Kennzeichnend für den heutige Menschen ist der Umstand, dass er zu seinem Dasein und dem Dasein an sich viele Fragen hat, aber auf diese keine Antworten besitzt. Er weiß nicht,
- woher alles Sein kommt?
- was der Anfang allen Seins ist?
- was vor dem Urknall war?
- was die Zeit ist?
- weshalb es überhaupt etwas gibt?
- was Leben ist?
- ob es außerhalb der Erde Leben gibt?
- was das Universum ist, was gehört zu ihm?
- wohin sich das Universum ausdehnt?
- was die „Dunkle Materie“ ist, die aus unbekannten Teilchen besteht?
- was die „Dunkle Energie“ ist, die das Universum auseinandertreibt?
- was sich hinter dem „Ereignishorizont“ befindet, d.h., unserem Wahrnehmungshorizont im Universum?
- ob das unseren Wahrnehmungen zugängliche Universum nicht nur eine Blase in einem Gesamtuniversum (Multiversum) ist?
- ob unsere Maßstäbe dem tatsächlichen Universum überhaupt gerecht werden?
- ob über mathematische Modelle der Beginn des Universums überhaupt verstanden werden kann? Gibt es überhaupt einen Beginn?
- ob das Universum ein Zentrum hat?
- ob es uns als Leben alleine im Universum gibt?
Und da er eine gewisse Entwicklung des Universums in der Form seiner Evolutionen beobachten kann,
- wohin es geht?
Er weiß das alles nicht und behalf sich früher mit einer Reihe von Glaubenssetzungen, die in seinen Religionssystemen einmündeten oder heute mit wissenschaftlichen Spekulationen, die weitgehend auf Hypothesen, Spekulationen bauen. Seine befriedigende Bestätigungen findet er in seinen technologischen Erfolgen, mit denen er sich umgibt, die vielleicht aber nur kurzatmige anthropogene Bewegungen im Gesamtkomplex Universum darstellen. Er erfüllt darin vielleicht durch sein Dasein, das vielleicht auf dem Weg zu einem Endziel ein irdisches Zwischenziel nur darstellt, eine gewisse Funktion. Aber dieser Gedanke entspringt auch bereits nur einer beschränkten menschlichen Vorstellung.
- – Wir kennen die „Gesetze“ des Daseins nicht.
- Wir sehen nur zunehmend, dass Vieles an unserem Verhalten in seiner Endauswirkung zerstörerisch ist und viele unserer Setzungen unserer Natur, der Natur widersprechen.
- Wir verhalten uns einerseits wie ein Fremdkörper in ihr und andererseits, ohne es eigentlich zu wollen, wie ein Zwischenglied zu einer neuen, das Dasein auf der Erde beherrschenden Evolutionsstufe. Wir wissen es nicht.
- Unser Motor sind unsere Instinktreste, unser entstandener Orientierungszwang und unsere Dopaminausschüttungen. Die Kultivierung unserer eigentlich nicht vorhandenen Bedeutsamkeit macht uns wahrscheinlich nach der Erfüllung unserer entelechischen Funktion als bestehendes Störelement in der belebten Welt nur überflüssig.
- Diese Überlegungen folgen nur Auffälligkeiten. Inwieweit sie der Realität entsprechen, ihr gerecht werden, wissen wir nicht.
Bei all unseren Studien zur Geschichte des Universums stellen wir nur fest, dass es früher wahrscheinlich anders war, als wir es heute beobachten können und dass seine Energie sich in ständigen Entwicklungsprozessen befindet. All unser Wissen darüber hinaus ist hypothetisch und besteht aus Ausdrucksformen unserer Fantasien, die wir als Orientierungssetzungen für unsere Orientierungen nutzen. Wir erkennen das Universum als ein Struktursystem, das wir mit unseren Maßstäben zu erfassen versuchen. Doch sind sie dafür überhaupt geeignet? Wir wissen es nicht. Wir stellen uns heute vor, dass unser Universum aus einem „Teilchen-Brei“, einem Energie-Brei entstanden ist, aus dem in einem ersten Schritt die Materie entstanden ist und danach in einem zweiten unsere Galaxien und Sterne. Das Universum wurde durchsichtig. Die Strahlung, die bei diesen Vorgängen entstand, können wir heute noch beobachten und messen (u.a. die Hintergrundstrahlung). Wir wissen, dass die bestehenden Räume zwischen den Galaxien größer werden und dass das von uns wahrnehmbare Universum sich wahrscheinlich ausdehnt. Den Theorien nach hat dabei die Strahlung vom Anfang seiner Entstehung 13 Milliarden Jahre gebraucht, bis sie unsere Erde erreicht hat. Aber dieser Gedanke setzt voraus, dass die Erde schon damals ihren heutigen Standort gehabt hat, um diese lange Zeit zu benötigen, um uns heute zu erreichen. Wie kann uns eine Strahlung von einem „Ereignis“ erst nach 13,8 Milliarden Jahren erreichen, wenn die Ursprünge der Erde damals gleichzeitig entstanden sind. An der Lichtstrahlung erkannte Hubble einst, dass die Galaxien sich von uns entfernen, d.h. dass sich das Universum ausdehnt. Inzwischen weiß man auch, dass diese Ausdehnung sich durch die Gravitation der jeweils vorhandenen Materie in den Galaxien sich nicht verlangsamt, sondern beschleunigt. Man weiß nicht, welche Kraft dahinter steht und nennt sie deshalb behelfsmäßig einfach nur „Dunkle Energie“. Die „Dunkle Materie“ bildet dagegen die Kraft, die über ihre Gravitationsstärke die einzelnen Galaxien zusammenhält. Ihre Sterne würden sonst wegen ihrer enormen Eigenbewegung weggeschleudert. Welche Kraft diese eigentlich ausübt, weiß man nicht.
Der „Urknall“ ist eine hypothetische Hilfskonstruktion, von der aus man für die menschlichen Überlegungen den Beginn der Zeit und die Entstehung des Raumes berechnet. Aber mehr als eine hypothetische Setzung ist er nicht. Die Frage nach dem Davor, wird allgemein abgelehnt, da nicht beantwortbar, verboten, weil man darauf keine Antwort weiß. Wenn man aber das gesamte Universum als eine Energieeinheit sieht, eine Energieeinheit bereits vor dem Urknall, indem in einer gewissen Situation seine Energieteilchen („Virtuelle Teilchen“) durch eine Summe von Anreizen (welche ?) zu Materie verklumpten. Wir wissen es nicht. Der Gedanke ist nur der Versuch einer Antwort und kommt der entelechischen Bewegungstheorie als Beginn des Seins nur entgegen. Sollte der Gedanke tragfähig sein, dann kennen wir die Anreize, die dazu geführt haben, nicht. Sollte es dafür ein übergeordnetes entelechisches „Gesetz“ geben, dann stellen sich für den Beginn alles Seins eine Reihe ganz neuer Fragen: z.B., gibt es noch andere Universen, sogenannte Multiversen und wenn ja, dann stellt sich die Frage, welche übergeordnete Kraft hält dann das ganze System zusammen, mit welchem Ziel? Aber auch diese Fragestellung ist bereits nur menschlich gedacht.
Was wissen wir tatsächlich? Auch das wissen wir nicht. Wahrscheinlich schwimmen wir nur in einer Summe rationaler Orientierungsannahmen, die wir aus verschiedenen Hypothesen abgeleitet haben und an deren Realität wir glauben. Für unsere Überlegungen gehen wir als gegeben aus,
- dass das Universum eine feste Energieeinheit darstellt, die in sich wie ein Organismus bis zu kleinsten Einheiten unterteilt ist, die alle untereinander nach uns unbekannten Gesetzen interagieren. Welche Stellung wir Menschen dann darin besitzen, wissen wir nicht. Alle Annahmen von uns sind nur Orientierungshilfen, die von unseren Selbstwertgefühlen getragen werden.
- dass die Energie des Universums sich in einer evolutionären Bewegung befindet, ob auf ein entelechisches Ziel hin, wissen wir nicht. Wahrscheinlich wird es in anderen Galaxien, anderen Sternen noch andere Evolutionsformen geben, die sich jenseits unserer Fantasien befinden. Wir wissen es nicht. Wahrscheinlich werden sie weder Latein noch Englisch sprechen. Sie werden nur andere Energiekonstellationen sein, als wir es sind.
- dass unser Dasein innerhalb dieser Energie nur eine kurze Episode in unserem Bewusstsein darstellt. Wir sind in einem biologischen Prozess gekommen und werden nach einer gewissen Zeit in vorangegangene evolutionäre Energieformen zurückkehren, zunächst in chemische, um dann in neuen biologischen Zusammensetzungen wieder neue energetischen Verbindungen einzugehen. Im gewissen Sinne ähnlich den bereits in Indien gedachten Formen der Wiedergeburt. Eine Energie scheint als gegebene Größe immer weiter zu bestehen, unzerstörbar zu sein. Nur ihre Konstellation für unsere Wahrnehmungen ist immer eine andere. Wir kehren mit unserem Tod in gewisse Vorstufen zurück. Nicht in ein Paradies in dem uns unzählige Jungfrauen schmachtend erwarten und süßeste Früchte in einem Garten an den Bäumen hängen. Wir kehren nur zu Formen unserer Ursprünge zurück.
