialen Schichtbildungen führten. Als neue Werkzeuge benötigte man jetzt Pflüge und Mahlsteine. Das war die Neolithische Revolution. Nach der letzten Eiszeit hatte sich nicht nur das Klima verändert, sondern auch das Zusammenleben der Menschen. Durch die jetzt sichere Nahrungsversorgung konnte die Bevölkerung wachsen, Dörfer und erste Städte entstanden. Das wiederum führte zu ersten beruflichen Spezialisierungen. Das frühere menschliche Statusstreben in ihren kleinen Gemeinschaften wurde jetzt zwischen den Hierarchien der ersten Siedlungen in Kriegen ausgetragen, und um den inneren Zusammenhalt der Gemeinschaften zu festigen, die bisherigen Setzungen zu Glaubenssystemen und Verhaltensgebern ausgebaut.

Ab etwa 3.500 v. Chr. gab es dann die ersten Hochkulturen in den Flusstälern des Nils (Ägypten), Euphrats (Mesopotamien) und des Indus (Indien). Die bisherigen Gemeinschaften vereinten sich zu komplexen Gesellschaften. Sie versammelten ihre Erfahrungen zu Setzungssystemen und entwickelten für deren Weitergabe Schriften. Damit vereinten sie ihre Kulturen mit ihren jeweiligen Zivilisationen und legten die Grundlagen für das ab jetzt  anbrechende Zeitalter der Menschen. Prägend für sie waren jetzt zunächst die Herrschaft ihrer Religionen und ihrer Philosophien.  Mit deren Aufkündigung durch die Luthersche Reformation entstanden in der Aufklärung Platz für eine neue Rationalisierung der Setzungswelt und neue Freiräume für die Wissenschaften, die zu neuen den Menschen entlastenden Ergebnissen führten. Ab ca. 1750 setzte die industrielle Revolutíon ein, die mit Hilfe fossiler Energieträger die bisherige Agrargesellschaft zu einer Industriegesellschaft machte. Die Folge waren gewaltige soziale Umbrüche, ein auswucherndes Wachstum der Menschheit und eine beschleunigte Entfremdung des Menschen von der Natur. Die regionalen Hegemonialkriege in Europa mit ihren Millionen Toten und Millionen Vertreibungen bestimmten dann das 20. Jahrhundert. Frankreich und Großbritannien im Westen und Russland und Polen im Osten versuchten das in der europäischen Mitte liegende und kulturell und wirtschaftlich führende Deutschland klein zu halten und lösten so den Ersten und dann als Folge den Zweiten Weltkrieg aus. (Nachdem Deutschland die Kriege verloren hatte, wurde ihm als Verlierer die Alleinschuld an ihnen zugesprochen und es mehr oder weniger zu einer umfassenden Erinnerungs- und Schuldkultur gezwungen, die dann über die Medien bis in die Gegenwart kultiviert und in großen Teilen seiner Bevölkerung bis heute verinnerlicht wurde).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann die zunehmende Herrschaft der Informationstech-nologien für die Menschheit bestimmend. Digitale Netze verbinden die gesamte globale Welt und nutzen das gesamte bisher gesammelte Wissen der Menschheit. Sie werden zu entscheidenden Treibern der sozialen Entwicklung. Daten, soziale Netzwerke und globale Kommnikationskanäle bestimmen weltweit unseren Alltag in allen Lebensbereichen. Wer in dieser Entwicklung nicht mithalten kann, wird ausgegrenzt, bzw. relativ hilflos, Cyber-Kriminellen ausgeliefert. Die Kriege werden um Vormachtstellungen zunehmend automatisiert und mit einer KI-Hilfe geführt. Gleichzeitig erfährt die Naturentfremdung einen neuen Höhepunkt. Einer herrschende Individualkultur, besonders gefördert durch feminis-tische Ideologien, führt zu umfangreichen Vereinsamungen und dadurch zu psychischen Schäden. Ein Optimierungswahn fördert darüber im Hintergrund die Entwicklung des evolutionären Menschen zum Avatar. Diese Entwicklung scheint die Zukunft der führenden Menschheitsschicht zu werden. Dem Rest drohen in den zu erwartenden sozialen Umbrüchen nur psychische und wirtschaftliche Verelendungen.

Jedes Lebewesen (auch der Mensch) besitzt auf der Erde nur eine kurzzeitig bestehende DNA-Existenz, die als übergeordnete Funktion die Aufgabe hat, die in ihr innewohnenden Informationen an eine uns unbekannte Zukunft weiterzugeben, d.h., sich fortzupflanzen. In seiner Evolution entstanden aus bakteriellen Urstämmen zunächst Zellen, dann Gewebe und am Ende arbeitsteilige Organe, vereint in den jeweils entstandenen Evolutionskörpern. In ihnen allen vollziehen sich immer noch ständig die uns bekannten Gesetzmäßigkeiten der Natur:

  • Physikalische Abläufe, z.B. die Pumptätigkeit des Herzens, der Gasaustausch der Lunge, die Mechanik der Bewegungen, die elektrischen Signale der Nervensysteme oder die Wahrnehmungen der Sinne.
  • Chemische Abläufe, z.B. die hormonellen Steuerungen im Körper, Verdauungsabläufe, der Aufbau der Proteine und Enzyme oder die Zellatmung.
  • Biologische Abläufe, z.B. der Stoffwechsel, die Energiegewinnung, das Transportsystem im Körper, seine sexuelle Programmierung.
  • Informationstechnische Abläufe, sein Hormon- und Nervensystem, seine Kommunikationsabläufe, die Informationsspeicherung und seine genetische Codierung.

In seinem Körper haben sich seine Organe dafür zu Organsystemen vereint. Da sind es sein

