Die Evolution des Menschen

Die Frage nach dem „Sinn des Lebens“ ist eine Frage, ob wir dabei nach seinem universellen Sinn, seinem biologischen, kulturellen oder unserem individuellen Daseins-Sinn fragen. Die Antwort auf die Frage nach dem universellen Sinn, so es einen solchen gibt, kennen wir nicht. Die Frage nach dem biologischen Sinn scheint relativ einfach zu beantworten zu sein. Während der kulturelle, abhängig von seinen ideologischen Hintergründen, uns relativ austauschbare Erwiderungen anbietet, ist der individuelle abhängig von seinen vorangegangenen kulturellen Prägungen. Das Problem bei Letzteren ist, dass sie auf austauschbaren, beliebigen Setzungen bauen, die in der Regel auf den hedonistischen Bedürfnishintergründen der Individuen aufbauen und dabei zwei gravierende Probleme besitzen, zunächst die milliardenfache Vielfalt von möglichen Bedürfnissen und zum anderen deren zerstörender Einfluss auf die Erde. Bei ihrer Akzeptanz im Sinne unserer westlichen Freiheiten und dem Recht auf eine Selbstverwirklichung sind wir zurzeit dabei, sie uns als unseren Existenzhintergrund selber zu zerstören.          

Vielleicht lässt sich die Frage nach dem Daseins-Sinn für eine Orientierung des Menschen ernsthaft nicht befriedigend beantworten. Versuche macht man in den

  • Religionen mit Hilfe spiritueller Anmutungen,
  • Philosophien als rationale, anthropogene Setzungen,
  • Wissenschaften als kausale, empirische Schlussfolgerungen innerhalb der Logiksysteme der verschiedenen Kulturen.

Immer können es nur Versuche sein, die den Grenzen des menschlichen Bewusstseins verhaftet bleiben. Immer sind ihre Antworten am Ende mehr oder wenigere offene, austauschbare Setzungen, die letztlich den Kulturen verhaftet bleiben, in denen sie gedacht werden. Wir besitzen für entsprechende Antworten kaum Kriterien an denen wir uns realistisch orientieren können. Alles in unserem Dasein erscheint letztlich beliebig, alle unsere Werte sind darin nur anthropogene Setzungen. Die einzige Realität, die wir besitzen, ist, dass wir da sind und uns in einer allgemeinen fließenden Bewegung der Energie, beziehungsweise der Materie befinden. Diese Feststellung fällt uns schwer genug, und wir können ihre tatsächlichen Hintergründe weitgehend nur erahnen. Innerhalb unserer Grenzen bezeichnen wir sie als Evolution und nur auf sie bezogen, können wir deren Größen vermuten und denken. Nur sie gibt uns vielleicht reale Größen, an denen wir uns für die Beantwortung unserer Frage vielleicht versuchen können.

Unsere Überlegungen werden dabei von vier festen Vorgaben bestimmt;

  • Die Erkenntnismöglichkeiten des Menschen sind auf Grund seiner verminderten Wahrnehmungsmöglichkeiten, seiner Bindungen an seine beschränkten Transmittermöglichkeiten und seiner anthropogene Logiksysteme (z.B. seiner Sprach- und damit seine Denkmöglichkeiten) begrenzt.
  • Der Mensch ist auf Grund seiner geminderten Instinktvorgaben auf kulturelle Orientierungshilfen angewiesen, die er während seiner kindlichen Prägungsphase von seiner Umwelt erhält. Sie legen weitgehend seine möglichen Transmitterkontakte fest.
  • Damit ist er auf ein soziales Umfeld angewiesen.
  • Als ein primär biologisches Wesen ist er zunächst auf seine Fortpflanzung hin programmiert. Dies ist die einzige feststehende Konstante, von der man bei der Suche nach seinen Orientierungsvorgaben ausgehen kann. Alle anderen Orientierungsinhalte, Werte sind nur beliebige Setzungen, die oft austauschbar sind. In ihrer Summe bilden sie zwar die jeweilige Kultur von Gemeinschaften, bilden aber zugleich auch die Mauern, in denen deren Individuen denken

Unser Dasein stellt sich als eine zu einer statischen Einheit zusammengewachsene Sammlung von Molekülen und mit ihnen in Symbiose sich befindenden Viren und Bakterien dar. Doch in dem Augenblick, in dem wir uns dessen bewusst werden, es in eine Bewegung bringen, bedarf der Mensch einer Orientierung, die er sich mit Hilfe einer inhaltlichen Befrachtung seiner Wahrnehmungen als Orientierungssetzung in Kombination mit seinen Bedürfnissen dann selber gibt. Ohne sie kann er nicht bestehen. Seine Besonderheit ist, dass er diese inhaltlich an seine Nachkommen oder sein Umfeld als Bestandteil der Kultur und sie technisch konkretisiert als Zivilisation weitergeben kann. Damit schafft er die Voraussetzungen für eine künftige vierte Evolutionsstufe, die zurzeit in der KI eine unmittelbare Zielsetzung gefunden hat.

Mit unseren evolutionsfeindlichen, naturfeindlichen Setzungen untergraben wir weitgehend viele Möglichkeiten unseres Daseinssinns, so es einen solchen personenbezogen überhaupt gibt. Wir sind einfach da, an einem bestimmten Ort im Universum, in einer bestimmten Kombination in Elementen vereinter Atome, in zu bestimmten Objekten vereinter Urenergie, deren Ursprung wir nicht kennen und auch nicht deren Bewegungsziel. Wir sind in unseren Grenzen nur einfach da und versuchen, unserem Dasein im Rahmen unseres Wunsches nach einer uns psychisch befriedigenden Orientierung einen Sinn zu geben. Auf Grund seiner widerstreitenden beschränkten Instinkte und seiner kulturellen Tugenden ist der Mensch ein gespaltenes Wesen.

Wahrscheinlich ist bei der Suche nach dem Sinn unseres Daseins eine rationale Vorgehens- weise die sinnvollste:

  • Eine emotionale basiert zu stark auf verinnerlichten kulturabhängigen Prägungen. Auf die empfindende Person bezogen, ist es ihr evolutionäres Generbe, das ihr in seinen instinktiven Beschränkungen letztlich nur begrenzt weiterhelfen kann.
  • Rational unterstützen sie ihre empirischen Beobachtungen und ihre kausal operierenden Logiksysteme. Ihre Ergebnisse besitzen, da am meisten auf die Realität bezogen, den größten Realwert.
  • Eine kulturell basierte Suche: Sie ist wahrscheinlich die Unsicherste, da sie hauptsächlich auf sozial aufgewerteten, anthropogenen Setzungen beruht, auf letztlich beliebig austauschbaren Werten, denen man einen hohen Orientierungsgehalt zuspricht.

Wir wollen versuchen, dem rationalen Weg zu folgen.       

Die Wissenschaften helfen uns, unsere Welt in den Grenzen unserer Wahrnehmungs-möglichkeiten und unserer Logiksysteme zu verstehen. Dabei sind unsere „Wunder“ die Phänomene, die wir uns rational nicht erklären können. Die Zentralgestalten unserer westlichen Orientierungskultur waren einst vielleicht Aristoteles, Kopernikus, Newton, Darwin und Einstein. Sie haben die entscheidenden Wegweiser für unser heutiges Denken geschaffen. Für Kant ließen sich unsere Werte, unser sittliches Selbstgefühl nur über einen Glauben an einen Gott und an eine Unsterblichkeit der Seele rechtfertigen. Beides haben wir heute weitgehend verloren. Wir können nur noch bescheiden für das Erleben von Spiritualität in uns einen Raum öffnen und ein Verständnis für die Zusammenhänge gewinnen, die größer als wir selber sind. Dabei brauchen wir für den einzelnen von uns, für seine innere Orientierung eine Sinnperspektive und für die menschliche Gemeinschaft einen neuen Wertekanon für ihre Organisation. Bei diesem Hintergrund wird die historische Philosophie zunehmend durch die Naturwissenschaften ersetzt, die

  • Ontologie, als die Lehre vom Sein, durch das gewaltige Anwachsen ihrer empirischen, kausal gefundenen Ergebnisse,
  • Ethik, durch die Erkenntnis, dass es sich bei ihren Werten nur um oft beliebig austauschbare, anthropogene Setzungen handelt.

Auf dem Hintergrund dieser Überlegungen können wir uns einen Sinn für unser Leben nur selber geben. Allerdings gilt es einige Aspekte zu beachten, wenn wir nicht durch ein Fehlverhalten, wie es zurzeit geschieht, ein vorzeitiges Ende unserer Art herbeiführen wollen.

Unser Problem ist, dass wir viele Aspekte unseres Daseins nicht kennen. Wir wissen Vieles einfach nicht. Und ersetzen die Antworten auf die fragenden Bedürfnisse heute zwar nicht mehr durch religiöse Setzungen, sondern durch wissenschaftliche Hypothesen, die unseren komplexen Daseinsbezug anthropogen mit Hilfe kausaler Orientierungssysteme zu erklären versuchen. Unsere menschliche Wahrnehmungswelt ist sehr beschränkt, und wir behelfen uns unter- und oberhalb der Alltagswelt unserer Wahrnehmungsorgane zunächst mit Hilfsmitteln und dann mit abstrakten theoretischen Größen, die weitgehend jenseits unserer realistischen Vorstellungswelt liegen. So ist es nach unten zunächst die Welt unserer Kleinlebewesen (z.B. der Moleküle, Bakterien), dann die der Teilchenphysik (z.B. Atome, Elektronen, Quarks, Higgs-Bosons) und im Anschluss daran diejenige bis hin zum Planckbereich (10­­­-33 cm), Bereiche, von denen wir nicht wissen, ob es dort noch etwas Erkenn- oder Messbares gibt. Nach oben erstreckt sich unsere wahrnehmbare Welt bis hin zu den für uns sichtbaren Sternen und danach beginnt eine Welt unserer Vermutungen und Hypothesen. Bei ihrer näheren Betrachtung müssen wir erkennen, dass wir nicht wissen,

  • was vor dem „Urknall“ war?
  • wie das Universum entstand? Was den „Urknall“ ausgelöst hat (so es ihn tatsächlich gab)?
  • Wenn es sich durch die „Inflation“ im Bruchteil einer Zeit von 10-30 Sekunden auf eine Größe von 1030 aufblähte, dann entspricht dies dem Aufblühen einer kleinen Münze innerhalb dieses Zeitraumes auf das Zehnmillionenfache unserer Milchstraße. Man kann es sich nicht vorstellen. Man soll es glauben.
  • wodurch das Universum seine Größe erhielt?
  • ob es unendlich groß ist oder eine in sich geschlossene Form besitzt? Fotos desWeltraumteleskops „eRosita“ zeigen es auf einen Auszug eines 360-Grad-Röntgen-Parameters als ein ovales Gebilde. Aber letztlich kennt man seine „Form“ nicht. Man vermutet, dass es weiter als die 13,8 Milliarden Lichtjahre ist, die das Licht bis zu uns heute gebraucht hat. Vermutet wird eine beobachtbare Weite in alle Richtungen von 46 Milliarden Lichtjahre.
  • wohin es sich ausdehnt? Woher kommt dieser Raum? Welche Eigenschaften hat er?
  • was die Zukunft des Universums ist?
  • Niemand kennt die Gesetze wirklich, nach denen sich das Universum geformt hat und das Ziel, auf das seine Bewegungen hinführen.
  • was die kleinsten „Teilchen“ im Universum sind? Nach heutiger Kenntnis sind es die Higgs-Bosons (der physikalische Hintergrund unserer Atome, aller Massen und damit all unseres Seins). Aber vielleicht gibt es noch kleinere Bausteine in einem komplexen Energiesystem. Die Gültigkeitsgrenzen unseres Standardmodells reichen bis etwa 10-17 Zentimeter und nicht bis zur Planckskale von 10-33 Was besteht in dem Zwischenbereich?
  • welchen Ursprung die Elementarteilchen haben?
  • ob es kleinere Teilchen als Quarks, Leptonen und Bosonen gibt?
  • was die Materie tatsächlich ist?
  • was die Antimaterie ist, die Gegenwelt der Materie?
  • weshalb im beobachtbaren Universum die Materie überwiegt?
  • was sich hinter der „Dunklen Materie“ und der „Dunklen Energie“ verbirgt? (Sie umfassen ca, 95 % der Energiedichte des Universums).
  • woraus die „Dunkle Materie“ besteht (die mindestens das Sechsfache der Gesamtmasse des uns bekannteren Materie besitzen muss)?
  • weshalb die Neutrinos eine Masse haben? Wie groß ist sie?
  • wie groß die innere Stabilität des Universums ist, wenn diese nur von einem schmalen Grad zwischen der Higgs-Masse und den top-Quarks abhängig ist?
  • weshalb wir die Relativitätstheorie als Gravitationstheorie bisher nicht mit den anderen Kräftetheorien vereinen konnten?
  • was die Welt in ihrem Inneren letztlich zusammenhält?

Wir wissen nicht, aus welchem „Urzustand“ heraus einst die Erde entstand? Wir kennen auch keine „Weltformel“, die die bisherigen bekannten Phänomene für den menschlichen Geist erklären kann.        Einstein versuchte es in seiner Relativitätstheorie über die Schaffung einer zusätzlichen Zeitdimension zu den drei Raumdimensionen, einer Verformung des Raumes durch die Massen, Theodor Kaluza dann durch deren Ergänzung durch zusätzliche weitere Dimensionen, indem er anstelle der bisher punktförmig gedachten Elementarteilchen Schwingungszustände von winzigen Fäden setzte (Strings). Spätere Physiker erweiterten dann seine Gedanken in mehreren „Stringrevolutionen“ durch weitere mathematische Systeme mit 11 oder 26 Dimensionen, die aber auch nicht die erhofften Lösungen brachten, wohl aber die Möglichkeit eines Vorhandenseins weiterer anders gearteter Universen.   