Das Dasein bedeutet Existenz und das bewusste Dasein bedeutet bewusste Existenz, ein bewusstes Leben, sich seines Seins bewusst zu sein. Als geborene biologische Energiekonzentration ist man eine konkrete Gegebenheit, die sich im Rahmen seiner Orientierungssuche, die Frage nach dem Sinn seines Seins stellt und hat dann zwei Möglichkeiten, sie für sich zu beantworten. Einmal wie die Existentialisten, die zeit- und kulturgemäß die individuellen Antworten betonen. Der Mensch habe die Freiheit, sich seinen Sinn selbst zu geben oder universell, nach der der Einzelne nur ein unbedeutendes Glied in einer enormen evolutionären Bewegung ist und dort nur an seinem Ort in seiner Zeit einen Platz ausfüllt, vergleichbar einem Wassertropfen in einer Welle. Natürlich entspricht der zweite Gedanke nicht den Selbstwertgefühlen des westlichen Menschen, der sich nicht mehr nur als ein schlichtes Glied der Natur sieht. Wir haben wahrscheinlich weitgehend unser Gefühl für unser wahres Dasein verloren und glauben, dass unser existentieller Sinn in unserer Selbstverwirklichung besteht, in der Befriedung immer neuer Bedürfnisse und der ständigen Aktivierung unserer Glückshormone. Doch diese individuelle Orientierungsposition hat uns von der Natur entfernt, deren Evolutionsglied wir nur sind. Einerseits haben wir auch darüber zwar die Voraussetzungen für eine nächste Evolutionsstufe geschaffen, aber mit der Erfüllung dieser entelechischen Funktion uns auch als ein Fremdkörper in den bisherigen biologischen Abläufen auf der Erde erwiesen. Andererseits gibt es auch Möglichkeiten für eine völlig andere Sinnsuche, die auf einer völlig anderen Setzungsbasis beruht und historisch in den östlichen Kulturen bereits vor zweitausend Jahren angedacht worden war. Es ist einerseits eine Kultur der inneren Ruhe in einem Selbst, die uns auch von vielen unserer psychischen Krankheiten befreien würde und andererseits in einer neuen Verbindung zur Transzendenz und damit zur Natur bestehen würde. Vielleicht liegt dann das wahre Glück eines einzelnen Daseins in einem ausgeglichenen Hormonhaushalt, gewachsen aus einer inneren Ruhe und einer neuen, tiefen Beziehung zur Transzendenz.
Der Mensch orientiert sich in seinem Dasein, indem er sich zwischen gegensätzlichen Dimensionen den ihm gemäßen Weg wählt, einen Weg zwischen nah und fern, groß und klein, dick und dünn, usw.. Dafür hat er in seiner rationalen Welt eine Reihe verschiedener Messskalen entwickelt, z.B. für die Erfassung der jeweils betroffenen Energie, der jeweiligen Masse mit ihren Dimensionen, des Raumes und der Zeit. Für ihre Endbereiche besitzt er nur Begriffe. Als Realitäten entziehen sie sich seiner Vorstellungskraft. Wahrscheinlich kann sich niemand real vorstellen, was ein Lichtjahr als Entfernung bedeutet (9.46 x 1012, = 9.600.000 Millionen km) oder eine Zeptogröße (10-21) im Minimalbereich (ein Trilliardstel einer Messeinheit, z.B. eines Joules als Energieeinheit). Man kann diese heute eigentlich nicht mehr messen. Sie werden wahrscheinlich erst bei dem Auslesen von Quanteneinheiten (Bits) im Quantencomputer eine Bedeutung erlangen.
Die menschliche Orientierung bewegt sich wahrnehmungsmäßig im Erfassen von verschiedenen Kriterien. Dazu gehören u.a. die
- des Raumes (Länge, Breite, Höhe),
- der Zeit (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft),
- der Volumen (groß, klein),
- der Energiezufuhr (essbar, nicht essbar),
- der sozialen Beziehungen (Freund, Feind).
Etwas unglücklich ist der Begriff der „Raumzeit“, die als eine Vereinigung der drei Raum-dimensionen mit der Zeit angesehen wird und eine rein theoretische Größe der Physik darstellt. Sie hat mit unserer Erfahrungszeit nichts gemein, sondern ist eine Folgerung nach der Relativitätstheorie, die besagt, dass Objekte, die sich schneller durch einen Raum bewegen, ihre Zeit verlangsamt erleben.
Das Erkennen des Daseins als eine Ausdrucksform des universellen Seins scheint eine besondere Befähigung des Menschen zu sein. Wir wissen über die Gehirnvorgänge in anderen Lebewesen zu wenig, um ihnen manche Befähigung generell absprechen zu können, z.B. Gefühle zur Transzendenz oder der Bedeutung des Todes. Aber die erste Befähigung haben auch wir weitgehend verloren und die letztere wird weitgehend von unseren kulturellen Setzungen beherrscht. Für Heidegger lag der Sinn des menschlichen Daseins in seiner Freiheit. Aus ihr heraus hat der Mensch seine verschiedenen Kulturen geschaffen, seine verschiedenen Zivilisationen, besucht er den Mond und wird zum Wegbereiter der KI. Heidegger sah im Dasein das Seiende, in der der Einzelne in seiner „Geworfenheit“ seinen Lebenssinn selbst entwirft. Sartre verschärfte diese Position, indem er vom Menschen verlangte, dass er sich seinen Lebenssinn selber geben muss, er sei „zur Freiheit verurteilt“.
Wahrscheinlich ist das gesamte Universum eine Energieeinheit. Genau genommen wissen wir nicht, was sie eigentlich ist. Vielleicht kann man sagen, das Allumfassende, das alles Sein in sich einschließt und aus dem alles kommt, vielleicht auch aus dem seine Ganzheit ihre entelechische Entwicklung anstrebt. Wir erfahren sie über verschiedene Ausdrucksformen, z.B. als bewegende, chemische oder elektrische Kraft, als Wärme. Bei allem, was wir tun, bewegen wir damit Energie. Für uns ist sie im Alltag eine physische Basis-Größe, die wir in Joule angeben und die in unserer Zivilisation in der Chemie, wie auch in der Biologie und Technik eine bestimmende Rolle einnimmt. Auch wir als Lebewesen stellen nur Energieeinheiten dar, die von unserem Stoffwechsel getragen werden. Alles Sein ist bewegte Energie, die sich anscheinend in einem ständigen Bewegungszustand befindet. Sie verändert dabei zwar ihre Formen, bleibt aber als solche immer erhalten, egal was wir tun. Unsere Zivilisation basiert weitgehend auf deren Konsum. Sie umgibt uns überall. Sie ist für unseren Lebensstandard unverzichtbar. Daher erhalten viele ihrer uns zugänglichen Quellen eine große wirtschaftliche Bedeutung, und es werden sogar Kriege um ihren Besitz geführt und entschieden. Ihr Habe entscheidet letztlich auch über unseren sozialen Status. Wir gewinnen und „verbrauchen“ sie u.a.
- physikalisch über die Verbrennung von Kohlenstoffen (hauptsächlich fossilen) und die Umwandlung von Naturkräften (u.a. Wind, Wasser),
- chemisch über die Veränderungen ihrer atomaren Welt,
- biologisch über den Stoffwechsel,
- digital über die elektronischen Datenbewegungen.
Immer bleibt sie dabei in ihrer Gesamtheit erhalten, immer wird dabei nur ihr jeweiliger Zustand verändert.
Dem altgriechischen Stammwort nach bedeutet der Begriff „Energie“ „lebende Wirklichkeit“, in der neueren Physik wurde sie dann (durch Thomas Young) als eine Wirkung durch Bewegung verstanden. Leipniz nannte sie „lebendige Kraft“. Heute ist sie neben ihrer funktionalen Bedeutung als Maßgröße in erster Linie der Hintergrund für unsere heutigen hypothetischen, auf mathematischen Folgen basierenden Theorien, angefangen bei der Relativitätstheorie oder dann bei allen Stringüberlegungen. Unsere Seinsorientierung endet hier in Räumen mathematischer Informationen, die sich als solche inzwischen über die digitalen Techniken in der KI und den Quantenüberlegungen zu einer eigenen Kraft verselbständigt haben.
- Bereits Robert Mayer hatte erkannt (1841), dass jede Energie immer dieselbe bleibt, egal in welcher Form sie uns begegnet (Energieerhaltung = „Erster Hauptsatz der Thermodynamik“).
- Robert Clausius erkannte (1854), dass eine mechanische Arbeit auf einer Energieumwandlung beruhe und dass Wärme nur auf einen kälteren Körper wechseln könne (Entropie = „Zweite Hauptsatz der Thermodynamik“). Sie nennt die Energieverteilung in einem System. Mit steigender Entropie bewegen sich die Moleküle freier.
- Helmholz fand heraus (1847), dass man mit Maschinen nicht mehr Energie gewinnen kann, als man in sie hineinsteckt. Ein Perpetuum mobile ist nicht möglich.
- Einstein veröffentlichte dann die Erkenntnis (1905), dass Masse und Energie gleichwertig seien.