  • Herz-Kreislauf-System: Zu ihm gehören seine Arterien, die seine Körperorgane mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, die Hormone und Proteine transportieren, die Immunabwehr unterstützen, die Körpertemperatur regulieren und die Abfallstoffe abtransportieren. Die Venen führen dann das Blut wieder zurück zum Herzen. In den Kapillaren findet jeweils der Austausch statt. Die linke Herzseite übernimmt das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge und pumpt es dann durch den Körper, während die rechte Herzseite das sauerstoffarme Blut wieder zurück zur Lunge führt.
  • Atmungs-System: Zu ihm gehören u.a. Nase und Mund für die Luftaufnahme, die Luftröhre für die Verbindung von Rachen und Bronchien (sie verteilen die Atemluft in der Lunge) und die Lungenbläschen, in denen der Gasaustausch stattfindet (Sauerstoff wird aufgenommen und Kohlendioxyd abgegeben). Daneben unterstützt uns die Lunge auch bei der Regulierung unseres Säure-Basen-Haushalts im Körper und über den Kehlkopf bei der Stimmbildung.
  • Verdauungssystem: Zu ihm gehören der Mund, in dem die Nahrung zerkleinert und mit dem Speichel vermischt wird, die Speiseröhre, der Magen und die verschiedenen Darmabschnitte. In ihnen werden u.a. die Fette, Eiweiße und der Zucker in ihre Bestandteile zerlegt. Es steht in einer engen Verbindung zum Herz-Kreislauf-System, über das das Blut die aufgenommenen Nährstoffe zu den Organen bringt.
  • Urogenitalsystem: Es besteht aus zwei Teilbereichen, dem Harnsystem und dem Geschlechtssystem. Während die Nieren nach dem Filtern des Blutes den Harn produzieren und die Harnröhre diesen mit körperlichen Abfallstoffen aus dem Körper abführen, produzieren die männlichen Geschlechtsorgane die Spermien und die weiblichen die Eizellen. Sie sind genau genommen die wichtigsten Organe für unsere eigentliche übergeordnete biologische Existenz, unsere Fortpflanzung. Allein in ihr liegt der tatsächliche Sinn unseres biologischen Daseins. Unser gesamter Hormonhaushalt ist direkt, aber wesentlich auch indirekt darauf ausgerichtet, auf unsere soziale Anerkennung, unsere Statusbemühungen und unsere psychischen Befindlichkeiten. Geraten sie aus ihren Gleichgewichten, werden wir psychisch krank. Das war die eigentliche Erkenntnis Freuds. Je weiter uns unsere kulturellen Setzungen von unserer biologischen Natur entfernen, wir gezwungen sind, uns kulturelle Ersatzorientierungen zu schaffen, umso mehr wird dieses fundamentale Existenzsystem von uns pervertiert.
  • Muskuloskelettales System: Es wird vom Zusammenspiel unserer Knochen, Gelenke, Muskeln und Sehnen gebildet. Dabei schützen die Knorpel die Gelenke. Dieses System bildet den Hintergrund unserer Bewegungen. Im Knochenmark werden unsere Blutzellen produziert. Unsere Muskeln steuern wir über unser Nervensystem. Zwischen beiden besteht eine enge Beziehung.
  • Endokrines System: Es produziert über seine Drüsen unsere Hormone (Botenstoffe), die dann unsere Körperfunktionen steuern. Die vielleicht wichtigste unter ihnen ist die Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die das gesamte System weitgehend lenkt. Bedeutsam sind auch die
    • Schilddrüse: Sie steuert unseren Stoffwechsel,
    • Nebenschilddrüse: Sie steuert unseren Kalzium- und Phosphathaushalt,
    • Bauchspeicheldrüse: Sie produziert Insulin und Glukagon und steuert darüber unseren Blutzuckerspiegel,
    • Geschlechtsdrüse: Sie steuern unsere Fortpflanzung,
    • Zirbeldrüse: Sie produziert Melatonin, das unseren Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Die Drüsen regeln unseren gesamten Stoffwechsel, unseren Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt, steuern unsere Fortpflanzung und unterstützen den Körper bei seiner Immunabwehr und Stressbewältigung.
  • Immunsystem: Es ist unser körperliches Abwehrsystem gegenüber Krankheitserregern und Schadstoffen. Besonders beteiligt daran sind u.a.
    • das Knochenmark, das unsere Blutzellen produziert,
    • die Immunzellen, die im Blut kreisen,
    • die Milz, die alte Blutzellen entfernt.
  • Haut: Sie ist unser größtes Organ und ist unsere Schutzbarriere gegenüber äußeren Bedrohungen. Sie besteht aus drei Schichten (Epidermis, Dermis, Fettgewebe). Über die Haut schützen wir uns vor Verletzungen und Infektionen. Sie reguliert unsere Körpertemperatur, dient uns als Sinnesorgan bei Berührungen, Temperaturen und Schmerzen. Über sie produzieren wir in Verbindung mit einer UV-Strahlung unser „Vitamin D“, das wir für unsere Knochengesundheit benötigen und scheiden mit Hilfe des Schweißes viele Abfallstoffe aus.

In unseren Körpern finden sich alle diese Organsysteme und Organe zu einem Zusammen-spiel. Ist es harmonisch, ist es gesund. Unser heutiges Problem ist, dass wir mit unserer Naturentfernung weitgehend das Gefühl für dieses verloren haben und auch unsere biologischen Bedürfnisse uns von kulturellen Setzungen bestimmen lassen. Modische Optimierungsempfehlungen bestimmen oft unseren Alltag. Wir bewegen uns zu wenig, ernähren uns körperfremd, verfremden unsere biologische Wahrnehmungswelt, pervertieren unsere Sexualität, überlagern unsere Statusbedürfnisse durch hormonelle Dopaminausschüttungen und vereinsamen als Sozialwesen dabei zugleich zunehmend. Wir werden zwar zunehmend älter, aber das letzte Drittel, das Alter ist oft nur damit ausgefüllt, seine Krankheiten und Schmerzen in Grenzen zu halten. Wir bezahlen den Verlust unseres Naturbezuges letztlich auch mit unserer mentalen Gesundheit. Zu einer Gesundheit gehören nicht nur die Abwesenheit von Krankheiten und Gebrechen, sondern neben deren Abwesenheit auch unser psychisches und soziales Wohlbefinden. Dabei sind für beide letztlich die Bewegungen in unseren Gehirnen entscheidend, unsere Gedankenwelt und als Sozialwesen auch unsere physischen und geistigen Berührungen. Wie sollen die kommenden Generationen psychisch gesund bleiben, wenn sie ihre Gehirne täglich bis zu zehn Stunden mit Inhalten ihrer Computer füllen? Von ihrer evolutionären, biologischen Konstellation her, ist dies nicht möglich.

Durch den Feminismus hat sich in unserer Kultur die biologische Verschiedenheit der Geschlechtsunterschiede sozial weitgehend nivelliert. Da dieser Umstand die biologischen Gegebenheiten verkennt, sondern unter dem Postulat einer sozialen, demokratischen Gleichheit überall eine paritätische Gleichbehandlung einfordert, entstehen überall soziale Verzerrungen. Frauen werden aus Paritätsgründen auf Posten gebracht, für die sie, außer ihrem Geschlecht, oft keine Qualifikation mitbringen. Qualifizierte Männer werden dadurch benachteiligt. Eine weibliche Museumsleiterin ist fast zur Norm geworden, die dann oft fast nur noch oft zweitrangige weibliche Kunst ausstellt. Auch in politischen Parteien widerspricht der Paritätsgedanke dem demokratischen Stimmengedanken. Paritätsforderungen wären genauso berechtigt, wenn alle soziale Schichten eine solche verlangen würden und widersprechen einem Statut, nach dem der Parteivorsitzende immer eine Frau sein muss (es sei denn, sie gibt sich offen als eine feministische Partei zu erkennen).