Wir wissen nicht, ob es weitere Planeten gibt, auf denen auch ein biologisches Leben besteht. Viele Wissenschaftler vermuten es aber und hoffen, eines Tages entsprechende Signale aus dem All zu empfangen. Immer wieder werden am Himmel Erscheinungen beobachtetet, für die es keine Erklärungen gibt. In unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, soll es etwa 40 Milliarden Planeten geben, auf denen Leben vorstellbar ist. Wir wissen das alles nicht. Wir bemerken aber auch nicht, dass

  • die Erde, auf der wir stehen, eine Kugel ist,
  • wir selbst in einem ruhenden Zustand uns in einer Bewegung befinden. (Die Erde dreht sich mit uns mit einer Geschwindigkeit von 1600 km/h um ihre eigene Achse, mit mehr als 110.000 km/h um die Sonne und unser Sonnensystem mit 2 Mio. km/h durch das Weltall).
  • die Luft ständig mit ca. 15 Tonnen auf unseren Körper drückt.
  • ein Wassertropfen aus 300 Mrd. Atomen besteht.
  • ein Lichtstrahl in einer Sekunde 7x um die Erde fliegen kann.

Was vor der Entstehung des Universums war, weshalb und wie es entstand, wir wissen es nicht. Es gibt dazu eine Reihe an Hypothesen, Theorien, Überlegungen, doch halten sie alle genaueren Überlegungen bei unseren anthropogenen Vorstellungsmöglich-keiten nicht stand. Wie soll die gesamte Energie des Universums vor dem Urknall sich in einem tennisballgroßen „Körper“ befunden haben, wie die gesamte Energie dabei im Bruchteil von 10-35 Sekunden frei geworden sein? Wir wissen es nicht. Wir nennen die damaligen Kräfte in unserer Unkenntnis nur „Energie“ und versuchen, die bestehenden astrophysikalischen Paradigmen nur als das anzusehen, was sie sind, aktuelle, zeitabhängige Orientierungsgrößen. Wir wissen auch nicht, wie die Materie entstand. Eigentlich dürfte es sie bei den bestehenden Hypothesen nicht geben, da sich nach der „Inflation“ unseres Wissens, Materie und Antimaterie aufgehoben haben. So geschah es aber nicht. Es gibt sie, und alle Objekte im Universum sind, wie auch wir, ihr Beweis. Genaueres können wir dazu nicht sagen. Man hat den Eindruck, dass sich die gesamte Energie des Universums anscheinend in einer ständigen Bewegung befindet und dabei laufend verschiedene Zustände (Morphosen) annimmt, deren Stufen wir als Evolutionsformen bezeichnen. Aus unserer Perspektive kennen wir dabei die physikalischen, chemischen und biologischen Formen. Vielleicht gibt es noch mehr. Wahrscheinlich zeichnet sich aktuell in unserer Welt noch eine vierte, eine digitale, informationstechnische ab. Wir selber können aus diesem Hintergrund nur ableiten, dass auch wir nur zeitabhängige Energieobjekte sind, die für ihre Existenz selber ständig auf eine gewisse neue Energiezufuhr (Nahrung) angewiesen sind. Gesundheitstechnisch sind wir dabei anscheinend auf gewisse innere Gleichgewichte angewiesen. Überschreiten wir diese, verkürzt es unsere biologische Lebensdauer, unser Stoffwechsel gerät durcheinander, wir werden fettleibig, krank.

Die Frage, die sich uns selbst unter diesen Umständen stellt, ist, was sind wir selber in diesem Geschehen. Eine winzige Ansammlung von Sternenstaub an einem bestimmten Ort in unserem Sonnensystem, innerhalb einer bestimmten Zeit (diese anthropogen verstanden), ein aktuelles Endergebnis nach einem physikalischen, chemischen und biologischen Evolutionsprozess, ein winziger Zustand in einem Vorgang, den wir genau genommen nicht verstehen.

Man könnte meinen, dass wir entgegen dem Universum und der Teilchenwelt dagegen über das uns nächstliegende, unseren Körper besser Bescheid wissen. Aber auch das ist ein Irrtum. Wir wissen u.a. auch hier nicht,

  • wo unser Leben im Einzelnen beginnt?
  • aus wie vielen Proteinen unser Körper besteht (mehrere 100.000 bis über 1 Million)?
  • wie die verschiedenen Proteine zusammenwirken (2 % dienen bekannten Zwecken, die Bedeutung der anderen kennen wir nicht)?
  • kaum etwas über die Mikroben und Viren mit denen wir in einer Symbiose leben?
  • welche Bedeutung manche benötigten Elemente für unseren Körper haben?
  • welche Bedeutung die charakteristischen Windungen und Furchen in unserem Gehirn haben?
  • ob das Limbische System tatsächlich ein zusammenhängendes System ist?
  • welche Funktion die großen Nebenhöhlen im Kopf haben?
  • was das Denken eigentlich ist?
  • was das Bewusstsein eigentlich ist?
  • wie genau ein Gedanke entsteht?
  • weshalb man sich an manche Dinge erinnert, an andere nicht?
  • weshalb unser Gehirn in den letzten 10.000 Jahren kleiner geworden ist (von 1500 auf 1350 Kubikzentimeter gesunken ist)?
  • wie das Riechen eigentlich funktioniert?
  • welche Funktion die Geschmacksrezeptoren an den Hoden haben?
  • weshalb eine Haut jucken kann?
  • weshalb es verschiedene Blutgruppen gibt?
  • weshalb wir zwei Nieren haben?
  • weshalb wir als einzige Primaten gehen (von ca. 250)?
  • was bei einem Fieber in einem Körper genau abläuft?
  • weshalb Autoimmunkrankheiten hauptsächlich bei Frauen auftreten?
  • weshalb die Darmdurchgangszeit bei Frauen ca. 50 % länger ist?
  • weshalb die Zahl der Allergiker besonders in wohlhabenden Staaten so stark zunimmt (deren zunehmende Hygiene kann es allein nicht sein)?
  • weshalb wir schlafen (und was die richtige Menge ist)?
  • weshalb wir träumen?
  • weshalb wir biologischen Tagesrhythmen folgen?
  • weshalb in den letzten 40 Jahren die Zahl der Spermien bei jungen Männern in den USA um 50 % zurückgegangen und zu 90 % fehlerhaft ist?
  • weshalb Placebos wirken?
  • weshalb wir altern?

Wir wissen vieles einfach nicht, obwohl wir es oft glauben und häufig für uns auch auf die Fragen Antworten wissen.

Wir versuchen aus den Mosaiksteinen unserer kollektiven Wahrnehmungen für uns einen sinnvollen Orientierungsweg zu entwickeln, um heute erschreckt festzustellen, dass, wenn wir so wie bisher weitermachen, wir unserer Art ihre Existenzgrundlagen entziehen.

Wir können davon ausgehen, dass letztlich alles Sein auf Energie beruht, die wir in ihren Metamorphosen wahrnehmen. Wir wissen nicht, welchen „Gesetzen“ sie dabei folgt, ob es übergeordnete Gesetze für sie dabei gibt. Wir beobachten, dass diese Energie sich in einem immer wiederkehrenden entropischen Chaos bewegt und für unsere Wahrnehmung stufenweise evolutionäre Phasen durchläuft. Wir scheinen ein Teil einer solchen Phase zu sein und sind vielleicht dabei, eine vierte einzuleiten. Vielleicht ist es möglich, dass die „Energie“ einem inneren „Informationsgesetz“ folgt und andere Kommunikationsformen und digitale Netzwerke nur Ausdrucksformen von ihr sind. Wir wissen es nicht.

Gedanklich, uns an den verschiedenen Evolutionsstufen entlang hangelnd, können wir nur versuchen, uns für unser Dasein einen Existenzsinn zu finden. Stark vereinfacht scheint es

  • der Erhalt und die Pflege unserer Energiemasse zu sein (unserer Leiblichkeit, unserer Energiezufuhr als Teil einer chaotischen, biotischen Energiebewegung).
  • unsere Fortpflanzung, als Form der Bewegung unserer Energie auf eine uns unbekannte Zukunft hin.

Ob unser „Wissen“ der Realität des Seins entspricht, ist sehr fraglich. Mindestens zwei Aspekte sprechen dagegen.

  • Zunächst sind es die größten und kleinsten Dimensionen über die wir es zu erfassen versuchen. Sie befinden sich außerhalb unseres bewussten Vorstellungsvermögens. Wie in einer Religion müssen wir hier die „wissenschaftlichen“ Ergebnisse glauben. Inwieweit der Urknall tatsächlich der Realität entspricht, wissen wir nicht. 
  • Zum anderen versuchen wir, unserem Denkvermögen gemäß, die Welt kausal zu begreifen und sind damit auch sehr erfolgreich. Unsere Zivilisationen sind Ergebnisse dieses Denkens. Doch das Dasein ist nicht kausal, sondern komplex organisiert, und mit jedem unserer Eingriffe in unsere Umwelt zerstören wir gleichzeitig auch von uns nicht beachtete Bezüge. Bei kleineren Eingriffen gleicht die Natur sie aus, doch bei unseren heutigen umfassenden haben wir damit eine Grenze überschritten und müssen mit Rückschlägen zu unseren Lasten rechnen.

Wir wissen um unser Nichtwissen und um die Problematik vieler unserer Antworten auf unsere Fragen. Es besteht der Eindruck, dass unser evolutionärer Instinktmangel einst durch eine mutative Lücke in unseren Neuronenkontakten im Gehirn entstanden ist, die wir für unsere Existenz über einen Orientierungsinhalt schließen müssen. Er kann aus psychischen Zwangsvorstellungen, Fantasien, religiösen Mythen, kulturellen Orientierungsinhalten oder auch kausalen Schlussfolgerungen bestehen und für uns einen mehr oder weniger starken Zwangscharakter besitzen. Wir müssen gedanklich diesen Vorstellungen folgen, selbst wenn deren Informationen, Inhalte für uns nicht den geringsten Wert besitzen. Ihren Grundstock erhalten wir über unsere frühkind-lichen Prägungen, dann als kulturelles „Wissen“ über unsere Schulen und heute zunehmend über interessengesteuerte Medien. Wer kann schon beurteilen, welcher Geheimdienst hinter einer gezielt verbreiteten Information steht. Wir wissen es nicht. Für unsere Neuronenverbindungen bekommen sie aber einen Wahrheitscharakter, und wir können ohne sie weder psychisch noch physisch bestehen.

Für unsere Orientierung versuchen wir feste Kriterien zu finden. Die uns dabei eventuell weiterhelfen können. Dabei gehen wir zunächst davon aus, dass alles einen Anfang gehabt haben muss, der aus irgendeinem Grunde in Bewegung geraten ist. Materialistisch gedacht, nennen wir diesen Anfang Energie und seine Bewegung Kraft. Schon die antiken Griechen vermuteten, dass all unser Dasein aus kleinsten Teilchen, aus Atomen besteht. Sie wussten auch bereits, dass die Erde rund sei, glaubten aber, dass sie das Zentrum des Universums bildet. Dieses Wissen hat man dann in Europa über ein Jahrtausend vergessen gehabt und musste es sich erst von den Arabern zurückholen. Es ging dann alles sehr schnell.

  • Der deutschsprachige Kopernikus (1473-1543) entdeckte, dass die Sonne den Mittelpunkt des Universums bildet und dass die Planeten um sie kreisen.
  • Galilei (1564-1642) bestätigte ihn und entdeckte, dass auf die Bewegungen aller Gegenstände Kräfte einwirken.
  • Newton (1643 – 1727) erkannte für sie drei Bewegungsgesetze im Universum:
    • Gesetz der Trägheit: Ohne das Einwirken einer Kraft verharren die Objekte im Stillstand.
    • Kräfte fördern oder bremsen Beschleunigungen.
    • Jede Aktion bewirkt eine Gegenreaktion.
      (Im Rahmen dieser Gesetze können Körper sich bewegen, beschleunigen und bremsen. Ihre Geschwindigkeit hängt vom Antrieb, ihrem Gewicht und ihrer Reibung ab).

Kräfte entfalten sich durch die Einwirkung von Energie auf sie. Man kann Energie nicht zerstören. Man kann sie nur in eine andere Form umwandeln. Sie bewirkt dann etwas. Energie kann Kräfte in Bewegungen verwandeln.

Das Dasein besteht aus Energie und gebündelten Urteilchen, die wir als Materie erleben. Auf den Menschen bezogen sind es die wenigen Elemente, aus denen er in seinen Molekülen besteht und die Energie, die sie in Bewegung hält, in seinem Fall seine Nahrung, die er zu sich nimmt und das Licht, das auf ihn einwirkt.  Alle diese Materie besteht aus in Bewegung sich befindenden winzigen Bauteilen, die vereint als makroskopisches, komplexes System das Universum bilden. Vielleicht sind sie alle in ihrer Einheit nur metaphorische Ausdrucksformen einer uns unbekannten Energie. Die kleinsten Bausteine der Materie sind die Elementarteilchen. Als Atome (als Nichtteilbare) vermutete man sie bereits in der Antike ( Leukipp, Demokrit, Epikur, Lukrez). Sie galten als unvergänglich und als physischer Hintergrund aller Erscheinungen. Seit dem 19. Jh. erkannte man dann, dass sich alles Sein in elektromagnetischen Feldern vollzieht. Die Folge davon war, dass für die Alltagsmenschen der intuitive Zugang zu dieser jetzt völlig abstrakten Welt verloren ging. Die fundamentale Erkenntniswelt über die kleinsten Teilchen unseres Seins und des Universums wurden ab jetzt zunehmend von mathematischen, abstrakten Gedankengebäuden bestimmt, die eine Fülle von Theorien und Hypothesen in ihrem Schlepptau hatten und deren Wahrheitsgehalt wie den Inhalt einer Religion man jetzt glauben musste.