Energie kann in verschiedene Formen umgewandelt werden, wobei ihre Menge immer die Gleiche bleibt. Die Bekanntesten sind die
- physikalische Energie (bestimmt von der Lage eines Körpers in einem Kraftfeld),
- chemische Energie, gespeichert in Energieträgern chemischer Verbindungen,
- biologische Energie (lebende Körper und ihr Energieerhalt),
- Bewegungsenergie (kinetische Energie),
- Kernenergie (die Bindungskraft innerhalb eines Atomkerns),
- Strahlungsenergie (transportiert elektromagnetische Wellen),
- elektrische Energie (in elektrischen Feldern, überträgt sie als Strom),
- thermische Energie (Bewegung von Teilchen in einem Körper),
- informative Energie als Träger von Daten (Wie gewaltig hier die Energieanforderungen sind, zeigt der aktuelle Verbrauch der Server in verschiedenen Regionen, bzw. Ländern).
- Quantenmechanik: Über sie weiß man relativ wenig. Ihre Maßeinheit ist die „Planck-Konstante“. Sie bestimmt die Energie, die Teilchen und Wellen zusammenhält.
Das Universum scheint eine Energieeinheit zu sein, die wir in ihrem Aufbau und ihren Kräften nicht verstehen. Vielleicht kommt ihrem Verständnis die Quantentheorie am nächsten, die alles Sein als ein gewaltiges Quantensystem sieht, ein Sein das bereits vor seiner Materialisierung bestand, ein System, in dem alles mit allem verschränkt ist und deshalb informativ alles ständig mit allem in einer Verbindung steht. Es ist der Ursprung, aus dem alles hervorgeht und in einem ersten Schritt von uns als Materie, als ein physikalisches Phänomen wahrgenommen wird. Eine zentrale Eigenschaft scheint ein gewisser Determinismus zu sein, den wir in unserem Dasein entelechisch in Form der verschiedenen Evolutionen erleben, zunächst informativ einer physikalischen Realisierung, dann einer chemischen, einer biologischen und heute einer informativ-digitalen. Wir wissen nicht, ob es in Planeten anderer Galaxien nicht auch andere Formen gibt.
Zurzeit deckt die Stringtheorie die wissenschaftlichen Versuche zum Quantenbereich ab. Sie versucht in einer Theorie alle Naturkräfte zu vereinen. Bisher ist dies nicht gelungen. Man entdeckte u.a. verschiedene Stringtypen, die zu zehn Dimensionen kompaktiziert werden können. Gegenüber dieser Theorie bestehen heftige Widerstände, da sie u.a. als nicht falsifizierbar angesehen wird. Sie ist heute weitgehend ein mathematisches Konstrukt, das zusätzlich von Raumdimensionen ausgeht, die dem menschlichen Wahrnehmungsvermögen nicht zugänglich sind.
Alles Sein besteht aus Energie, für uns begreifbar als „visuelle Teilchen“, kleinste Energiepakete aus denen alles besteht. Wir nehmen sie als Licht (Photonen) war, als Bausteine aller Elemente, Materie, des Lebens und der digitalen Daten und damit auf allen Ebenen der verschiedenen Evolutionsabläufe. Unter bestimmten Umständen können wir sie wahrnehmen. In den Wissenschaften stellen sie nur die elektromagnetischen Kräfte zwischen den Elektronen dar, die weitgehend oft nur als Größen von theoretischen Berechnungen erfasst werden können. Die physikalische Evolution setzte eventuell ein, als die „virtuellen Teilchen“ durch unbekannte Anregungen innerhalb ihrer Quantenbereiche zu realen Teilchen wurden, evtl. z.B. ein Elektron durch die Verbindung mit einem Anti-Elektron.
Das Dasein ist anscheinend ein entelechischer Prozess, in dem eine Ausgangsenergie in Evolutionsstufen einem uns unbekannten Ziel zustrebt. Ausgehend von der physikalischen Entstehung der unbelebten Materie, dann übergehend in chemische Prozesse, entstanden die Voraussetzungen für die organischen Bausteine, die in zunehmend biologischen Abläufen zu unserem heutigen komplexen Dasein auf der Erde geführt haben. Am Anfang gab es wahrscheinlich nur eine Urenergie, die durch uns unbekannte Gesetze den Anstoß zu einer physikalischen Entwicklung erhielt. Immer bildete sie in ihrer Ganzheit ein offenes System, das sich in einem immerwährenden Entwicklungsprozess befand. Zunächst bildete sich Materie, der Grundstoff allen Seins, der sich für uns raumbildend als Masse darstellt. Sie bestimmt über ein Teilchensystem auf einer zuvor als Quants, Quarks und Leptonen höheren Ebene für uns die als Protonen, Neutronen und Elektronen bekannt atomare Welt, aus der alle Materie besteht, die wir dann innerhalb ihrer Bindungs-, Aggregatstufen kennen (fest, flüssig, gasförmig, plasmaartig). Unser heutiges Problem dabei ist, dass wir anscheinend nur 5 % dieser so gebundenen Materie kennen, 95 % entziehen sich als „Dunkle Materie“ (nicht sichtbar, nur über ihre Schwerkraft erkennbar), Antimaterie (entgegengesetzte elektronische Ladung zur normalen Materie) und „Dunkle Energie“ unserer Beobachtung. Für uns wichtig bei dem allen ist, dass alle Teilchen, alle Atome, alle Materie und am Ende auch wir nur reine Energieträger sind, Teile einer hypothetischen Ureinheit.
Was die Ureinheit eigentlich ist, wissen wir nicht. Bereits die griechischen Vorsokratiker versuchten sich Klarheit über diese Ursprünge zu verschaffen. Dabei nannte als Urstoff allen Seins
- Thales das Wasser,
- Anaximenes die Luft,
- Heraklit das Feuer,
- Empedokles vereinte sie dann in seiner Vier-Elementen-Lehre, indem er die drei durch die „Erde“ ergänzte.
Für die drei ersteren entstand alles aus Umwandlungen aus einer Urmaterie, für Empedokles aus einer Vermischung der Urstoffe. Bereits
- Demokrit sah dann die Materie als nicht unbegrenzt teilbar an, sondern aus kleinsten Einheiten bestehend.
- Für Platon wird dann später alles Physische eine Nachbildung von ewigen Ideen. Nach seinem Höhengleichnis können wir davon nur deren Schatten wahrnehmen.
- Für Aristoteles wird dann alles zur Form und dem Geformtwerden, dem Allgemeinen und der Materie. Bei der Materie erkennt er einen hierarchischen Aufbau vom Einfachen zum Komplexen, eine Entwicklung von einem Urstoff, der „materia prima“ zur „materia secunda“ und diese dann weiter zu komplexen Formen. Die Materie ist für ihn das durch eine Form Bestimmbare. Heute sehen wir als Materie alles das an, was wir beobachten können. Für viele Menschen ist dies zu eng und sie setzen dem als Setzung etwas Unbeobachtbares entgegen, etwas von ihr unabhängig Existierende, die Existenz des Geistigen. Aus dieser Position heraus ist, hat sich unser heutiges Leib-Seele-Problem entwickelt. Während die Anhänger des Materialismus alles Sein als deterministisch ansehen, als eine fortwährend sich aufbauende Entwicklung aus dem Vorangegangenen, sehen die Dualisten neben der Materie den Geist als etwas von ihr Unabhängiges. Das eine ist eine moderne westliche Religionsform, eine Setzung, die zugleich noch dem Menschen in der Natur eine besondere Position einräumt.
Der physikalischen Evolution folgte die chemische, die Entwicklung der Elemente aus Atomen, den Grundstoffen der Materie. In einem Periodensystem kennen wir 118 Elemente (92 natürliche), die nach der Anzahl ihrer Protonen geordnet werden. Man geht davon aus, dass die ersten beim sogenannten „Urknall“ entstanden sind. Das waren zu ca. 75 % Wasserstoff und zu ca. 25 % Helium (und geringe Mengen Lithium und Beryllium). Die schwereren Elemente sollen dann durch Kernreaktionen entstanden sein, bzw. später durch das Einfangen von Neutronen. Auf der Erde gibt es natürlich 80 stabile und 14 radioaktive Elemente. 17 von ihnen gehören zu den Nichtmetallen, von denen sieben unter Normalbedingungen Moleküle bilden. Fünf von ihnen sind gasförmig: Wasserstoff (H2), Stickstoff (N2), Sauerstoff (02), Fluor (F2) und Chlor (Cl2). Die Verteilung dieser Elemente auf der Erde unterscheidet sich von der auf anderen Planeten, weil deren Schwerefeld z.B. Wasserstoff nicht festhalten kann. Auf ihr überwiegen schwere Elemente wie Sauerstoff, Silicium und Eisen.