Die Verschiedenheit der Geschlechter beginnt bereits als Embryo. Über die Geschlechtszuge-hörigkeit entscheidet bei Männern deren Y-Chromosom, während weibliche Föten zwei XX-Chromosomen besitzen. Damit setzt bereits eine verschiedene Hormoneinwirkung auf sie ein. Die männlichen Körper werden verstärkt von Androgenen (u.a. Testosteron) und die weiblichen von Östrogenen und Gestagenen geformt. Damit kommen sie mit verschiedenen primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen auf die Welt. Verschieden sind deren

  • Gehirne: Bei Männern sind die beiden Hemisphären asymmetrischer organisiert, das wirkt sich u.a. auf deren bessere Raumvorstellungen aus, während sie bei Frauen symmetrischer angelegt sind, was sprachlich positiver zur Geltung kommt. Die Männergehirne sind um ca. 11 % schwerer und einzelne Hirnareale (u.a. Amygdala, Hypothalamus) größer, während es bei Frauen deren Fontallappen sind, besonders deren Sprachzentren. Das durchschnittliche Männergehirn hat ein Volumen von 1,27 Liter, das der Frauen 1,13 Liter.
  • Körper: Frauen haben eine hellere Hautfarbe und im Verhältnis zur Körpergröße kleinere Füße als Männer.
  • Anatomie: Männer sind oft größer (durchschnittlich 7 cm), haben eine größere Knochendichte und einen geringeren Fettanteil im Körper. Frauen haben ein ausladenderes Becken.
  • Körperliche Leistungsfähigkeit: Männer sind bei Kraftleistungen im Schnitt um 20 % leistungsfähiger, Frauen bei Ausdauerdisziplinen (wegen ihres höheren Fettanteils). Die weibliche Leber baut Alkohol schlechter ab als die männliche.
  • Entwicklung: Sie wird stark vom sozialen Umfeld mitbestimmt (allerdings im Hintergrund stark hormonell geschlechtsspezifisch gesteuert).
  • Verhalten: Hier gibt es große Unterschiede im Statusverhalten, der Empathie und den sprachlichen Fähigkeiten (allerdings auch innerhalb der Geschlechter). Die verschiedenen Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron haben einen großen Einfluss auf die psychischen Befindlichkeiten.

Für die menschlichen Verschiedenheiten sind anatomische, hormonelle und soziale Prägungen bestimmend. Dabei sollen die Begabungen bei mathematischen und räumlichen Leistungen bei Männern und sprachliche Begabungen eher bei Frauen angelegt sein. Auch sollen Männer sich in allen Altersgruppen eher aggressiv verhalten und damit auch eher straffällig werden. Männer sollen eher an Systemen und Geräten, Frauen eher an Menschen interessiert sein. Viele Erklärungen für dieses Verhalten werden evolutionär abgeleitet. Die Männer waren als Jäger und Sammler eher auf eine Nahrungsbeschaffung ausgerichtet und entwickelten damit eher Raumvorstellungen, während für Frauen eher die Kindererziehung und der soziale Zusammenhalt der sozialen Gruppen bedeutsam war. Die Aggressivität als biologisches Säugererbe und damit deren sexueller Hintergrund des Statusbemühens wird heute in unserer Gesellschaft gerne verdrängt. Heute wird die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen gerne allein kulturellen Einflüssen zugesprochen. Naturfremd versucht man feministisch darüber alles zu erklären. Wer gesunde kleine Mädchen und Jungen im Hause hat, wird schnell andere Hintergründe erkennen.

Kulturell kennzeichnend für den heutigen deutschen (vielleicht den westlichen) Menschen ist seine extreme Individualisierung. Sein wichtigster Lebenssinn, Orientierungsinhalt ist seine Selbstverwirklichung, die inhaltlich die imaginäre Verinnerlichung einiger weitgehend naturfremder Setzungen in seinem Gehirn darstellt. Die Evolution des Lebens im Laufe der Jahrmillionen vollzog sich in verschiedenen Differenzierungen funktional auf einander bezogener Körperorgane zu organischen Einheiten. Jeder von uns ist ein Endergebnis einer solchen. Alles in uns ist auf einander bezogen. Fällt ein Organ aus oder seine Körperkommunikation gerät in Schwierigkeiten, gelten wir als krank. Das verbindende System zwischen ihnen sind unsere Nerven. Ihr Zentrum ist unser Gehirn. Erst ihr Volumen, ihre Struktur und ihre eingefahrenen Benutzerbahnen machen uns zu dem Menschen, der wir sind. Über unser Gehirn verarbeiten wir unsere Sinneswahrnehmungen, verarbeiten wir unsere Körperinformationen, fühlen und denken wir und schaffen in uns die Welt, die für uns unsere Wahrheit ist. Als Bewusstsein erlaubt es uns, uns selber wahrzunehmen, über uns zu reflektieren und uns in unsere Bezugswelt einzuordnen. Mit dem Verlust unserer Naturkontakte verarmt allerdings unsere natürliche Reizwelt als Bezugswelt, und wir bewegen uns geistig weitgehend nur noch in einer kontaktfremden Setzungswelt. Als Befähigung Informationen zu erfassen, sie im Gedächtnis zu behalten und zu verarbeiten, erlaubt uns unser Gehirn neben unserer Vergangenheit und Gegenwart geistig auch eine Zukunft zu haben.

Im Gegensatz zu unserem Glauben alleinige Besitzer eines Gehirns, bzw. eines Nerven-systems zu sein, wissen wir heute, dass alle „höher“ entwickelten Lebewesen ein solches besitzen und zwar Kraken ein besonders großes und Insekten ein besonders kompliziertes. Im Laufe der Evolution erhielt es jeweils seinen spezifischen Charakter. So ist die Großhirnrinde der Menschen dreimal so groß wie die der Schimpansen. Obwohl es nur      2 % der menschlichen Körpermaße ausmacht, verbraucht es 20 % der zugeführten Energie (Säuglingsgehirne 50 %). Da es diese selber nicht speichern kann, führen Sauerstoff- und Glucoseausfälle bereits nach wenigen Minuten zu Hirnschäden. Und da unsere heutige Ernährung von der unserer Vorzeit stark abweicht, ist seine evolutionäre Ketolysefähigkeit (Energiegewinnung der Zellen durch den chemischen Ketonabbau der Mitochondrien) eventuell beeinträchtigt.

Das menschliche Gehirn besitzt etwa 86 Milliarden Nervenzellen, die durch ca. 100 Billionen Synapsen unter einander verbunden sind. Deren Verknüpfungen sind für seine Funktionen entscheidend. Seine Nervenbahnen betragen ca. 5,8 Millionen km. Es besteht aus dem

  • Großhirn, das aus zwei Halbkugeln (Hemisphären) besteht, die wiederum in verschiedene Aufgabenfelder aufgeteilt sind. Es verarbeitet Wahrnehmungen und ist auch für unser Gedächtnis und die abstrakten Denkvorgänge zuständig.
  • Zwischenhirn, das wiederum besteht u.a. aus dem
    • Thalamus: Er vermittelt die Informationen der Sinnesorgane zum Großhirn,
    • Hypothalamus: Er steuert unsere physischen und psychischen Lebensvorgänge.
  • Kleinhirn: Es ist für die Koordination unserer Bewegungen zuständig. Evtl. ist es an unserem Spracherwerb beteiligt.
  • Hirnstamm: Er ist der älteste Gehirnteil und verbindet u.a. das Gehirn mit dem Rückenmark. Er verarbeitet die Sinneseindrücke und steuert die elementaren Abläufe ím Menschen.