Das Universum besteht aus Atomen. In bestimmten Verhältnissen verbinden sie sich zu Molekülen. Unsere gesamte Umwelt besteht aus ihnen. Ein Atom besteht aus einem Kern und aus Elektronen, die ihn umgeben. Ein Atomkern ist zwar 10.000mal kleiner als ein Atom (10-15 Meter), besitzt aber 99,95 % seiner Masse. In der Natur gibt es 256 verschiedene Arten von ihnen (Nuklide oder Isotope), die sich durch die Zahl ihrer Protonen und Neutronen unterscheiden. Ein Proton selbst besteht aus Quarks, die noch einmal um das 1000fache kleiner sind. Zudem kennt man im Standardmodell noch etwa 30 verschiedene Elementarteilchen. Man unterscheidet hier in der Elementarphysik als Teilchen in den Quantenfeldern Materie und Kräfte. Dabei bilden die Fermionen die Materie und die Bosonen die Überträger der Naturkräfte. Ihren Unterschied bildet der Spin (innere Drehimpuls; Fermionen, Quarks und Leptonen sind halbzählig, Bosonen ganzzählig, Higgs-Teilchen sind ohne Spin). Durch die damit verbundenen Eigenschaften können die Fermionen Atome bilden, während die Bosonen die Kräfte zwischen ihnen bilden. Die uns bekannte Materie besteht aus Quarks und Leptonen. Dabei bilden die Quarks die Bausteine der Atomkerne (z.B. der Protonen und Neutronen) und unterliegen der Starken Kraft, während die Leptonen die Elektronenhülle bilden und elektrisch negativ geladen sind. Sowohl die Quarks wie auch die Leptonen besitzen ein Gegenstück aus Antimaterie. Die Kräfte zwischen ihnen (Teilchen und Antiteilchen) werden von Eichbosonen übertragen, die Starke Wirkung von Gluonen, die Elektromagnetische von Photonen und die Schwache von W- und Z-Teilchen (Elementarteilchen mit Spin). Dabei soll das Hipp-Boson, das als Quant den gesamten Welltraum ausfüllt, den Elementarteilchen ihre Masse verschaffen. Ohne sie gäbe es keine Atome und kein Leben, Durch ihren schnellen Zerfall (3-Billionstel Sekunde) ist ihr Nachweis sehr schwierig.

Vermutet wird noch die Existenz unbekannter Teilchen. Alle Versuche sie mit Hilfe von Experimenten zu finden, waren bisher erfolglos. Über 95 % des Universums sind uns unbekannt, weil die Bereiche nicht mit Photonen wechselwirken. Verantwortlich für die Vielfalt im Universum sollen Symmetrien sein. Sie sollen als Kräfte hinter den Higgs-Teilchen stehen und als Erhaltungsgrößen von Teilchensystemen deren Ort, Geschwindigkeit und Zeit stabilisieren. Aus der Homogenität der Zeit soll sich die Erhaltung der Zeit ergeben, aus der Homogenität des Raumes die Erhaltung des Drehimpulses und aus der Isotropie des Raumes die Erhaltung des Drehimpulses. Anders als die Energie, der Impuls und der Drehimpuls haben sie in allen Bezugspunkten den gleichen Wert. Zu ihnen gehört die elektrische Ladung von Elementarteilchen und sie beziehen sich auf die Wellenfunktion von Elektronen, Quarks und Neutrinos. Mit Hilfe der Symmetrien lassen sich spezifische Merkmale der Naturgesetze beschreiben. Sie stellen abstrahiert deren Gesetzmäßigkeiten dar. Ohne sie wären die Entstehung einer trägen Masse und eine Vereinigung zu Wechselwirkungen bei hohen Energien nicht verständlich.

Die Verwandtschaft von Massen und Kräften lassen Supersymmetrien vermuten, deren Beziehungen sowohl die Raumzeit wie auch die Quantenfelder in sich bergen. Sollte es sie geben, muss es noch viele unbekannte Elementarteilchen geben (vermutet werden je nach Theorie 17, 32 oder 56). Eine der Vermutungen ist, dass die Dunkle Materie von ihren Teilchen gebildet wird. Die Theorie der Supersymmetrien erlaubt eine Vereinigung der vier bekannten Naturkräfte, indem das Standardmodell der Elementarteilchen um die Theorie der Supersymmetrien (ihre Materie und Kräfte) erweitert wird. Noch besitzen die Vereinigungsversuche experimentelle Schwierigkeiten. (Andere Theorien versuchen, dieses Ziel mit Hilfe von Super-gravitationen oder mit Hilfe von Superstrings zu erreichen).

Im Sinne der Stringtheorie bestehen alle Materie- und Energieformen und damit das gesamte Universum aus eindimensionalen, schwingenden Strings (Fäden), nicht aus „Kügelchen“. Ihre Größe wird bei 10-32 Zentimeter vermutet. Ihre Interaktionen werden als ein Austausch von Kraftteilchen zwischen Elementarteilchen beschrieben. Vermutet werden verschiedene Wechselwirkungen. Die Stringtheorie orientiert sich nicht an den uns bekannten drei Raumdimensionen, sondern an neun (und mehr). Inzwischen gibt es nicht nur eine Stringtheorie, sondern mindestens sechs verschiedene. Einerseits ist sie dabei, sich zum Standardmodell der Materie zu entwickeln, andererseits wird sie auch in Frage gestellt und ihr der Wissenschaftscharakter abgesprochen. Sie stellt sich dann als ein mathematisches, vieldeutiges Monstrum dar, bei dem man nicht weiß, inwieweit ihre Aussagen etwas mit der physikalischen Wirklichkeit noch gemein haben. Sie erlaubt die Annahme vieler weiterer Universen mit völlig anderen Naturgesetzen. Eine Kritik dazu von Alexander Unzicker (dt. Physiker, in „The Higgs Fake“):

„Das Standardmodell der Teilchenphysik hat nichts zu sagen über

  • die Widersprüche der Elektrodynamik,
  • nichts zu Massen,
  • nichts zu Massenrelationen,
  • nichts zu Halbwertzeiten,
  • nichts zur Feinstrukturkonstanten
  • nichts zu ihrem Verhältnis zur Gravitation,
  • nichts über den tieferen Grund des Spins,
  • nichts zur Radioaktivität,
  • nichts zur Natur des Raumes, der Zeit und der Massenschwere bzw. -Trägheit.

Mit welchen Pseudoproblemen sich Teilchenphysiker auch immer beschäftigen, eine Theorie, die zu solch fundamentalen Fragen nichts zu sagen         hat, ist Schrott“.

Atome können Elektronen an andere Elektronen abgeben. Dabei erzeugen sie Strom (die Elektrizität). Bei der Bewegung von Atomen und Molekülen entsteht Wärme. Durch sie geraten diese in ihren Aggregatzustand:

  • Festkörper (= kühle zusammengepresste Flüssigkeiten),
  • Flüssigkeiten,
  • Gase (= erwärmte, ausgedehnte Flüssigkeiten),
  • Plasma (= erhitztes Gas, die Elektronen sind nicht mehr an Atome gebunden).

Atome können Lichtteilchen (Photone) abgeben. Abhängig von ihrer Umgebung verhalten sich diese dann als Teilchen oder Wellen. Als Teilchen können sie Räume durchqueren, als Wellen benötigen sie eine Trägersubstanz. Unser Licht ist nur eine Welle in den Kraftfeldern des Weltraumes. Unser Auge kann davon nur bestimmte Längen wahrnehmen. Viele sind zu kurz oder zu lang, um sie zu sehen. Zusammen bilden sie das elektromagnetische Spektrum:

  • Gammastrahlen:
    Die Wellen sind kleiner als Atome; können feste Körper durchdringen; töten lebende Zellen.
  • Röntgenstrahlen:
    Groß wie Atome; können menschlichen Körper durchdringen,
  • ultraviolettes Licht:
    Kommen von der Sonne; einige Längen verursachen Sonnenbrand,
  • sichtbares Licht:
    Erkennen wir als Farben; im Sonnenlicht enthalten und von den Objekten reflektiert,
  • Infrarotstrahlen:
    Übertragen Wärme,
  • Mikrowellen:
    Kurze Radiowellen,
  • Radiowellen:
    Sehr lange Wellen; können Hindernisse umgehen.

Ohne Licht können wir nicht sein. Welche Stoffwechselvorgänge es seit unserer Geburt in uns beeinflusst, wissen wir nicht. Welchen Einfluss das elektromagnetische Spektrum allgemein steuernd auf das biologische Sein auf der Erde hat, ist uns völlig unbekannt. Vielleicht schafft das erste Licht, das wir in unserem Leben erblicken so etwas in uns, was wir später gefühlsmäßig Heimat nennen.

Wir gehen heute davon aus, dass alle Energie, alle Materie und alle Kräfte Ergebnisse kleinster „Bausteine“ sind. Dabei kennen wir von der tatsächlichen Materie wahrscheinlich nur 5 %. Eigentlich weiß man nicht, was Materie tatsächlich ist und woraus sie letztlich besteht.

  • Man kennt nicht ihre Fundamente unterhalb einer Größenordnung von 10-19 Meter und oberhalb einer Energieskala von 1012
  • Früher in der Physik der Atome besaß man eine relativ klare Vorstellung von ihr.
  • Heute in der Welt der Quantentheorie besitzen wir diese Sicherheit nicht mehr. Die Elementarteilchen werden als Feldquanten oder Wellenpakete beschrieben, als unscharfe raumzeitliche Größen, die zugleich Träger dynamischer Größen sind.

Die Quantenphysik und die Relativitätstheorie beschreiben jeweils verschiedene Welten. In der Relativitätstheorie erfahren wir unsere Realität als eine innerhalb der vier Dimensionen der Raumzeit, als einen eindeutigen Wert. In der Quantenphysik kann ein Objekt an verschiedenen Orten gleichzeitig sein. Mit seiner „Unschärfe“ ist es vorbei, wenn es vermessen wird. Bisher ist es nicht gelungen, beide Theorieansätze zu vereinen.  Was wir aber in Zukunft brauchen, sind Theorien, die eine reale menschengemäße Beziehung zu den Naturkonstanten unserer Umwelt besitzen. Vom jetzigen Forschungsstand her gesehen ist die Teilchenphysik zwar vielleicht in der Lage uns zivilisatorisch zu bereichern, sie kann uns aber zurzeit bei unseren Fragen nach dem Sinn unseres Daseins nicht weiterhelfen.

Die heutige Physik arbeitet hier weitgehend im Theoriebereich mathematischer Beschreibungen (d.h. anthropogener Logiksysteme). Die Unschärfe von Ort, Impuls, Energie und Zeit erlaubt nur begrenzte experimentale Messungen im Sinne der früheren empirischen Forschungsvorstellungen. Man kann die Teilchen letztlich nicht individualisieren, isolieren und weiß vom Raum auch nicht, aus welchen fundamentalen Seinsbedingungen er sich letztlich aufbaut.

Niemand weiß, weshalb das Universum so ist, wie es ist. Der Urknall ist eine anthropogene Setzung, um dem Beginn unseres Universums einen Anfang geben zu können. Wir wissen nicht, ob es am Anfang ein solches Vorkommnis tatsächlich gab. Auch die nächsten Stationen seines Werdens sind die Ergebnisse von Hypothesen, Theorien, mathematischen Spekulationen. Wir wissen nicht, wie die Urmaterie in einem Gemenge aus Quarks und Gluonen sich einst organisierte, wie sie als Plasma frei beweglicher Ladungsträger existierte. Wir wissen nicht, in welchen Dichten es sie tatsächlich gab (angenommen wird heute die Masse der Cheopspyramide im Kopf einer Stecknadel). Wir können nur unvorstellbar große Energiemengen vermuten, die zu einem evolutionären Prozess sich zu entfalten anfingen. In der Forschung werden Experimente vorgenommen, die gestellte Antworten auf Fragen bestätigen, bzw. zu neuen Hypothesen anregen. Vielleicht kennt man die tatsächlich kleinsten Teilchen noch nicht und deren tatsächliche Wechselwirkungen. Versuche des CERN lassen vermuten, dass das Universum in seinem Anfang eine flüssige und keine gasförmige „Struktur“ besaß, sozusagen eine Quark-Suppe darstellte.

Die anderen großen Unbekannten sind die „Dunkle Energie (72 %) und die „Dunkle Materie“ (23 %). Wir wissen gar nicht, was diese eigentlich sind. Wir schließen bei der „Dunklen Materie“ nur aus deren Schwerkrafteinflüssen auf die uns bekannte Materie auf sie und auf deren Umfang. Sie ist nicht sichtbar. Wahrscheinlich besteht sie aus uns unbekannten Elementarteilchen, die sich langsamer als Licht bewegen. Sie unterliegt nicht der elektromagnetischen Wechselwirkung, zerfällt und zerstrahlt nicht. Ihre Masse muss etwa das Fünffache der baryonischen Masse (aus Atomen aufgebaute Masse) übertreffen. Auch bei der „Dunklen Energie“ wissen wir nicht, woraus sie besteht und woher sie kommt. Bekannt ist nur, dass sie die Expansion des Universums vorantreibt und dieses sich wahrscheinlich immer schneller ausdehnt (um 67 km je Sekunde (Hubble-Konstante), bzw. 73,2 km (Riess-Wert)). Man weiß es nicht genau. Die Expansion hat man aus den Rotlichtverschiebungen im Licht von Galaxien abgeleitet.