Wenn Elemente mit anderen Elementen Verbindungen eingehen, entstehen chemische Verbindungen, z.B. Wasser (H2O) aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom. Wenn aus anorganischen Stoffen und aus organischen Stoffen Verbindungen entstehen, entsteht Leben wie einst im „Urschlamm“ der Erde. Die ersten nachgewiesenen Lebewesen (Prokaryoten) kennt man aus der Zeit vor 3,465 Mrd. Jahren. Kennzeichnend für ihre Strukturbildung waren wahrscheinlich unbekannte Katalysatoren und chirale Umstellungen von Molekülen (z.B. der Aminosäuren). Die Auslöser können einst chemische Gegebenheiten in/an heißen Quellen am Meeresboden gewesen sein. Man weiß es nicht. Man geht davon aus, dass unter den Umweltbedingungen vor 4,5 bis 3,5 Mrd. Jahren ihre Entstehung in drei Schritten erfolgte:
- Die Entstehung einfacher organischer Moleküle aus vorhandenen organischen Stoffen.
- Die Entstehung von Grundbaustoffen aus diesen Molekülen.
- Die Entstehung von komplexen Molekülen.
Aus Letzteren ist dann in einem schmalen Bereich alles Leben auf der Erde hervorgegangen. Auf anderen Planeten kann die Evolution völlig anders verlaufen sein. Sollten eines Tages von diesen ein Raumschiff mit völlig anders gearteten Aliens auf die Erde kommen, würden diese feststellen, dass hier alles unter einander verwandt ist, alles Leben den gleichen genetischen Code besitzt, hier drei DNA-Basen eine Aminosäure bilden und mit der RNA-Base zusammen 64 verschiedene biologische Informationseinheiten (Codons) entstehen lassen können. Diese Informationseinheiten bilden dann unsere Gene und diese, verschieden zusammengesetzt, uns verschiedene Lebewesen. Dabei unterscheiden wir uns wahrscheinlich kaum von den uns umgebenden Pflanzen und Tieren: Das Erbgut
- der Schimpansen stimmt zu 98,7 % mit dem des Menschen überein,
- der Orang-Utans zu 97 %,
- fast aller Säugetiere zu 90 % (z.B. dem der Katzen und Mäuse),
- der Kartoffeln und der Bananen zu ca. 50 %.
Was einst der Auslöser für diesen Prozess war, wissen wir nicht. Diskutiert wird, dass die Ausgangsvoraussetzungen mit Meteoriten auf die Erde gelangt sind (bakterienähnliche Lebensformen). Andere sagen, dass es die früheren Verhältnisse hier auf der Erde gewesen sind. Die Voraussetzungen dafür waren das Vorhandensein von Wasser und von Energiequellen. In einem evolutionären Prozess „verbesserten“ sich die verschiedenen Moleküle und dann die Zellen. Aus Praezellen entwickelten sich in mehreren Schritten die Vorläuferzellen, vielleicht zunächst durch die Bildung von schützenden Hüllen, die sich allmählich stabilisierten und dann zu Zellwänden wurden. Zuerst entstanden Praezellen-populationen (Bakteria) und dann in vielen Schritten Archaea und danach Eukarya. Andere Hypotheken gehen u.a. von der RNA (Rebonukleinsäure) aus, die sich in der DNA dann stabilisierte. Die Voraussetzungen dafür wären mehrere Gegebenheiten gewesen, wie z.B. eine Teilchenbewegung in thermischen Bereichen. Letztlich weiß man nicht, wie das Leben entstand, bzw. wie es auf die Erde kam. Es gibt verschiedene Erklärungsversuche, die wahrscheinlich alle einen realen Ansatz gefunden haben, aber keine übergeordnete Sichtweise, in die sie alle eingeordnet werden können.
Was ist Leben? Es gibt dafür keine allgemeingültige Erklärung. Man behilft sich deshalb mit der Nennung einer Reihe von Kriterien, die in den verschiedenen Wissenschaftszweigen jeweils anders aussehen. In der Biologie gibt es zurzeit dafür keine übergeordnete Theorie, wie sie in der Physik und der Chemie bestehen (Quantentheorie). 1999 stellte Noam Lahov 48 verschiedene Definitionen von bekannten Wissenschaftlern dafür zusammen: u.a.
- Schrödinger (1943, Physiker): Lebewesen sind Muster von wohlgeordneten Molekülen, die in ihrer Umgebung eine größere Unordnung erzeugen.
- Maturana und Varela (1974, Biologen): Nach ihnen ist Leben die Selbsterschaffung und Selbsterhaltung eines Systems. „Lebende Organismen sind Netzwerke von Prozessen, die in abgegrenzten Einheiten aktiv sind und die in der Lage sind, mehr von sich selbst zu produzieren und sich selbst zu erhalten“.
- Yoyce (1995, Chemiker, NASA): „Leben ist ein sich selbst erhaltendes chemisches System, welches die Fähigkeit zur Darwinschen Evolution besitzt“.
- Kaufman (1996, Informatiker): „Leben ist ein zu erwartendes, kollektives Vermögen katalytischer Polymere zur Selbstorganisation“.
Kennzeichnend für das Leben im Alltagsverständnis sind:
- der Aufbau aus kleinsten Zelleinheiten,
- die symbiotische Existenz mit einer Fülle von Kleinlebewesen,
- die Reaktionsfähigkeit auf Umweltreize,
- ein Stoffwechsel, die Nahrungsaufnahme für ihre Energiegewinnung,
- eine Informationsverarbeitung in neuronalen Systemen,
- die Fortpflanzung, die Fähigkeit sich zu vermehren und ihre genetischen Informationen weiterzugeben.
Eventuell alles dies zur Vorbereitung einer entelechisch angelegten vierten Evolutionsstufe.
Wir selber sehen Leben im menschlichen Bereich als
- einen Prozess der physischen und psychischen Entwicklung,
- Existenzsicherung durch eine Energiezufuhr,
- gesellschaftliche Teilhabe (weil der Mensch primär ein Gemeinschaftswesen ist),
- Sinnsuchende, d.h. als Orientierungssuchende in einem naturentfremdeten Dasein.
Dabei wird es weitgehend von unserer Arbeit, unserer physischen und psychischen Gesundheit und unseren Selbstwertgefühlen bestimmt, die wir in unserer westlichen Kultur weitgehend in unserer Freiheit, Individualität und Selbstverwirklichung auszuleben versuchen, letztlich Formen des Egoismus, oft der maßlosen Bedürfnisbefriedigung. Gewachsen sind sie ideologisch aus zwei Quellen, der altgriechischen Stoa und dem altjüdischen Exzeptionalismus, der die Stellung des Menschen über die Natur vertrat („Macht euch die Erde untertan“). Sie vereinigten sich im Christentum und bestimmten dann die westliche Kultur. Über die Renaissance, die Reformation, Aufklärung reiften sie zur tragenden europäischen Ideologie. Über den Existentialismus und den Feminismus erhielten sie dann ihre heutige Ausprägung und wurden als Menschenrechte sogar in der UN-Charta festgeschrieben. Ihren großen Anklang finden sie wegen ihrer unterstützenden Funktion der Selbstwertgefühle, der eigenen Instinkte und der eigenen ideologischen Ausrichtung. Ihr Problem ist, dass bei all ihren positiven Aspekten deren negativen Setzungen bewusstseinsmäßig verdrängt werden. Der Mensch ist nicht der Höhepunkt der Natur und steht nicht an deren Spitze. Er ist nur ein Teil von ihr, in der er nur als deren Mitglied auf der Erde einen Platz einnimmt. Und zweitens, all seine Rechte sollten ideologisch an ein begrenzendes Gegengewicht gebunden sein, und das ist die „Verantwortung“,
- die Verantwortung seiner Umwelt gegenüber, besonders der Natur,
- die Verantwortung seiner Art und seinen Gemeinschaften gegenüber,
- die Verantwortung sich selbst gegenüber, die ihn u.a. zur Begrenzung seiner Dopaminausschüttungen rät.
Jedes Gefühl der Freiheit sollte an ein Gebot der Verantwortung gebunden sein. Dann erhalten all seine Egoismen ein anderes Gewicht und nur dann ist die Erhaltung seiner Art gesamtenergetisch vielleicht sinnvoll. Wir wissen es nicht.
In einer Gesamtheit, in der alles gegenseitig von einander abhängig ist, ist es müßig, seine eigene Bedeutung hervorzuheben. Es gibt sie nicht, ohne jeweils auch das andere Sein. Den Menschen mit all seinen Besonderheiten gibt es ohne seine symbiotischen Milliarden Kleinlebewesen auf und in ihm nicht. Er ist eine symbiotische Existenz, und was bei ihm anders ist, das ist in unserem Kulturkreis seine Anmaßung. Alles Leben auf der Erde hat die gleichen Vorfahren und die gleiche DNA. Jede Existenz ist ein Stoffwechselsystem, das nur über seinen Kontakt zu seiner Umwelt bestehen kann. Von dort erhält es seine Energie, um sich selbst zu erhalten und sich zu reproduzieren. In jeder Existenz wiederholen sich Phasen der Evolution, und sie haben in jedem Leben ihre jeweils höchste Organisationsform erreicht. Im Leben verwirklichen sich entelechische Ziele der universalen Energie über ihre spezifische Stofflichkeit. Mit der Entstehung der ersten Zellen entstand in der chemischen Evolution die Komplexität, die stofflich die Phase eines Lebens erfordert und aus der sich dann die biologische Evolution entwickelte. Unser einzelnes Dasein beginnt mit der Vereinigung zweier haploider Geschlechtszellen und endet mit unserem Tod.