Durch seinen hohen Stoffwechselanteil besteht ein großer Bedarf an seiner biochemischen Abfallbeseitigung. Über seine Funktionsweise gibt es nur Vermutungen. Gedacht wird dabei an ein spezielles Ausschwemmungssystem der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit. Krankheiten des Gehirns können sein:

  • Gefäßverschlüsse und Aussackungen der Blutgefäße,
  • Demenz und Alzheimer (u.a. Verlust des Gedächtnisses),
  • Parkinson-Erkrankungen durch einen Mangel an Botenstoffen,
  • Multiple Sklerose (Erkrankung des Nervensystems),
  • Meningitis (Entzündungen des Hirngewebes),
  • Hirntumore (gutartige oder bösartige Wucherungen im Gehirn), –  
  • Verletzungen durch Gewalteinwirkungen.

Inzwischen sind unsere Wissenschaftler dabei, die neueren Computer-Generationen an der funktionsweise unserer Gehirne auszurichten. Dabei arbeiten die technischen Neuronen 100.000-mal schneller als das menschliche Gehirn. Allerdings aktualisieren sie ihre einzelnen Arbeitsvorgänge im Gegensatz zum Gehirn nur schrittweise, während dieses bei jedem seiner neuronalen Schritte das gesamte Gehirn aktivieren soll. Beim Quantencomputer dürfte dieser Vorteil aber keine Bedeutung mehr spielen.

Unser zweites wichtige Organ ist unser Herz. Es versorgt über den Blutkreislauf alle unsere Zellen mit Sauerstoff und den notwendigen Nährstoffen. Es ist ein etwa faustgroßer Muskel, der zwischen den beiden Lungenflügeln liegt und sich in zwei Hälften gliedert, die jeweils über einen Vorhof und eine Kammer verfügen. Zwischen ihnen befindet sich eine Klappe, die ein Zurückfließen des Blutes in die Kammern verhindert. Die Herzkranzgefäße (Koronaarterien) umgeben das Herz und versorgen es mit Blut. Bei einem gesunden Menschen schlägt es etwa 70-mal in der Minute. Während seiner Füllungsphase (Diastole) strömt sauerstoffarmes Blut in den rechten Vorhof und gleichzeitig aus der Lunge sauerstoffreiches Blut in den linken Vorhof. Durch ein Zusammenziehen des Herzmuskels versorgt es dann das gesamte Herz-Kreislauf-System des Körpers mit Blut. Gesteuert werden alle diese Vorgänge über ein kompliziertes Erregungsleitungssystem. Krankheiten des Herzens können sein:

  • Angina pectoris bei verengten Herzkranzgefäßen,
  • Herzinfarkt bei Durchblutungsstörungen,
  • Herzinsuffizienz bei eingeschränkter Pumpleistung,
  • Endokarditis bei Entzündungen der Herzinnenwand,
  • Vorhofflimmern bei unkoordinierter Arbeit der Vorhöfe,
  • Herzrhythmusstörungen: Atemnot, Herzrasen, Herzstolpern, Schwindel. Sie können harmlos sein, erfordern aber eine ärztliche Abklärung.

Die Sauerstoffversorgung unseres Körpers erfolgt über unsere Lunge. Sauerstoffreiche Luft wird eingeatmet (ihr Sauerstoffanteil beträgt ca. 21 %) und ihr mit Kohlendioxyd angereichertes Abfallprodukt wieder ausgeatmet. Über den Blutkreislauf wird der aufgenommene Sauerstoff im gesamten Körper verteilt. Sie füllt fast unseren gesamten Brustraum, in dem sie von den sie umgebenden Rippen geschützt wird. Sie besteht aus zwei Lungenflügeln, die in mehrere Lungenlappen unterteilt sind, die sich wiederum in Bronchien und Bronchiolen verästeln. Auf den Bronchien befinden sich Millionen Flimmerhärchen, die die eingeatmete Luft von Schadstoffen und Krankheitserregern befreien. Die Bronchien enden in Aveolen    (traubenförmige Lungenbläschen, je Körper etwa 400 Millionen) in denen der Gasaustausch stattfindet. In der Lunge vereinen sich die Atemwege und der Blutkreislauf. Das Zwerchfell trennt sie vom Bauchraum. Normalerweise erfolgt die Atmung unbewusst und wird vom Nervensystem gesteuert. Ihre größten Schädigungen erfährt sie über das Rauchen: u.a. Zerstörung der Flimmerhärchen, Atemwegsverengungen, Atemnot, verminderte Sauerstoffversorgung des Gehirns, erhöhtes Krebsrisiko (ca. 90 % des Lungenkrebses) und den Feinstaub. Die Folgen davon können Entzündungen und Herzkrankheiten sein. Im Alter verändert sich ihre Struktur, ihre Elastizität nimmt ab. Dadurch schwächt sich das Immunsystem und treten Lungenkrankheiten häufiger auf. Normalerweise reinigt sich die Lunge selber. Staubpartikel entfernt sie über ihre Flimmerhärchen oder den Fresszellen der Alveolen, die sie chemisch zersetzen. Krankheiten der Lunge können u.a. sein:

  • Asthma, eine chronische Entzündung der Atemwege,
  • Bronchitis, eine Entzündung der Schleimhäute der unteren Atemwege,
  • Lungenentzündung, eine akute Entzündung des Lungengewebes,
  • Lungenemphysem, eine dauerhafte Zerstörung der Lungenbläschen durch das Rauchen,
  • Lungenkrebs, eine bösartige Erkrankung des Lungengewebes.

Unser wichtigstes Organ für unseren Stoffwechsel ist unsere Leber. Sie produziert die Gallensäure, lebenswichtige Vitamine, speichert Nährstoffe und entgiftet unseren Körper über die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten. Bereits in der Antike hatte man ihr wundersame Kräfte zugesprochen. Die Leber vieler Tiere galt als Heilmittel. Unsere Leber befindet sich in der rechten Oberbauchseite unter dem Zwerchfell und besteht aus zwei Hälften (Lappen), die wiederum in Segmente unterteilt sind. Beim Menschen wiegt sie etwa 2000 Gramm. Zwischen ihren Zellen befinden sich erweiterte Kapillare, die das Blut in Richtung Läppchenzentrum zu einer Zentralvene transportieren. Sie steuert unseren Glukose-, Fett- und Eiweißstoffwechsel. Über das Insulin verwandelt sie den Zucker in seine körperliche Speicherform und hemmt darüber den Fettabbau. Dies sollte beim Wunsch einer Gewichtsreduzierung beachtet werden. Im Gegensatz zu anderen Körperorganen hat sie eine große Regenerationsfähigkeit. Stirbt ein Teil ab, kann er sich wieder neu bilden. Blutbilder können über Leberwerte oft sehr gut auf menschliche Krankheiten hinweisen. Lebererkrankungen können u.a. sein:

  • Fettleber durch eine Fehlernährung und mangelnde Bewegung,
  • Hepatitis, eine Leberentzündung durch Viren und Toxine,
  • Leberzirrhose, ein Narbengewebe durch abgestorbene Leberzellen,
  • Leberkrebs als folge chronischer Leberschäden (u.a. besonders als Spätfolgen übermäßigen Alkoholkonsums).