Die Inflationstheorie besagt, dass das All sich in seiner ersten Sekunde gewaltig aufblähte und dabei Gravitationswellen entstanden, deren Spuren man heute (nach 13,8 Milliarden Jahren) noch glaubt finden zu können (Rauschen, Hintergrundstrahlung, Dichteschwankungen). (Als Vergleich wird dabei angegeben, dass der bisherige Raumkörper in der Größe eines DNA-Moleküls innerhalb von 0,000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.01 Sekunden die Ausmaße der Milchstraße angenommen hätte. Mathematisch mag das stimmen. Man kann dies nicht verstehen. Man soll dies glauben). Genau genommen wissen wir nicht, wie unser Universum tatsächlich entstanden ist. Wir können hier nur Hypothesen mit einem gewissen Orientierungswert folgen.

In einem Sekundenbruchteil soll sich das Universum explosionsartig aus einer mikroskopischen Dimension in seine kosmische ausgedehnt haben (=Inflation). Nach der Inflation entstanden in einer Wechselwirkung Elementarteilchen (z.B. Quarks und Elektronen) und ihre jeweiligen Antiteilchen, die sich gegenseitig aufhoben. Ein kleiner Rest der Quarks blieb aus einem heute unbekannten Grund als normale Masse erhalten und bildete später unser heutiges Universum. 100 Sekunden nach der Inflation, die Temperatur des Kosmos beträgt 1 Mrd. Grad Celsius, verschmelzen die Elementarteilchen zu Atomkernen. In dem folgenden Abkühlungsprozess durch die Ausdehnung wurden aus den Gaswolken (?) aus Wasserstoff und Helium wahrscheinlich Riesensterne, die zu Schwarzen Löchern wurden, um die sich dann später Milliarden Galaxien bildeten mit jeweils Milliarden Sternen. Unsere Milchstraße ist eine von ihnen und soll alleine über 400 Milliarden Sterne besitzen. Insgesamt werden für diese Entwicklung vom „Urknall“ bis heute 13,8 Milliarden Jahre angegeben. Unser Sonnensystem soll dann nach 9 Milliarden Jahren entstanden sein, die Erde nach 4,6 Milliarden Jahren, das erste Leben nach 3,5 Milliarden Jahren und der heutige Mensch wahrscheinlich vor 300.000 Jahren. Erst vor ca. 10.000 Jahren wurde er sesshaft und fing an, seine heutigen Kulturen und Zivilisationen aufzubauen.

Unser Universum ist voller Dynamik. Wir wissen, dass seine Struktur nicht starr ist und dass wir mit unserer Erde darin nur ein winziger, unbedeutender Standort sind. Auf dem Weg zu einer neuen Entwicklungsstufe geben wir uns darin eine besondere Eigenbedeutung, wollen uns darin wie in einem Spiegel selber erkennen und in unserer eigenen Offenheit selber an dieser Dynamik auf irgend eine Weise teilhaben. Wir überschätzen uns bewusstseinsmäßig. Allein die Grenze des von der Erde beobachtbaren Universums beträgt 46,6 Milliarden Lichtjahre (die Geschwindigkeit des Lichts pro Sekunde = 300.000 km, 1 Lichtjahr = 9,46 Billionen km). Der Durchmesser der Milchstraße soll 170.000 – 200.000 Lichtjahre betragen, der unserer Galaxiegruppe 7 Mio. Lichtjahre.

Für viele Vorgänge im Universum haben wir keine Antworten:

  • Wir besitzen keine Vorstellungen über die Natur der „Schwarzen Löcher“ und deren gewaltige Anziehungskraft.
  • Man kennt nicht die Kraft, die mit ihrer Gravitation das Auseinanderfliegen der Galaxien verhindert und die Sterne zusammenhält.
  • Man vermutet eine „Dunkle Materie“, besitzt aber keine Vorstellung von ihr.
  • Man glaubt auch, dass es eine „Dunkle Energie“ gibt, die das Universum seit dem Urknall auseinandertreibt, kann sie aber nirgends dingfest machen.
  • Man besitzt keine Vorstellung von dem, was vor dem Urknall gewesen ist, wie evtl. eine „Urmaterie“ beschaffen war.

Unsere Galaxie ist die Milchstraße. Zu ihr sollen etwa 400 Mrd. Sterne gehören. Unsere Sonne mit uns als Trabanten ist einer von ihnen. Mit 220 km pro Sekunde kreist sie mit ihren Planeten um das Zentrum der Milchstraße. Wir leben in einem ihrer Nebenarme, 25.000 Lichtjahre von ihrem Zentrum entfernt. In jeder Sekunde strahlt sie etwa 5 Mio. Tonnen Materie in Form von Licht und Neutronen ab. Kommt es bei ihr zu Energieeruptionen, fallen bei uns die Kommunikations- und Navigationssysteme aus, können Flugzeuge abstürzen. Ihre 70 Mrd. Neutrinos auf 1 Quadratzentimeter Erdoberfläche pro Sekunde durchqueren teilweise ungehindert die Erde (auch uns Menschen). Man weiß von Ihrer Existenz, kann sie aber nirgends richtig zuordnen. Ihretwegen weiß man nur, dass man die vier fundamentalen Wechselwirkungen der Materie zurzeit noch nicht in einem Gesetz zusammenbringen kann. Ohne das Licht der Sonne gäbe es uns nicht, gäbe es keine Pflanzen und keine Tiere. Zu unserem Sonnensystem gehören vier terristische Planeten (Merkur, Venus, Erde, Mars), 4 äußere Gasriesen (Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun) und insgesamt ca. 180 Monde (der Jupiter besitzt allein 67). Es ist unwahrscheinlich, dass bei der Vielzahl der Sterne allein in unserer Galaxie nirgends im Universum weiteres Leben besteht, zumal ernsthafte Vermutungen es nahe legen, dass auch auf unserer Erde die ersten Lebensvoraussetzungen über andere Asteroide und Meteoroide gekommen waren (so z.B. auch das lebensnotwendige Wasser und die Lebenskeime für die Anfänge der Evolution). Ein Leben in unserem Verständnis kann sich nur in einer „habitablen Zone“ entwickeln, mit günstigen Temperaturen für flüssiges Wasser und mit einer Atmosphäre, die die täglichen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht aufzufangen vermag.

Vor 4,6 Mrd. Jahren entstanden die Planeten im Sonnensystem. Zunächst als glühender „Ball“, deren Staub- und Gaswolke sich in einer Abkühlungsphase verfestigte, aus der dann u.a. auch unsere Erde sich entwickelte. Sie wurde pausenlos von Meteoriten bombardiert. Wahrscheinlich entstand dabei auch der Mond, als die Erde mit einem größeren Himmelskörper zusammenstieß und er sich aus den Trümmern formte. Zu dieser Theorie passt nicht, dass die Gesteine des Mondes eine andere chemische Zusammensetzung besitzen als die Erde. Wie auch immer, für das Leben auf der Erde ist seine Existenz von entscheidender Bedeutung, denn durch ihn erhält die Erdachse ihre stabilisierte Stellung von knapp 3 Grad. Ohne ihn würde sie zwischen 0 – 85o schwanken. Es käme zu gewaltigen Temperaturunterschieden, die kein Leben ermöglichen würden. Woher dann das Wasser kam, weiß man nicht. Bei der Entstehung der Erde, war diese zu heiß, als dass es ursprünglich von hier stammen könnte.

Durch ihre Gravitation bindet die Erde ihre Atmosphäre. Würde diese in das Weltall ausströmen, gäbe es hier kein Leben. Durch ihre Größe und ihren Abstand zur Sonne erhält sie ihre Einmaligkeit. Zwar verliert sie jedes Jahr etwa 100.000 Tonnen Wasserstoff in das All, bekommt aber zugleich die gleiche Menge an Asteroide gebunden wieder zurück. Evtl. kam auch das Wasser über sie einst auf die Erde.

In den ersten 1,5 Mrd. Jahren bestand die Erde nur aus brodelndem Magma. Allmählich erhärtete sich ihre Oberfläche durch die Erdrotation, und es entstand eine feste Kruste, die an ihren dünnen Stellen immer wieder aufbrach. Erdplatten entstanden, die durch den heißen Erdkern in Bewegung gehalten wurden. Weshalb, wissen wir nicht? Sie erhärteten sich weiter. Krustenplatten entstanden und aus diesen dann unsere heutigen Kontinente. Durch den Zusammenstoß der Nordamerikanischen und der südamerikanischen Platte entstand zwischen dem Atlantik und dem Pazifik vor 3 Mio. Jahren eine Festlandbarriere, die den bisherigen Austausch der Meeresströme zwischen ihnen verhinderte. Im Atlantik entstand der Golfstrom, der sein Wasser an der amerikanischen Ostküste entlang nach Nordeuropa leitete und so zum wichtigsten Klimaerzeuger der Erde wurde. Durch sein verdunstetes Wasser entstand in der Arktis die Eisdecke und in Europa und Afrika ein lebensfreundliches Klima.

Die Kontinentalplatten befinden sich auch heute noch in Bewegung und verändern so ständig die Lebensbedingungen auf der Erde. Durch die Plattentektonik der Erde werden ständig neue Klimasituationen geschaffen, so dass die Lebensbedingungen für alle Arten ständig radikal verändert werden. Da es sich dabei um Jahrmillionen handelt, berührt es uns heute nicht. Unsere Art ist zwar biologisch vielleicht 300.000 Jahre alt, kulturell aber seit ihrer Sesshaftwerdung erst 10.000 Jahre, industriell global 200 Jahre und digital erst 50 Jahre alt. Wir befinden uns zurzeit in einem gewaltigen Energiegemenge der verschiedenen anthropogenen Kulturen und wissen letztlich nicht, zu welchen Ergebnissen uns die heutigen Kulturentropien eines Tages führen werden.

Vor 1 Mio. Jahren änderte sich der Rhythmus zwischen den Warm- und Kaltzeiten auf der Erde von einem Zyklus von 40.000 Jahren auf heute mindestens 100.000 Jahren. Die Ursache dafür weiß man nicht. Vermutet wird ein sich ständig verändertes Magnetfeld der Erde, das sich wie ein schützender Schirm über sie spannt und sie vor radioaktiver Strahlung áus dem Kosmos schützt. Seit 150 Jahren nimmt es ab und die Pole wandern (seit 1841 die Antarktis ca. 1300 km, die Arktis 1100 km). Ihre Turbulenzen schaffen die Schwankungen im Magnetfeld, und es entstehen neben den beiden Hauptpolen viele Nebenpole. Je zahlreicher und stärker diese werden, um so schwächer werden die Hauptpole, verschwinden ganz und bauen sich wieder in umgekehrter Richtung neu auf. Dies ist zuletzt vor 780.000 Jahren geschehen.

Jedes Jahr gibt es Millionen Erdbeben auf der Erde. Davon werden von den Seismologen nur bis zu 30.000 registriert. Die meisten ereignen sich unter dem Meer. Sie entstehen dort, wo die verschiedenen Kontinentalplatten aufeinanderstoßen oder auseinanderstreben. Als die gefährdesten Zonen gelten (10 %ige Wahrscheinlichkeit in den nächsten 50 Jahren):

  • Kalifornien (San-Andreas-Graben. Pazifische Platte schrammt die Nordamerikanische),
  • Honshu (Japan: eine Platte schiebt sich unter eine andere = Subduktion),
  • Nordanatolische Verwerfungszone (Türkei: Die Anatolische Platte schiebt sich unter die Schwarzmeerplatte).

Seit Jahrzehnten steigt die Oberflächentemperatur auf der Erde. In Europa ist dafür der „Jetstream“ (Windströmung in 10 km Höhe) verantwortlich, der früher abwechselnd hier die Hochs und Tiefs bestimmte, jetzt aber ins Stocken gerät. Dadurch bleiben die Hoch- und Tiefdruckgebiete lange Zeit an Ort und Stelle, und für die Erde fehlt das Wasser. Die mittlere Erdtemperatur beträgt 15 Grad. Je weiter ein Ort vom Äquator und Ozean entfernt ist, umso stärker schwanken dort die Temperaturen. So drohen in Sibirien die die Böden mit Permafrost aufzutauen (das dabei freiwerdende Methan dürfte den Klimawandel beschleunigen), so werden in Deutschland immer häufiger Temperaturen von über 40 Grad erreicht und es sinkt, durch den fehlenden Regen der Grundwasserspiegel. Eine Folge: Geringere Ernten, häufigere Waldbände.

Bis zum 18. Jh. wurde das Klima auf der Erde weitgehend von der Meerestemperatur gesteuert. Seit der industriellen Revolution ist es zunehmend die Tätigkeit des Menschen. Eine nähere Naturbetrachtung zeigt aber, dass wir die kosmischen und fundamentalen irdischen Abläufe auf der Erde nie werden bestimmen können. Wenn es für den Menschen einen Daseinssinn gibt, dann unter anderen den, sich bewusstseins- und handlungsmäßig in diese „übergeordneten“ Vorgaben einzuordnen.