Wir wissen nicht, ob es auf anderen Planeten Leben gibt. Vieles spricht dafür, das überall im Universum zwischen der freien Energie und der Materie, den Ergebnissen der physikalischen Evolution die gleichen Bedingungen bestehen, dass aber auf anderen Planeten sich dieses aus anderen chemischen Stoffen zusammensetzt. Innerhalb jeder Evolutionsstufe sammeln sich so viele Informationseinheiten, dass darüber in eine nächste gewechselt werden kann, so einst von der physikalischen in die chemische, dann von der chemischen in die biologische, d.h., die in unserer Existenz und nun von der biologischen zur digitalen, einer universellen Informationsaufbereitung, die nun auf technologischer, einfachster Weise alle Informationen des Seins erfasst. Während in der biologischen Evolution die Informationen noch über elektrische Impulse der Neuronen weitergeleitet wurden, erfolgt dies digital nun allein technologisch über die elektronische Weitergabe einfachster Werte. Es zeichnet sich ab, dass darüber all unser Wissen zusammengefasst und unser gesamtes Dasein darüber eines Tages gesteuert wird. Noch gibt es anthropogene Bereiche, die sich dagegen wehren, doch sind dies wahrscheinlich nur noch hilflose Rückzugsgefechte.
Wir Menschen haben für die Zukunft nur die Chance uns auf unsere tatsächliche Zugehörigkeit zurückzubesinnen, d.h. zu unserer Zugehörigkeit zur Natur. Es ist bekannt, dass im Umfeld indigener Gesellschaften dies oft weitgehend der Fall ist und dass es dort psychisch den Menschen und der Natur in ihrer Ganzheit besser geht. Wir sind dabei durch unsere kulturellen Setzungen unsere gesamten existentiellen Lebensbedingungen zu zerstören, unser Klima, unser biologisches Umfeld und über die Mikroplastik sogar uns selber. Wir haben unsere bestehenden Werte in unserer Kultur so tief verinnerlicht, dass wir geistig auf den Gedanken, dass wir uns auf dem Weg zu eine anderen Existenzform befinden, zu einem Avatar-Dasein, gar nicht kommen.
Zurzeit überrollen unsere westlichen Ideologien die Orientierungskonzepte der anderen Völker. Für deren Schwächung werden von Interessengruppen Milliardenbeträge eingesetzt. Am deutlichsten kann man dies bei feministischen Konzepten sehen, nach denen die Frauen anderer Völker nur die Sklavinnen ihrer dortigen Männer sein sollen. Die anderen Kulturen werden als solche gar nicht gesehen. Auch dort bestimmt eine stärkere Frau jeweils das Geschehen in ihren Familien. Vielleicht ist unser Problem, dass wir mit unserem weitgehenden Verlust unserer Fähigkeit zur Transparenz in unseren Gehirnen große Gefühlsbereiche ausgeblendet haben. Unsere Reduzierung auf unsere Rationalität und unsere persönliche Dopaminförderung bedeutet letztlich eine Selbstreduzierung, und wir sehen gar nicht mehr das Dasein, das uns täglich in seinem Reichtum umgibt. Wir wissen inzwischen unglaublich viel über unglaublich viele Dinge. Millionen Wissenschaftler arbeiten täglich daran, es zu erweitern. Dabei kennen wir nur einen Bruchteil der auf der Erde existierenden Lebewesen, beginnen langsam zu begreifen, dass auch sie eine Orientierungs- und Gefühlswelt besitzen, dass ihre Intelligenz eventuell nur eine andere ist. Da viele Tiere sehr viel bessere Wahrnehmungsfähigkeiten als wir Menschen besitzen, wird inzwischen nicht mehr bestritten. Unsere Paradigmen, in denen wir leben, passen wir weitgehend nur unseren Bedürfnissen an. Das selbst Pflanzen wahrscheinlich als Art auch eine einzelne Persönlichkeit besitzen, nehmen wir allmählich zur Kenntnis. Sie können untereinander kommunizieren. Dabei nutzen sie die physikalischen und chemischen Gesetzmäßigkeiten nur anders als wir Menschen. Evtl. besitzen sie sogar die kreative Fähigkeit Probleme zu lösen. Genau genommen wissen wir zu wenig über sie. Gesichert ist bekannt, dass sie empfinden können, Schmerzen spüren und evtl. sogar ein Selbstbewusstsein haben. Ihren Albinoabkömmlingen gegenüber verhalten sie sich sozial, indem ihre Nachbarn diese ernähren. Selbst wenn wir all dieses Neuwissen verdrängen, müssen wir akzeptieren, dass wir ohne sie nicht leben können. Erst sie schaffen für uns über die Fotosynthese die notwendige Energie und den notwendigen Sauerstoff für unsere Existenz.
Für unser Dasein ist es positiv, wenn wir akzeptieren, dass wir nicht nur ein Mitglied der Natur, sondern dass wir ein Teil von dieser sind. Über die Natur sind wir ein Teil des Universums, ein Teil seiner Energie, wenn auch nur ein winziger. Wenn wir in die Weite eines klaren Sternenhimmels blicken, überkommt uns vielleicht das Gefühl, wie unbedeutend wir sind, während wir für uns zugleich das Zentrum des Seins darstellen. Wir allein sind zunächst für uns bedeutsam und allein für uns tragen wir die Verantwortung für unser Tun, für unsere Transmitterbewegungen (Hormonsteuerungen), die Aufnahme und Abgabe der uns umgebenden Energie.
In unserem blinden Gefühl unserer Bedeutung stellen wir uns über die Natur. Über allem steht das vom Menschen Geschaffene, unsere Kultur in unserer Zivilisation, das verselbständigte Geistige in und um uns. Selbst die von uns geformte Umgebung wird zu einer Kulturlandschaft, in der viele dort einst heimische Arten nicht mehr leben können. Unsere Zivilisation bedeutet dann eine Verarmung der Natur, die Abnahme ihrer Diversität. Wir begegnen auf unserem Weg vielen Schmetterlinge nicht mehr, die uns dort einst immer begleiteten. Rebhühner und Kiebitze gibt es dort schon lange nicht mehr. Und unsere Enkel, die sie nie kennengelernt haben, vermissen sie auch nicht. Nicht der Schutz der Natur bestimmt unsere Existenz, sondern die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Energie und die überall erkennbaren Folgen unserer Eingriffe in sie, ihre bedrohenden Veränderungen in der Atmosphäre mit ihren Klimafolgen, die Veränderungen unserer Atemluft, des Wassers und Bodens. Mit ihren Veränderungen ändern wir auch unsere Nahrungsmittel, nehmen zunehmend Fremdstoffe in uns auf und verändern uns selber darüber physisch und psychisch. Über unsere neuen kulturellen Setzungen hinsichtlich unserer Vervollkommnung in Hinblick auf modische Körperideale und einen gewünschten Stoffwechsel verlassen wir unser altes evolutionäres biologisches Sein und werden zunehmend zu Ergebnissen unserer Entwürfe, zunächst nur in Einzelbereichen, dann aber zu einem vollständigen Avatar, angepasst an die Erfordernisse der digitalen Evolution. Mit dem allgemeinen von der Menschheit eingeleiteten massenhaften Artensterben wird auch er als Art nach seinen eigenen Eingriffen in sein Genom seinen Nachfolgern seinen Platz räumen. Noch ist dies nur eine drohende Vision, die so nicht kommen muss, die aber so kommen kann, wenn wir nicht anfangen, unsere vielen Fehlentscheidungen zu revidieren und wieder zu unseren Wurzeln zurückkehren, d.h. zu einem Bewusstsein selber nur Natur zu sein, nur ein Teil ihrer Gemeinschaft zu sein und uns wieder in diese Gemeinschaft einordnen. Für den westlichen Menschen dürfte eine solche Umkehr sehr schwer fallen.
Wissenschaftlich gesehen, ist die Natur in ihrer Gesamtheit ein einziger in sich geschlossener Körper, dem wir weitgehend nur wertorientiert gegenüberstehen. Unser Verständnis ihr gegenüber wird weitgehend von unseren Setzungen bestimmt:
- Rational über unsere Wissenschaften, über die wir ihre Zusammensetzung und Gesetzmäßigkeiten zu erkunden versuchen.
- Emotional über unsere Bedürfniswelt, in der wir unseren fehlenden Kontakt als Mangel empfinden, einen erfolgten als eine heilende Kraft und generell als Zugang zur Transzendenz.
- Ästhetisch als Schwingungsebene in uns, die wir bei entsprechenden Befähigungen zum Ausdruck bringen können.
- Religiös als das Geheimnisvolle, das wir je nach unseren Bedürfnissen mit symbolischen Setzungen belegen können.
- Ethisch als Antwortbereich unserer jeweiligen Kulturen, zurzeit in unserer Gesellschaft weitgehend von der ökologischen Bewegung bestimmt.
- als das Nutzbare, aus dem wir unsere Energien, Rohstoffe und Bausteine für unsere Zivilisation beziehen.
- als das Dynamische, sich selbst regulierende System, das sich außerhalb der menschlichen Eingriffe befindet.