Eine zentrale Rolle im Leben eines Menschen besitzt auch seine Niere. Sie filtert das Blut und sorgt dafür, dass die körperlichen Schadstoffe über den Urin ausgeschieden werden. Darüber hinaus reguliert sie den Blutdruck und produzieret wichtige Hormone (Erythropoetin, das die roten Blutkörperchen herstellt, Renin, das die Blutdruckregulation bestimmt, Calcitriol, das das Vitamin D aktiviert). Sie besteht aus zwei Teilen, die sich beidseitig neben der Wirbelsäule befinden (etwa 10 – 12 cm groß und 5 – 6 cm dick). Einzeln setzen sie sich aus drei Zonen zusammen, dem Nierenbecken (hier sammelt sich der Urin), dem Nierenmark und der Nierenrinde, die zusammen etwa 1 – 1,4 Millionen Filtereinheiten (Nephrone) für die Reinigung des Blutes enthalten. Täglich fließt unser gesamtes Blut etwa 300-mal durch sie und täglich scheidet der Körper etwa 1,5 Liter durch die Nieren gefilterten Endharn über den Harnleiter und die Harnblase aus. Beteiligt sind die Nieren auch an der Regulierung des Wasserhaushaltes des Körpers und dem Blutdruck. Ihre Erkrankung führt zu lebensgefährlichen Vergiftungen und macht eventuell Blutreinigungen über eine Dialyse erforderlich. Besonders gefährdet sind Diabetiker bei denen ständig der Zuckerspiegel reguliert werden muss. Nierenerkrankungen können sein:

  • Nierenentzündungen, verursacht durch Bakterien und Immunreaktionen,
  • Nierensteine, kristalline Ablagerungen, die zu Koliken führen können,
  • Niereninsuffizienz, eine schleichender Funktionsverlust der Niere,
  • Nierenversagen, Verlust der Nierenfunktion durch Flüssigkeitsmangel oder Medikamente.

Zu den wichtigen Organen des Menschen gehört auch sein Magen. In ihm wird die aufgenommene Nahrung zerkleinert, verdaut und gespeichert. Er kann bis zu 1,5 Liter in sich aufnehmen, vermengt den Nahrungsbrei mit dem Magensaft und transportiert ihn durch Muskelkontraktionen zum Pförtner, einem Schließmuskel zwischen dem Magen und dem Zwölffingerdarm. Im Magen werden die Proteine vorverdaut, während die Fette und Kohlenhydrate ihn relativ ungehindert passieren. Durch den Magensaft werden alle mit der Nahrung aufgenommenen Bakterien abgetötet. Allerdings beherbergt er eine Reihe eigener Bakterien (2006 waren 129 Arten bekannt), die sich genetisch stark von allen sonst bekannten Bakterien unterscheiden. Ihre Bedeutung ist weitgehend unbekannt. Im Gegensatz zu vielen Tierarten ist der Magen des Menschen einhöhlig und besitzt mehrere Gewebeschichten (u.a.

  • eine Magenschleimhaut, in ihr befinden sich verschiedene Drüsen,
  • eine Bindegewebeschicht mit Blutgefäßen,
  • einer Muskelschicht,
  • eine äußere Wandschicht (Tunica serosa), die gleichzeitig ein Teil des Bauchfells ist.

Die geschluckte Nahrung bleibt etwa 1 – 6 Stunden im Magen. Das ist abhängig von ihrer Zusammensetzung, spezifischen Hormonen und Peptiden (Aminosäureketten) und dem vegetativen Nervensystem (das Wasser 10 – 20 Minuten). Magenerkrankungen können sein:

  • Gastritis, eine Entzündung der Magenschleimhaut, verursacht durch Bakterien, Alkohol oder Stress,
  • Magengeschwüre in der Magenwand, u.a. verursacht durch Bakterien, evtl. Medikamente,
  • Sodbrennen, ein Rückfluss der Magensäure,
  • Magen-Darm-Grippe, oft starker Durchfall, verursacht durch Viren,
  • Magenkrebs, eine Tumorerkrankung der Magenschleimhaut,
  • Reizmagen, u.a. ein brennender Schmerz, Völlegefühle, Blähbauch. Die Ursachen dafür sind unbekannt; wahrscheinlich durch mehrere Faktoren beeinflusst.

Unmittelbar mit dem Magen steht der Darm in einer Verbindung. Er ist nicht nur unser wichtigster Verdauungstrakt, sondern beeinflusst auch viele Körperprozesse.  Er entzieht dem Nahrungsbrei die Nährstoffe und die vom Körper benötigte Flüssigkeit. Die Reste führt er zur Ausscheidung zum After. Beim Menschen ist er etwa 5 – 7 Meter lang, beinhaltet aber wegen seiner vielen Darmzellen eine Oberfläche von etwa 32 m2. Er besteht aus dem Dünn- und dem Dickdarm und entscheidet weitgehend über unser Wohlbefinden. Der Dünndarm zerlegt die vorverdaute Nahrung in Moleküle und führt die Nahrungsbestandteile durch die Darm-Schleimhaut ins Blut.  Der Dickdarm entzieht ihr dann das Wasser und dickt sie dadurch ein. Den letzten Abschnitt (ca. 20 cm) bildet der Mastdarm. Bei keinem anderen Organ wie beim Darm wird so deutlich, dass der Mensch nur ein in Symbiosen lebendes Lebewesen ist. Seine Bakterien (ca. 10 – 100 Billionen) und andere Mikroorganismen entscheiden als Mikrobiom über ihre Tätigkeit weitgehend auch über sein Denken und Fühlen. Die Darmflors ist bei jedem Menschen individuell und jeder Darm stellt für sie ein spezielles Ökosystem dar. Bekannt sind etwa 300 Bakterienarten, geschätzt werden bis zu 36.000, bei den einzelnen Menschen werden bis zu 1000 verschiedene vermutet. Ihre Gesamtmasse soll je erwachsene Person bis zu 2 kg betragen. Damit enthält der Darm etwa 1,3-mal so viele Mikroorganismen wie ein Mensch Zellen besitzt. Sie beeinflussen u.a.