Wahrscheinlich gab es bereits vor 3,9 Mrd. Jahren auf der Erde einfaches, einzelliges Leben, als es auf der Erde kühl genug geworden war, dass es auf ihrer Oberfläche flüssiges Wasser gab. Vermutet wird, dass die ersten komplexen Moleküle bereits vor der Entstehung des Sonnensystems im Weltall entstanden sind und dann als Nukleobasen mit Hilfe von Meteoriten auf die Erde gelangt sind. Man hat in ihnen bereits Adenin, Thymin, Guanin und Cytosen nachweisen können. Als Täger der DNA (und ihrer Kopierhilfe RNA) wurde deren Abfolge für die Weitergabe der Informationen entscheidend. Sie konnten bis zu vier weitere Atome an sich binden und so dann komplexe Molekülverbindungen bilden. Eine solche Entwicklung ist leichter vorstellbar als deren Entstehung auf der Erde. In den chemischen Entwicklungen innerhalb der Gaswolken, aus denen letztlich alle Sterne und Planeten entstanden sind, kann man heute nicht nur die Nukleobasen nachweisen, sondern auch Aminosäuren und Zuckermoleküle.

Das kleinste Geschöpf der Erde ist ein Cyanobakterium (Prochlorococcus). Es ist so klein, dass man es nicht einmal unter einem Lichtmikroskop sieht. Kein anderes Lebewesen auf der Erde hat einen so großen Einfluss auf deren Ökosysteme: Es wurde erst 1988 entdeckt und bestimmt als Bakterium den biologischen Reichtum der warmen Meere. In jedem Kubikmilliliter gibt es ca. 100.000 von ihnen. Als fotosynthesierende Organismen erzeugen sie ca. 5 % des Sauerstoffs auf der Erde. Es gibt eine Vielzahl von Stämmen unter ihnen, die alle ihre spezifischen Fähigkeiten besitzen. Vor ca. 540 Mio. Jahren entstand ihre Art und perfektionierte sich im Laufe der Jahrmillionen, indem ihr Erbgut auf ein Mindestmaß schrumpfte. Ihre Massen steigerten den Energieumsatz und verwandelten große Kohlendioxidmengen in organische Materie, die dann in tiefere Wasserschichten sank. Darüber wurde dann die Produktivität der Ozeane angeregt. Große Mengen an Biomassen entstanden, aus denen dann die komplexen Ökosysteme der Meere sich entwickelten. Ihre Formenvielfalt explodierte. Der von den Mikroben produzierte Sauerstoff löste ein evolutionäres Feuerwerk aus. Bis zu ihrer Entstehung hatten die fotosynthesierenden Bakterien das Vorhandensein des Sauerstoffs selber durch das Eisen, das sie für ihre Existenz benötigten, begrenzt. Durch die neue Bakterienart wurde das Eisen über ihre Massen gebunden, und der Sauerstoff ermöglichte die Explosion der tierischen Vielfalt.

Jedes Lebewesen ist letztlich nur eine auf eine unbekannte, evolutionäre Zukunft hin ausgerichtete Stoffwechseleinheit, physikalisch ein Teilchenkomplex, chemisch eine Molekülansammlung, biologisch ein Teil eines Bezugsystems. Letztlich wissen wir nicht, was wir genau sind, und um in dieser Situation eine Orientierung zu besitzen, geben wir sie uns über eine Setzung selber, in der Regel so, dass wir uns bemühen, innerhalb unseres Stoffwechsels unsere uns beglückenden Hormone selber positiv aktivieren zu können. All unser Dasein, unser Glück hängt damit im Grunde nur von unserem Stoffwechsel ab. Dieser basiert auf vier Vorgaben:

  • Unserem genetischen Erbe, über das wir unsere Grundprogrammierung erhalten,
  • Aktiviert wird sie über eine ihm angemessene Ernährung, über die wir unsere jeweilige Existenzenergie erhalten. Gegen diese Vorgabe verstoßen wir in unserer Zivilisation am meisten, indem wir uns gegen unsere genetische Programmierung falsch ernähren, bzw. für die chemischen Abläufe in uns falsche Reizstoffe vermitteln (z.B. Drogen). Kurzfristige Folgen davon sind zwar kurze Beglückungsmomente, langfristig aber eine Fülle an Zivilisationskrankheiten, an denen wir zunehmend leiden, bzw. leidend sterben.
  • Darüber hinaus bewegen wir uns entgegen unserer Programmierung zu wenig, bzw. zu einseitig. Dadurch kann unser Stoffwechsel nicht befriedigend aktiviert werden, bzw. wird dadurch unser Muskelapparat langfristig geschwächt.
  • Ein wichtiger Faktor darüber hinaus sind unsere kulturellen Prägungen. Zunächst geben sie uns zwar wegen der Verkümmerung unserer Instinkte unsere anthropogenen Orientierungskonzepte, andererseits stehen sie oft im Widerspruch zu unserer biologischen, evolutionären Programmierung. Auch dadurch gerät unser Stoffwechsel aus seinen natürlichen Gleichgewichten. Wir verändern uns psychisch und werden dann psychisch krank, d.h. depressiv, neurotisch. In einer Kultur des Individualismus, der Selbstverwirklichung wird dann versucht, diesen Zustand auszuleben.

Alles im Universum besteht aus Elementen (ca. 110 sind bekannt). Sie sind die einfachsten Bausteine aller Substanzen und Materialien. Empedokles (490-430 v. Chr.) glaubte, dass es unvergänglich Erde, Feuer, Wasser und Luft seien. Aristoteles fügte später als Fünftes dann noch den „Äther“ hinzu. Ihre weitere Erforschung übernahmen die Alchemisten, die bei ihrer Suche nach dem „Stein der Weisen“ hofften, bei ihren Forschungsarbeiten das Geheimnis des ewigen Lebens zu entdecken und eine Möglichkeit zu finden, Gold herzustellen. Paracelsus hat dann als erster unter ihnen ein chemisches Verständnis für die Bedeutung der Elemente für den menschlichen Körper erkannt und für die Heilung von Beschwerden anstelle von Pflanzen Metallverbindungen und Salze benutzt. Zu 95 % ihres Gewichts bestehen alle Lebewesen auf der Erde nur aus Wasser-, Kohlen-, Stick- und Sauerstoff (rein theoretisch kann überall im Universum deshalb aus ihnen Leben entstehen).

Anteile im

Universum

Sonne

Erdatmosphäre

Mensch

Wasserstoff (H)

92,47  %

90,99  %

—-

61  %

Helium  (He)  

7,4

8,87

0,00052

Sauerstoff    (O)

0,06

0,078

21

26

Kohlenstoff  (C)

0,03

0,033

0,03

10,5

Stickstoff     (N)

0,01

0,01

78

2,4

  • Sauerstoff:
    Voraussetzung für das Leben auf der Erde. Hier vor 3,8 Mrd. Jahren von winzigen Lebensformen geschaffen. Bildet die Hälfte des Gewichts eines durchschnittlichen Menschen. Auf Meereshöhe = 21 % unserer Luft (unter 17 % und über 25 % Sauerstoffgehalt überleben wir nicht).
  • Stickstoff:
    Notwendig zur Herstellung von Proteinen (Bausteine der Körperzellen). Mikroorganismen verwandeln es in Ammoniak und Nitrat. Pflanzen nehmen diese auf und bauen sie zu Proteinen um. Tiere nehmen diese zu sich und schaffen darüber die Stickstoffverbindungen in ihrem Körper.
  • Magnesium:
    Wird für über 300 Funktionen im menschlichen Körper benötigt.
  • Eisen:
    Wird in den Blutzellen und der Leber gespeichert. Transportiert in den roten Blutkörperchen den Sauerstoff von der Lunge zum Herzen und von dort zum Gehirn und in den Körper, auf dem Rückweg Kohlendioxid zur Lunge, von wo es ausgeatmet wird.
  • Schwefel:
    Die ersten Lebensformen ernährten sich wahrscheinlich von Schwefelver Es ist auch für den Menschen ein lebenswichtiges Element (in einigen Proteinen enthalten; festigt u.a. unsere Haut).

Alles um uns besteht aus einem oder aus mehreren Elementen. In zu hohen Dosen können manche von ihnen für uns Menschen tödlich sein. So starben an Überdosen u.a. wahrscheinlich Newton, Mozart, Napoleon und Darwin. Auch der russische Geheimdient soll seine politischen Gegner mit einer Überdosis Polonium töten.

Die Chemie schafft die Bausteine des Lebens. Alle Lebewesen bauen sich aus Ketten von 20 verschiedenen Aminosäuren auf, die Proteine bilden, welche dann alle Vorgänge in unserem Körper steuern. Dies sind Verbindungen aus Stickstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff. Unser Körper bildet sie selbst oder muss sie über seine Nahrung zu sich nehmen. Dabei werden jeweils mehrere Tausend Aminosäuren in Ketten auf eine spezielle Weise zu einem Protein verbunden. In seiner Struktur kann es zusammengelegt, gefaltet oder verdreht worden sein. Vom menschlichen Proteom (der Gesamtheit seiner Proteine) sind inzwischen (2022) zwar 98,5 % bekannt, doch weiß man oft deren Funktionen und deren gemeinsames Zusammenwirken nicht. Viele menschliche Krankheiten sind die Ergebnisse von Strukturfehlern und Fehlfaltungen der Proteine.

Man weiß nicht, wo und wann das Leben auf der Erde begann. Stanley Miller wies 1951 in seinem Ursuppenexperiment nach, dass aus Gasen und Wasserdampf bei ausreichender Energie organische Verbindungen entstehen können. Wie dann daraus eine lebende Materie entstehen konnte, ist unklar. Wahrscheinlich startete vor 3,9 Mrd. Jahren das Leben in den Ozeanen zunächst als Einzeller ohne einen Zellkern. Einige dieser Ur-Wesen gibt es heute noch (als Bakterien, Archäa, blaugrüne Algen). Als Nährstoffe verwerteten sie verschiedene Mineralien ihrer Umgebung.

  • Vor 3,7 Mrd. Jr.:
    Feste Meerwasserbecken werden zu “Entwicklungslaboren“ für das Leben. Tiere und Pflanzen passen sich den rhythmischen Gezeiten an. Die Trockenphasen bereiten sie für ihre Landeroberung vor
  • Vor 2,3 Mrd. Jr.:
    Die erste Eiszeit bedeckt die Erde, weil der CO2-Bedarf der Vegetation zu einer schleichenden Abkühlung geführt hat. Die Kälteperioden führten zwar zu mehr oder weniger starken Sterbeperioden, aber zugleich auch danach zu neuen Lebensanfängen. Die Evolution des Biologischen erhielt ihre Triebkraft.
  • Vor 530 Mio. Jr. (Kambrium 570 – 500 Mio. Jahren):
    Es entsteht eine Fülle an Lebensformen. Die meisten heute noch lebenden Tierstämme entstehen. Die ersten harten Skelette können nachgewiesen werden. Bei den Pflanzen sind nur Algen bekannt.
  • Vor 420 Mio. Jr. (ca. 444 – 416 Mio. Jr., Silur):
    In den flachen und warmen Wassern entsteht eine überwältigende Vielfalt an Leben (über15.000 Arten sind bekannt; besonders Trilobiten). Erstes großes Massensterben: 85 % aller Arten kommen um. Die Ursache dafür ist unbekannt.
  • Vor 360 Mio. Jr. (Devon):
    Die Fische erleben eine erste Blütezeit. Die ersten Insekten und Landwirbeltiere entstehen. Die ersten Amphibien verlassen auf Nahrungssuche das Wasser, kehren aber zum Schlafen, zur Laichablage und zum Überwintern wieder in das Wasser zurück. Gegen Ende des Devons das zweite große Massensterben (85 % aller Arten kommen um).
  • Vor 299 – 251 Mio. Jr. (Perm-Zeitalter):
    Am Ende kommt es zum größten Massensterben auf der Erde (75 % aller Landtiere und 95 % aller Wasserwesen kommen um). Als Ursache wird Vulkanismus vermutet.
  • Vor 251 – 200 Mio. Jr. (Trias-Zeit):
    Es gibt Saurier, Krokodile und Schildkröten. Die ersten Säugetiere entstehen. Am Ende das vierte große Massensterben.
  • Vor 200 -145 Mio. Jr. (Jura):
    Die längste Wärmeperiode der Erde beginnt. Bei den Sauriern entsteht eine große Vielfalt (u.a. die ersten Flugsaurier als Vorläufer der Vögel).
  • Vor 145 – 65 Mio. Jr. (Kreidezeit):
    Die Vielfalt auf der Erde nimmt zu. In den ausgedehnten Regenwäldern gibt es ideale Lebensbedingungen für Pflanzen, Wirbeltiere und Insekten. Die Saurier erobern alle Bereiche der Erde, das Wasser und die Luft. Sie sind auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung. Die ersten Blütenpflanzen entstehen. In ihrem Schatten lebt vor 80 Mio. Jr. ein kleines, unscheinbares, nachtaktives Tier, das später zum Vorläufer aller Säugetiere wird. Am Ende der Kreidezeit (vor 65 Mio. Jr.) traf ein Riesenmeteorit im Golf von Mexiko die Erde (der Krater ist heute 175 km groß). Der aufgewirbelte Staub verdunkelte die Atmosphäre. Das Sonnenlicht konnte ihn nicht mehr durchdringen. Feuerstürme        wüteten. Ein großes Massensterben setzte ein (u.a. wahrscheinlich alle Saurier). Nur       Kleinlebewesen und einige Meerestiere überlebten.
  • Vor 65 – 2 Mio. Jr. (Tertiär):
    Die Erde erholt sich vom Meteoriteneinschlag. Durch das Aussterben der Saurier wurde der Weg frei für die anderen Tiere. Die große Zeit der Säugetiere beginnt. Immer wieder auftretende Eiszeiten geben ihrer Evolution regelmäßig neue Impulse.
  • Vor 3 Mio. Jr.:
    In Afrika entstehen die Vorläufer des heutigen Menschen. Im Rahmen seiner Evolution wurde er zum Beherrscher der Erde. Seine Entwicklung führte vom
    • Austrolopitheus africanus in der südafrikanischen Savanne zum
    • Homo habilis (vor ca. 2 Mio. Jr.),
    • Homo erectus (er verließ Afrika und besiedelte die Welt),
    • Homo heidelbergensis (lebte vor 200.000 Jr. in Südafrika, unmittelbarer Vorfahre des heutigen Menschen),
    • Neandertaler (ist aus unbekannten Gründen ausgestorben; jeder Europäer besitzt 2 – 4 % seiner Gene),
    • Homo sapiens (er taucht vor etwa 100.000 Jahren auf).