Für uns bedeutet die Natur in erster Linie Leben und damit den Inhalt unseres Daseins. Wir verbinden damit in unserer westlichen Kultur hauptsächlich alle Aspekte unserer persönlichen Identität und alles, was sie fördernd stützt im Bereich unserer physischen und psychischen Gesundheit. Ein zentraler Orientierungspunkt ist dabei jeweils unser persönliches Glück, d.h. die Aktivierung unseres Hormonhaushaltes und dies kann bereits je nach verinnerlichter Wertwelt in den verschiedenen Kulturen sehr verschieden sein. Das Glücksverständnis in Nepal ist ein anderes als das an deutschen Schulen gelehrte. Das Glück in Nepal ist religiös hauptsächlich im Sozialen und in der Natur angelegt, das deutsche dagegen eher als eine individuelle Stärke.
Bei all unserem Exzeptionalismus, unserer Überzeugung, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist, sehen wir nicht, dass das Geschehen auf der Erde weitgehend von Bakterien bestimmt wird, sie sogar über unser Mikrobiom unser Denken und Fühlen bestimmen. Noch wissen wir über diese Zusammenhänge sehr wenig und der Tatbestand widerspricht stark unseren Selbstwertgefühlen. Die Bakterien haben das Leben auf der Erde von ihren Anfängen bestimmt. Bereits während der anaeroben Zeit vor 3,5 Mrd. Jahren als es auf der Erde noch keinen Sauerstoff gab, lebten ihre Urahnen. Sie waren die Vorfahren aller nachkommenden Arten und die Auslöser der biologischen Evolution. Vielleicht entstanden sie in den damaligen hydrothermalen Schloten der Ozeane. Zu ihren ersten Nachkommen gehörten die Cyanobakterien, die sich durch besondere Eigenschaften auszeichneten. Ein Teil von ihnen konnte
- photosynthetisch leben, d.h. Sauerstoff an die Umwelt abgeben. Damit begann einneuer Abschnitt der biologischen Evolution auf der Erde. Eine Folge davon war zunächst die Große Sauerstoffkatastrophe vor ca. 2,4 Mrd. Jahren (viele der damals existierenden Arten starben. Der Sauerstoff wirkte auf die bisher anaeroben Lebewesen wie ein Gift). Diesem Artensterben folgte wahrscheinlich der erste biologische Evolutionsschub. Mit dem Sauerstoff in der Atmosphäre begann eine neue Geschichte des Lebens auf der Erde.
- Kohlenstoff und Stickstoff binden,
- sich bewegen,
- kollektive Kolonien bilden.
Heute leben auf der Erde wahrscheinlich 100 Mrd. (100 .000 Millionen) Bakterienarten, von denen nur ca. 20.000 wissenschaftlich beschrieben sind. Man schätzt auf dem Körper eines jeden Menschen etwa 10.000 verschiedene Arten, von insgesamt etwa 38 Mrd. (38.000 Millionen).
- Im Darm allein sollen es ca. 1000 verschiedene Arten sein (davon ca. 40 dominant),
- in der Mundhöhle mehr als 700 Arten, insgesamt 10 Milliarden,
- auf der Haut über 4.700 Arten.
Wahrscheinlich befinden sie sich mit allen unseren Körperorganen in einer Symbiose. Oft hat man sie hier nur noch nicht entdeckt, so z.B. im Gehirn. Man schließt dort wegen der gefundenen Stoffwechselprodukte auf ihre Existenz. Bakterien (unser Mikrobiom)
- bestimmen über den Darm weitgehend unseren Stoffwechsel. Sie machen unsere Nahrung körpergerecht und erzeugen lebenswichtige Vitamine,
- beeinflussen unser Immunsystem, indem sie Krankheitserreger abwehren.
- steuern weitgehend unsere Gehirnabläufe, indem sie über die Produktion von Neurotransmittern (u.a. Serotonin) darauf Einfluss nehmen,
- beeinflussen das Altern.
Wir wissen gar nicht, wie abhängig jeder von uns von ihnen ist. Selbst jede Zelle in uns steht in einer symbiotischen Einheit mit ihnen. Ohne ihre in sie integrierten Bakterien wären sie nicht existenzfähig. Irgendwann in der Urzeit ging sie mit ihnen eine Symbiose ein, die bis heute besteht und erblich hauptsächlich über unsere Mütter an uns weitergegeben wird. So haben die Mitochondrien in unseren Zellen noch heute ihr eigenes Erbgut und ihre eigenen Ribosomen. Sie steuern alle lebenswichtigen Prozesse in uns, indem sie für unsere Energiegewinnung aus unseren Nährstoffen zuständig sind. Sie sind so klein, dass in jeder Zelle von uns Hunderte bis Tausende von ihnen enthalten sind. Wir wären ohne sie nicht lebensfähig, wie auch sie es alleine nicht wären.
Nach der Großen Sauerstoffkatastrophe hat es immer wieder große Artensterben auf der Erde gegeben. Immer folgten ihnen dann große Evolutionssprünge, zu deren Ergebnissen wir selber heute noch zählen. Ihre Ursachen waren extreme Naturkatastrophen wie globale Eiszeiten, extreme Vulkanausbrüche und Asteroideneinschläge. Die bekanntesten unter ihnen sind die fünf großen Massensterben auf der Erde, in denen jeweils bis zu 90 % aller Arten umkamen:
- Ordovizium-Massensterben (vor ca. 445 Mio. Jahren durch eine globale Abkühlung; wahrscheinlich durch eine Vereisung des Südpols). Eine große Artenvielfalt gab es nur im Wasser. Ca. 85 % aller Arten starben.
- Devon-Massensterben (Durch das Kellwasser-Ereignis vor ca. 372 Mio.Jahren und das Hangenberg-Ereignis vor 359 Mio. Jahren). Für beide wird ein extremer Vulkanismus vermutet. Es starben bis zu 75 % aller Arten. In der Evolution endete die Zeit der Panzerfische und die der Knochenfische und der Wirbeltiere begann.
- Perm-Trias-Sterben (vor ca. 252 Mio. Jahren). Die Auslöser waren gewaltige Vulkanausbrüche („Sibirische Trapp“), die zu einer extremen Erderwärmung führten. 7 Mio. qkm der Erde wurden von Flutbasalt überdeckt, die Meere versauerten. Mehr als 90 % der marinen und 70 % der Erdbewohner starben. Die Lebensformen brauchten etwa 15 Mio. Jahre, um sich wieder von dieser Katastrophe zu erholen.
- Trias-Jura-Sterben (vor ca. 201 Mio. Jahren): Der Superkontinent Pangaea zerfällt. 600.000 Jahre besteht ein extremer Flutbasalt-Vulkanismus. Ca. 80 % der Arten sterben. Danach beginnt die Zeit der Saurier.
- Kreide-Paläogen-Sterben (vor 66 Mio. Jahren): Wechsel der Erdgeschichte von ihrem Mittelalter zu ihrer Neuzeit. Ein gewaltiger Asteroideneinschlag (Durchmesser 14 km, Krater 180 km) vor der Küste Mexikos brachte die Erde aus ihren bisherigen Gleichgewichten. Der entstandene Staub raubte das Sonnenlicht für Monate. Die Photosynthese der Pflanzen brach zusammen. Ca.75 % aller Arten starben, unter ihnen die Saurier. Danach begann in der Evolution die Zeit der Säuger, nur kleine unter ihnen hatten überlebt.
Zu diesen „großen Fünf“ kommen in Abständen von mehreren 10 Mio. Jahren immer wieder weitere Massensterben hinzu. Als Ursache dafür werden Klimaveränderungen, nachfolgende Faunenumschwünge und danach Artensterben vermutet. So z.B.
- Eozän-Oligozän-Übergang (vor ca. 33 Mio. Jahren): Die wahrscheinliche Ursache waren plattentektonische Veränderungen und nachfolgende Umorientierungen der Meeresströme und des Klimas. Eine Eiszeit setzte ein. In der Folge starben u.a. 60 % der damaligen Säugetiergattungen.
- Pliozän-Pleistozän-Übergang (vor ca. 2,6 Mio. Jahren): Durch die Verengung der Landenge von Panama entstanden in der Nordhalbkugel gewaltige Eisbildungen. Die afrikanischen Waldlandschaften wurden zu offenen Savannen. Damit begann in der Evolution die Entwicklung der Gattung Mensch (Homo). Viele Pflanzen und Tiere überlebten diese Situation nicht, nur die an die große Kälte angepasste Tiere (u.a. die Mammuts).
- Jungpleistozän (vor ca. 50.000 -12.000 Jahren, der jüngste Eiszeitabschnitt; der Übergang zu unserer heutigen Warmzeit, dem Holozän): Starke zyklische Schwankungen zwischen Kalt- und Warmzeiten. An ihrem Ende starben die Mammuts, Säbelzahntiger und Wollnashörner. Die Ursache dafür ist unbekannt. Der anatomisch moderne Mensch (Homo sapiens) breitete sich, von Afrika kommend, aus. Er kreuzte sich dabei mit den anderen Menschenrassen, die nach und nach in einem gemeinsamen Stammbaum aufgingen, beziehungsweise ausstarben (z.B. der Neandertaler). Schaffung einer beginnenden parallelen kulturellen Welt durch ihn (Höhlenmalerei, Skulpturen, Totenkult).