  • seine Immunabwehr,
  • seine Vitaminversorgung (u.a. B 12),
  • viele seiner hormonellen Gehirnvorgänge,
  • unterstützen bei der Verdauung,
  • beeinflussen das Körpergewicht.

Antibiotika können das Mikrobiom stark schädigen. Krankheiten des Darms können sein:

  • Überempfindlichkeiten (z.B. Reizdarm),
  • Darmentzündungen (chronisch und infektiös),
  • Unverträglichkeiten (z.B. gegenüber Gluten),
  • Darmausstülpungen ( Divertikel).

Unsere Haut sehen wir in der Regel nicht als ein Organ an. Dabei ist sie unser größtes und schwerstes (bis zu ca. 2 m2 und bis zu 10 kg). Sie besteht aus ca. 600.000 Zellen und schützt uns vor negativen Umwelteinflüssen (z.B. Krankheitserregern, extremen Temperaturen), vor Feuchtigkeitsverlusten. Sie reguliert unsere Körpertemperatur (über den Schweiß und ihre Durchblutung) und sie dient uns als ein Sinnesorgan. Über die Haut nehmen wir u.a. Temperaturen wahr, Verletzungen und Berührungen (z.B. sexuelle). Sie besteht aus einer Oberhaut (Hornzellen, die sich monatlich erneuern), einer Lederhaut, in der sich die Schweißdrüsen, Blutgefäße und die Wahrnehmungszellen befinden und einer Unterhaut, in der Fett eingelagert wird und die darüber als Energiespeicher und Kälteschutz dient. Krankheiten der Haut können sein:

  • Entzündungen, u.a. Neurodermitis (chronisch, stark juckend) und Ekzeme,
  • Infektionen, u.a. Haut- und Nagelpilz, Herpes und Gürtelrose, Warzen,
  • Talgdrüsenstörungen, z.B. Akne oft als Mitesser und Pickel, Rosazea als chronische Gesichtsrötung,
  • Hautkrebs, Weißer und Schwarzer (Melanom, streut stark, muss dringend entfernt werden).

Über die Bedeutung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) weiß man im Alltag relativ wenig. Dabei bestimmt sie über die Produktion unseres Verdauungssaftes entscheidend unsere Verdauung und über ihre Hormonproduktion entscheidend auch unseren gesamten Stoffwechsel. Sie ist ein kleines Drüsenorgan (bis zu ca. 20 cm lang und 4 cm breit), das gleich hinter dem Magen liegt und eine exokrine und eine endokrine Funktion hat. Die Enzyme der exokrinen spalten, die Hormone der endokrinen gelangen direkt ins Blut. Dazu gehören u.a. Insulin, Amylin, Glucagon, Somatostatin, Polyptid und Ghrelin. Insulin senkt den Blutzuckerspiegel, Glukagon erhöht ihn. Eine körperliche Gewichtskontrolle ist vielleicht am leichtesten über deren bewusste Steuerung in der Abendernährung möglich.  Ihre Blutversorgung erfolgt über das vegetative Nervensystem (wie bei fast allen inneren Organen). Krankheiten der Bauchspeicheldrüse können sein:

  • Bauchspeicheldrüsenentzündungen (Pankreatitis): Hierzu gehören u.a
    • Gallensteine (besonders bei Alkoholmissbrauch),
    • ungenügende Sekretion von Enzymen,
    • Tumore (verbunden oft mit Rückenschmerzen und einer hohen Sterblichkeitsrate),
    • Saugwürmer in den Gangsystemen,
  • Zuckerkrankheit (Diabetes) bei einem Insulinmangel, weltweit etwa 380 Mio. Menschen,

Weitere Organe, beziehungsweise Organsysteme des Menschen sind:

  • Milz: Sie ist das zentrale Organ unseres Immunsystems,
  • Skelett: Es bildet das menschliche Stützgerüst (ca. 270 Knochen, bei Erwachsenen durch Verwachsungen ca. 206),

Ein Mensch besteht aus 656 Muskeln. Dabei werden unsere Bewegungen von den Skelett-muskeln geführt. Sie sind über Sehnen an den Knochen befestigt. Unsere inneren Organe werden über das vegetative Nervensystem von einer glatten Muskulatur gesteuert, Der wichtigste Muskel des Menschen ist das Herz. Über seine Pumpleistung versorgt es den ganzen Körper mit Hilfe des Blutes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Unverzichtbar ist auch das Zwerchfell. Unsere Atmung ist davon abhängig und der große Gesäßmuskel, der erst unseren aufrechten Gang ermöglicht.

Sinnesorgane: Sie bestimmen unsere Körperorientierung. Klassisch werden dafür immer fünf Sinne genannt:

  • Sehsinn (das Auge): Er ermöglicht uns die visuelle Orientierung und gilt allgemein als wichtigster Sinn.
  • Gehör (das Ohr): Es registriert in einem Raum die Schallwellen und ist für unser Gleichgewichtsgefühl wichtig.
  • Geruch (die Nase): Er registriert die chemischen Reizstoffe im Raum. In derEvolution warnte er vor Gefahren. Heute verknüpfen wir mit ihm oft Erinnerungen (z.B. den Geruch der Mutter, der Heimat).
  • Geschmack (die Zunge): Er nimmt die fünf chemischen Grundqualitäten unserer Nahrung wahr: süß, sauer salzig, bitter und umami (herzhaft).
  • Tastsinn (die Haut): Er nimmt Berührungen, Schmerzen, Temperaturen wahr und hat die Funktion eines Schutzschildes.

Heute werden zu diesen klassischen fünf Sinnen oft zwei weitere gezählt:

  • Gleichgewichtssinn (das Innenohr): Er ist zuständig für die räumliche Wahrnehmung und für stattfindende Bewegungen.
  • Tiefensinn (die Eigenwahrnehmung): Er vermittelt uns ein Bewusstsein für die Position unseres Körpers (ohne den Sehsinn). Er wird gerne als Kriterium für die biologische Besonderheit des Menschen genannt.

Das menschliche Dasein kennzeichnen drei Orientierungsvorgaben und drei zellulare Phänomene. Bei den Orientierungsvorgaben ist es

  • zunächst unser existentielle Hauptsinn, die Weitergabe unserer DNA in die Zukunft. Als biologisch gesehen wichtigste Vorgabe für alle Lebewesen erleben wir sie in unserer Sexualität (die in unserer Gesellschaft zurzeit oft nur noch kulturell pervertiert gesehen und oft verdrängt wird).
  • Dann ist es das instinktive Zusammenspiel unserer Hormone, das unsere inneren körperlichen Abläufe und unser Verhalten steuert. Gerät es aus seinen Gleichgewichten werden wir, soweit es unseren Körper betrifft, physisch und wenn es die Gehirnabläufe betrifft, psychisch krank.
  • Der dritte Bereich sind die eingefahrenen Transmitterwege in unserem Gehirn. Als kulturelle Ergebnisse verinnerlichter Setzungen sind ihre Inhalte beliebig austauschbar. Ihre Ergebnisse bestimmen allerdings trotzdem unser Ich. Alles, was wir fühlen und denken, ist weitgehend nur für uns als Person bedeutsam, sozial ist es ein Kulturergebnis, global vielleicht nur als Reibungsphänomen wichtig, das im anthropogenen Bereich unserer Zivilisation uns in eine unbekannte Zukunft voranbringt (z.B. in Richtung der KI, in Richtung einer künftigen Quantenkultur).