Heute befinden wir uns in einer Zwischeneiszeit, deren Dauer wir nicht kennen. Eine nächste Eiszeit wird bestimmt kommen. Ihre Gletscher werden die nördliche Halbkugel bedecken. Wahrscheinlich gibt es dann den heutigen Menschen nicht mehr. Es werden sich danach neue Lebensformen entwickeln und durchsetzen. Bisher sind im Rahmen der Evolution Millionen Arten entstanden und gegangen. Jede versuchte, sich auf ihre spezifische Weise zu erhalten. Wahrscheinlich geht die Menschheit auch diesem Schicksal entgegen. Ihre geistige Beweglichkeit wird ihr vielleicht helfen, über den Schritt zu einer neuen vierten Evolutionsstufe für sich eine neue zivilisatorische Lösung für dieses Problem zu finden.

Zurzeit ist der Mensch dabei, seine Existenzgrundlagen selber zu zerstören. Über seine zunehmende Entwicklung zum Kulturwesen und seine damit verbundenen, zunehmenden psychischen Krankheiten führt einerseits seine Veränderung über seine technischen Eingriffe an ihm selbst ihn immer weiter zu einem Dasein als Avatar. Seine milliardenhafte Entwicklung zum Individualismus, zum Identitären und dem damit verbundenen Ausleben seiner persönlichen Bedürfnisse unter dem Postulat seiner Freiheitsrechte sind nur Vorstufen davon. Andererseits greift er auch gezielt in die Evolution über seine Züchtung von Pflanzen und Tieren, seinen Einsatz von Antibiotika, seinen Eingriffen in seine Umwelt ein. Er verändert heute bereits die einstige Artenvielfalt und die bisherigen Klimabedingungen. Verschiedene nicht mehr rückgängig zu machende Kipppunkte im Hinblick auf eine zukünftige Erderwärmung scheinen bereits erreicht zu sein.

Fossilien belegen den verbindenden genetischen Code aller Lebewesen und die Abläufe der Evolution. Das heißt, dass sich der Mensch und seine Psyche letztlich in einem Milliarden Jahre dauernden Prozess entwickelt haben, seine Genetik, seine Anatomie, sein Stoffwechsel und alle seine Eigenarten. Seine Abstammung lässt sich an den molekularen Fähigkeiten seiner Zellen beobachten. Die Entwicklung der Organismen können die Molekularbiologen heute über deren regulatorische Gene über Millionen Jahre nachverfolgen. Die DNA ist in der Lage, die Struktur ihrer eigenen Erbsubstanz zu verändern (u.a. durch die Verdoppelung der Gene). Die Kreationisten lehnen allerdings eine solche Betrachtungsweise ab. Sie berufen sich auf die biblische Schöpfungsgeschichte.

Genau genommen weiß man nicht, wo das Leben im Einzelnen beginnt. Der menschliche Körper besteht aus etwa 37,2 Billionen Zellen, die mehr oder weniger koordiniert, perfekt zusammenarbeiten. Obwohl alle 99,9 % ihre DNA gemeinsam haben, ist keine mit einer anderen gleich. Von Person zu Person unterscheidet sich jeder Mensch an 3 – 4 Millionen Stellen. Jeder hat sogar etwa 100 persönliche Mutationen in sich, die nicht mit denen seiner Eltern übereinstimmen. Alle unsere Gene stammen noch von Vorfahren, als es noch keine Menschen gab. Hinzu kommt, dass wir in der Regel völlig falsch denken und vergessen, dass wir als Person genommen, nur eine vielschichtige Lebensgemeinschaft verkörpern, die im Hintergrund all unser Fühlen und Denken bestimmt. Sie steuert weitgehend die chemischen Prozesse in uns.

  • Auf jedem Quadratzentimeter von uns leben ca. 100.000 Mikroorganismen in ca. 200 verschiedenen Arten.
  • Jeder ist der Träger von Abermillionen Mikroorganismen (ca. 1,5 kg = Billionen; z.B. 900 verschiedene Arten in den Nasenöffnungen, 800 auf der Innenseite der Wange, 1300 auf dem Zahnfleisch, bis zu 36.000 im Darmtrakt). Verschiedene Menschen haben nur einen Bruchteil gemeinsam.

Unser Leben wird von unseren biologischen Vorgaben bestimmt. Wir alle gingen einst aus einer einzigen Zelle hervor und bestehen jetzt nach langwierigen Teilungsprozessen aus Billionen menschlicher und nichtmenschlicher Zellen. Sie sind die fundamentalen Grundformen unseres Daseins, obwohl jede einzelne von ihnen auch ein eigenständiges Leben führt. Sie sind die „Atome“ unseres Daseins. Wie diese aus Elektronen und Protonen bestehen, setzen sich die Zellen aus Organellen zusammen, dem Kern, der die Chromosomen mit seinen genetischen Anweisungen enthält und den Mitochondrien, die deren Kraftwerke darstellen. Entscheidend für ihre Existenz sind ihre Gene, die die Anweisungen für deren Aufbau und Organisation enthalten. Sie liegen paarweise vor (je einer von den biologischen Eltern) und werden nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten weitergegeben. Wir Menschen haben 46 Chromosomen. Jede Zelle unseres Körpers enthält sie. Jedes Chromosom kann 100te Gene enthalten, die in einer Kette angeordnet sind. So enthält das menschliche Chromosom Nr. 2 über 1300 verschiedene Gene und ist über 2 Meter lang. Die Träger der Gene in den Zellen sind deren DNA-Moleküle. Alle DNA-Abschnitte eines Menschen addiert, ergeben eine Länge von ca. 20 Mrd. km. Ihre Besonderheit ist, dass sie alle Informationen beinhalten, die eine Zelle und ein Organismus für sein Wachstum, für seine Reproduktion, für sein Leben benötigt. Sie stellen chemische Molekülpaare (Nukliotidbasen) dar, die in einer Helixstruktur angeordnet sind. Jedes Gen ist ein genau definiertes Stück eines DNA-Codes, das für eine Information steht, z.B. wie die Zellen ihre Protoine herzustellen haben. So ist an der Herstellung des Hämoglobins in den roten Blutkörperchen das Gen „beta-Globin“ beteiligt, das Informationen von 441 DNA-Buchstaben enthält, die sich in einem Proteinmolekül aus 147 Aminosäuren befinden. Das menschliche Genom besteht aus 3 Mrd. DNA-Buchstaben. Etwa 32.000 Proteine haben alle Menschen gemeinsam. Für die Bildung einer neuen Zelle sind viele 100 Reaktionen erforderlich, die zusammenwirken müssen. Von dorther ist es verständlich, dass dabei immer wieder Zellschädigungen, Mutationen auftreten. Alles Leben basiert auf deren Wirkungsweise. Dabei sind alle Menschen seit ihren frühen Vorfahren genetisch gleich. Ihre Unterschiede betragen weniger als 1 % ihres gesamten DNA-Codes. Wir alle werden nur mit einer geringen Zahl neuer genetischer Varianten geboren, die dann unser körperliches Erscheinungsbild, unseren Gesundheitszustand und unsere geistigen Fähigkeiten betreffen.  Sie sind jeweils unser Evolutionsanteil, der sich auf die veränderten Daseinsbedingungen einzustellen hat. Über diese Änderungen erfolgt in der Natur die natürliche Selektion. Einst hat sie die Vielfalt und die Komplexität der Lebensformen geschaffen. Für unsere Wahrnehmung ist sie ein ungerichteter Prozess. Doch ist sie es wirklich? Damit diese Vorgänge stattfinden können, gehört das Sterben zum Abschluss unseres Daseins. Allerdings verweist die Bedeutung der Evolution für unser Leben auf zwei Daseinskriterien:

  • unsere Fähigkeit zur Fortpflanzung (ohne diese findet sie nicht mehr statt),
  • einen Zwang zur Variabilität im Vererbungssystem (ohne sie gibt es keine natürliche Selektion mehr).

Ihr Ziel ist es, immer effektivere Lebensformen hervorzubringen. 

Die Hauptmerkmale eines Zelllebens sind dessen chemische Reaktionen. In ihnen allen finden 100te, 1000de chemische Reaktionen statt. Moleküle werden dabei aufgebaut, abgegeben, Zellkomponente recycelt und Energie freigesetzt. Unser gesamter Stoffwechsel beruht auf chemischen Reaktionen, unser Wachstum als Lebewesen, unsere Selbsterhaltung und unsere Energiegewinnung. Die meisten von ihnen werden von Proteinen (Enzymen) katalysiert. Fast jeder Teil unseres Körpers besteht aus ihnen, bzw. wird von ihnen hergestellt. Sie stehen untereinander in einer Wechselwirkung. Das Leben besteht, so verstanden, aus einem ständigen chemischen Knüpfen und Lösen molekularer Verbindungen. Wir können heute zwar

  • alle DNA- und RNA-Moleküle in einer Zelle sequenzieren,
  • alle darin vorkommenden tausende Proteinarten identifizieren,
  • alle Fette, Zucker und alle anderen darin vorkommenden Moleküle beschreiben.

Aber trotz unseres gewaltigen Datenbesitzes wissen wir über die tatsächlichen Vorgänge in den Zellen noch sehr wenig.            

Alle Bereiche des Lebens werden in uns von Informationsverarbeitungsvorgängen bestimmt. Alle Zellen sind datenverarbeitende Systeme. In einem menschlichen Fötus haben sie alle den gleichen Satz von 22.000 Genen. Ihre Regulation bestimmt dann aber über deren verschiedene Kombinationen, aus welchen eine Niere, die Haut oder das Gehirn wird. In jedem Organ sind die Zellen verschieden. Aber gemeinsam sind sie bestrebt, komplexere Eigenschaften des Lebens hervorzubringen. Lebewesen sind chemische, physikalische únd informationsverarbeitende Gebilde. Sie haben einen Stoffwechsel, der sie am Leben erhält, sie sich reproduzieren lässt und der ihre Informationen koordiniert, Der menschliche Körper ist ein Ökosystem aus menschlichen und nichtmenschlichen Zellen, ein Ergebnis wechselseitiger Abhängigkeiten verschiedener Lebensformen. So waren seine Mitochondrien einst unabhängige Bakterien (vor 1,5 Mrd. Jahren siedelten sie sich in einer Zelle an. Die Wirtszellen wurden von dem ATP (Adenosinphosphat; Energieträger in lebenden Organismen) abhängig. Damit begann die eukaryatische Abstammungslinie (Lebewesen, deren Zellen einen Zellkern haben). Die Wirtszellen konnten größer werden und ermöglichten die folgende Vielfalt der Pilze, Pflanzen und Tiere). Nach Humboldt ist alles Leben durch ein ganzheitliches Beziehungsnetz miteinander verbunden. Alle Lebensformen sind voneinander abhängig. Alles Leben auf der Erde ist Teil eines umfassenden Ökosystems. Alle heutigen Lebewesen sind aus mehrzelligen Gebilden vor 600 Mio. Jahren hervorgegangen und haben sich durch die Evolution zu ihren heutigen Formen entwickelt. Alte Formen schieden aus und schufen Platz für neue. Das menschliche Gehirn ermöglichte an deren Ende eine bessere Anpassung an die sich ständig verändernde Umwelt. Es ermöglichte über die Reflexion und Sammlung von Erfahrungen die Schaffung von Kulturen und Zivilisationen. Die Billionen Verbindungen seines Nervensystems (Synapsen) erlauben ihm die Verarbeitung gewaltiger elektronischer Informationsflüsse. Dabei wissen wir heute immer noch nicht,

  • wie wir als chemische und informationsverarbeitende Systeme funktionieren,
  • wie unser abstraktes Denken entsteht,
  • wie unser Ichbewusstsein,
  • wie unsere Willensfreiheit (so es sie überhaupt gibt),
  • wie unsere Vorstellungskraft und Kreativität?

Alles Leben auf der Erde entwickelte sich aus einer einzigen Familie und dann aus einer ununterbrochenen Kette von Zellteilungen. Da wir als einzige darüber nachdenken können, haben wir dafür deshalb eine besondere Verantwortung.

Wir wissen nicht, ob es auch auf anderen Planeten Leben gibt? Wir kennen nur seine irdische Form. Eine gewisse Zeit nach dem Urknall entstanden überall Atome und Moleküle. Wir wissen nicht, wie und warum sich dann die Materie belebte, ob es hier evtl. einen gesetzmäßigen Automatismus gibt? Evtl. sind wir nur eine unter vielen möglichen Lebensformen, evtl. dauert sie als Evolutionsform auf einem Planeten nur eine begrenzte Zeit.