Immer folgte den verschiedenen Artensterben große Evolutionssprünge. Das Sterben von Arten scheint wie das der Individuen ein Aspekt der entelechischen Entwicklung des Universums zu sein, so es überhaupt ein entsprechendes Ziel gibt. Wir wissen es nicht. Mit dem Ende der Eiszeit machte die zivilisatorische Entwicklung der Menschheit einen gewaltigen Sprung.
- Sie machte sich sesshaft, begann einen Ackerbau und eine Viehzucht zu betreiben und damit zunehmend die Natur nach ihren Bedürfnissen umzugestalten.
- Nutzte sozial zunehmend Energie über ihren persönlichen Bedarf hinaus. Vor ca. 200 Jahren erreichte diese Entwicklung mit ihrer umfangreichen Industrialisierung der gesellschaftlichen Welt einen ersten Höhepunkt. Die Orientierungswelt erfuhr zunehmend eine radikale rationale Ausrichtung und damit aber auch eine zunehmende Entfremdung und Entfernung von der Natur. Die in der Antike angefangene Mathematisierung des Daseins erreichte dann im 20ten Jahrhundert einen zweiten Höhepunkt, die der Energie informationsmäßig bis zu ihrer Quantifizierung folgte. Man lernte die Informationen zu digitalisieren. Und mit einer zunehmenden Schnelligkeit verselbständigte sich diese Entwicklung zu einer eigenen daseinsbestimmenden Energieform, vielleicht einer vierten Evolutionsstufe, für die der historische Mensch vielleicht nur eine auslösende Übergangserscheinung war.
- Kennzeichnend für den heutigen Menschen ist, dass er zurzeit dabei ist, das sechste Große Massensterben auf der Erde auszulösen. Täglich sterben unwiederbringlich unzählige Arten, sowohl Pflanzen wie auch Tiere. Andererseits besteht unser heutiges Leben weitgehend nur noch in unseren Orientierungsversuchen als Schutz vor Krankheiten und der Ausdehnung des Alterns. Da dessen Vorgaben weitgehend modischen Setzungen folgen, sind sie zunehmend auch Optimierungen auf dem Weg zu einem Avatar-Dasein und damit zu einer Partnerschaft mit einer digitalen Quantenwelt. Einerseits wollen wir dies nicht, andererseits bekämpft unsere westliche Gesellschaft in vielen existentiellen Bereichen eine Naturnähe. So z.B. der Feminismus, der den Menschen nicht mehr als ein Sexualwesen sieht, das er biologisch primär ist, sondern als ein auf eine abstrakte kulturelle Setzung sich selbst verwirklichendes Individuum. Jedes Kompliment gilt in dieser Welt bereits als eine böse sexistische Anmache. Dabei sind alle seine Inhalte nur kulturelle Setzungen, die einmal verinnerlicht, das psychische Verhalten der an sie Glaubenden bestimmen.
Wir wissen in unserer heutigen westlichen Welt nicht mehr, was eigentlich ein richtiges naturnahes Verhalten ist. Einerseits vereinsamen wir in ihr zunehmend, obwohl der Mensch von seiner Natur her ein Sozialwesen ist und es von ihm eine Überzahl gibt. Die heutige Realität ist: In dem Wartezimmer eines Arztes befinden sich 15 Stühle, auf denen je ein Patient sitzt, der auf sein Handy starrt (das es vor 20 Jahren noch gar nicht gab und das heute unsere gesamte Gesellschaft beherrscht). Wir sind schleichend zu seinen Sklaven geworden. Es raubt uns nicht nur Lebenszeit, sondern beherrscht weitgehend unser gesamtes Dasein, und wir merken es kaum noch. Symbolisch steht dafür unser Abschied von unserer einstigen bürgerlichen Bücherwand. Heute vermitteln Bildschirme in Sekunden digital uns das gesamte Wissen der Menschheit. Dieser Abschied kennzeichnet endgültig das Ende des anthropogenen Zeitalters und den Beginn des neuen digitalen in unseren Wohnstuben. Als diejenigen, die in dieser Übergangszeit leben, wollen wir diese Hinweise nur nicht wahrhaben. Es führt wahrscheinlich kein rettender Weg an der neuen Zeit vorbei. Wir können ihn nicht aufhalten.
Alles Dasein scheint eine in Bewegung sich befindende Energie zu sein. Schrödinger verstand das Leben als ihre regelmäßige Zuführung im Sinne einer „negativen Entropie“. Zu seinen physikalischen Aspekten kommen bei ihren fortgeschrittenen Entwicklungen chemische und biologische hinzu. Letztere bestimmen heute unsere Orientierungssetzungen, die sich allerdings von ihrem biologischen Hintergrund kulturell entfernt haben. Unser heutiges Dasein wird bewusstseinsmäßig weitgehend von unseren verinnerlichten Orientierungs-setzungen bestimmt, deren Hintergrund nicht mehr naturnah sind, sondern zunehmend naturfremden, vielleicht sogar kranken Setzungen folgen. Ideologisch wird unsere Haltung gegenüber der Natur in ihrem Hintergrund weitgehend von der Evolutionstheorie bestimmt und damit von vielen in sie hineinwirkenden Faktoren, die für einen außen stehenden Betrachter oft nur einen Zufallscharakter haben, aber als Möglichkeit trotzdem immer gegeben sind. Noch weiß man nicht, welche Kräfte letztlich bei der Evolution entscheidend sind. Wahrscheinlich sind es kleine Störungen im Genbereich, die durch ihre jeweilige Integrationsfähigkeit dann zu neuen Varianten führen.
Wahrscheinlich können wir uns nicht wertfrei, d.h. nicht unter Einbeziehung unserer Wertvorstellungen mit dem Dasein, dem Leben und der Natur beschäftigen. Immer bestimmen sie unsere Beziehungen zu unserer Umwelt. Die Natur kann für uns
- ein ästhetischer Gegenstand sein. Als solcher ist sie für uns auch die Brücke, der Inhalt zu unserem transzendenten Erleben, das wir in unserer Kultur aber weitgehend verlernt haben. Gleichzeitig kann es für uns einen symbolischen Charakter besitzen (z.B. der Kranichflug als Hinweis auf den Frühling oder den kommenden Winter) und emotional als kultureller Anreger in den verschiedenen künstlerischen Disziplinen.
- ein Nutzgegenstand sein. Wir beziehen alle unsere existentiell notwendige Energie aus ihr, sei es z.B. in der Landwirtschaft, dem Bergbau oder in der Nutzung ihrer Kräfte.
- ein Gegenstand der Wissenschaften sein. Zu ihr wird dann alles Sein gezählt und versucht, aus ihr alle unsere Orientierungsinhalte durch unsere Beobachtungen aus ihr abzuleiten.
- ein integrativer Teil von uns selber sein. Wir sind ein Teil von ihr und beziehen unsere Existenz auf sie.
- einen Gesundheitsaspekt haben. Durch einen Kontaktmangel zu ihr können wir erkranken, bzw. durch eine Kontaktsuche gesunden (z.B. im „Waldbaden“).
- einen religiösen Bezug besitzen. Wir können in sie, besonderes in ihre Kräfte, viele Inhalte hineininterpretieren. Traditionell ist sie deshalb von hierher der vielleicht wichtigste Bereich für unsere Fantasien und Setzungen.
Zurzeit gibt es sechs Bereiche, in denen wir die Natur übermäßig belasten und die dadurch auch unsere Existenz, unser Dasein bedrohen. Da ist/sind
- unsere Belastungen der Erdatmosphäre und damit unseres Klimas,
- unser übermäßiger Energie- und Rohstoffbedarf,
- unsere zahlenmäßige Zunahme auf demnächst über 10 Milliarden Menschen,
- unsere Vernichtung, bzw. Verdrängung der anderen Arten und damit die Zerstörung der bisher austarierten biologischen Diversität,
- die Verschmutzung des Wassers, des Bodens und der Luft, unserer Existenzhinter-gründe.
- die Einleitung naturfremder, nicht abbaubarer Substanzen in die Natur und in unsere Körper.
Indem wir die bisherige Vielfalt in der Natur zerstören, zerstören wir auch unsere eigenen Existenzgrundlagen, auf die wir in unserer Evolution ausgerichtet worden sind. Wir sind nur ein Teil einer bisher entstandenen Lebensgemeinschaft. Wir zerstören ihre genetische Vielfalt, die ihrer Lebensräume und auch die ihrer Arten. Allein zwischen 1970 – 2020 nahm die Populationsgröße der einst vorhandenen Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien und Fische um 73 % ab (Living Planet Index). Die Gründe dafür waren u.a.:
- die Erhöhung der Kohlenstoffkonzentration in der Atmosphäre und damit als Folge Klimaveränderungen,
- Veränderungen in der Landnutzung,
- Belastung der Gewässer durch Stickstoff, Abwässer und Fäkalien,
- eingeschleppte invasive Arten.