Unser zellulare Körper ist eine Vereinigung einer gewaltigen Summe körpereigener Zellen und einer mit ihnen in einer Symbiose lebenden Mikrowelt. Alle sind biologisch darauf ausgerichtet, den Körper in seinen Funktionen zu erhalten, damit er seine Fortpflanzungsauf-gaben erfüllen kann. Dafür organisieren sich seine Zellen in Zellverbänden, die wir als Organe erleben und die Organe dann in einem zweiten Schritt zu Systemen, die dann unsere Körper als zellulare Einheiten aufrecht erhalten. Wir müssen ihnen dann Energie, Mineralien, verschiedene Nährstoffe und Vitamine für ihre Aufrechterhaltung hinzufügen. Auch benötigen sie für die Aufrechterhaltung ihrer Muskulatur und ihres Stoffwechsels ein gewisses Maß an Bewegungen. Der Rest kann auf Grund genetischer und kultureller Vorgaben sehr persönlich sein. Nur dürfen wir sie als Wert bei einer menschlichen Milliardenzahl nicht überschätzen. Sie sind nur für das jeweilige Individuum bedeutsam und ansonsten einzeln völlig unwichtig. Mit unserer Milliardenzahl und unserer inzwischen hauptsächlich kulturellen Prägung verliert auch unsere biologische Statusausrichtung ihre frühere Bedeutung und wir könnten uns dadurch verstärkt wieder den transzendenten Zugängen des Daseins öffnen, banal ausgedrückt, einen Sonnenaufgang oder eine Abendstimmung einfach nur genießen. Die anthropogenen Naturgegebenheiten sind heute nicht mehr so, dass wir uns in sinnlosen Statuskämpfen verlieren müssen. In der Mehrheit können wir nur verlieren und wenn nicht, dann wofür?

Der Mensch ist ein Ergebnis der Natur:

  • Er besteht aus ihren Teilen.
  • Seine Sinne sind auf sie ausgerichtet.
  • Er bezieht aus ihr seine Energie zur Sicherung seiner Existenz.
  • Er ist von ihren Mitgliedern umgeben. Ohne sie könnte er nicht sein.

Sein Problem ist, er versucht sich außerhalb von ihr zu stellen und

  • zerstört dabei deren komplexe Gesamtgefüge,
  • zerstört dabei die Zusammensetzung der Gashülle, die die Erde umgibt und deren Klima bedingt,
  • zerstört die Artenvielfalt der Erde,
  • zerstört die Erdkrumme, die seine Energien sichert, die Zusammensetzung des Wassers und die Luft, die er atmet,
  • zerstört die Meeresströme und verändert dadurch die Bewohnbarkeit der Erde,
  • verbraucht ein Vielfaches der Energie, die die Erde ihm zu seinem Erhalt zur Verfügung stellen kann,
  • belastet die Erde mit seinen Giften, Abfällen und naturfremden Produkten.
  • Er vernichtet dadurch seine eigenen Existenzgrundlagen.

Man könnte dies verstehen, wenn der Mensch innerhalb der universellen Energie eine nur entelechische Übergangsgestalt zu einer weiteren evolutionären Energiezusammensetzung wäre, die sich auf Erden heute vielleicht mit der KI ankündigt.

Wir kennen auf der Erde drei verschiedene Zustandsformen, Evolutionsergebnisse, der universellen Energie, die physikalische, chemische und biologische. Ob es in den anderen Galaxien noch weitere Formen gibt, wissen wir nicht und entzieht sich auch unseren Fantasien. Wir Menschen sind ein Ergebnis der biologischen Evolution hier auf der Erde. Alles aus der universellen Energie hervorgegangen und vom Menschen Wahrgenommene, aber nicht von ihm selbst Geschaffene, bezeichnen wir als Natur. Wie das Herz und die Lunge ist auch das menschliche Hirn immer aktiv. Ihr heutiges Problem ist, dass es sich inhaltlich nicht wie bei einem Naturmenschen mit seiner Nahrungsbeschaffung, Gruppenanerkennung, Fortpflanzung oder Familie beschäftigt, den Kerninhalten eines naturnah lebenden Menschen, sondern mit aktuellen modischen Setzungen seines sozialen Umfeldes und seinen inzwischen vielen körperfremden Hormonbewegungen, die ihn eigentlich, naturnah betrachtet, zu einer kranken Gestalt machen. Sein heutiges krankmachendes Problem ist, er setzt seine heutigen willkürlichen Setzungen zu seinen biologischen Kernbezügen in eine Beziehung, und sie stimmen nicht mehr überein.

Die Bedürfnisse und der Konsum der Menschen sind zurzeit dabei, die Erde zugrunde zu richten. Er ist hier vielleicht nicht nur für das größte Artensterben ihrer Geschichte verantwortlich, sondern durch den Glauben an seine Einzigartigkeit als Art und persönlich, sich selber auf dem besten Wege aus der Evolutionsgeschichte zu verabschieden. Indem er seinen Anthropomorphismus zu einem zentralen Inhalt seiner Orientierungssetzungen, seiner Religionen machte, glaubte er darüber ein Recht zu haben, sie rücksichtslos auszubeuten. Schon die Griechen (u.a. Xenophanes) haben erkannt, dass sie ihre Götter und deren Eigenschaften nur von ihrem Ebenbild ableiteten. Damit erhielt ihre abstrakte höchste Setzung jeweils menschliche Züge und Charaktereigenschaften. Der Mensch sah und sieht sich praktisch als Krone ihrer Schöpfung, die den Auftrag hat, die Erde in ihrem Sinne weiter zu regieren und das heißt zugleich, auch im Sinne seiner Bedürfnisse. Über diese Einstellung sind wir an einen Kipprand gelangt, von dem aus uns nur ein Grauen über die mögliche menschliche Zukunft erfasst. Neben den bereits bestehenden Kampf um Rohstoffe, Energien und die Beherrschung von Infrastrukturen kämpft man im Schutz der Hegemonialmächte bereits um Siedlungsräume (Westjordanland, Gazastreifen, Südlibanon) und strategische Stützpunkte. Die Berechtigung dafür leitet man neben seinem Anthropomorphismus aus seinem nationalen Exzeptionalismus ab, der besonders von den USA kultiviert wird. Ihr Nationalismus erlaubt eine Weltregierung nur unter ihrer Führung. Nach 1945 haben sie New York zum Sitz der UNO gemacht, Washington zum Sitz der Weltbank, den Dollar zur führenden Weltwährung, Englisch zur internationalen Verständigungssprache, sich selbst bei der UN ein Vetorecht verschafft und ihr globales Stützpunktsystem weltweit ausgebaut. Rammstein (bei Kaiserslautern) ist nicht nur ein harmloser Stützpunkt der USA, sondern ihr militärisches Drehkreuz für alle ihre Einsätze in Europa und dem Nahen Osten. Darüber hinaus kontrollieren sie über das Silicon Valley nicht nur die digitalen Medienwelt, sondern sind auch in der Lage, bei nicht folgsamen Staaten deren Infrastrukturen weitgehend lahmzulegen. Bisher sind sie mit ihrem Exzeptionalismus sehr erfolgreich gewesen. Dabei ist es auch dort nur der Erfolg einer kleinen Oberschicht, die von ihrer Weltherrschaft träumt und der die Existenzansprüche der restlichen Menschheit völlig egal sind. Die Alternative wäre ein globales Konzept, in dem sich auch der Mensch nur als Teil der Natur in einer evolutionären Entwicklung sieht. Es sind auch unsere bisherigen ideologischen Setzungen, die uns in unsere heutige Lage gebracht haben. Vielleicht benötigen wir neben einem verstärkten Umwelt- und Artenschutz in der Zukunft als Teil einer neuen Leitidee auch einen künftigen Posthumanismus, der uns wieder zurück in die Natur einordnet. Unter Beibehaltung vieler bisherigen Errungenschaften (z.B. medizinischen), losgelöst von einer ständigen Hetze nach neuen Dopaminausschüttungen und einer neuen Offenheit für eine Transzendenz, könnte der Menschheit und ihren Individuen auch so eine glückliche Zukunft bevorstehen.