Wahrscheinlich ist der artbestimmte Anteil des heutigen Menschen vor etwa 300.000 Jahren in Afrika entstanden. Der Kontinent war damals zunächst noch bewaldet und durch seine langsame Versteppung wurde seinen Bewohnern ihre Nahrungsgrundlage entzogen. Sie wurden dadurch gezwungen, nordwärts zu wandern. Vier Kriterien wurden dann für ihre weitere Entwicklung entscheidend, die sie heute noch prägen:

  • Zunächst gehören sie zu den „Säugern“, was sie fortpflanzungsmäßig bei ihren männlichen Vertretern testosterongesteuert, statusorientiert sich verhalten lässt, während ihr weiblicher Teil positiv auffallen will.
  • Dann ist es ihr aufrechter Gang, der sie anatomisch zu dem machte, was sie heute sind.
  • Drittens ist es ihre Sprachfähigkeit, die sie nicht nur zu einer umfassenden Artikulation befähigte, sondern darüber hinaus die Weitergabe von Erfahrungen über die bestehenden Generationen hinaus und die Entstehung kollektiver Kulturen ermöglichte.
  • Viertens, ihr genetischer Instinktverlust, der sie zwang, an dessen Stelle zunächst auf Erfahrungen basierende Orientierungsvorgaben zu setzen, die dann später zunehmend durch relativ willkürliche, austauschbare Setzungen ersetzt wurden, die danach in ihrer Prägungsphase verinnerlicht, ihr Denken und Handeln bestimmten.

Damit gerät der Mensch individuell stoffwechselmäßig in das psychische Spannungsfeld, zwischen instinktiven und kulturellen Einflussgrößen entscheiden zu müssen. Geraten die dabei entstehenden Transmitter, Hormone aus ihren Gleichgewichten, werden die Betroffenen psychisch auffällig, neurotisch krank. Diese Vorgaben bedeuten für unsere heutige Orientierung, da es sich gezeigt hat, dass unser bisheriges Verhalten auf einen Irrweg geführt hat, dass die Menschheit auch in ihren Setzungen, Werten in Zukunft radikal umorientieren muss.

Zu den Besonderheiten des Menschen gehört:

  • Er besteht aus 7 Quadrilliarden Atome
    (= 7 Milliarden / Milliarden / Milliarden Atome).
  • Er besteht aus 59 Elementen
    (davon machen Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Calcium und Phosphor 99,1 % aus).
  • Seine Blutgefäße besitzen aneinandergereiht eine Länge von ca. 40.000 km
    (meistens in Form winziger Kapillare).
  • Ein Teelöffel Blut enthält 25 Mrd. rote Blutzellen
    (in jeder von ihnen sind 250.000 Moleküle Hämoglobin (Protein, das den Sauerstoff transportiert).
  • In jedem Tropfen Blut sind bis zu 4000 verschiedene Molekültypen.
  • In jeder Sekunde produziert ein Körper 1 Mio. rote Blutkörperchen. Jedes von ihnen kreist ca. 150.000mal durch unseren Körper.
  • Die DNA einer jeden Zelle ist 1 Meter lang.  
  • Das Lungengewebe eines Menschen beträgt 90 m2, seine Luftwege betragen             2400 km.
  • Mit jedem Atemzug werden 25 Sextillionen Sauerstoffmoleküle (2,5 x 1022) eingeatmet.
  • Die Oberfläche der Rohrleitungen eines Darms beträgt ca. 2000 m2.
  • Die Darmdurchgangszeit (vom Mund bis zum Darmausgang) beträgt beim Mann durchschnittlich 55 Std., bei einer Frau 72 Std. (je Mahlzeit 6 Std. im Magen, 6 – 8 Std. im Dünndarm, anschließend bis zu 3 Tage im Dickdarm. Dort verarbeiten Abermilliarden Bakterien die Ballaststoffe).
  • Jedes Gramm Stuhl enthält 40 Mrd. Bakterien, 100 Mio. Archaea, Pilze und vieles mehr.
  • Im Laufe unseres Lebens nehmen wir ca. 60 Tonnen Lebensmittel zu uns.
    (In der täglichen Ernährung werden empfohlen bis zu 30 % Fett (gesättigte Fettsäuren nicht über 10 %), weniger zugesetzten Zucker und raffiniertes Getreide, mehr Gemüse, eine tägliche Salzmenge von 2 Gramm).

Von seiner Darmflora her ist der Mensch ein „Allesfresser“ mit dem Schwerpunkt Früchte. Seine biologischen Ernährungsvorgaben werden heute weitgehend von kulturellen überlagert. Dazu gehört eine zu energiereiche Kost (u.a. deren Zuckerlastigkeit).

Biologisch ist der Mensch auf ein geringes Netzwerk von Menschen programmiert (Familie, Freunde). Unsere heutigen Massengesellschaften setzen ihn unter Stress und lassen ihn psychisch erkranken. Forschungsergebnisse aus dem Lechtal haben ergeben, dass die frühen Menschen in kleinen Gruppen von etwa 20 Individuen lebten. Ihre Größe hing von ihrer unmittelbaren Umgebung ab. Um überleben zu können, erforderten sie einerseits eine gewisse Mindestgröße, durften aber andererseits auch nicht zu groß werden, um die Ernährung der Individuen sichern zu können. Wahrscheinlich bestand zwischen den Gemeinschaften ein gewisser Netzwerkverbund. Dabei blieben die Männer in ihren jeweiligen Geburtsgruppen, während die Frauen sich anderen Sippen anschlossen (ähnlich wie es heute bei den Schimpansen der Fall ist).        

Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrem Körperbau, ihren Hormonen und in ihrem Verhalten. Unser Versuch einer geschlechtsneutralen Erziehung folgt einer aktuellen kulturellen Strömung, widerspricht aber unserer Biologie. Männliche und weibliche Kinder haben von ihrer Natur her im Normalfall völlig andere Interessen. Auch die aktuelle Pflege homosexueller oder transsexueller Verhaltensweisen widerspricht einer normalen sexuellen Entwicklung. Wahrscheinlich betrifft sie nur 5 – 10 % der Menschen und findet bei den heterosexuell ausgerichteten in der Regel kaum Verständnis, Das Einzige was man im Verhalten ihnen gegenüber fordern kann, ist Toleranz. Wie alle Wertvorstellungen ist auch unser Verhalten zwischen den Geschlechtern heute weitgehend kulturbestimmt.

  • Während die Männer eher auf Dominanz (Status) hin ausgerichtet sind und sich deshalb oft aggressiver verhalten, sind Frauen eher ausgeglichen und arbeiten besser gemeinsam. Dabei erfolgt ihre Hierarchiebildung zunächst nicht innerhalb der ganzen sozialen Gruppe, sondern findet bei den Geschlechtern getrennt als männliche und weibliche Hierarchie statt (wie bei allen Primaten). Unsere Quotenregelungen sind dabei nur taktische Privilegisierungsargumente der Feministen. Dabei sollte es eine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit sein, dass alle Menschen (bei gleicher Begabung für eine Tätigkeit) die gleichen Bildungschancen, für gleiche Leistungen die gleiche Entlohnung und die gleichen Fördermöglichkeiten
  • Sexuell sind beide Geschlechter biologisch auf eine Fortpflanzung hin programmiert und haben deshalb beide einen starken Sexualtrieb. Er ist nur bei den Frauen anders als bei den Männern. Er entwickelt sich spätestens mit der Pubertät und ist dann nie geschlechtsneutral. Unser augenblickliches soziales Verhalten ist gegenüber unserer hormonellen Ausstattung völlig entgegengesetzt angelegt. Es ist zutiefst körperfeindlich, neurotisch und widerspricht unseren tatsächlichen sexuellen Anlagen, die deshalb weitgehend in einem breiten Untergrund ausgelebt werden. Die Sexualität muss ja nicht so gelockert werden, wie bei den Bonobos (unseren nächsten Verwandten bei den Primaten), die sie zum Abbau aller ihrer Aggressionen nutzen. Das Hochschlafen mancher Frauen hat es aber schon immer gegeben, gibt es auch heute und wird es auch in der Zukunft geben. Was nicht bedeutet, dass sexuelle Übergriff Machtbesitzender gegenüber Abhängigen zulässig sein dürfen.

Das Besondere, Einzigartige des Menschen gegenüber den anderen Primaten ist, dass er als einziger in Kernfamilien lebt.  Neben seinem Instinktverlust scheint es seine einzige wesentliche Besonderheit zu sein, die deshalb auch zu schützen ist. Von ihrer Funktion her war die Familie auf die Erziehung des Nachwuchses und ein Füreinander im Dasein ausgerichtet. Zurzeit ist man in unserer Kultur dabei, ihren Zusammenhalt und ihre soziale Stellung aufzuweichen, indem man für die Frauen für ihre Selbstverwirklichung für die Erziehung der Kinder staatliche Einrichtungen schafft und den Homosexuellen anstelle ihrer früheren Lebensgemeinschaften einen Familienstatus zuspricht. Man kann das politisch machen. Doch alle diese Schritte führen uns fort von unserer Biologie. Das Problem einer Ablehnung ihrer deterministischen Funktion ist verbunden mit einer Aufwertung unserer kulturellen Setzungen und deren interessengebundenen Abhängigkeiten, die ihre eigene Komplexität besitzen und einerseits dabei sind, die Natur zu zwingen, uns unsere Grenzen aufzuzeigen und andererseits in der Zukunft den Weg für die KI freizumachen.

Zu unserem evolutionären Erbe gehören

  • eine sekundenschnelle, mögliche Partnereinschätzung.
    (Positiv gewertet werden eine
    • gute Gesundheit
      (als Ergebnis einer Symmetrie, einer gleichmäßigen Hautfarbe),
    • gute Erbanlagen.
      (bevorzugt werden Männer, wenn das Verhältnis zwischen ihrem Taillen- und Hüftumfang 0,9 beträgt, bei Frauen, wenn das Verhältnis 0,7 beträgt),
  • die Sorge von Männern, dass ihr Nachwuchs auch ihre eigenen Gene besitzt.

Der Mensch ist ständig auf der Suche nach Sicherheiten. Was ihnen nicht entspricht, wird passend gemacht. Viele seiner Ängste sind noch konditionelle Vorgaben aus seiner Vorzeit. Auch unsere Sexualität wird von unseren Genen bestimmt. Sie ist eine unserer archaischen Instinktformen. Ihre Anregungen erfährt sie von der Attraktivität, Ausstrahlung eines Partners oder einer gegebenen Situation. Kulturell wird sie heute von einer Fülle sozialer Vorgaben begleitet.

 Durch unser Verhalten überfordern  wir zurzeit unsere Umwelt. Unsere brutale Ausbeutung der Natur (Landwirtschaft) und der globalen Verbindungen (Rohstoffe, Menschen) zerstört sie zunehmend. Dabei leben wir in jedem Fall über unsere Verhältnisse. Bei unserem heutigen Lebensstil (2022) überall auf der Erde brauchen wir bereits jetzt 1 ¾ Erden. Die natürlichen Ressourcen sind übernutzt, weil ein Teil der Weltbevölkerung zu viel von ihnen verbraucht. Bereits heute sind sauberes Wasser, fruchtbare Böden und saubere Luft Mangelware. Unsere Freiheiten erlauben uns nicht nur zwischen Alternativen zu wählen, sondern unsere komplexe, wohlhabende Welt ist inzwischen so organisiert, dass wir zwischen ihnen wählen müssen. Unser Problem dabei ist nur, dass wir uns dann jeweils nach der Befriedigung unserer maximalen Bedürfnisse und Statusprodukte orientieren und nicht nach einem maximalen Ergebnis für die Gemeinschaft, die Natur oder ein anderes höher angelegtes Ziel.

Vor etwa 300.000 Jahren lebten mindestens zwei Menschen. Dann nahmen sie rasch zu und begannen, die Erde krebsartig zu überwuchern. Beim Krebs geschieht dies, bis sein Opfer stirbt. Beim Menschen besteht die Chance, dass er sich der von ihm geschaffenen Gefahren nicht nur bewusstwird, sondern dass er ihnen gegenüber evtl. sogar umzusteuern vermag.

  • Vor 000 Jahren lebten 10.000 (bis maximal 100.000) Menschen,
  • vor 10.000 Jahren –  170 Mio.,
  • im Jahr 0 –  300  Mio
  • im Jahr 1250  –  400  ,
  • im Jahr 1500  –  500  ,
  • im Jahr 1800  –  980  ,
  • im Jahr 1900  – 1650  ,
  • im Jahr 1950 – 2500 Mio.,
  • im Jahr 1970 –  700 Mio.,
  • im Jahr 1990 –  320  Mio.,
  • im Jahr 2000 –  150  Mio.,
  • im Jahr 2010 –  990  Mio.,
  • im Jahr 2020 –  840  Mio.,
  • im Jahr 2022 –   8000  .

 (Diese Zahlen sind Schätzungen. Sie sind Annäherungswerte und können von anderen Veröffentlichungen abweichen).     