Natürliche Standorte bilden immer Lebensgemeinschaften. Wenn wir in sie eingreifen, zerstören wir die dort gewachsene Vielfalt. Es verschwinden dann zunächst einzelne Arten und dann bricht eher oder später deren ganze Vielfalt zusammen. Dies ist der Hintergrund, weshalb wir Menschen als Schuldige für das aktuelle (sechste) Große Massensterben verantwortlich gemacht werden.
- Die Zahl der Fluginsekten ist in den letzten 4o Jahren (vor 2026) um mehr als 75 % zurückgegangen (eine Folge davon ist u.a.: unsere Hausschwalben finden für ihre Jungen keine Nahrung mehr). Viele unserer insektenfressenden, früher häufigen Vögel, Eidechsen und Frösche sehen wir deshalb immer seltener oder gar nicht mehr.
- Die Zahl unserer bisherigen Wirbeltiere ist in den letzten Jahren weltweit um 60 % zurückgegangen (in Süd- und Mittelamerika um 90 %).
- Jährlich sollen hundertmal mehr Wirbeltiere sterben, als dies normalerweise ohne Einfluss des Menschen der Fall wäre.
- Allein 2018 waren 27.000 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht (97.000 standen auf der roten Liste). (nach Publikationen des Bio Diversum Göttingen).
Die Artenvielfalt auf der Erde ist für uns wichtig, weil
- Insekten unsere wichtigsten Pflanzenbestäuber sind, auch die der Pflanzen, die uns existentiell mit Energie versorgen. Sie bestäuben etwa 75 % aller unserer Nutzpflanzen. Ihr wirtschaftlicher Wert beträgt global ca. 1000 Milliarden
(= 1000.000 Millionen) Dollar im Jahr, in Deutschland ca. 3,8 Milliarden Euro. - viele Insekten unsere tierischen und pflanzlichen Abfallstoffe abbauen. Allein in den USA beträgt der Wert der Tätigkeit der dortigen Mistkäfer jährlich ca. 380 Milliarden Dollar.
- sie die Klimaerwärmung bremst: Artenreiche Wälder speichern mehr Kohlenstoff als Monokulturen (artenreich je ha ca. 32 Tonnen, Monokulturen ca. 12). Artenreiche Wiesen liefern den Bodentieren und Bodenpilzen mehr Nährstoffe als artenarme. Es wird dann mehr Kohlenstoff und Stickstoff gespeichert. Flach- und Tiefwurzler können die Bodennährstoffe besser nutzen. Die Pflanzenvielfalt beeinflusst die Diversität der dort lebenden Tierwelt positiv.
- die Monokulturen der Landwirtschaft führen zu niedrigeren Erträgen. Um dem entgegenzuwirken, wird kräftig gedüngt, was wiederum das Bodenleben und unser Trinkwasser belastet.
- eine biologische Diversität die genetische Vielfalt in der Natur sichert. Dadurch werden die Pflanzen u.a. weniger krankheitsanfällig.
Das Problem von uns Kulturmenschen ist, dass wir durch unsere zivilisatorischen Tätigkeiten nicht nur die Naturräume zerstören, für die wir uns in unserer Evolution entwickelt haben, sondern auch die der anderen Arten, auf die wir existentiell angewiesen sind. Tatsächliche Hilfen bieten uns in dieser Situation wahrscheinlich nur zwei Möglichkeiten:
- Einmal eine Rückbesinnung auf unsere biologische Herkunft und damit eine möglichst weite Abkehr von allen Maßnahmen, die sie bedrohen. In der Praxis würde dies bedeuten, ein Zurückrudern unserer Bedürfniswelt, ein möglichst umfangreiches Erhalten von Naturräumen und eine Einschränkung aller klimaschädlichen Verhaltensweisen.
- Oder eine physische Optimierung des historischen Menschen mit chemischen Mitteln und technischen Implantaten, den Weg zu einem Avatar zu beschreiten. Der existentielle Partner, auf den man sich dann ausrichtet, wäre dann nicht mehr die Natur, sondern die KI.
Wir sind auf dem besten Weg, die zweite Möglichkeit zu treffen. Nur wollen wir das wirklich? Nach einem Verdrängen einer naturnahen Gefühlswelt aus den Transmitterwegen unserer Gehirne dürfen wir den Naturverlust kaum noch vermissen (so wie wir heute unsere Befähigung zur Transzendenz bereits weitgehend verloren haben). Unsere Fortpflanzung werden körperschonend und geschlechtsfrei technologisch Brutkästen übernehmen. Dumme Komplimente von Männern gegenüber Frauen wird es nicht mehr geben. Eine weitgehend technologisch funktionierende Welt wird den neuen Menschen in sich als Glied integrieren. Wie lange sie ihn dann noch brauchen wird, wissen wir nicht. Wollen wir das wirklich? Oder sind dies nur noch überholte Befürchtungen einer konservativen Person aus einer früheren Zeit.
Unsere Selbstüberschätzung macht uns blind für unsere wahre „Bedeutung“ im Universum. Als Menschheit in unserer Gesamtheit haben wir vielleicht in einem entelechischen Weg einen gewissen Stellenwert, als einzelne Individuen bleiben wir ein unbedeutendes Staubkorn, das sich nur selber für wichtig hält, vielleicht aber in einer funktionalen Existenz für wichtig halten muss, da es zu einer bestimmten Zeit einen bestimmten universellen Raum ausfüllt, der zu dessen anderen Standorten in einer gewissen Beziehung steht.
Aus einigen leblosen Atomen ist einst, richtig zusammengesetzt, Leben entstanden. Jeder Evolutionssprung war wahrscheinlich das Ergebnis einer bestimmten Summe energetischer Anreize (Informationen), um von einer Grundsituation in eine weitere zu gelangen, im menschlichen Verständnis, um aufzusteigen. Solche Schritte könnten gewesen sein,
- die Entwicklung der Energie zu Atomen,
- der Atome zu Molekülen,
- der Moleküle zum Leben (d.h. zu komplexen Molekülgebilden),
- des Lebens zu einer energetischen Informationswelt (d.h. in unserem beschränkten Verständnis, zu einer agierenden Informationswelt, z.B. der KI).
Wir wissen es nicht. Diese Überlegungen folgen nur Auffälligkeiten.
Die Astrobiologin Sara Walker (Arizona State University) beobachtete, das Leben dann entsteht, wenn die Molekülatome ausreichend Anreizen ausgesetzt sind, um sich zu komplexen Gebilden zu entwickeln. Sie beobachtete, dass in mindestens 15 Schritten die Grenze von unbelebter zu belebter Materie überschritten wird (vergleichbar der Phasengrenze des Wassers, wenn sein Aggregatzustand bei null Grad Celsius von flüssig zu fest wechselt). Ihre Erklärung ist tiefgreifender als die der allgemeinen Biologen, für die die biologische Evolution nur ein Ergebnis der Selektion ist, die sich dadurch auszeichnet, dass derjenige sich in seiner Existenz durchsetzt, der die größten Überlebensvorteile besitzt. Es gibt viele Möglichkeiten mit Atomen größere Moleküle zu erhalten. Für die natürlichen Prozesse werden aber nur wenige von den Denkbaren genutzt. Lebensformen anderer Planeten können aus völlig anderen Entstehungsvorgängen hervorgegangen sein.
Wenn wir von der Beobachtung ausgehen, dass alles aus etwas Vorangegangenem hervorgegangen ist und alles Merkmale einer aufsteigenden Entwicklung aufweist, dann stellt sich die Frage, wohin das führen soll? Der Mensch wird darin, wie auf allen seinen bisherigen Stationen auf diesem Weg, wahrscheinlich nur ein unbedeutendes Zwischenglied sein. Wir wissen es nicht. Wenn wir seinen bisherigen Weg verfolgen, dann zeigt sich, dass alles aus seiner Perspektive in gewaltigen zeitlichen Dimensionen erfolgt. Unser grundsätzliches Problem ist, dass wir genau genommen, keine Vorstellung von der Zukunft unserer Zivilisation haben und deshalb auch keinen realistischen Plan für sie. Dabei wird dies nur am Rande ein Plan für unsere unmittelbare Umgebung sein können, sondern muss global die gesamte Menschheit, unserer ganzen Erde im Blick haben. Unser kleinräumiges, kurzfristiges Denken verhindert jede sinnvolle Zukunftsplanung. Und so irrt die Menschheit wahrschein-lich weiter ziellos vor sich hin, begleitet von ihren bisherigen Status- und Hegemonial-bemühungen und einer sie überrollenden Zukunft.
Alles um uns will leben, alles will sein. Wir sind nur kleine Sämlinge verschiedener Atome in diesem Dasein und nur unbedeutende Sandkörner in einem gewaltigen Strom. Zunächst sind wir nur da, einfach nur da, und leiten aus diesem Umstand für unser Dasein das Recht ab, an dieses Ansprüche stellen zu dürfen. Eine sachliche Begründung dafür gibt es nicht. Unsere Zivilisation basiert auf einem gewaltigen Energiekonsum, auf einen Energieverbrauch der zunehmend die Möglichkeiten der Erde übersteigt. Wir sind Teile davon. Dieser und die KI werden am Ende das zukünftige Schicksal der Menschheit bestimmen.