Da unsere Religionen die Transzendenz weitgehend für sich vereinnahmt haben, obwohl sie als ein menschliches Grundgefühl damit eigentlich nicht zu tun hat, bestehen über sie völlig falsche Vorstellungen. Wir wissen nicht, welche verschiedenen Transmitterkonstellationen uns zu welchen Gefühlen führen. Das gilt z.B. für das Gefühl der Empathie genauso wie für das der Transzendenz. Das eine Mal ist es das Einfühlen in die Gefühls- und Gedankenwelt anderer, das andere Mal kann es ein Gefühl der inneren Verbundenheit mit allem, was in der Natur ist, sein. Es beschreibt keine imaginäre Existenz, zu der sie die Religionen und viele Philosophen gemacht haben, sondern allein ein inneres Gefühl der Verbundenheit in uns. Damit steht sie vielleicht dem Erleben klassischer, symphonischer Musik nahe. In den Religionen wird sie als eine Erfahrung des außerhalb der materiellen Welt Bestehenden beschrieben und damit schnell mit einer Erfahrung des Absoluten, des Göttlichen gleichgesetzt. Für Platon, der das Dasein als eine veränderliche und eine unveränderliche Welt ansah, bildete letztere zwar eine objektiv bestehende Realität, die es als Ideenwelt gab, aber die sich der menschlichen Erkenntniswelt entzieht (Höhlengleichnis). Aristoteles lehnte einen solchen Bezug ab. Die sinnlich erfahrbare Alltagswelt habe mit einer Transzendenz nichts zu tun, diese sei das nennbar Übersteigende. Diese Position übernahm zweitausend Jahre später auch Kant. Auch für ihn war eine Transzendenz nur dasjenige, das eine Erfahrung überschritt. Erst in der modernen Philosophie wird sie als eine Fähigkeit des menschlichen Bewusstseins verstanden. Für Jaspers stellt sie u.a. das eigentliche Sein dar, für Sartre eine Öffnung des Menschen über sich hinaus innerhalb unserer Erfahrungswelt, der Immanenz. Im Alltag wird die Transzendenz gerne mit dem Göttlichen gleichgesetzt. Das gilt besonders für die östliche Philosophie:

  • Buddhismus: Das Transzendente ist das Nirwana (der Zen-Buddhismus lehnt diese Position ab. Er baut allein auf die Immanenz).
  • Hinduismus: Für ihn ist sie die Letzte seiner vier Lebensziele (Befreiung, Erleuchtung). Über eine Askese kann man die Immanenz verlassen und zur Transzendenz gelangen.
  • Konfuzianismus: Für ihn ist sie der Hintergrund des göttlichen Auftrages zur Pflichterfüllung.
  • Daoismus: Hier bildet die Transzendenz das grundlegende Prinzip der Welt, das „Dao“, aus dem heraus alles entstanden ist. Sie ist dort identisch mit der Immanenz.

In unserer westlichen Kultur wird die Transzendenz gerne als eine menschliche Grenzerfahrung dargestellt, die durch veränderte Bewusstseinszustände erreicht werden kann (z.B. meditative Versenkungen, Atemtechniken, Tanz, Ekstase, Nahtoderfahrungen), als Veränderungen des Ich-Bewusstseins durch Halluzinationen, letztlich oft über eine psychische Reizüberflutung zu einer Selbstentgrenzung. Was uns vorschwebt, ist dagegen die Auflösung der Ich-Grenzen zur Umwelt, besonders zur Natur, um dadurch zu einem tiefen Frieden mit sich selbst zu kommen. Wir haben in unserer Kultur als eigentliches Sozialwesen unser Ich zu unserem Beherrscher gemacht und müssen uns davon einfach nur befreien, indem wir uns wieder zur Natur öffnen. Die indigenen Völker kennen unser Problem nicht, weil sie in der Natur mit der Natur leben und ihre Beziehungen zu ihr nicht mit Setzungen verbaut sind. Wir als weitgehende Kulturmenschen werden dies in ihrer Form nicht mehr können. Wir können psychisch nur noch das Gefühl einer Einheit mit ihr anstreben, um dann darüber wieder ein neues, anderes Glücksgefühl kennenzulernen. Wir können dann im Einssein mit der Natur reicher werden. Unsere Werte dürften dann eine Umorientierung erfahren und das einfache Sein nicht nur beim Anblick einer grandiosen Bergkulisse oder einer gewaltigen Meeres-fläche, sondern auch beim Anblick einer Blume, eines Schmetterlings, dem einfachen Gesang eines Vogels oder dem aggressionsfreien Spiel von Kindern einen beglückenden Einfluss erfahren. Gehen wir nicht darauf ein, haben wir die Selbstverwirklichungsbedürfnisse von zehn Milliarden statusorientierter Individuen zu erwarten, in denen 9,9 Milliarden nur Opfer in unserer zukünftigen Zivilisation sein können. Und selbst das ist vielleicht zu niedrig geschätzt. Tausend Superreiche reichen aus, eine Million sich statusorientiert Bekämpfende und der Rest als überflüssige Masse in einer neuen KI-Gesellschaft kann auch realistisch erwartet werden, wenn sich global in unserem bestehenden Menschheitsgefüge nichts ändert.