Jeden Tag wächst die Weltbevölkerung um 200.000 Menschen, jedes Jahr um 75 Millionen. Der globale Zuwachs erfolgt bis 2050 hauptsächlich in 8 Ländern (Ägypten, Äthiopien, Indien, Demokratische Republik Kongo, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Tansania). Mehr Menschen bedeuten weniger Natur, weniger Wasser und radikale Abnahme der Artenvielfalt. Der Energiebedarf wird enorm steigen, und als Kulturfolge wird mehr Müll produziert und das Weltklima negativ beeinflusst werden. Man schätzt die zukünftigen Menschenzahlen:

  • 2030 auf  8550 Mio.,           
  • 2040 auf  9190 Mio.,           
  • 2050 auf  9710 Mio..           
  • 2060 auf  007 Mio.,
  • 2100 auf  350 Mio..

In vielen Ländern wird die Armut extrem steigen, was zu gewaltigen Völkerwanderungen führen wird, denen dann mit inhumanen Methoden begegnet wird. Unsere gesamte humane Wertwelt wird ins Wanken geraten. Zwar wird es in den wohlhabenden Staaten auch eine Gegenbewegung geben. Die Frauen werden weniger Kinder gebären (mehr Bildung, Selbstbestimmungsrechte, Zugang zum Arbeitsmarkt). Allerdings wird auch durch die Fortschritte der Medizin langsamer gestorben. Man rechnet, dass aus diesen Gründen z.B. in Deutschland von heute 83 Millionen Menschen die Zahl der Bevölkerung im Jahre 2100 auf 69 Mio. sinken wird. Allerdings ist nicht die zu erwartende Überbevölkerung das Hauptproblem, sondern unser Überkonsum. Zurzeit besitzen 10 % der Menschheit 77 % der Vermögen auf dieser Welt, und diese 10 % wollen es nicht nur behalten, sondern möglichst vermehren. Es ist ihr Luxusleben, das die Treibhausemissionen in die Höhe treibt, weniger sind es die steigenden Bevölkerungszahlen. Da wir die vor uns stehenden Probleme nur global lösen können, brauchen wir an Stelle unserer westlichen individuellen Bedürfnisbefriedigungen einen neuen globalen Humanismus.

Durch unseren zivilisatorischen „Fortschritthaben wir unsere Verbindung zu unserer Erde und zur Natur, deren Teil wir nur sind, verloren. Früher lebten die Menschen verstärkt mit den Jahreszeiten. Man arbeitete, hungerte und fror mit ihnen. So war der Winter weitgehend eine Ruhezeit, in der man entzwei gegangene Geräte reparierte und sich auf die Frühlingsarbeiten vorbereitete. Wer dann nicht genügend Vorräte besaß, musste hungern. Nachts war es noch richtig dunkel, und man konnte außer dem Sternenhimmel noch die Milchstraße sehen. In einer einzigen Stube heizte man gegen die größte Kälte, und die ganze Familie versammelte sich um den Ofen. Kerzen konnten sich nur sie Wohlhabenden leisten. Die Kranichrufe im Frühling und im Herbst weckten damals ganz andere Gefühle, wie auch die ersten Frühlings-blüher und einige Monate danach die Herbstfärbung. Einerseits können und wollen wir innerhalb unserer heutigen Zivilisationsstufe nicht auf die alten Daseinsformen zurückfallen, andererseits müssen wir uns aber dessen bewusst sein, dass wir mit der Aufgabe unserer Naturbezüge auch existentiell viel verloren haben und das Verlassen unserer biologischen Evolutionsstufe uns vor eine völlig neue Situation stellt, der Aufgabe unserer biologischen Existenz als Art, bzw. des Einleitens einer vierten Evolutionsstufe. Der biologische Teil des Menschen will überleben und sich fortpflanzen, sein emanzipierter sich zivilisatorisch fortentwickeln und kulturell verwirklichen. Früher bestand sein Leben aus einem Wettlauf mit dem ihn ständig umgebenden Tod, danach weitgehend in einem Dienst für den Status einer Elite und heute weitgehend als Vorbereiter einer vierten Evolutionsstufe, einer auf digitalen Algorithmen fußenden KI. Nach den Gesetzen der biologischen Evolution sterben alle Arten eher oder später aus. Beim Menschen entscheiden nicht mehr die passenden Gene über sein Überleben. Nach der Entschlüsselung seines Genoms und der bestehenden Möglichkeit, es überall zu verändern, werden anthropogene Setzungen seine Zukunft bestimmen (vielleicht die einer kleinen Gruppe daran Interessierter). Nach heutigen Erkenntnissen (2014) hat jeder von uns mindestens 100 genetische Defekte, die muss es in Zukunft dann nicht mehr geben.

Mit dem Menschen kam zur biologischen Evolution als Zwischenphase zur digitalen die kulturelle. Wie in der Genetik sich mit jeder Geburt die Zusammensetzung der DNA verändert und durch ständige Mutationen immer wieder neu sich in den Details erfindet und damit immer wieder neue Individuen auf ihrem Weg in die Zukunft schafft, so werden im menschlichen Gehirn auf seiner Suche nach einer Orientierung immer neue Setzungen erprobt, die wir im Kollektiv als Kulturen erleben. Sie alle sind letztlich willkürlich und damit austauschbar. Ihr Problem in unserer Kultur ist, dass sie sich in ihren Zielsetzungen gegen die Inhalte der bisherigen menschlichen Evolution stellen und damit gegen seine biologische Natur. Seine damit verbundenen Werte betonen besonders in der westlichen Kultur, das Wohlergehen des Individuums über dessen Selbstverwirklichung und damit letztlich dessen Konsum und dessen Egoismen, Welten, die der Natur durch die Vielzahl der Menschen in der Maßlosigkeit gewaltsam gegenüberstehen. Seine Werte der Freiheit, der Pflege mutanter, evolutionärer Abweichungen, sein parasitäres Verhalten machen ihn zu einer Bedrohung für die aktuelle Natur, und er muss damit rechnen, dass sie in ihrer ewigen Gleichmäßigkeit eines Tages zurückschlagen wird. Da er mit der KI die nächste Evolutionsstufe bereits auf den Weg gebracht hat, erübrigt sich in naher Zukunft wahrscheinlich seine weitere Existenz. Wenn wir langfristig unsere Art erhalten wollen, müssen wir wahrscheinlich viele unserer biologischen Hintergründe stärker beachten und dabei, der Natur neu, kulturell die Gleichwertigkeit aller Menschen gegenüberstellen. Doch das bedeutet ein weltweites Teilen der vorhandenen Ressourcen auf der Erde und einschneidende Verzichte in vielen zurzeit gelebten Bedürfnissen und Freiheiten. Doch wer in unserer Kultur ist in der vollen Tragweite dieser Forderungen dazu bereit?       

Die neuen Technologien raubten den historischen Ideologien weitgehend ihre bisherigen Funktionen als Kitt des sozialen Zusammenhalts von großen Gemeinschaften. Die Rationalität der Wissenschaften löste zunehmend die transzendenten Setzungen der Religionen ab, die globalen Wirtschaftsbezüge die engen Bezugsgrenzen der bisherigen nationalen Bezüge und die Gerechtigkeitsvorstellungen des Marxismus ein weltweiter unkontrollierbarer Finanzkapitalismus. Eine Folge davon ist, dass unsere bisherigen anthropogenen sozialen Bezüge zerfallen. Die bisherigen Familienstrukturen lösen sich auf. Die Frauen verabschieden sich zunehmend aus ihnen und versuchen für sich neue gesellschaftliche Positionen zu erobern. Sie entwickeln für sich als neue Ideologie den Feminismus und versuchen die bisherigen sozialen Strukturen in ihrem Sinne umzuformen (wie bei dem Gendern teilweise in krankhaften Formen). Ihr Problem dabei ist nur, dass sie sich damit zunehmend von dem evolutionären Menschen entfernen, für den sie sich entwickelt haben, von dessen Urerbe sie psychisch immer noch mitbestimmt werden und ihre eigene sexuelle Programmierung dabei völlig außer Acht lassen. Bei genauerem Hinsehen bestimmen diese Kriterien aber immer noch den psychischen Hintergrund ihre Wunschwelt.

Zunächst lösen sich die evolutionären menschlichen Sozialstrukturen auf. Unterschiede im Geschlecht werden aufgehoben (und damit entscheidende anthropozentrische Vorgaben) und die Sexualität wird als entscheidendes Fortpflanzungskriterium zugunsten einer von Tabus begleitenden Lustkultur abgelöst (homosexuelle Gleichwertigkeit, zunehmende künstliche Empfängnis, Retortenbabys).   

Danach zeichnen sich Mischwesen ab:

  • Zunächst mit anderen homoverwandten Wesen (z. B. Mensch- Schimpansen-kreuzungen; bisher versucht, aber fehlgeschlagen),
  • dann als Ersatzteillebewessen mit Hilfe über- und ausgetragener Stammzellen,
  • zuletzt als bio-chemische Mischwesen, oder mit technischen, mechanischen oder digitalen Ersatzteilen.

Am Ende dieser Entwicklung ist der historische evolutionäre Mensch nur noch ein Störfaktor in einer zukünftigen, elementaren, entropischen Energieentwicklung.

Letztlich ist der Mensch eine Existenz, die sich aus historischem „Sternenstaub“ zusammensetzte.

Über unsere Kulturen (Setzungen) haben wir uns von der Erde entfremdet, d.h. von unserer biosphärischen Identität. Wir leben in einer Sphäre technischer Setzungen, über die wir die komplexen Systeme der Erde so verändern, dass wir in ihnen selber nicht mehr bestehen können.

Die Voraussetzungen unserer Existenz sind an die ökologischen Bedingungen auf unserem Planeten gebunden. Zerstören wir diese, so zerstören wir damit unsere eigenen Existenzgrundlagen. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir als Lebensform nur ein unbedeutender Akteur in den Prozessen der Erde sind, die ihre Art in eine Sackgasse gesteuert hat. In früheren Evolutionsschritten wäre sie ausgestorben, wäre dies die normale Reaktion der Natur. Heute werden wir unsere Art so verändern, dass sie als Avatare in einer Nische weiterleben wird und die KI als nächster Schritt die weitere Evolution bestimmen wird. Der historische Homa sapiens hat nur noch die Chance einer Rückbesinnung und einer Begrenzung dieser Entwicklung.

Wir verändern unsere Welt nicht nur über unsere Utopien, sondern auch wir werden von ihnen verändert. Wir werden dazu gezwungen sein. Die begrenzten Ressourcen auf der Erde, unsere Einflüsse auf das Klima und die Umwelt und die gewaltigen Bevölkerungszahlen werden uns zu Maßnahmen zwingen, bzw. die KI im Besitz weniger Interessengruppen. Diese Maßnahmen werden wahrscheinlich radikale Freiheitsbeschränkungen mit sich bringen, und unsere „westlichen Werte“, in deren Genuss sowieso nur eine kleine Minderheit tatsächlich gekommen war, zu einer vergangenen geschichtlichen Ideologie werden lassen.

Unser heutiges Problem ist:

  • Wir wissen, dass wir uns in unsere Umwelt, in die Natur einordnen müssen. Wir verhalten uns aber entgegengesetzt, völlig auf deren Ausbeutung ausgerichtet, persönlich über unserem Konsum, in der Wirtschaft über deren Wachstum.

Das menschliche Dasein verwirklicht sich im Spannungsfeld von Natur und Kultur. Je mehr wir uns dabei der Kultur zuwenden, umso stärker werden wir dabei zum Sklaven unserer eigenen Setzungen, die wegen ihrer Willkürlichkeit und Naturfremde keinen dauernden Bestand haben können und deshalb langfristig den Menschen in Konkurrenz zur KI in ein Nischendasein drängen werden.

Wir kennen nur unsere Vergangenheit und bewerten die Zukunft über die darin gemachten Erfahrungen. Unser Problem dabei ist, dass es in unserer Vergangenheit die digitale Welt noch nicht gegeben hat. Mit der Digitalisierung verändern sich nicht nur unsere Kommunikationsformen, sondern damit auch unsere Gesellschaft.

Wir stehen vor einer Entwicklung, in der die Digitalisierung weitgehend unsere Arbeit übernimmt, ein bedingungsloses Grundeinkommen die Existenz vieler von uns zunehmend sichert und eine breit ausgebaute Unterhaltungsindustrie unsere Lebenszeit ausfüllt. Doch wollen wir das letztlich wirklich? Welche zufriedenstellenden Auswege bieten sich real an? Vielleicht ist es ein Weg zur Transzendenz mit Hilfe der Atmung, wie ihn seit Jahrtausenden Mönche in Asien, Afrika und Europa meditierend gegangen sind und dabei den Weg zu ihrer eigenen Zufriedenheit und zu sich selber gefunden haben.

In Zukunft wird von unserer KI jede Phase unserer Existenz gesteuert. Schon heute erfolgt dies weitgehend im Bewegungsbereich. In der nächsten Zeit wird es personalisiert auch bei unserer Ernährung sein, da jeder Körper seine Kohlenhydrate, Fette und Proteine anders verarbeitet. Unsere gesamte Befindlichkeit und Leistungsfähigkeit kann in Zukunft individuell von der KI gesteuert werden und alle Betroffenen werden sich unter ihren Orientierungsvorgaben einordnen, vielleicht sogar wohl fühlen, weil sie das Gefühl haben werden, das die Befolgung ihrer Vorgaben ihnen guttut und sie nach einer gewissen Zeit eine andere Existenz gar nicht mehr kennen werden.

Wir haben für einen erfolgreichen Art- und Klimaerhalt nicht mehr viel Zeit. Vielleicht sind demokratische Entscheidungsprozesse dafür auch viel zu langsam, und wir brauchen für die Zukunft der Menschheit so etwas wie eine weltweite Ökodiktatur.